238

KE Himmel, sie hat's ja nicht Mimmgemeint, vorhin! ©rat)- so wenig wie dazumal, wo fie's der Dauerin gesagt hat von der Begegnung des Bauern. So herausgerutscht ist ihr das Wort ^re Zunge ist schnell wie ihre Hand. Hinterdrein-hat fte s freilich gereut, dah sie ihr, der andern, so weh hat Gut- machen an ihr kann sie es nimmer, aber dafür an chren Kindern.

-Die Kinder! Wo sind sie? rf.

Bei der Kirche droben hat sie noch nicht gesucht. Sollten st« gar am Friedhof sein an ihrer Mutter Grab? Die Rainthalernjn wendet sich, keucht den Dvrsweg zurück, weih nicht mehr wo sie sonst suchen soll. Da der Kirchhügel: schlank und dunkel weist der Turm der kleinen Kirche gen Himmel. Die Frau gedenkt an das Kind aller Kinder, das heute in der Krippe gelegen hat unter Engelgesang. Sie denkt daran, dah Las Kind erwachsen ist zu Dem, der gesprochen hat:Lasset die Kleinen zu mir kommen! Statt des anklagenöen Lotenbildes von vorhin blickt aus Ewigkeitshbhen ein leuchtendes, ernstmildes Antlitz auf die ^Rainthalerstn. Soeben hebt unten, beim Dorsteherhaus unterm Kirchhügel, der Gesang d?r HtWWxnftnger an:

Wie über etwas Vergessenem fährt die schwarzäugige Frau plohlichauf .Wosind jät die Kinder hin? Seppele! Lrinele hallt ihr Ruf durchs Haus. Keine Antwort. Die Frau sucht t ^"^Däe^'haltei^him'her, dorthin gesprengt, suchen just so ver- aeblich And jeden Augenblick muh der Bauer hermkommM, der über Land gegangen ist. Wenn er heim kommt und die Kruder qohen ihm ab-, am heiligen Abend! f$he »rau Swht geschwind eine warnie gestrickte Joppe über die Kleider, rennt iii das ^unkel hinails kehrt an benachbarten Häusern zu, fragt dm Begegnendmr aus. Recht bös ist sie gegen die zwei, die ihr solche Bot mackMi Umrefraat davvnlaufen, sich umtreiben am heiligen Abend, roo sie ohnehin für alles aufkvmmen muh. Hat sie nicht auch für ;edes der Kinder ein Christgeschenk im Kasten? Hat sm nicht wahrend Lr tcmgen Krankheit der rechten Mutter die b-id«- fast allem betreut? Grad, dah die viele Arbeit sie manchmal em bihl barsch macht rasch und resch, wie sie ohnehin ist! Sie hat mchr Zeih auch die Art nicht zum Zärteln, zum Schöntum - Gum u- iunaer Burschen, Laternen tragend, kreuzt rhr«r -weg. tbaleAn bistdu's? Zu dir kommen wir jetzt gleich." Ja so: dre Sternsinaer die am heiligen Abend umherziehen, für ihre CßBeifj3 nLLr Ächmkt und bewirtet werden. Sie sollte- spater kom­men bittet die Dainthalerin: jetzt ist niemand daheim. Ob sre "'*L. ÄÄÄ »v .,«»*. «w i>nm Äaus fortlassen Bäuerin, so spat. Konntst das grohte An glück mit ihnen haben." Ein zweiter, minder weise und gibt ihr sein Laternchrn, dah sie doch richtig sieht auf ihrem G g. * Ä W« IW bl- Km. bu-ch b-n Zittrige Lichtflecke fallen auf die weihe Flache aus der empor gehaltenen Leuchte. Die Häuser vom Dorf blinken fern; kern Mensch mehr zu sehen weit und breit. Anbeantwortet verhallt ihr lauter Ruf- beinahe graut der Rufenden vor ihrer eigenen Stunme in- miiten des Schweigens ringsum. Eine Fülle schreckhafter Mog- llchkeiten dring t auf sie ein -Könntst leicht ein Angluck haben dmnit Jesus, wenn den Kindern etwas zugestohen Ware! Sv klein sind sie noch der Bäuerin steigt plötzlich dmAngst aus. Und sie hat gelobt, ihnen Mutter zu fern, hat es der -^vten ge­tobt deren Heim und Glück sie geerbt hat. ähr ist, als sähe sm die erloschenen Augen drohend auf sich gerichtet, als forderte dre Verstorbene Rechenschaft von ihr. Wie.soll sie bestehen vor ihr. Wie vor dem Vater der Kinder, wenn sre dre Klemen nicht Herls

fAfcrtiH etne ralch-. dunkeläugige Dtru, die mtt der waßhiritet f bringt und geradeswegs hinrennt auf einen schlamen, M Mww Arg erschrockmi istdieD^n.

