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ich will Ihnen die Geschichte erzählen, um zu zeigen, wie wenig unsere Gedanken vermögen gegen den Schritt 6e8 Schicksals — wie selbst unser bestes Wollen keine Gewißheit gibt, den rechten Weg zu gehen.
Damals, als die Zeitungen noch viel von meinen mystischen Spielen und Vorführungen in meiner Tanztruppe schrieben, packte mich plötzlich der Wunsch, der lauten Oeffentlichkeit zu entfliehen und mich irgendwo zu sammeln, auszuruhen. Kurz entschlossen, wie ich immer war, hatte ich mich bald in einem kleinen Seebade versteckt und trank dankbar die Sonne in mich ein, wenn ich den Tag in den Dünen verträumte. Umgang hatte ich mit niemandem. Einmal bemerkte ich, während ich in einem Buche las, daß mich ein, junger Mensch skizzierte. Aber als ich mich überrascht aufrichtete,, hatte er so bittende Augen, daß ich ihn gewähren lieh. Hernach, als ich gar nicht mehr daran dachte, kam er leise näher, und neben ihm ging ein junges, blondes Mädchen, und sie baten um Verzeihung unöi nannten ihre Namen. Es war der Waler Klaus Wölfe und seine Schwester Ursel, Menschen, in deren Augen noch ein Schimmer von Kindheit lag und denen man gern die Hand gab. Und wir sahen zusammen bis gegen Abend.
Seitdem fanden wir uns oft in den Dünen. Und manchmal kam Klaus allein mit seinem Skizzenbuch. Und dann war immer eine versteckte Erregtheit in seiner Stimme, wenn er von seinen Plänen sprach un& seinen Ideen. Und einmal, als er lange still neben mir gesessen hatte, sagte er, ohne mich anzusehen:
„Ich glaube, ich könnte Las Größte schaffen, — wenn Sie immer um mich wären."
Ich erschrak etwas, und behutsam fragte ich: „Kann man nicht auch aus der Erinnerung Schönes schaffen?"
„2a," sagte er, „wenn das, woran wir uns erinnern, die höchste Steigerung unseres Empfindens war." Und lebhafter fuhr er fort: Ich weih wer Sie sind. Ich habe mich erkundigt, obwohl ich schon fühlte, dah Absonderliches in Ihnen ist. Ich bin bisher meinen Weg allein gegangen; was ich schuf, geht nicht über Len Alltag hinaus. Nun sind Sie gekommen, die aridere Welt, nach der immer unsere versteckte Sehnsucht geht, &te uns die Offenbarung gibt, mit der wir verschlossene Türen sprengen. Don Ihnen kommt die Kraft, die mich zum Künstler formen kann. Meine Gedanken gestalten ein Werk, vor dem die Welt die Hande falten soll
Ich erzählte das am Abend seiner Schwester, und sie hörte mit gesenktem Kopfe zu. Endlich sagte sie:
„Sie dürften ihm nicht böse sein. Denn ich will Ihnen etwas sagen, was er selbst noch nicht weih und auch nie —- ich bitte Sie darum —nie erfahren darf. Sein Herz ist krank. Darum sind wir hier. Der Arzt ga& keine Hoffnung, aber wir anderen Menschen hören doch nie auf zu hoffen. Wenn er noch etwas schaffen kann — es wäre schön. Mr ihn und für uns. Ob er noch Zeit dazu. Hat, weih niemand. Bleiben Sie freundlich zu ihm —“
Können Sie verstehen, wie weh es mir da tat, als Klaus am nächsten Tage wieder mit hellen Schwarmeraugen zu mir sprach, und dah ich, ganz ratlos, wie ich ihm etwas Gutes tun können schließlich seinen Kopf in die Hände nahm und ihn kühte?
