Ausgabe 
12.1.1924
 
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Meter Ausstellung, die ihrer aller Kind ist, das man mit dem tztolz des Vaters liebt. Eine Musikkapelle konzertiert vor der Halle. Der Landeshauptmann und der Präsident des Ausstellungs» Vorstandes richten markige Worte an die Menge, die sich nun Kops an Kopf in musterhafter Ordnung vor der Halle staut. Dann verschließt man als symbolischen Akt das Eingangstvr. Die Lichter erlöschen und mit Fackelbegleitung steigen die Veranstalter dre Treppen hinab. Die Gvtenburger Jubiläumsausstellung ist ge­schlossen. Die schwedische Nationalhymne beendet die Feier. Em stark besuchtes festliches Bankett, das bis in die frühen Morgen­stunden des anderen Tages währt, folgte.

Mair denkt in diesen Tagen fast mehr als daheim an Deutsch­land, wenn man sie hier im Aorden ohne ATangÄ mit jener Selbstverstäirdlichkeit des Genietzens leben sieht, an die auch wrr uns heute noch aus der Zeit vor dem Kriege erinnern. Em Deut­scher. der des Morgens eine richtige schwedische Zroiosj mit Grütze, ®ieni Fleisch, Fisch, Sahnenkaffee und Weißbrot zu sich ge- nonlm'en hat, ist satt bis zum Abend. Der Magen arbeitet nicht mehr im Friedenstakt. Das Weißbrot mutet wie Kuchen an ^ch ftn.be in meinem Koffer noch eine Stulle, die ich mir als Weg» zchruna aus Deutschland mitgenommen habe. Sie ist von dunkler Farbe und trocken geworden. Aber ich bringe eS nicht ubers Herz, sie fortzuwerfen. Es fällt schwer, sie m dem Lande des milchweißen Brotes zu essen. Aber ich zwinge mich dazu; es ist das Brot meiner Heimat ....

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Am Götaelf entlang führt mich der Schnellzug nach Aorden, Felsblöcke. die sich zu Felsenhügeln aufblahen, umsäumen den Wiesengrund des Dales. Der Herbst hat seine Farben ausgebreitet. Das Gelb der Birken mischt sich unter das dunkle Grün der Lannen. 3n den Zweigen der Ebereschen glühen die Korallen» fruchte. Bote oder ockergelbe Häuschen, kleine Fabriken beleben die Lindschaft. Auf manchen Feldern ist eben erst der Hafer ab» geerntet worden. Es ist oft schwer mit der Reife im Aorden.

Es beginnt zu dunkeln, als wir die Wälder von Ed passieren. Dann geht es über die norwegische Grenze. Pah- und Zoll­revision eine höfliche Förmlichkeit, findet ohne Aufenthalt rm Zuge statt Als ich das Fenster öffne, rauscht irgendwo in der Aach! ein Wasserfall. Der Geruch frischen Tannenholzes weht herein Wir sind in Aorwegen. In einen hellen Aebel elektrisch^! Lichtes gehüllt, fliegen Frederikshald und Scarpsborg vorbei. Eme gute Stunde vor Mitternacht sind wir in Kristiania.

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Kristiania hat sich in den letzten Jahren in seinem^ Zentrum wenig verändert. Es ist noch' heute die lebenslustige Stadt wie vor bem Kriege. Eine natürliche Gesundheit adelt hier das Lachen. Es ist eine Freude, die fröhlichen Menschen auf der Earl- Johans-Gade promenieren zu sehen. Auch einige Derbheiten am Abend nimmt man gern in Kauf, da sie fern von jeher Ent­artung sind. Aur das will mir nicht recht in den Sinn, daß die Avrweger ihr Kristiania schon in Bälde in Oslo umtaufen wollen. Die Absicht hat zweifellos ihre geschichtliche Begründung, ,3m Mittelalter lag hier als eine Gründung Haralds des Gewaltigen eine kleine Stadt mit Aamen Oslo, der Christian IV. von Däne­mark beim Wiederaufbau nach einem Brande den Aamen Kri­stiania gab Trotzdem scheint mir die älmbenenmmg heute etwas gewaltsam. Aber ich denke, die Avrweger werden sich später in Oslo ebenso Wohl fühlen wie heute in Kristiania.