Mets es kein lediger Mann ist. Leicht konnts gar t>er Teufel^in, Alle in Bersuch^ng führen will Ganz verstört sieht sie dreru da sie WrückllnnrM inL Haus. Was ihr denn ist? fvagt gutmeinend

»5SC 8 m-, y- &!le.^

nyr und langsam, rinnen zwei Traneii ihr die hohle Wange yera^ orra Mtt ibis jemand ins Gesicht geworfen, was sm selbst sich Zk 8 nicht Ne§n wollte: dah sie kein Weihnachtsfest mehr erleben toir& ®inen bittend nassen Blick richtet sm auf dm Magd.

WE du deinen Kindern Brot gibst, gib- auch meinen Kin- bernBrot!" Nichts weiter sagt sie. ..

Mitleidig, reuig bemüht sich die Dirn um sie, sucht dm trübe Ahnung auszureöen. And suhlt doch selbst, dah es

Mt Ilst"gÄAden. Draußen am Freithos schläft die anders Der Bauer ^nach Ablauf des Klageiahres, hat dm rüstige ®trn Irei? eine der ileihigsten und saubersten rm ganzen Lmd^Tawl. Run ist sie die Bäuerin, schafft, regiert, wird bald auch Mutter

^H^Sie kommen heim jedes ein Kind führeiid. Drin ist's hell und

das Scharren von Tritten und der fromme Gesang erschallt.

Stille Rächt, heilige Rächt.

Ja richtigt: die St ernsinger. Der Ramthaler weih, was Brauch ist hat^ein Stamperl vom besten Schnaps für sm bereit, em Ecktiaes Stück Kletzenbrot, auch ein kleines Geldgeschenk De Sänger in die Stube genötigt, drucken ihren Dank durch gute Wünsche aus: .

Wir wünschen dem Dauer em goldnen ^>!ch.

An allen vier Ecken ein' bratenen Fisch -

Wir wünschen der Bäurin rm neuen Jahr

Ein neugeborn's Christkindl mit krausem Haar

Verstohlen lächelnde Blicke gehen hinüber W Rainthalerin, die am Pfosten lehnt, an einer Hand den Miben, die anders auf das Köpfel des kleinen Mädchens gelegt. Was sm sich vorgeseht bat an diesem Abend, braucht niemand zu wissen: genug, dah Gott es weih. Sv viel Kinder er ihr geben will, sm wird Brot und Liebe gleich austeilen unter sie und die überkommenen. Der Hlm melsberr wird ihr helfen dazu.--- , ___

Die Sternsinger sind fort. Dem einen, der ihr sein Licht ge liehen, hat die Frau noch ein Extrapäcklein zuges^ckt. Deutlich klingt durch die heilige Stille der Christnacht der Abschiedsgruh der Weiterziehenden: , _ , .

Amen, Amen! Das werde wahr:

Gott sollen wir loben immerdar!

Der Weihnachtsabend.

Bon Adalbert Stifter. (Fortsetzung.)

hierauf aina sie geschäftig hin und her und steckte SaS Kalb- fellrünzchen voll und steckte ihm noch allerlei in dm Taschen. ^Buch in den Täschchen von Sanna tat sie allerleiDinge. Sie grch «in Stück Brot, es auf dem Wege zu verzehren, und in dem R<mz

Weile nicht rm rauhen Stalle, Äleibe nicht im kalten Wind, Da dir unsre warmen Arme Zum Empfangen offen sind."

®ie Frau verkrampft betend die Hande.Lieber Heilan», erbarm dich, lah ihnen nichts geschehen sein! Grab-

Sie wankt üßer den Frmdhof, öwischen

Hügeln und eingesunkenen Kreuzen hindurch Jhr schaudert.

der Ramthalerischen. vkumm »nd leer, wm alle andern. Die Kinder sind nicht da. Ergmtlich K glaubhaft, dah st« sich hierher getraueii Wllmn un Dunkekm die Frau erwägt nichts nmhr. Sm kamt am Grab ihrer^ WS rin von Jammer geschüttelt:Verzecht mir s, W- -* . ,, verfluchen!" Wenn der Fluch einer Mutter aufihrwmwtnihrer schweren Stunde! Es darf nicht, es kann Nicht. Wm geiagr springt die Frau empor, hastet strauchelnd aus dem Stertor, den Kirckibüael hinab wohin? Sie weih ja Nimmer, wo sm such«

&ä, tu®, sm«.

«» l w--n

»«in"Oltann«

Ä neÄ MÄUt °°r ^nda^Dist's richtig du? Ich hab' mir's gleich denkt. Da schau hm-!" Anterm Lodenmantel läht er etwas zu Boden gleiten.

'L

* S'SS nut

sich reihen sie betasten, ob sie auch Herl und ganz sind. D^e Kleinmr, SLUMM-WM MZK-Ms«