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<H«n, sagte sie, seien noch zwei Weißbrote, wenn etwa der Hunger M groß würde.

Mr die Mutter ftdbe ich einen gut gebrannten Kaffee mit- gegeben," sagte sie,und in dem Fläschen, das zugestopft und gut verbunden ist, befindet sich auch ein schwarzer Kaffeeaufguß, ein besserer, als die Mutter bei euch gewöhnlich macht, sie soll ihn nur kosten, wie er ist, er ist eine wahre Arznei, so kräftig, fraß nur ein Schlückchen den Magen so wärmt, daß es den Körper In den kältesten Wintertagen nicht frieren kann. Die andern Sachen, die in der Schachtel und in den Papieren im Ränzchen sind, bringt unversehrt nach Hause."

Da sie noch ein Weilchen mit den Kindern gesprochen hatte, sagte sie, Laß sie gehen sollten.

Habe acht, Sanna," sagte sie,daß du nicht frierst, erhitze dich nicht; und daß ihr nicht über die Wiesen hinauf und unter den Bäumen lauft. Kommt etwa gegen Abend ein Wind, da müßt ihr langsamer gehen. Grüßet Vater un& Mutter und saget, sie sollen recht glückliche Feiertage haben."

Die Großmutter küßte beide Kinder auf die Wangen und schob sie durch die Tür hinaus. Nichtsdestoweniger ging sie aber auch selber mit, geleitete sie durch den Garten, lieft sie durch das Hinterpförtchen hinaus, schloß wieder und ging in das Haus zurück.

Die Kinder gingen an den Eistäfelchen neben den Werken des Großvaters vorbei, sie gingen Lurch die Millsdorfer Feld«: und wendeten sich gegen die Wiesen hinan.

Als sie auf den Anhöhen gingen, wo, wie gesagt wurde, zer­streute Bäume und Gebüschgruppen standen, fielen äußerst lang­sam einzelne Schneeflocken.

Siehst du, Sanna, sagte der Knabe,habe ich es gleich ge­dacht, daß wir Schnee bekommen; weißt du, 61a wir von Hause weggingen, sahen wir noch die Sonne, die so blutrot war wie eine Lampe bei Lem heiligen Grabe, und jetzt ist nichts mehr von ihr zu erblicken, und nur der graue Rebel ist über den Baumwipfeln oben. Das bedeutet allemal Schnee."

Die Kinder gingen freudiger fort, und Sanna war recht froh, wenn sie mit den dunkeln Aermeln ihres Röckchens eine der fallen­den Flocken auffangen konnte und wenn dieselbe recht lange nicht auf dem Aermel zerfloß. Als sie endlich an dem äußersten Rand Der Millsdorfer Höhe angekvmmen waren, wo es gegen die dun­keln Tannen des Halses hineingeht, war die dichte Waldwand schon recht lieblich gesprenkelt von den immer reichlicher herab- sallenden Flocken. Sie gingen nunmehr in den dicken Wald hinein, der Len größten Teil ihrer noch bevorstehenden Wanderung ein­nahm.

Es geht von dem Waldrande noch immer aufwärts, und zwar bis man zur roten älnglückssäule kommt, der Weg gegen das Tal von Gschaid' hinabwenLet. Die Erhebung des Waldes von der Millsdorfer Seite aus ist sogar so steil, daß der Weg nicht ge­rade hinausgeht, sondern daß er in sehr langen Abweichungen von Abend nach Morgen und von Morgen nach Abend hinan- klimmt. An der ganzen Länge des Weges hinauf zur Säule und hinab bis zu Len Wiesen von Gschaid sind hohe, dichte, ungelich- iete Waldbestände, und sie werden erst ein wenig dünner, wenn man in die Ebene gelangt ist und- gegen die Wiesen des Lales von Gschaid hinauskommt. Der Hals ist auch, wenn er gleich nur eine kleine Verbindung zwischen zwei großen Gebirgshäuptern ab- gibt, doch selbst so groß, Laß er. in die Ebene gelegt, einen be- LeutenLen Gebirgsrücken abgeben würde.

