Radio.
Don Gr. Georg Hentzel, Gletzen.
Ans meiner Schulzeit werden mir zwei wissenschaftliche Ereignisse stets in Erinnerung bleiben, die Entdeckung der Röntgenstrahlen und die Erfindung der drahtlosen Telegraphie. Wir hatten an unserer Schule einen sehr tüchtigen Physiker; nicht lange nachdem die Kunde von Röntgens aufsehenerregender Entdeckung durch die wissenschaftlichen und die Tageszeitungen gegangen war, hat er mit den einfachen Mitteln des Schillaboratoriums Röntgenaufnahmen gemacht, und ich sehe mich noch heute, den Schulranzen auf dem Rücken, vor der Buchhandlung stehen, in deren Schaufenster die ersten Abzüge der von unsernn Lehrer gemachten Ausnahmen ausgestellt waren, besonders ist mir im Gedächtnis das Bild der Hand eines Mi-schülers haften geblieben mit dem dunklen Fleck in der Mitte, der die Kugel bedeutete, die sich der Besitzer «inst in die Hand geschossen hatte.
Und dann erinnere ich mich einer Pause. Wir hatten eine Stunde Homer hinter uns, kamen herunter in den Schulhof und scharten uns staunend um den Wunderayparat, den unser Physiklehrer auf einem kleinen Tischchen stehen hatte: es war der Funken- induktor den er bei den Röntgenversuchen benutzt hatte, und jedesmal wenn zwischen 2 Metallkugeln die Funkenentladungen prasselnd übergingen, fing drüben am andern Ende des Schulhofes eine elektrische Klingel zu läuten an und hörte nicht eher auf, bis der dabei stehende Primaner energisch mit dem Bleistift an ein geheimnisvolles Glasröhrchen klopfte, in dessem Innern Metall- feilspäne silberig glänzten.
Der Funkeninduktor, entstanden durch Verbesserung und Vergröberung jenes ft einen summenden Apparates, der auch heute noch in der Medizin zum Elektrisieren benutzt wird, hat einst den Weg geöffnet zu zwei gewaltigen Gebieten der Wissenschaft und der Technik; mit ihm gelang es, den gleichmähig fließenden Strom der Batterien in einen Wechselstrom umzuformen, dessen hohe Spannung sich in meterlangen Funkenentladu igen dartat. Die mit stark verdünnter Luft gefüllten Röhren, an deren Ende Metallelektroden zur Zuführung und Ableitung eingeschmolzen sind und durch die man jene Entladungen hindurchgehrn lieh, sie bildeten einst die Glanzstücke der Erperimentalvorkräge der neunziger Jahre, wenn sie je nach der Glassorte und Form, ihr magisches buntes Licht ausstrahlten. Sie muten uns heute wie Spielzeug an gegenüber den Leistungen der Röntgegenröhre. die der modernen Heilkunde zum unentbehrlichen Werkzeug geworden ist Es hat verhältnismäßig lange gedauert, von 1858, als Plucker die ersten Entladungen im luftverdünnten Raum beobachtete, bis zum Jahr 1895 in dem Rön gm die seltsamen Eigenschaften der von diesen Röhren ausgehenden Strahlen entdeckte. Schneller ging die Ent- Wicklung auf dem andern Gebie", dem der drahtlosen Telegraphie. Die Hauptvorarbeite-n hatte Heinrich Hertz geleistet durch den Rach» weis daß von der Funkenstrecke des Induktors elektrische Wellen in den Raum ansstrahlen, Wellen ähnlich den Schallwellen die von einer tönenden Stimmgabel ausgehen. Rur fehlte das empfindliche Ohr das solche Wellen der Wahrnehmung zugäng'ich machte. Dieses fand Branly 1890 in dem Kohärer oder Friitro. Der Bran- lysche Detektor, wie wir ihn heute nennen, besteht aus jener oben geschilderten mit Metallfcilicht gefüllten Röhre mit der merkwürdigen Eigenschaft, den elektrischen Strom erst dann durchtu- lassen, wenn sie von elektrischen Wellen getroffen wird. Diese Eigenschaft verliert sie erst wieder, wenn man sie durch Klopfen erschüttert. Den naheliegenden Gedanken, die elektriichen Wellen zur Zeichengebung in die Ferne zu benutzen, hielt Hertz noch für aussichtslos: ihn in die Wircklichkeit umgesetzt und die Fruchte der mühevollen Hertzschen Versuche geerntet hat der Italiener Marconi. Sein Verdienst besteht in der Einführung der Antenne, jenem Draht oder jenem System von Drähten, das, hoch in die Lüfte ausgespannt, die erzeigten elektrischen Schwingungen weithin in den Raum ausstrahlt. Schon 1903 gelang es Marconi, den atlantischen Ozean von England nach Kanada drahtlos zu überbrücken.
And nun begann eine Entwicklung, wie sie in der Geschichie der Technik kaum jemals da war. Zwei Ziele winkten. Das eine war die Erzielung möglichst großer Reichweiten. das andere war die drahlose Aebertraging der menschlichen Sprache statt der Morsezeichen, die drahtlose Telephonie Beide Ziele können wir heute als erreicht betrachten, wenn auch hier und da immsr noch Verbesserungen und Vereinfachungen möglich si id. Für die Wellen- tcleg a.vhie ist der Erdball zu klein geworden, auch das Problem der Welttelephvnie ist in der Radiotelephonie gelöst.