In der Nacht darauf habe ich nicht geschlafen. Ich durfte damals nicht mehr felbstgewählte Wege gehen, denn ich war verlobt und ein kleines Haus in den Bergen wartete auf mich. Hier war nun für mich die Möglichkeit — vielleicht kann ich sogar sagen, die Aufgabe — durch nichts, als dah ich einem Menschen gut war, Segen zu stiften, den letzten und einzigen vielleicht für einen Todwunden und einen bleibenden für die Kunst. Ich selbst, durch den lauten Erfolg meiner ersten Schöpfungen entspannt und etwas gelähmt, sand neuen Samen für eigenes Wirken dadurch, dah ich Funken' in anderen zur Flamme entfachte. Und Liefer selbst- gewonnene neue Reichtum war nicht nur für mich,- sondern auch für mein künftiges Heim, für den, der mich liebte. Aber dann stockte ich vor der Mage: Wird ein Mann, dem die Frau seinq Welt bedeutet, verstehen, daß man anderen Gutes tun möchte, die danach verlangen? Wird er vertrauen können, dah das eine nichts mit dem anderen zu schaffen hat? Soll ich ihm alles sagen odev soll ich verschweigen, was Loch bald zu Ende sein wird?
Und weil ich keinen Ausweg aus meinen Gedanken fand, fuhr ich heim. Helle Freude empfing mich. Jeden Lag suchte Viktor, mein Verlobter, neue Wege in die Berge, um mir die Schönheit seiner Heimat zu zeigen. Und niemals fand ich ein Wort, das mein frühzeitiges Kommen erklären konnte. Da kam ein Brief von Ursel, und bald darauf wieder einer. „Er verlangt so sehr nach Ihnen. Sein Wille ruft nach künstlerischer Tat. Kommen Sie bald' ..." Da erzählte ich Viktor, dah in dem lleinen Seebade ein Mensch ist, der mich braucht und auf mich wartet. Und ich habe nie erfahren, was bei meinen Worten in seiner Seele vorging. Er grlestete mich zur Bahn Der Ursel hatte ich ein Telegramm geschickt, dah ich komme. Sie erwartete mich! am Bahnhof un& führte mich zu einem Sterbenden. _ ,
Dicht dah es sein letzter Tag war. Wer es war nrcht mehr der übermütige Klaus, der durch den Dünensand lief. Die Schwingen waren ihm gelähmt. Er durfte nicht mehr aufstehen. Aber noch immer war er ohne Wiffen und voller Entwürfe und Pläne, und seine Augen hatten einen heißen Glanz. Da wußte ich, dah es meine Pflicht war, hier zu bleiben, als sttlles Lrcht, so lange, bis das Oel versiegt war. Und auf einen Brief Viktors — daß das
Haus bestellt fei, er aber warten werde, bis ich von selbst komme — wußte ich keine Antwort als die: „Laß mich die Erste fein, die dem Klaus Vlumen auf das Grab trägt."
Dann dauerte es noch sechs Wochen. Traurige Wochen, aber voller starker StunLen. Die Blätter, die in dieser Zeit von der Hand des Kranken entstanden, habe ich selbst veröffenllicht. Dein Sarg war fast bedeckt mit weißen Chrysanthemen, die ich gekauft hatte.
„Als ich zu Viktor fuhr, erzählte man mir, dah er seit Tagen verschollen sei. Später fand man ihn in einer Gletscherspalte, halb vom Schnee zugedeckt. Ich fand keinen Brief an mich.
Ura> ich habe nie gefragt, warum er ohne Mhrer gegangen ist.
Ich brauchte nicht zu fragen."
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Barbara Bach schwieg. Und unsere Gedanken gingen scheu und bang über das Meer, als könnten sie Menschen begegnen, denen wir wehe taten, als wir gut sein wollten —
Und es mochte dazu keiner mehr etwas sagen ...
Eintönig strichen ein paar Rufe der Matrosen über uns Hinweg.
Dom Bauernburschen zum Univ ersitätsprosessor.
Von L. F r i e g e r.
* Michael Pupin — Lieser Name ist jedem Fernsprechtechniken wohl bekannt. Saft jedes Ferngespräch zwischen zwei entfernten Städten in Deutschland verläuft über Leitungen, in die zur Verbesserung der Verständigung Pupinspulen eingeschaltet sind. Die Geschichte der Erfindung der Pupinspulen ist sehr interessant und soll am Schluß dieses Aufsatzes wiedergegeben. werden; noch interessanter ist aber der Werdegang Michael Pupins selbst. Er erzählt seine Lebensgeschichte in einem in Amerika erschienenen Tuche „Vom Einwanderer zum Erfinder", das eine der schönsten Lebensbeschreibungen ist.
