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An der weiten ergreifenden Einsamkeit feines AckerpkanS, an» gegriffen von lenzlicher Luft, doch mit gerötetem Antlitz umfaßte Arbenz sein Besitztum. Wie an labendem Trank zehrte er. Allein nach Minuten so unerhörten Glücks begann ihn das Gefühl der Schwäche mit mehr Wehmut zu erfüllen als in seinem Stübchen. Ms er sich erheben, sein Vorhaben ausführen wollte, unterlag er. Anfähig, sich zum Eingeständnis seiner Schwäche aufzuraffen, stachelte er seine Frau an, zu zeigen, was sie in jahrelangem Beistand von ihm gelernt habe.
So Begann sie ihr Werk, und der Wunsch, ihm eine letzte Freude zu bereiten, begnadete sie.
-Und Arbenz wurde unternehmungslustiger dabei. Seine Schwäche zog Schleier aus Blick uird Blut zurück. Er begann in Gedanken den Schwung des Armes seiner Frau zu lenken, ging förmlich auf in ihrem ©aatgang. So raffte er sich erneut auf. Einen Kranz rings um den Acker, so rief er., müsse sie frei la sie». Wenigstens die Grenzen wolle er am Schluß abschreiten. And wieder nickten feine Begleiterinnen. Auf welche Einfälle dieser Todkranke kam!
Doch er wurde bestimmter in seinen Befehlen, und der Augenblick der Entscheidung zwang die Frauen, ihm vom Fuhrwerk zu Helsen, ihn unter den Armen zu hacken mrd so um sein Feld zu geleiten. Schritt für Schritt, halb getragen, schleppte er sich die Furche entlang, warf er mit schwacher dürrer Hand die Körner rund um den Acker. Wahrend er sein Feld beschenkte, fühlte et Bas Gegengeschenk der Ackerkrume: Ihm war. als vermittle ihm die Berührung mit der Scholle hohen Mut, als dränge durch seine Adern die überschüssige, frühlingsfrohe Gesundheit befreiter Bäche. @r stand, als der letzte Schritt getan war, an seinem Saatfeld in Glück versunken wie ehemals an der Wiege feines Kindes — Daterstolz in leuchtenden Augen, die Hände gefaltet; , in des Dreieinigen Namen werde reif, bringe Frucht."
3n wo hl tuendem Halbschlaf langte Arbenz unter feinem Dach an; er mummelte sich in die Betten und atmete regelmäßig bis in den Morgen hinein. Auf noch leiseren Sohlen als sonst bewegten sich die Angehörigen um sein Lager. Noch besorgter blickten sie sich an.
Mit Aar er en Augen erwachte er, mit klangvollerer Stimme tat er seine Wünsche kund. And obwohl der Acker eine halbe Stunde Weges entfernt lag, sah der Besitzer vom Lager aus in den folgenden Wochen die Saat aufgehen, schön und dicht, und fühlte wohltuend den weichen Boden und atmete den Dust der Halme in einer Zuversicht, die ihm zugleich Besonnenheit genug schenkte, den Körper zu schonen. And er bewunderte die Lerche wie sie, unaufhaltsam, zum Licht stieg als schmetterndes Flöckchen Daseinsfreude.
Leicht wie sie fühlte sich Arbenz; fern Kopf baute und plante, ackerte und heimste ein. Sein Herz ging nicht mehr schwer wie Mühlräder in Hochflut, sondern folgte frohen Sinnen.
So beschwingt, erhob er sich in den Tagen, als die Nachtigall in den Fliederbuschen zu schlagen begann, und atmete im Freien volle Genesung ein. Ihm waren Flügel gewachsen, nicht, um über Wolken zu thronen bei den Abgeschiedenen, sondern um weiter zu ackern und zu rackern, im Schweiße des Angesichts, noch über die Siebzig hinaus, aber zugleich im köstlichen Dienst der Heimaterde, die ihn genährt hatte zu solchem Gang, der Fron und Feier zugleich war.
