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WM ich Ihnen beweisen und Sie sollen mir nachher sagen, vV Vie schon gesehen haben, was ich Ihnen zeigen werde."
Er stand auf, streifte die Aermel seines gelben GewcmdeS in di« Höhe, ergriff sein Messer und schritt zu dem Schafhirten hinüber.
„Mischik, steh auf" befahl er.
Als der Hirte aufgestanden war, knöpfte der Lama schnell den tKOd des Mannes auf und entblößte dessen Brust. Ich konnte noch nicht verstehen, was er vorhatte, als der Tushegoun plötzlich mit aller Kraft sein Messer in die Brust des Hirten hineinstieß. Der Mongole stürzte zu Boden, den ganzen Körper mit Blut bedeckt. Auf dem gelben Seideugewande des Lauras nahm ich einen Blutspritzer wahr.
„Was?" fragte dieser schläfrig.
„Pst, ruhig," flüsterte er, indem er mir ein völlig weih gewordenes Gesicht zuwandte.
Mit wenigen Messerschnitten öffnete er die Brust des Mon- flöfen. Ich sah die langsam atmende Lunge des Hirten und die Bewegungen seines Herzens. Der Lama rührte diese Organe mit seinem Finger an, doch schien kein Blut mehr zu fliehen, auch war das Gesicht des Hirten vollkommen ruhig. Er lag mit geschlossenen Augen da und schien sich in tiefem Schlaf zu befinden. Als der Lama sich anschickte, den Leib des Hirten zu öffnet, schlotz ich meine Augen aus Furcht und Entsetzen. Als ich sie kurz danach wieder ein wenig öffnete, war ich noch mehr verwundert, denn ich sah, dah der Hirt mit noch, immer offenem Rock, aber heiler Brust dalag und sich in einem ruhigen Schlafe befand, während der Tushegoun Lama am Feuer sah, seine Pfeife rauchte und in tiefen Gedanken in die Flammen starrte.
«Das ist wunderbar," bekannte ich. „Ich habe niemals dergleichen gesehen."
«Wovon reden Sie?" fragte der Kalmück.
„Bon Ihrem Wunder — wie Sie es nennen," erwiderte ich „Ich habe es niemals so genannt," verwies mich der Kalmück mit kaltem Ausdruck in seiner Stimme.
„Haben Sie es gesehen?" fragte ich meinen Begleiter.
„Was," fragte dieser schläfrig.
Ich verstand, dah ich zum Opfer der hypnotischen Kraft des Tushegoun Lama geworden war. Doch war mir das lieber, als «inen unschuldigen Mongolen sterben zu sehen. Denn ich hatte nicht geglaubt, dah der Tushegoun Lama die Körper seiner Opfer ebenso schnell zusammenzuflicken vermochte, wie er sie sicherlich auf- fchneiden konnte.
Am nächsten Tage verabschiedeten wir uns von unseren Gastfreunden. Wir beschlossen zurückzukehren, da ja unsere Mission erfüllt war.
Tushegoun Lama erklärte uns, dah er überall sei. Gr wandere durch die ganze Mongolei, lebe bald in der alleinstehenden einfachen Hurte des Hirten und Hagers, bald in den prächtigen Zelten der Fürsten und Stammeshäuptlinge.
Als sich dieser kalmückische Zaubermeister von uns trennte, sagte er mit schlauem Lächeln:
«Sagen Sie den chinesischen Behörden nichts über mich."
Dann fügte er hinzu: „Was Sie gestern Abend erlebt haben, war nur eine flüchtige Deinvnstrativn. Ihr Europäer wollt nicht erkennen, dah wir unaufgeklärten Nomaden die Kräfte des geheimen Wissens besitzen. Wenn Sie nur die Wunder und die Macht des Heiligsten Tashi Lama erblicken könnten, auf dessen Befehl sich z. B. die Lampen und Lichter vor der alten Statue Buddhas entzünden, dann würden Sie anders denken. Aber es gibt noch einen mächtigeren und heiligeren Wann . . ."
