uch von diesem Mädchen
wachte hatte er Kopfschmerzen vom Punsch und mutzte hastig in was Würde F«m Wolf "sagen, trennet c. . 11 rv Cux-4 , t ATtVTAlfr n< TA 1TX Im ff 1*T TT nm £>TITW1Ä innm
Schristleituna: Dr. Sricör. Wilh. Lange. — Druck und Verlag der Drübl'scke» Univ.-BuL- und Steindruckerei, <R. Lange, Gießen,
den La'dM um alles für den am zweiten Januar beginnenden Aus- verkauf bereitzumachen. Es kam eine wilde Zeit, und gegen das Frühjahr wurde sie noch arbeitsreicher. Wolf & Schmidt hatten plötzlich ein neues Herrengeschäft gegründet. Das lag in einer der belebtesten Stratzen und war ebenso vornehm, wie das andere einfach war. Karrel kam vorläufig nicht in dieses große Geschäft. Er mutzte in der dunkeln Straße bleiben und mit alten Röcken weiterhandeln, aber seine Herren sagten ihm, datz sie ihn später, trenn er noch mehr gelernt hätte, dort hineinnehmen wollten. Vie waren mit ihm zufrieden. Es kam ein junger Herr Schmidt aus England, der ihm gleich englische Stunden geben ließ und thm eine Rede hielt, daß er auf demselben Wege bleiben sollte, den er ern- geschlagen hatte. Karrel verstand- ihn nicht recht: natürlich war er ehrlich, und natürlich gab er sich Mühe. Das mutzte man doch, und er hatte es seinen Eltern versprochen. Allmählich erhielt er auch mehr Freiheit, durfte Sonntags spazierengehen, und gelegentlich wurde er in das vornehme Geschäft geschickt, um dies und das
Geld sie doch hatte.
Weiter kam er nicht mit dem Gedanken. Das erste Lehrlingsjahr war vergangen, das zweite und dritte folgte; aus demDauern- tölpel wurde nun allmählich ein Hamburger Kaufmann, wie sie alltäglich in den Straßen zu sehen sind. Er wohnte nicht mehr in dem kleinen, engen Geschäftshaus; der junge Schmidt hatte ihn in sein Herrenbekleidungshaus genommen, er erhielt ein kleines regelmäßiges Gehalt, und wenn er nicht so gebunden gewesen wäre, dann hätte er sehr zufrieden sein können. Aber wenn er einmal an die Elbe kam, dann blieb er doch stehen und sah nach dem andern .User. So nahe war er und konnte doch nicht hinüberkommen. Wolf & Schmidt wollten ihn vorläufig nicht entbehren, und er mutzte sich mit der Aussicht auf bessere Zeiten begnügen. Es war ein Glück, datz er Guschi gelegentlich sah. Der war allerdings nicht so gebunden wie er; er wechselte immer mit den Stellen; manchmal verkaufte er Seidenzeug, dann wieder Hüte; die Prinzipale nahmen ihn gern, weil er so gut mit dem weiblichen Geschlecht umzugehen verstand, aber bald wurde Guschi des Geschäftes überdrüssig und nahm einen andern Platz an. So sagte er wenigstens, und wenn man ihn reden hörte, so wurde er immer ungerecht behandelt. Und immer war er in Geldverlegenheit: einmal konnte der Prinzipal nicht bezahlen, ein andres Wal mußte Guschi Geld an feine Mutter schicken; kurzum, manchmal erschrak Karrel doch, trenn er Guschi sah, und suchte ihm auszuweichen. Aber dann dachte er wieder an sein Heidedorf, und wie er mit Guschi Ball und Kreisel gespielt hatte, und wie der feine Jungs manchmal herablassend gegen ihn gewesen war. Dann ging er ihm doch nach und ließ sich von ihm anpumpen, mit dem festen Gefühl, daß er nie wiedererhielte, was er ihm auch gäbe.
Es kam der Tag, da Karrel sein erstes Kommisgehalt erhielt, zugleich mit einem freundlichen Wort von dem jungen Herrn Schmidt. Das Herrengeschäft ging gut, und er war mit Karrel zufriedon. Sprach davon, ihn nach England zu schicken und vielleicht später nach Paris; die Sprachkenntnisse mußten noch verbessert werden.