Die Mockadebrechev»
Marine-Kriegsnovelle von Joachim Ringelnah.
drittes Mehlfaß rollte der Steward zurück, wodurch in dem Stapel von Proviantkisten ein Hohlraum geöffnet wurde. Dann »räng e er flüsternd den langen, bartlosen Mann, der in der Hal« taug eines hilfsbereiten Ratlosen ihm zugeschaut hatte: »Schnell? Ss ist schon einer drin."
» ?ec ^ange warf sich ungeachtet seiner gediegenen Kleidung stracks zu Boden und kroch kopsan in das Loch. Das mußte eben nicht viel Platz bieten, denn als er sich zur Hälfte darin befand, blieb er stecken. Der Steward hörte, wie im Innern der Höhle eine zweistimmige 'Begrüßung in deutscher Sprache stattfand; und da er kein Verständnis für dies Idiom, außerdem Eile hatte, deutete er solches mit der Stiefelspitze auf dem noch sichtbaren Hinterteil des Liegenden an. Ruckweis zogen sich nun auch des Langen Beine in die Oeffnung hinein, welche der Schiffskellner unter- letzten Ermahnungen wieder mit den schweren Fässern verrammelte. Die Ankerlaterne vom Boden aufhebend, leuchtete er noch einmal baö Proviantlager und dessen fensterlose Sisenwände und Schotten ab. fand nichts Verräterisches und begab sich schmunzelnd eine iteuer empor, durch eine Luke an Deck des norwegischen Dampfers, P6,1, am nächsten Tage Barcelona verlassen sollte, und über dem W dis feuchte Abendluft des 24. Januars 1915 taute.
3n der Dunkelheit unter einer doppelten Kistenschicht hockte mm der lange Seemann, die Knie bis ans Kinn eingezogen und Schultei: an Schulter mit einem Fremden, der ebenfalls seine Deine nicht auszustrecken vermochte, der sich ebenfalls schlechtweg al« deutscher Matrose vorgestellt und auch die Absicht hatte, sich nach Genua zu schmuggeln. Dieser Mann redete anfangs nur auf Be- fragen bann knapp sachlich und ziemlich ungemütlich, was sich aber mäghcbertoeife dem Amstand zuschrieb, daß die Anterhaltung im Flüstertöne bleiben mußte.
»Wurden auch Sie vom ZoMe-amten bemerkt^
.Ja, aber den wird der Steward bestochen haben
.Morgen Mittag soll es in See gehen. Wieviel wir» er tat- fen <
.Sechs, sieben Meilen. Mehr schaffen diese lütten Fischklepper
„Bueno, Kamerad, dann können wir schon nüchste Woche deutsche Soldaten sein."
Der fremde Matrose erwiderte nichts.
„Wo, meinen Sie, daß man uns hinsteckt? Ich wünsche mich auf ein Ist-Boot, irgendwohin, wo es aufs Ganze geht. O, Deutsch, land wird siegen! Wissen Sie, wofür ich verdammt zehn Jahre meines Lebens hingeben wollte? Einmal als Sieger über den Trafalgar Square zu bummeln. Glauben Sie nicht auch, daß wir flegen werden?"
«Ich weiß nicht."
, Fin nüchterner Mensch! dachte der lange Matrose, und er stellte taH danach ein. „Teufel, das stinkt hier wie tausend Rattenkadaverl Kommt das aus der Bilsch?"
„Klippfisch," brummte der andere wegwerfend.
„Der Kasten scheint voll zu fein; die Luken waren dicht. Am Ende nimmt er noch Deckslast. Wenn sie nur nicht morgen das ochiss noch einmal Überholen. Ich bin schon zweimal von diesen vermaledeiien französischen Geheimspionen verscheucht"
Der Stumme gähnte langatmig und dehnte sich. in die Breite wobei er dem Langen versehentlich mit den Ellbogen in die Zähne schlug. Aber er sagte nichts.
„Haften Sie sich schon lange in Barcelona aus?" „Sechs Wochen. „Sie musterten hier ab?" „Nein, in Lissabon." „Llohd?" „Hapagst „Bon der Westküste. . .?" „Südamerika. Ja." „And reisten per Dahn?" „Erst nach Madrid, dann nach Bilbao und nach hier." „Warum nicht gleich direkt?" „Es waren zu viel Deutsche dort; man ließ uns nicht hinein. Erst mit der Zeit In kleinen«Trupps schob man uns nach, wenn wieder andere fort toaren. „3a, ja, sie strömen alle herbei, für die Heimat zu kämp- tau. — Wann weilten Sie zuletzt in Deutschland?" „Dor drei Jahren. Drei Jahren? Denken Sie: ich bin seit sieben Jahren fort. — Ob uns die Franzosen unterwegs anhalten werden?"
weiß nicht."
