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5>te Felsen liehen nicht rechts und nicht links ausweichen und rohrten sie in einem engen Wege dahin. Nach einer Zeit verloren sie dieselben wieder und konnten sie nicht mehr erblicken. So wie sie unversehens unter sie gekommen waren, kamen sw wieder un­versehens von ihnen. Es war wieder nichts um sie als das Weih, und ringsum war kein unterbrechendes Dunkel zu schauen. Es schien eine große Lichtfülle zu sein, und doch konnte man nicht drei Schritte vor sich sehen; alles war, wenn man so sagen darf, in eine einzige, weihe Finsternis gehüllt, und weil kein Schatten war so war kein Urteil über die Gröhe der Dinge, und die Kinder konnten nicht wissen, ob sie aufwärts oder abwärts gehen wurden bis eine Steilheit ihren Fuh faßte und ihn aufwärts zu gehen zwang.

Mir tun die Augen weh," sagte Sanna.

"Schau nicht auf den Schnee," antwortete der Knabesondem in die Wolken. Mir tun sie schon lange weh; aber es tut nichts ich muh dock aus den Schnee schauen, weil rch auf den Weg zu achten habe. Fürchte dich nur nicht, ich führe dich doch hinunter ins Gschaid."

S^e abigen' wieder fort; aber wie sie auch gehen mochten, wie sie sich auch wenden mochten, es wollte kein Anfang zum chrnab- wärtsgehen kommen. Aii beiden Seiten waren steile Dachlehnen nach ailfwärts. mitten gingen sie fort, aber auch immer aufwärts. Wenn sie den Dachlehnen entrannen und sie nach abwärts beua en, wurde es gleich so steil, daß sie wieder umkehren muhten die Futz- lein stießen oft auf Unebenheiten, und sie muhten häufig Büheln austmnchen.^kten ihr Fuh, wo er tiefer durch den jungen

Schnee einsank, nicht erdigen Boden unter sich empfand, sondern etwas anderes, das Wie alter gefrorener Schnee war; aber sie gingen immer fort, und sie liefen mit Hast und Ausdauer. Wenn sie 'stehenblieben, war alles still, unermeßlich still; wenn sie gin­gen. hörten sie das Rascheln ihrer Fuße, sonst nichts, denn die Hüllen des Himmels sanken ohne Laut hernieder und so reich, daß man den Schnee hätte wachsen sehen können. Siefelber waren so bedeckt, dah sie sich von dem allgemeinen Weih Nicht hervorhoben

Eine Wohltat war es, dah der Schnee so trocken war wie Sand, so dah er von ihren Fühen und den Dundschuhlein und Strümpsen daran leicht abglitt und abrieselte, ohne Ballen und Nässe zu machen.

Endlich gelangten sie wieder zu Gegenständen.

Es waren riesenhaft große, sehr durcheinanderliegende Drum­mer die mit Schnee bedeckt waren, der überall in die Älu.te hmein- Eselte und an die sie sich ebenfalls fast anstiehen, ehe sie sie sahen. Sie gingen ganz hinzu, die Dinge anzublicken.

Es war Eis lauter Eis.

Es Innen Vlatten da, die mit Schnee bedeckt warem an deren beiden Seitenwänden aber das glatte, grünliche Eis sichtbar war, es lagen Dügel da, die wie zusammengefchobener Schaum aussahen, an deren Seiten es aber matt nach einwärts flimmerte und glanzte, als wären Balken und Stangen von Edelsteinen durcheinander ge­worfen worden, es lagen ferner gerundete Kugeln da, die gang mit Schnee umhüllt waren, es standen Platten und widre Körper auch schief und gerade aufwärts, so hoch wie der Kirchturm in Gschaid oder wie Häuser. Sn einigen waren Hohlen emgefreffen, durch die man mit einem Arme durchfahren konnte, nut einem Körper, mit einem ganzen großen Wagen voll Heu. Alle diese Stücke waren zusammen oder emporgedrangt und starrten, so oan sie oft Dächer bildeten oder äleberhänge, über deren Ränder JKt> 6er Schnee herüberlegte und herabgriff wie lange weihe Tatzen. Selbst ein großer, schreckhaft schwarzer Siem, tote etn Haus, lag unter dem Eise und war emvorgestellt, dah er auf der Spitze stand, dah kein Schnee an seinen Seiten liegen bleiben konnte. And nicht dieser Stein allein, noch mehrere und größere staken in dem Eise, die man erst später sah, und die wie eine Trümmermauer an ihm ^"^.Da"'muh recht viel Wasser gewesen fein, weil so viel Eis ist," sagte Sanna. , , . .