Karrel bedankte sich, wie es sich gebührte. Er war in diesen Tagen etwas verstört, weil Guschi ihm zweihundert Mark, seine ersten Ersparnisse, abderlangt hatte. Er sollte sie natürlich in nächster Zeit wiederhaben, aber Karrel hatte noch niemals etwas von Guschi wiedererhalten. Gerade, wie er daran dachte und Herr Schmidt sich schon zu seinem Schreibtisch wandte, nannte er noch einmal Kartells AameN.
„Schulte, was ich noch sagen wollte: Sie verkehren ja mit dem jungen Sebers. Er hat neulich bei Dachs & Storch Geld aus der Kasse genommen. Es soll nichts aus der Geschichte gemacht werden; Storch will den Schaden tragen, aber ich wollte es Ihnen doch sagen. Ich glaube, dieser Gebers ist ein fauler Kunde!"
Langsam ging Karrel aus der Tür. Er konnte es sich nicht denken. Wenn man von guten Eltern herstammte, dann durfte man doch nicht stehlen. Herr Storch war leicht heftig, der mochte sich versehen haben. Guschi, sein kleiner Guschi war wohl ein wenig leichtsinnig, aber das Geld andrer Leute nahm er doch nicht.
*
Karrel war in dieser Zeit so glücklich wie noch nie. Das kam von dem kleinen Fräulein Hellmund, die in demselben Hause mit ihm wohnte, ura> die er manchmal auf das Kontor begleiten durfte, wo sie an der Schreibmaschine arbeitete. Sie war ein blondes Mädchen mit lieben, blauen Augen, und sie stammte ebenfalls von der Heide. Allerdings nicht aus der Lüneburger, sondern von der bei Bremervörde, aber Karrel konnte doch mit ihr von seiner Heimat sprechen, von dem Keinen Dorf, das er immer noch nicht wiedergesehen hatte, von dem großen Moor, auf dem noch heute die Geister umgingen, von den langen Strecken, wo der Ginster blühte und die Erika. Wo die Blaubeeren wuchsen und der Hase durch das Gestrüpp jagte. Karrel wurde lebhaft, wenn er auf seine Heide zu reden kam, und Fräulein Linchen hörte ihm andächtig zu. Im ganzen sprach sie eigentlich lieber über Hüte und Blusen und über das neueste Theaterstück. Hamburg fand sie auch hübscher als die stillen Straßen von Bremervörde, aber wiederum hatte sie Karrel und seine treuherzige Art gern und lietz sich auch zweimal von ihm ins Theater führen. ■
(Fortsetzung folgt.)
$ Es wurde Frühling, ehe Tante Marenka sich wieder um ihn kümmerte. Dann ließ sie ihm sagen, daß er einmal am Sonntag- morgen kommen sollte, und als er kam, da faß sie kümmerlich in ihrem Lehnstuhl und schalt, daß er sich nicht uni sie betununert hätte. Sie hatte Influenza gehabt, und durch ihre Krankheit waren ihre Bücher nicht ordentlich geführt worden. Run sollte Karrel sie in Ordnung bringen. „Sie sagen ja, daß du ehrlich bist! setzte sw fast drohend hinzu, worauf Karrel sich wunderte. Das war doch natürlich, datz er ehrlich war. .
Geduldig setzte er sich an die Bücher, und tote er so still arbeitete, rechnete un& gelegentlich fragte, wurde Tante Marenka etwas freundlicher. Sie beobachtete ihn scharf, und als sie endlich auffland und einen ihrer Schränke öffnete, der von Geldsachen fast überflotz, sah sie ihm forschend- in die Augen, ob er sich auch sehr wunderte. Er tat es nicht. Geschäft war Geschäft: das hatte er schon gelernt, und abgefetzte Röcke brachten auch Gelo ein. Wie er aber weiterrechnete, da merkte er, wie reich seine Tante war, und wenn er Zeit gehabt hätte, würde er sich vielleicht darüber gewundert haben, daß sie in sein Elternhaus nur Blumen aus Stoff und chinesische Fächer schenkte. Aber er dachte nicht weiter darüber nach; gleichmütig arbeitete er weiter, und Marenka schalt über die schlechten Zeiten und bestellte ihn zum nächsten Sonntag wieder. Das ganze Frühjahr hindurch besorgte er ihre Rechnereien, dann wurde sie wieder besser, und als er an einem heißen Waisonntage wiederkam, sagte sie unfreundlich, daß sie ihm Bescheid sagen wollte, wann er wiederkommen dürfte. Sie bedankte sich nicht einmal, und Karrel ärgerte sich ein wenig. Aber es war schönes Wetter, und die Elbe an der er heimwärts ging, lag in verlockendem Blau. Da fuhr er mit einem der späten und daher leeren Dampfer nach Blankenese und zurück und sah sehnsüchtig auf die dunkel schimmernden Berge des hannöverschen Landes. Eigentlich hatte er Anspruch auf acht Tage Urlaub; aber Frau Wolf war nicht wohl und sollte mit ihrem Manne verreisen. Da hatte er versprochen, nach den Kindern zu sehen. ,
Aus dem Dampfschiff von Blankenese traf er Guschi. Er trug einen weißen Sommeranzug, weiße Schuhe und sah so patent aus, daß Karrel gerührt wurde, weil dieser Elegant ihn anredete.