Das erste, was Die Kinder sahen, als sie die Waldung be­traten. war, daß der gefrorene Boden sich grau zeigte, als ob er mit Mehl besät wäre, daß die Fahne manchen dünnen Halmes des am Wege hin und zwischen den Därimen stehenden dürren Grases mit Flocken beschwert war, und daß auf den verschiedenen grünen Zweigen der Tannen und Fichten, die sich wie Hände öff­neten, schon weiße Flämmchen saßen.

Schneit es denn jetzt Lei dem Vater zu Hause auch," fragte Sanna.

Freilich," antwortete der Knabe,es wird auch Älter, und du wirst sehen, Laß morgen der ganze Teich gefroren ist."

3a, Konrad," sagte das Mädchen.

Es verdoppelte beinahe seinen Keinen Schritte, um mit denen des dahinschreitenden Knaben gleichbleiben zu können.

Sie gingen nun rüstig in den Windungen fort, jetzt von Abend nach Morgen, jetzt von Morgen nach Abend. Der von der Groß­mutter vvrausgesagte Wind' stellte sich nicht ein, im Gegenteil war es so still, Laß sich nicht ein Aestchen oder Zweig rührte, ja es schien sogar im Walde wärnrer, wie es in lockeren Körpern, der­gleichen ein Wald auch ist, immer im Winter zu sein pflegt, und die Schneeflocken fielen reichlicher, so daß der ganze Boden schon weiß war, Laß der Wald' sich grau zu bestäuben anfing, und« Laß auf dem Hute und den Kleidern des Knaben sowie auf denen des Mädchens der Schnee lag.

Die Freude der Kinder war sehr groß. Sie traten auf den weichen Flaum, suchten mit dem Fuße absichtlich solche Stellen, wo er dichter zu liegen schien, um dort hin zu treten und sich Len Anschein zu geben, als wateten sie bereits. Sie schüttelten den Schnee nicht von Len Kleidern a&.

Es war große Ruhe eingetrelen. Bon Len Vögeln, deren doch manche auch zuweilen im Winter in dem Walde hin und her fliegen und von denen die Kinder im Herübergehen sogar mehrere

echerm gehört hatten, war nichts zu vernehmen, sie sahen auch

<mf irgend einem Zweige sitzen oder fliegen, und der ganze -ward war gleichsam ausgestorben.

^ur die Höften Futzstapfen der Kinder hinter ihnen vneven, und weil vor ihnen der Schnee rein und unverletzt war, so War daraus zu erkennen, daß sie die einzigen waren, die heute über Len Hals gingen.

nw 8^?cn in ihrer Richtung fort, sie näherten sich öfter Len Baumen, oster entfernten sie sich, und wo dichtes älnterhokz war, konnten sie Len Schnee auf den Bäumen liegen sehen.

3hre Freude wuchs noch immer; denn die Flocken fielen stets dichter, und nach kurzer Zeit brauchten sie nicht mehr Len Schnee auszusuchen, um in ihm zu Waten; Leun er lag schon so dicht, Laß sie i hn überall, weich unter Len Sohlen empfanden, und daß er sich bereits um ihre Schuhe zu legen begann; unfr wenn es so ruhig und heimlich war, so war es, als ob sie das Knistern des in die Aadeln herabfallenden Schnees vernehmen könnten

.Werden Wir heute auch die Llnglückssäule sehen?" fragte das Mädchen,sie ist ja umgefallen, und La wird .es darauf schneien, und da wird die rote Farbe weiß sein."

Darum können Wie sie Loch sehen," antwortete der Knabe, wenn auch Ler Schnee auf sie fällt und wenn sie auch (weift ist- so muffen Wir sie liegen sehen, weil sie eine Licke Säule ift, und weit sie das schwarze eiserne Kreuz auf der Spitze hat, Las doch immer heraus ragen wird."

3a, Konrad."

Indessen La sie noch weitergegangen Waren, war der Schnee» fall so dicht geworden, daß sie nur mehr die allernächsten Bäume sehen konnten.