Nein, das ist von keinem Wasser," antwortete der Bruder, das" ist das Eis des Berges, das immer oben ist, weil es so ein­gerichtet ist."

Sa. Konrad." sagte Sanna. 2

Wir sind jetzt bis zum Eise gekommen," sagte der Knabe,rott sind auf dem Berge, Sanna, weiht du, den man von unferm Garten aus im Sonnenscheine so weih sieht. Merke gut auf, was ich dtr sagen werde. Erinnerst du dich noch, wie wir oft nachmittags in dem Garten faßen, wie es recht schon war, wie die Bienen um uns summten, die Linden dufteten und die Sonne von dem Htrnmel schien?"

Sa, Konrad, ich erinnere mich." .

Da sahen wir auch den Berg. Wir sahen, tote er so blau war, so blau, wie das sanfte Firmament, wir sahen den Schnee, der oben ist, wenn auch bei uns Sommer war, eine Hitze herrschte und die Getreide reif wurden."

Sa, Konrad." , , .

Unö unten, wo der Schnee aushört, da sieht man allerlei Farben, wenn man genau schaut: grün, blau, weißlich das ist das Gis, das unten nur so klein ausschaut, weil man seht weit entfernt ist und das, wie der Baker sagte, nicht weggeht bis an

das Ende der Welk. Und da habe ich oft gesehen, dah unterhalb des Eises die blaue Farbe noch fortgeht; das werden Steine sein, dachte ich, oder es wird Erde und Weidegrund sein, und dann sangen die Wälder an, die gehen herab und immer weiter herab, man sieht auch allerlei Felsen in ihnen, dann folgen die Wiesen, die schon grün sind, und bann die grünen Laubwälder, und dann kommen unsere Wiesen und Felder, die in dem Tale von Gschaid sind. Siehst du nun, Sanna, weil wir jetzt bei dem Eise sind, so werden wir über die blaue Farbe hinabgehen, bann burch die Wälder, in denen die Felsen sind, bann über die Wiesen, und bann purch die grünen Laubwälder, und dann werden wir in dem Tale von Gschaid sein und recht leicht unser Dorf finden."

Sa, Konrad," sagte das Mädchen.

Die Kinder gingen nun in das Eis hinein, wo es zugäng­lich war.

Sie waren winzigkleine wandelnde Punkte in diesen ungeheu­ren Stücken.

Wie sie so unter die Aeberhange hineinsahen, gleichsam als gäbe ihnen ein Trieb ein, ein Obdach zu suchen, gelangten sie in einen Graben, in einen breiten, tiefgefurchten Graben, der ge­rade aus dem Eise hervorging. Er sah aus wie das Bett eines Stromes, der aber jetzt ausgetrocknet und überall mit frischem Schnee bedeckt war. Wo er aus dem Eise hervorkam..ging er ge­rade unter einem Kellergewölbe heraus, das recht schön aus Eis über ihn gespannt war. Die Kinder gingen in dem Graben fort, und gingen in das Gewölbe hinein, und immer tiefer Hinern. Es war ganz trocken, und unter ihren Füßen hatten sie glattes Eis. Sn der ganzen Höhlung aber war es blau, so blau, wie gar nichts in der Welt ist, viel tiefer und viel schöner blau als das Firma­ment, gleichsam wie himmelblau gefärbtes Glas, durch welches lichter Schein hineinsinkt. Es waren dickere und dünnere Bogen, es hingen Zacken, Spitzen und Troddeln herab, der Gang wäre noch tiefer zurückaegangen, sie wußten nicht tote tief, aber sie gingen nicht mehr weiter. Es wäre auch sehr gut in der Höhle gewesen, es war warm, es fiel fein Schnee, aber es war so schreckhaft blau; die Kinder fürchteten sich und gingen wieder hinaus. Sie gingen eine Weile in dem Graben fort und kletterten bann über seinen Rand hinaus. t _