„Sitzt deine Tante noch auf ihrem Geldsack?" fragte er. ilnb als Karrel keine Antwort fand, schalt er auf Tante Marenka: „Geld hat sie wie Heu, und nichts gibt sie ab. Zum Teufel, wenn das meine Tante wäre!"
„Hast du denn Geld nötig?" fragte Karrel.
Der andre lachte hellauf: „Mein Sohn, hast du nichts nötig? Gibt es hier in Hamburg etwas, was man umsonst kaufen könnte?"
„Aber hast du nicht ein ordentliches Gehalt?"
„Richt der Rede teert! Man will doch sein Leben genießen!“ Lind Guschi jammerte dermaßen, daß Karrel ihm zehn Mark anbot, die er bei sich trug, und die er hatte sparen 'wollen. Wolf & Schmidt gaben ihm nämlich seit einem Monat ein kleines Gehalt, und er fühlte sich sehr wohlhabend. Guschi nahm das Geld mit etwas hochmütiger Miene, aber er nahm es doch; dann klopfte er Karrel auf die Schulter, nannte ihn einen braven Kerl und war nach dem Anlegen des Dampfschiffes gleich verschwunden. Karrel freute sich darüber; er hatte sich doch geschämt, ihm nur zehn Mark angeboten zu haben.
Im Sommer sahen er und Guschi sich häufiger. Er selbst trug jetzt einen guten Anzug, und seine Manieren waren besser geworden. Guschi tonnte sich mit ihm sehen lassen. Er sagte es offen: mit Bauernjungen könnte er nicht umgehen; das schadete seinem Kredit. Karrel lachte, wenn er so etwas sagte; er kam sich noch, immer tote ein Bauernjunge vor, und er wollte nichts andres sein; was gingen ihn die vielen geputzten Menschen in Hamburg an, die so ganz anders waren als die Menschen seiner Heimat, von denen er fast alle bei Ramen kannte, und die nicht so gelangweilte finstere Gesichter machten wie die Leute hier? Und was gingen ihn die Mädchen an, in deren Gesellschaft ihn Guschi einmal führte? Lauter geputzte Dämchen mit klaren Blusen, zerrissenen Stiefeln und einem Benehmen, das Karrel nicht verstehen konnte. Eine fragte ihn ob sie ihn besuchen sollte, worauf er hastig ein „Rein!" Hervorstieß. Er hatte jetzt bei Wolfs ein besseres Zimmer, aber
erhielt, die so scharf nach" etwas Sonderbarem roch und die drei Glas Bier in zwei Minuten trinken konnte? Und bann, was sprachen sie? Karrel wurde es heiß um den Kops, er entschuldigte sich sehr bald und ging davon.
Das sei schäbig von ihm, sagte ihm Guschi am andern Tage. Solche Keinen süßen Dinger wollten doch freigehalten werden.,Run hatte Guschi alle Unkosten getragen, und Karrel sollte sie ihm wiedererstatten. Aber Karrel schüttelte zum erstenmal den Kops; dazu hatte er keine Lust, und Guschi ging beleidigt davon.
Der Sommer war heiß, und Tante Marenka ging auf die Heide zu Karrels Eltern. Der Schulmeisterbruder schrieb, datz sie berichtete, wieviel sie für Karrel getan, und datz sie eine Glas- Vase an die Eltern geschenkt habe. Als sie teiederkehrte, war es fast schon Herbst; einmal ließ sie den Reffen holen, damit er ihre Bücher nachsähe, und er dachte wiederum darüber nach, wieviel