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Bor dem Aativnaltheater in Kristiania stehen Stephan Sin» Vings vielumstrittene Büsten von Ibsen und Björnsvn. Ihre lite­rarische Bedeutung gehört der Geschichte an. Björnsons Sohn, Björn Björnson, verwaltet seit einigen Monaten als Leiter des Theaters das väterliche Erbe. Wir sitzen uns im Theater gegen­über. Er lebt und fühlt noch' heute mit Deutschland, wie in den ersten Kriegsjahren, als er mit seiner ganzen Persönlichkeit für die deutsche Sache eintrat. Mit jugendlichem Temperament geißelt er die gallischen älebergriffe im Weltgeschehen der Gegenwart. Junge deutsche Dramatiker zu fördern und sie auf seiner Bühne aufzuführen, ist sein dankenswertes Bestreben. Brecht'sTrom­meln in der Aacht", jenes im letzten Winter mit starkem Erfolg in Deutschland aufgeführte Revolutivnsstück, wird demnächst in Djörn- fvns Theater zur Aufführung kommen. Andere geeignete deutsche Dramatiker sollen folgen. Der Dank aller, die einen deutsch-norwe­gischen Kulturaustausch begrüßen, ist dem tapferen Manne im Aorden gewiß.

Weißer Aebelrauch quillt aus Beit morgenfrischen Felsentälern, durch die die Bergensbahn allmählich zum norwegischen Hoch» Hebirge ansteigt. Sie verbindet Kristiania mit der Westküste der Halbinsel, mit der alten Hansastadt Bergen, 14 Stunden währt die Fahrt über die Berge. Schon schimmern die bereiften Wiesen winterlich fahl. Meiler rauchen auf den bewaldeten Höhen. 3n kleinen dunklen Seen spiegeln sich zwischen den Tannen die Herbst- Eich gelben Dirken. Bei Gol beginnt der Anstieg. Immer schlanker werden Me Tannen, die die Lichtsehnsucht der Gipfel «nportreM,

Bald schimmert Gis auf den Tümpeln und Schnee von den Bergen, Gin kalter Wind weht über das Bergtal, durch das ein schwarz- grüner Dergbach über Felsen schäumt. In Aal kann man bereits Schlitten auf der Landstvahe fahren. Hier haben Birken und Erlen schon das Laub verloren.

Aun hält der Zug auf die Schneefelder zu. Wir steigen schnell höher. Immer schmaler wird das Band des Baches drunten im Tal. Fels, Gestrüpp, Glelscherwasser und vereiste Sümpfe. Lang­gestreckte verschneite Bergriesen. Schneeschutzgalerien versperren oft den Blick. Die Luft ist grauweiß, fahlgrün schimmert der weite See zur Linken. Schneefelder, die alle Wege verschlingen, dehnen sich' ohne Grenzen. Irgendeine Fußspur im Schnee führt irgendwo hin in eine unbekannte Ferne. Aur die Telegraphen­stangen laufen wie Wächter am Weg durch den Schnee. Ein Schnee­pflug vor der Lokomotive sorgt für freie Dahn. Auf der Paßhöhe in winterlicher Oede an einem zugefrorenen See die Touristen­station Finse. Fast menschenleer. Der Hardangerjökel steckt in milchweißem Dunst.

In Schnerfern en hinein bohrt sich der Zug über die Patzhöhe. Bis plötzlich die Berge jäh in eine tiefe Schlucht hinabstürzen, von Myrdal hinunter ins Flaamstal. Zu beiden Seiten der Riesen­schlucht hocken die Felsenberge. Sie erdrücken das Tal unter ihrer Wucht. Dann ein Tunnel, hinter dem es schnell bergab geht, der Westküste entgegen.