Pupin ist Serbe, geboren in Idvor, einem so kleinen Dorfe, daß es auf keiner Karte zu finden ist. Vater und Mutter konnten weder lesen noch schreiben. Vom Vater hatte er die Statur und die sehr kräftigen Ellbogen, mit denen er sich im eigenllichen Sinn des Wortes häufig seinen Weg bahnte. Die Mutter war eine tiefreligivse.Frau, die mit einem wunderbaren Verständnis seine späteren geistigen Arbeiten verfolgte. Von ihr hatte er ein reiches EmpfinLungsleben und einen unermüdlichen Lerneifer. Sein Volk gab ihm die Hochachtung vor der Ueberlieferung. Niemals begnügte er sich mit der Kenntnisnahme dessen, was jetzt besteht, sondern er suchte stets bis zu den ersten Anfängen Lurchzudringen.
Bis zu seinem 15. Lebensjahre war er Bauernburfche, hütete Ochsen und gab sich ähnlichen Beschäfttgungen hin. Seine Lehrer erkannten jedoch seine überragende Begabung und rieten, ihn in bessere Schulen zu schicken; so kam er nach Prag. Dort gefiel es ihm aber gar nicht. Er verkaufte deshalb seine ganze Habe, um nach Amerika fahren zu können. Schon damals waren jedoch' die Einwanderungsbehörden g'fürchtet, und Pupin hatte nur ganze 5 Cents in der Täsche, konnte auch die Kenntnis keines -Handwerks nachweisen. Er hatte aber von Franklin und seinem blitzefangen- den Drachen sowie von Lincoln gehört, hatte auch Onkel Toms Hütte gelesen. Diese Kenntnisse erweichten die strengen Herren, so dah sie ihn ins Land ließen. Bei seinem ersten Gang in der neuen Welt trug er noch einen roten Fez, der die Aeuhorker Jugend gleich zu einem Angriff begeisterte, in dem er jedoch die Ober- hand behielt.
Um seinen Lebensunterhalt zu verLrenen, verdingte er srch zunächst als Landarbeiter, wobei er das Glück hatte, mit Frauen, zusammenzukvmmen, die ihm die ersten Kenntnisse des Englischen beibrachten Es zog ihn aber zur Stadt der „unbegrenzten Wög-- lichkeiten", nach Neuyvrk zurück. Dort schlug er sich mit Kohlen- schleppen 'und Kellerweihen durch, bis er eine Stelle in einer Keksfabrik fand; wo er damit beschäftigt wurde, Namen auf die Keks zu stempeln. _ .
Bor Beginn der Arbeitszeit trieb er sich tm Kesselraum herum und erhielt vom Heizer die ersten Lehren aus dem Gebiete der Wärmephhsik Bald wurden die Fabrilleiter auf den aufgeweaten Burschen aufmerksam und beförderten ihn zum Packmeister. Seine Wohnung hatte er im Dachgeschoß der Fabrik; dort traf er einen Wann, der feinem Leben eine neue Richtung gab, einen ehemaligen deutschen Theologen und- reinen Idealisten, einen vorzüglichen Sprachkenner, der in der griechischen und lateinischen Literatur, zu Hause war. Bei ihm vervollkommnete Pupin sein Englisch und fraß kam der Unterricht im Griechischen und Lateinischen dazu. Andere Kenntnisse, die zum Eintritt in die Universität nötig waren, übermittelte ihm eine Abendschule.
Es muß auf dem Dach der Keksfabrik sehr unterhaltsam gewesen sein. Der Theologe deklamierte Homer und Horaz mit Zitherbegleitung und fang geistliche Lieder in allerlei Sprachen. Heftige Streite wurden ausgefochten, über Darwin, amerikanifchen Materialismus, Dampfmaschinen und' Demokratie.
Pupin besuchte oft eine Kirche, deren Prediger ihn stark an» zog. Er lernte auch einen Arzt fernen, der ihn tn die Verwaltung


