teben treten in feinen Aufzeichnungen vor uns hin, für Daus- ud . -Feldbau, SchiffaHrt, Handel und Gewerbe hat Hentz ein offenes I Auge, Somit haben seine Schilderungen in hohem Matze tultur» I geschichtliches Interesse. Aber er beobachtet nicht nur, er den.t auf feinen Wanderungen auch fortwährend nach. Politik und Religion interessieren ihn sehr lebhaft, die Ergebnisse le.neä 'Nachdenkens sind mit den Schilderungen seines Wanderlebens verwoben. 3m Jahre 1801 gelangt der vierundzwanzi i jähiiqe Mann nach Weimar und wird dort als Buchbindrrmcister setz- hast. Als Meister setzt er die Beschäftigung mit der Poldi. und der Religion fort, 1832 wird er Stadtverordnete, 1810 Landtags- abgevrdneter. Fortwährend war er schriftstellerisch tätig. 185b beschloß er sein tätiges Leben. Seine Firma besteht heute nach, das Geschäft wurde später sehr erweitert und wird heute von dem Urenkel geleitet. _ ic. . _

Wer sich für die Geschichte des deutschen Burgerstandes interessiert, wird nach diesem, Büchlein greifen, es ist unterhaltend und belehrend zu gleicher Zeit. H- -»

Eine Reise Lurch DeuLschlanL im Anfang des 17. Jahrhunderts.

Graf Beugt Bengtsson Oxenstierna aus Dem berühmten schwedischen Geschlecht berichtet über seine Reise durch Deutschland, die er als Sechzehnjähriger begon­nen hatte und die 51/2 Jahre währte. Das wertvolle Tage­buch über seine großen Reisen durch Len Orient war Jahr­hunderte lang verloren, bis es Sven Hedin geglückt rst. Len Deutschland betreffenden Teil wider Erwarten iie Darmstadt zu entdecken. Einen interessanten Ausschnitt aus dem Tagebuch entnehmen wir mit Erlaubnis des Ver­lags Brockhaus dem neuesten Werke von Sven Hedin, Verweh e Spuren. Orlen führten des Reise-Bengt und an­derer Reisenden im 17. Jahrhundert". (Geh. G.-Z. 11.0, geb. geb G--Z. 15,0. Brockhaus, Leipzig), das die interessanten Reiseerlebnisse des schwedischen Grafen schildert, der feine Studienjahre in Deutschland verlebt hatte. Jeder Freund der Werke Hedins begrüßt diese neue Schöpfung Les be­rühmten Forschers, zumal Las Buch durch seine reiche Aus­stattung mit seltenen, interessanten Abbildungen von Leut-« scheu und orientalischen Städten >md Personen ausgezeich­net ist. Auch jeden Freund von Memoirenwrrken und von Erzählungen aus alter Zeit wird das Werk aufs höchste be­friedigen.

Deutschland ist ein großes Land voll von mächtigen Fürsten- thümern. Trotzen mächtigen Städten, schönen Häusern, reichen und vielen Menschen, und .Ueberflutz von allem was Menschen zum Lebensunterhalt brauchen, einige Städte sind frei geworden von den Diensten, die sie dem Römischen Reiche zu thun hatten, einige haben ihre Freiheit mit geld gekauft und einige haben sich ihre Freiheit mit eigenem Vermögen und Macht angematzt. Ihre Re­gierung ist Aristocraticus, aber unter ihrem Rath und Magistrat ist ein großer Unterschied, die ganze deutsche Ration recognoscieret den Römischen Kaiser als ihr Haupt und Vorgesetzten und wird er von Sieben Churfürsten gewählet welches sind die Erzbischöfe von Meinh, Trier und von Eöln, diese drei sind für den Geist­lichen Staat, der Pfal'graff, von Taxen und Markgraff von Brandeburg, diese drei sind für den Weltlichen Staat, der siebente ist der König von Böhmen aber er zieht kein Votum oder Stimme zu einer Kaiserwahl wenn nicht dreie von ihnen auf der einen und dreie auf der anderen Seite zusammen halten, so stimmet, er zu einem von beiden Teilen und trennet sie. 3n Deutschland giebt es mehrere Religionen doch zumeist Ewangelischr Ealuinische und Papistische. Es giebt viele Schiffbare Flüsse, wie z. B. Donaw, Rhein, Mein, Elffwan, Reckar und andere, auch viele Springende . Wasser und Quellen, und einige Warme bäder und Sauerbrunnen, welche sehr heilsam sind.