„Das ist der König der Welt in Agharti?" unterbrach ich ihn.
Er starrte mich in grober Verwunderung an. „Haben Sie von ihm gehört?" fragte er, indem er seine Stirn gedankenvoll runzelte.
lllach wenigen Sekunden sagte er: „Dur ein Mann kennt seinen heiligen Damen nur ein jetzt lebender Mann ist jemals in Agharti gewesen. Das bin ich Das ist der Grund, warum der Heiligste Dalai Lama mich ausgezeichnet hat und warum mich der Lebende Buddha in Urga fürchtet. Doch ich werde niemals auf dem Heiligen Thron des höchsten Priesters in Lassa sitzen, noch werde ich die Würde erreichen, die von Dschingis Khan, dem Haupt der gelben Lehre, hinterlassen wurde. Ich bin kein Mönch, ich bin ein Krieger und Rächer."
Geschickt sprang er in den Sattel, peitschte sein Pferd und flog davon, nachdem er den gewöhnlichen mongolischen Abschieds- grüß: „Sahn! Sayn — bayna!" gesagt hatte.
Aus dem Rückwege erzählte uns Tzeren die Hunderte von Legenden, die die Person des Tushegoun Lama umgeben. Eine Geschichte ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es war im Hahre 1911 oder 1912, als die Mongolen mit bewaffneter Hand versuchten, ihre Freiheit von den Chinesen zu erkämpfen. Das chinesische Hauptquartier der Westmongolei befand sich in Kobdv, wo ungefähr zehntausend chinesische Soldaten unter Führung der besten chinesischen Offiziere lagen. Der Befehl, Kobdo einzunehmen, wurde an Hun Daldon erteilt, einen einfachen Hirten, der sich in Kämpfen mit den Chinesen ausgezeichnet und vom Lebenden! Buddha den Titel eines Fürsten von Hun erhalten hatte. Mit wilder, furchtloser Entschlossenheit hatte Baldon, der eine riesige Kraft besah, mehrere Male feine schlecht bewaffneten Mongolen Vorn. Sturm vorgeführt. Doch war er jedesmal gezwungen worbe«,
zurückzuziehen, nachdem er durch Maschinengewehrfeuer große ~tolufle, erlitten hatte. Unerwartet erschien Tushegoun Lama. Dieser lieh die mongolischen Soldaten um sich herumtreten und hielt ihnen folgende Ansprache:
„Ihr müht den Tod nicht fürchten und dürft nicht zurückweichen. Ihr kämpft und sterbt für die Mongolei, der die Götter eine grobe Zukunft bestimmt haben. Seht, was das Geschick der Mongolei sein wird."
Er wies mit seiner Hand in die Ferne. Die Soldaten sahen, dah alles Land um sie herum mit reichen Hurten und Weidegründen bedeckt war, auf denen zahllose Herden von Pferden und Rindvieh grasten. Auf den Ebenen erschienen viele Reiter auf Rossen mit kostbaren Sätteln. Die Frauen trugen Gewänder aus prächtigster Seide und hatten massive Silberringe in ihren Ohren und wertvollen Schmuck im Haar. Chinesische Kaufleute brachten eine endlose Karawane zu einem vornehm aussehenden mongolischen Sait heran, der von fröhlich gelleideten Soldaten umgeben war und mit den Kaufleuten mit stolzer Gebärde wegen des Ankaufs der Waren verhandelte.
Kurz danach verschwand die Vision. Tushegoun sprach:
„Fürchtet den Tod nicht. Gr ist die Erlösung aus unseren Mühen auf Erden und der Pfad zu den ewigen Segnungen. Seht nach Osten. Erblickt Ihr eure in früheren Schlachten gefallenen Brüder und Freunde?"