Es wird Abend. Feucht glänzen die stahlblauen Berge. Bald stehen sie schwarz gegen den fahlen Himmel. Alle Farben sind erloschen. Wie eine grandiose Federzeichnung werfen sich die Li­nien der Berge gegen das letzte Licht des Tages, in Boß schlägt Regen gegen die Fenster. Sin Zeichen, daß wir uns Ber­gen nähern mit den Aiederschlägen des Golfstroms an der Küste,

Wider Erwarten am anderen Morgen Sonne und blauer Himmel über der alten Hansastadt. Man erkennt sie kaum wieder. Ein gewaltiges Feuer hat vor sieben Jahren das wichtigste Ge­schäftsviertel zerstört. Mitten aus dem Zentrum der Stadt hat es weite Straßenzüge herausgefressen. Man hat sie bis heute noch nicht wieder aufgebaut. 3n Baracken spielt sich ein Teil des Geschäftslebens ab. Zum Glück ist dieDeutsche Brücke" mit den historischen Gibelhäusern vom Feuer verschont geblieben. Der Brand hat Bergen um Jahre zurückgeworsen. Aber die gesunde Tatkraft der Stadt wird auch diesen Rückschlag in ihrer Entwicklung tote so manchen früheren ähnlicher Art überwinden. Wer die ziel- bewußte Zähigkeit der Bergener kennt, ist dessen gewiß.

Aach' Flöten, dem steilen Be gcücken Bergens, führt jetzt eine Zahnradbahn. Man steht auf seinem Scheitel unmittelbar über der Stadt. 'Man sieht weit über das Labyrinth der Felseninsekn, die sich schützend um den Fjord gegen das offene Meer legen, sieht die Furchen, die die Schiffe in das blanke Wasser pflügen und steht überwältigt vor dem steilen Felsenzirkus, der sich im Osten gegen den schwarzen See hin öffnet. Mancher deutsche Tourist hat früher diesen Bergrücken bestiegen. Trotz der Ungunst der Zeiten haben in diesem Sommer bereits zwei deutsche Touristen» schiffe Aorwegen besucht, ein Lupus, den sich heute nur berReich- tum leisten kann. Dermittlere" Tourist aber ist fast völlig ver­schwunden. Hieran ist vielleicht weniger unsere schlechte Valuta Schuld, wie der Avrweger meint, als die Unbeständigkeit der Valuta, die den meisten ein Disponieren unmöglich macht. Ich bin sicher, daß im Augenblick der Weribeständigkeit unseres Geldes trotz Avt und Verarmung mancher deutsche Tourist, der seine letztenGroschen" zusammenkratzt, wenn auch nur für wenig« Tage nach dem Aorden fahren wird, um die Fjorde, Berge und Städte wiederzusehen, wo er einst in sorgloser Zeit Anregung und Erholung fand. Es werden sparsame Touristen sein, aber 3te» «listen, die ihre Liebe zum Aorden auf die Fahrt drängt. Und ich hoffe, daß sie der Avrweger gern in seinem Lande begrüßen wird.

3m Jünglingsheim in Bergen füllt eine dichtgedrängte Meng« den Festsaal. Deutsche Studenten auf der Wanderschaft geben ein improvisiertes Konzert. Frische Jungen vom guten Wandervogel» typ wobei gleichzeitig vor einer Invasion von Wandervögeln irach dem Aorden gewarnt sei, da sie leicht zum Mißbrauch nor­discher Gastfreundschaft ausartet. Die Avrweger hören mit Freude die Volksweisen und Reiterlieder und kargen nicht mit herzlichem Beifall. Aber als die deutschen Gäste dieWacht am Rhein fingen, da erhebt sich jeder von den Sitzen, Und als das Lied ge­sungen, wächst der stürmische Beifall zur Ovation. Aicht aus Liebe zu Deutschland, aber aus einem elementaren Gerechtigkeitsgefühl heraus. Das gibt uns die Hoffnung, daß sich die beiden stamm­verwandten Völker einst auch in Gefühl und Empfindung naher» treten, wenn die Mißverständnisse der Kriegsjahre aufgeklärt und vergessen sind. Von beiden SeitenI Daran wollen wir arbeiten

Die Zollrevision an der schwedischen Greine wird von nor­wegischer Seite sehr streng gehandhirbt. Aur bei Reisenden die das Land verlassen. And das mit Recht! Die .Untersuchung, die sich bis hinter die PolsterWen Im Eisenbahnwagen crftre®,