Anno 1607 den 10. Augusts reifete ich aus Schweden und be­stieg das Schiff in den Ostgvtischen Schären bei Rörkvpinq und kam nach Tramynde (Travemünde. D. Red), welches der Einlauf für Lübeck ist. das ist ein kleiner Flecken oder Stadt und hat ein Keines Blockhaus von Holz gebaut mit einigen kleinen Stücken darauf, von da nach Lübeck, welches eine Kaiserliche freie Reichs­stadt ist von Ewangelischer Religion, und Aristokratischer Regie­rung, ist wohl befestiget mit Wällen Gräben und Mauern, ist Mächtig und reich, treibt großen Handel, hat Grotze und Schöne kirchen, insonderheit ist der Dom.eine Große schöne Kirche bann stehet S:tae Mariae Bild kunstreich und wohl in Marmel! aus­gehauen, da ist auch in der Stadt ein großer Thurm darein Wasser auS fce*- Traffwe geführt und unter der erden in die Stadt geleitet wird, so daß in einigen Häusern Brunnen und Wasserkünste sind. In Linser Lieben Frauen Kirche ist ein Llhrwerck welches alle stunden und halben stunden mit Harmonia von Glocken einen Psalm finget, auf selbigem Llhrwerck sieht man auch den ganzen Himmelslauf, die Stadt ist die vornehmlichste unter den Hanse­städten.

Von Lübeck nach Möllen, ist eine kleine Stadt und ist unter Lübeck, dort liegt ällspegell begraben, von hier nach Lünebvrg ist