„Ha, wir fehen sie, wir sehen sie," riefen die mongolischen Krieger in höchster Verzückung aus: denn sie erblickten eine grobe Gruppe von Wohnungen, die Hurten oder die Bogengänge von in ein warmes und freundliches Licht getauchten Tempeln sein mochten. Diese Wohnungen waren bedeckt mit roter und gelber Seide, überall glänzten die Pfeiler und Wände in goldenqm Scheine. Auf dem groben roten Altar brannten Opferkerzen in goldenen Kandelabern. Auf weichen Kissen am Boden ruhten die Mongolen, die bei den früheren Angriffen auf Kobdo gefallen waren. Dor ihnen standen niedrige aus Lack gefertigte Tische, die mit vielen dampfenden Fleischgerichten, mit hohen, Wein und Tee enthaltenden Gefäßen, mit Kuchentellern, getrocknetem Käse, Datteln, Rosinen und Rüssen bedeckt waren. Die gefallenen Soldaten rauchten goldene Pfeifen und plauderten fröhlich miteinander.
Auch diese Vision verschwand. Vor den in die Luft starrenden Mongolen blieb lediglich der mysteriöse Kalmück mit erhobener Hand übrig.
„Hinein in die Schlacht und keine Rückkehr ohne Sieg! Ich bin im Kampfe bei euch."
Der Sturm begann. Die Mongolen kämpften mit wütendem Mut, fielen zu Hunderten, aber eroberten Kobdo. Dann wiederholte sich der seit langer Zeit nicht mehr dagewesene Vorgang: die Zerstörung einer richtigen Stadt durch Tatarenhorden. Hun Baldon gab das traditionelle Zeichen zur Plünderung, indem er drei mit roten Bändern versehene Speere pyramidenförmig zusammengesetzt über seinem Haupte tragen ließ. Dadurch lieferte er die Stadt den Soldaten für die Dauer von drei Tagen aus. Mord und Plünderung begannen. Alle Chinesen fanden den Tod. Die Stakü wurde verbrannt und die Mauern der Festung geschleift. Danach kam Hun Daldon auch nach älliassutai, um auch dort die chinesische Festung zu zerstören. Als Zeugen dieses Ereignisses finö heute die Ruinen zu fehen, die zertrümmerten Mauern und Türme, die nackt in die Lust ragenden Tore und die Reste der verbrannten chinesischen Amtsgebäude und Kasernen von äUiassutai.
Wie Kant beinahe geheiratet hätte.
Novelle von August SchrIcker.
(Fortsetzung.)
Die Gesellschaft vom Philosophischen Weg fand sich In der Gemäldesammlung wieder.
In einigen Sälen und kleineren Zimmern, welche aus dem an der Rückseite des Palastes gelegenen Garten ein mildes Licht empfingen, war vereinigt, was die Gräfin, selbst ausübende Künstlerin und „der Königlichen Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften zu Berlin Ehrenmitglied", im Laufe der Hahre gesammelt hatte, und was an Pastellen, Gmaitlen und Miniaturen ihrer Hand entstammte. Da waren viele der besten Holländer und Pastellproträts von Darbe; das Eigentümliche der Sammlung aber war eine Anzahl trefflicher Gemälde aus der Hand des jüngeren Dietrichs von Dresden, dessen Stärke es war, die Manieren verschiedener Meister bis zur Täuschung nachzuahmen, und der In einer besonderen Beziehung zum Hause stand, da er hier, nach seiner Zurückkunft aus Italien, warme Gönnerschaft gefunden hatte.
Kant, lebendig und angeregt, wußte die Bilder in verschiedene geistige Beleuchtungen zu bringen, bald an den Stoff, bald an die Dehandlungsweise anzuknüpfen und auch die Vorzüge der Bilder der Gräfin hervorzuheben, ohne einen Augenblick in den To« der Swmeichelei zu verfallen.
Sophie folgte seinen Worten in gespannter Aufmerksamkeit, suchte einzelnes dem Gedächtnis einzuprägen, um es des ÄbendS dem treuen Tagebuch anvertrauen zu können, und dankte ihm mit Frau von Gimborn in schelmischen Worten, daß er ihrer»