Don der Härte Les Weges oder gar von Furchenaufwerfun- gen war nichts zu empfinden, der Weg war vom Schnee überall! gleich weich und war überhaupt nur daran zu erkennen, Laß er als ein gleichmäßiger weißer Streifen in Lem Walöe fortlief. Auf allen Zweigen lag schon die schöne weiße Hülle.

Die Kinder gingen jetzt mitten auf dem Wege, sie furchten den Schnee mit ihren Mßlein und gingen langsamer, Weil das Gehen beschwerlich ward. Der Knabe zog seine Jacke empor an dem Halse zusammen, damit ihm nicht der Schnee in den Backen falle, und er setzte den Hut tiefer in das Haupt, Laß er geschützter fei. Er zog auch seinem Schwesterlein das Tuch, das ihm die QUutter um die Schultern gegeben hatte, besser zusammen und zog es ihm mehr vorwärts in die Stirn, daß es ein Dach bilde.

Der von der Großmutter vvrausgesagte Wind war noch immer nicht, gekommen; aber dafür wurde der Schneefall nach und nach so Licht, daß auch nicht mehr die nächsten Bäume zu erkennen Waren, sondern daß sie wie neblige Säcke in der Luft standen

Die KinLer gingen fort. Sie duckten die Köpfe dichter in ihre Kleider und gingen fort.

Sanna nahm Len Riemen, an Welchem Konrad die Kalbsell- tasche um die Schulter 'hängen hatte, mit Len Händchen, hielt sich Baran, und so gingen sie ihres Weges.

Die älnglückssäule hatten sie noch immer nicht erreicht. Der Knabe konnte die Zeit nicht ermeffen, weil keine Sonne am Himmel stand, und weil es immer gleichmäßig grau war.

Werden wird bald zu der älnglückssäule kommen?" fragte Sanna.

3ch Weift es nicht," antwortete der Knabe,ich kann heute die Bäume nicht sehen urä> den Weg nicht erkennen, weil er so weift ist- Die Llnglückssäule werden wir wohl gar nicht sehen, weil so viel Schnee liegen wird, daß sie verhüllt sein wird und daß kaum ein Gräschen oder ein Arm des schwarzen Kreuzes hervorragen wird. Aber es macht nichts. Wir gehen immer auf dem Wege fort, der Weg geht zwischen den Bäumen, und wenn er zu dem Platz der Llnglückssäule kommt, dann wird er abwärts gehen, wir gehen auf ihm fort, und wenn er aus den Bäumen hinausgeht, dann sind wir schon auf den Wiesen von Gschaid, dann kommt der Steg und dann haben wir nicht mehr weit nach Hause.

3a, Konrad," sagte das Mädchen.

Sie gingen auf ihrem aufwärtsführenden Wege fort. Die hinter ihnen liegenden Fußstapfen Waren jetzt nicht mehr lange sichtbar; denn die ungemeine Mlle des herabfallenden Schnees Leckte sie bald zu, daß sie verschwanden. Der Schnee knisterte in seinem Falle nun auch nicht mehr in Len Radeln, sondern legte sich eilig und heimlich auf die weiße schon Laliegende Decke nieder. Die Kinder nahmen die Kleider noch fester, um das immerwährende allseitige Hineinrieseln abzuhalten.

Sie gingen sehr schleunig, und der Weg! führte noch stets aufwärts.

Rach langer Zeit War noch immer die Höhe nicht erreicht, auf welcher die älnglückssäule stehen sollte, und von wo der Weg gegen die Gschaider Seite sich hinunterwenden Mußte.

Endlich kamen die Kinder in eine Gegend, in welcher keine Bäume standen.

3ch sehe keine Bäume mehr," sagte Sanna.

Vielleicht ist nur der Weg so breit, daß Wir sie wegen LeS Schneiens nicht sehen können," antwortete der Knabe.

3a, Konrad," sagte das Mädchen.

Rach einer Weile blieb der Knabe stehen und sagte: ,3ch seh« selber keine Bäume mehr, wir müssen aus dem Walde gekommen fein, auch geht der Weg immer bergan. Wir Wollen ein wenig stehenbleiben und herumsehen, vielleicht erblicken Wir etwas.*