ehre schöne befestigte Stadt ziemlich groß, da ist eine starke hohe Festung, so sie den Kalckberg nennen, auch ein vornehmliches Salz- Werk und in einer kirche ist eine Güldene Tafel, von hier nach HWesheim das ist ein Bischofssitz und gehöret dem Herzoge von Brunswick zu, dort hängt eine silberne Glocke in einem Kirch- thurm. Sodann auch nach Ccissell, dort hält Land Graff Moritz von Hessen Hof, ist eine schöne Stadt nicht sonderlich groß, von hier nach ©ißenba blieb ich Drei Vierteljahr, dort ist eine Ewan- gelifche Academia, ist auch ein kleines fürstliches Haus und die Stadt ist wohl befestiget, gehöret dem Landt Grast Ludwick von Darmstadt zu, von da nach Marpurg ist eine Ealuinische Academia, gehöret Land Graff Moritz von Castell zu, liegt auf einem hohen Berge, zog wiederum nach Gießen, vorr Metzen auch nach Fridberg, welches eine Stadt ist aber nicht befestiget. Dori, ist eine große breite Straße mitten durch die Stadt, und auf beiden feiten stattliche Wirthshauser, da der Reisende wohl traktieret wird dort wohnen auch einige Inden in der Stadt, von da auch nach FranckefurtamMeinist drei m eilen, welches eine berühmte große Stadt ist, sowohl wegen ihrer Mächtigkeit als auch Wege« der zwei Jahrmärkte (in welchen der ganze Europäische handel con- currieret) die alljährlich abgehalten werden, der eine vor Ostern, der andere um Michaelis, auch wird dort die Kaiserwahl abgehal­ten, sie liegt an dem Flusse Mein, ist etwas befestiget, ist auch Ewangelischer religion, hat viele schöne Kircher» und Häuser, in­sonderheit den Römmer welcher das Gewölbe ist, da die Kaufleute ihre vornehmsten Buden haben, es giebt auch viele Juden, die haben ihre eigene Straße, von da auch wieder nach Gieße n, von Gießen und Wetzlar, welches eine freie Stadt ist, ist halb Gwangelisch und halb Papistisch, liegt auf einem Berge, nach dem Warmen Bade, Weißbad benannt, ist eine kleine Stadt, da springet siedent heißes Wasser aus der erbe und ist so heiß, daß man ein Huhn darin abbrühen kann, das Wasser wird durch Rinnen in viele Häuser der Stadt geführet, welche mit Fleiß dafür gebaut sind mit kleinen Dämmen, wo sie beide, Männer und Frauen­zimmer, baden können, wenn sie das Wasser in die Dämme laufen lassen so muß es drei Tage stehen und Abkühlen ehe man darin baden kann. Von hier auch nach Swalback welches ein großes Dorf oder Flecken ist, liegt in einem lustigen Thale berühmt für das ©auerbrunnenteaffer, welches da ist. sehr heilsam für allerlei Ge­hrest ; das Wasser springt aus der Erden und ist die Erde recht rot und das Wasser ist so kalt tote Eis daß man es kaum im munde halten kann, wenn man es erst aus dem Keller nimmt, dieses Wasser trinkt man nüchtern und dann muß man sich warm gehen. Bon Swalback zog ich nach Meintz, welches eine Chur- fürstliche und Erzbischöfliche Residenz ist, eine alte mittelmäßig große Stadt, nicht sonderlich fest, dort ist ein schönes Schloß und ein großer schöner Garten, welcher samt der Stadt direkt am Mein­st rvm liegt, hat viele schöne Kirchen und Klöster die ganze Stadt ist Papistifch, da ist auch ein schönes Jesuviter Collegium, darin ist eine gewaltig große Bibliothek, in ihren Kirchen haben sie viele Heiligtümer die sie den Leuten mit großen Ceremonien zeigen, von da zog ich nach Franckefurt am Wein und so wieder nach Gießen und Cassell, vorr Cassel! auch nach Brunsswick, das ist eine große Stadt sehr bevölkert und viele Handtwerker, ist wohl befestiget mit Torn, Gräben, Bollwerken, Wällen und Mauern, hat viele große schöne Kirchen und Märkte, ist belegen in einer (großen Ebene, in der Stadt sind viele Brücken und ein Fluß durchziehet sie der heißt Onacer. Don Brunsswick nach Suneborg, Möllen, Lünebvrg und Lübeck wieder, von da nach Hamborg, wel­ches eine großmächtige Handelstadt ist und sehr bevölkert, liegt an der Glffwe, ist trefflich wohl befestiget mit mauern, wällen, graben und Bollwercken, hat große Seefahrt in der Westsee. hat etliche schöne Kirchen und schöne Lusthäuser und garten, außen vor der wtadt. Bon Hamborg wieder nach Lübeck und nach Wißmar wel­ches dem Herzog von Meckelbvrg zugehvret hat einen schönen Hafen, da ist normale großer Handel gewesen, aber jetzt ist fast keiner, von da auch nach Rostock welches eine mittelmäßig große Stadt ist und ist dort eine Academia. Sie wird fast wie eine freie Stadt regieret, ausgenommen einige Rechte so der Herzog von Meckel- borg sich Vorbehalten hat, die Stadt ist berühmt für das Bier das dort gebraust und in andre Länder ausgesühret wird. Don da ging ich nach Güstrow ist eine fürstlich Meckelburgische Hoffhaltung und ist eine kleine schöne Stadt und ein schönes Schloß, von da nach Waren ist eine kleine Stadt, und so na<f> Franckefurt an der Ober, «ist eine lustige Stadt liegt an dem Flusse Oder, welcher sehr fisch­reich ist und da wüchset auch ziemlich guter Landwein, da ist ein schönes Gymnasium ober .Uniuerfitct, diese Stadt ist Ewangelisch und gehöret dem Churfürsten von Brandeburg zu, von da auch nach Breslaw Hauptstadt in dem Fürstenthum Slesingrn, welches eine große mächtige Stadt und wohl gebauet und der Fluß Oder läuft hindurch, liegt lustig hat schöne Häuser, und Kirchen unh vornehme bürg (?) und wird insgemein die Polnische Sprach« geredet, die meisten haben Etoangelische religion, von da nach Aeijtz ist eine alte schöne Stadt, ist meistens P-apistisch und hält Ertzherzvg Carl! seine Bischöfliche residentz dort, von da auch nach Trvppa ist eine Heine Stadt und gehöret dem Kaiser zu, von da auch nach Cracaw in Pvln.

S'chrMeiiuna: Dr, Frieör, Wilh. Lange. Druck und Verlag der BrM'fche« Aniv -BuL- und Steindrnckerek, R, Lanae, Gieße«.