„Indolent!" stieß der Lange geärgert hervor; doch war er überzeugt, daß der andere das Wort nicht verstünde. Er beschloß, fortan gleichfalls stumm zu sein. .
So erflarben die Worte in dem geheimen Gelaß, und dafür lebten mancherlei traumwebende Geräusche der Ruhe auf; der vhn- zornige Wellenschlag an der Bordwand, das Nagen einer Maus, zuweilen ein Seufzer, auch ein Kleiderrauschen und Füße- scharren, wenn der eine oder andere von den Matrosen seine ßaae zu verändern trachtete. “
Da füllte sich das auf die Knie gepreßte Ohr des Langen mit einem feinen Klingen, dem Summen eines Moskitos oder jenem Tone ähnlich, der entsteht, wenn man mit feuchtem Finger auf dem geschlissenen Rande eines wenig gefüllten Weinglases kreist.
Mein Ohr klingt, konstatierte der Lange in Gedanken, es denkt jemand an mich.. Wahrscheinlich sogar mehrere . . . alle . . . selbst D«fter. And da das Klingen weiter währte, lauschte der Lange ihm aufmeicksamst, zu ergründen, wo es wohl herrührte, und was es für eine Bedeutung hätte.
Klingt es nicht wie ein vielfach gedämpfter Schrei? Ernst und gleichsam warnend? Zei . . . eit! — Olein, doch irgendein Ruf mit l muß es sein, der ausdrückt: Besinne dich! Die -Seit eilt und kehrt nie — nie ... ie — wieder. <
Die sieben Jahre kehren nie wieder. Arm und einsam verrannen sie, überreich an Glück und Liebe formten sie sein. Er ist! doch etwas ungemein Vornehmes an uns, dieser Trotz, auf das Ausgesprochene. — Vielleicht klingt in dieser Minute auch Vaters Ohr.--Anser Trotz wird nicht gebrochen sein, wenn wir
uns wieder in die Arme fallen; er wird von beiden Seiten zurück- gezogen, um einer höheren Aufgabe willen.--Eilen sie doch
alle, für ihr Blut, für ihr Vaterland einzustehen, auch die, welche die Heimat vergessen wollten oder sie hassen lernten.--Auch
ich werde für alle kämpfen, auch für die Brüder und ebenso für meinen Vater, sogar um die Erde, die Muttern deckt.--Mein
(Sott, sich vvrzustellen, daß Vater von reuiger Rückkehr sprechen ober an Vorwand — Krieg denken könnte--nein! Ein deutscher
Edelmami und Kaiser und Reich in Gefahr--. Ich will meinen
Schuldteil tilgen, ihn mit Blut abwaschen, und es spreche keiner von romantischer Wahnidee, von falscher Sentimentalität, Phrase oder Pofe. — O großes Jahr, da in der Welt das Theatralische zur alltäglichen Wirklichkeit geworden ist! — Zwischen Feuer und Wasser will ich kämpfen, immer dort, wo die Gefahr gipfelt, allen voran, und nur mit dem Kreuz das geliebte Haus wieder betreten.
Gott gebe, daß sie mich nicht für dienstuntauglich erklären.--*
Die blinden Passagiere stöhnten und gähnten immer häufiger, und da sie doch zu sehr aufeinander angewiesen waren, um sich gegenseitig zu ignorieren, so lehnte schließlich der Lange seine recht« Wange gegen die Brust des andern und ruhte ein wenig in dieser Abwechslung aus, bis ihn die linke Hüfte schmerzte. Dann wech- selten sie die Rollen. Nicht Licht noch Dämmerung kündeten nach einer Ewigkeit den Morgen, sondern ein Konzert aus Poltern, Rufen und schweren Tritten, das durch öifei- und Holzwänüe