Sie gingen an dem Eise hin, sofern es möglich war, durch das Getrümmer und zwischen den Platten durchzubringen.

Wir werden jetzt da noch hinübergehen und bann von dem Eise abwärts laufen," sagte Konrad.

Sa, sagte Sanna und klammerte sich an ihn an.

Sie schlugen von dem Eise eine Richtung durch den Schnee ab­wärts ein,' die sie in das Tal führen sollte. Aber sie kamen meßt weit hinab. Ein neuer Strom von Eis, gleichsam ein Riesenhaft aufgetürmter und aufgewölbter Wall lag quer durch den weichen Schnee und griff gleichsam mit Armen rechts und links um sie herum. Unter der weißen Decke, die ihn verhüllte, glimmerte es seitwärts grünlich und bläulich und dunkel und schwarz und selbst gelblich und rötlich heraus. Sie konnten es nun auf weitere Strecken sehen, weil das ungeheure und unermüdliche Schneien sich gemildert hatte und nur mehr tote an gewöhnlichen Schneetagen vom Himmel fiel. Mit dem Starkmute der Unwissenheit feierten sie in das Eis hinein, um den vorgeschobenen Strom desselben zu überschreiten und dann jenseits weiter hinabzukommen. Sie scho­ben sich in die Zwischenräume hinein, sie setzten den Fuß auf jedes Körperstück, das mit einer weißen Schneehaube versehen war, war es Fels oder Eis, sie nahmen die Hände zu Hilfe, krochen, wo sie nicht gehen konnten, und arbeiteten sich mit ihren leichte« Körpern hinauf, bis sie die Stelle des Waldes überwunden hatten und oben waren. (Fortsetzung folgt.)

Hans Thoma.

Don Dr. Neundörfer.

Hans Thoma ist tot. Wenige Wochen, nachdem er fein 85. Lebensjahr vollendet hatte, ist er gestorben. Er war der anerkannte Altmeister deutscher Kunst, an seinem Lebensabend mit Ehrungen überhäuft: Ehrendoktor Meter Fakultäten. Exzellenz, Ritter hoher Orden, sogar des Pour le m-'-rite, Mitglied der Ersten Badischen Ständekammer tm alten Reich. Man kann auch ruhig sagen, er war der be­kannteste Maler des heutigen Deutschland. Seine Bilder, wie derKinderreigen", derGeiger im Mondschein, der Religionsunterricht" sind in Abertausenden von Reproduk­tionen verbreitet, drangen bis ins Nrbeiterhaus und Kranken­anstalten, Kalender und Dolksbücher sind mit Werken seiner Hand geschmückt und als die Universität Heidelberg 1916 ihren im Feld stehenden Dozenten und Studenten einen Weihnachtsgruh übermitteln wollte, wählte sie dazu Bilder von Hans Thoma. Es erscheint uns heute kaum glaublich, dah Thoma sich zu dieser Beachtung in der weitesten Oeffent- lichkeit durchringen muhte, dah seine Frühwerke von der Kritik mit Lärmen und Zischen abgetan wurden, dah das sonn­tägliche Publikum der Kunstvereine sich entrüstete, ja, dah lange Sabre seine Bilder von Ausstellungen einfach zuruck- gewiesen wurden. Dabei hat nicht Thoma sich geändert.