Die Aeberwindung auch der groß en irdischen Entfernungen gelang durch Verbesseruna und Verstärkung der Sendestationen und durch Steigerung der Empfindlichkeit der Emvfangsemrich'un- gen, hier vor allem durch Konstruktion hochempfindlicher Detektoren. Die letzte Aufgabe ist auf verschiedene Weise gelost worden im Detektor, der auch jetzt noch viel verwendet wird. Der sog. Kristalldetektor besteht aus einer Metallspihe. die gegen einenl leitenden Kristall durch eine Feder gedrückt wird. Mit diesem Kristalldetektor waren die Funkenapparate ausgerüstet, mit denen wir in den Krieg zogen, ihn benutz en z. B. auch die Flieger, um die ihnen von der Erde aus gesandten Rach richten aufzunehmen.
Die Kernfrage der zweiten Ausgabe war es. ob es gelang, statt der gedämpften Wellen des Senders ungedämpfte elektrstcye Wellen auszusenden. Am den Antersch'.ed klar zu machen, em Beispiel aus der Musik: Wenn wir an einer Violinsaite zupfen, dann hören wir zunächst einen lauten Ton, der aber schnell ab« klingt, oder, wie man sagt, gedämpft wird, wenn wir dagegen vle- selbe Saite mit dem Bogen streichen, dann erhalten wir einen Ton von gleichbleibender Stärke, der solange anhält, als ihm durch ot Bewegung des Bogens Energie zugebährt wird, „die Saite tuyrr dann ungedämpfte Schwingungen aus". Der elektrische Fu ite il fett nur gedämpfte Schwingungen. Diese waren zwar für Leie graphie brauchbar, die Wellentelephonie verlangte ungedämpfte Schwingungen. Diese lassen sich erzeugen durch sog Ä^chfregu i Maschinen oder durch den Lichckwgengenerator des däm'chen pyy fikers Poulsen, dem 1902 die Aebertragung der menschlichen Sprawe durch elektrische ungedämpfte Wellen zum erstenmal gelang diesen Sendern für ungedämpfte Wellen fehlt naturgemau
einaelebt hak, plötzlich, in einer anderen Ballade zur Darstellung des^Endes des 15. und des Anfangs des 16. Jahrhunderts m Europa überzugehen, zur Darstellung Italiens, des Papsttums, der Kirchenkunst, Raffaels, der Anbetung des Apollo von Belvedere. der ersten Gerüchte über die Reformation über Lut^r, über Amerika, über das Gold. Spanien und England, - das wäre ein ganzes farbenglüheiides Bild als Parallele zu allen vorher» sehenden russischen Bildern, — aber mit Andeutungen über die Suhmft dieses Bildes, über die fünf ige Wstienschaft den Aihels- muä die auf westliche, und nicht auf unsere Weise erfaßten R e ch t e d^r Menschheit, welche Auffassung auch die Quelle st von allem was ist und sein wird. 3n meiner glühenden Vorstellung Ä F* foJxÄ man Öen Heldengesang nicht d-i Peter ab- brecheii sollte, dem man unbedingt besonders gute Worteund ein schönes Poem mit kühnen und aufrichtigen A.rsich.en. u n feren Ansichten widmen mühte. Ich würde bis zu Byron,
... ©atfiarina und noch weiter gehen, — bis zur Befreiung L LeiLIen bL zur Zerstreuung unserer Bojaren mit den Wen Pap^errnbeln in Europa, bis zu den vornehmen Damen küe mit einem Borghese huren, bis zu den Seminaristen. dm den Atheismus predigen, bis zu den q^lmenschlichm un) allweltlichen Bürgern den russischen Grafen, die Kritiken und Dovellen schreiben usw9 usw. Die Polen müßten einen großen Baum einnehmen. Enden würde ich mit phantastischen Bildern der Zukunft Rußlands: Rußland nach zwei Jahrhunderten neben dmi eiloschenen zerfetzten und vertierten Europa mit seiner Zivilisation. Hier würde ich vor keiner Phantasie haltmachen...
Sie halten mich in diesem Augenblick natürlich für verrückt, hauptsächlich aus dem Grunde, weil ich so viel schreibe weil man über alle diese Dinge persönlich sprechen, und Nicht scyrelben muhte, denn in einem Brief kann man doch nichts verständlich wieder- «eben Aber ich bin ins Feuer gekommen. Sehen Sie. als ich nun bi Ihrem Briese las, daß Sie ähnliche Balladen schreiben, wunderte ich mich sehr darüber, daß uns beiden, die wir so lange getrennt sind der gleiche Gedanke über d.rs gleiche M>em gekommen ist. Ich freute mich darüber und wurde dann wachd^mlich. ob wir es beide gleich auffassen? Sehen Sie: meine Idee besaht darin dah diese Balladen ein großes nastvnales Buch werden und viel zur Wiedergeburt des Selbstbewuß seins bei den Russen beitragmi könnten. Horen Sie doch. Apollon Nikolajewitsch. alle Schuljungen werden ja diese Gedicht kennen und auswendig lernem Wenn sie aber das Poem auswendig lernen. Jo lernen sie auch seine Idee und die Tendenz, und da diese Tendenz rich ig ist so wird sie in ihren Seelen fürs ganze Leben bleiben Da diese Gedichte und Poeme verhältnismähig stürz sind, l» wird sie die ganze russische Leserwelt lesen wie das ..Konstanzer Konzil das viele auch heute noch auswendig kennen. Defbalb handelt es sich hier nicht einfach um ein Poem und seine literarische Bedeutung sondern um eine Wissenschaft, eine Predigt, eine Tat Als ich Ihnen im vorigen Jahr schreiben unb Sie überreden wollte, riesen Gedanken zu ergreiefn, dachte ich bei mir: wie soll ich es ihm o sagen, dah er mich vollkommen versteh.? Run begeistern Sie sich plötzlich nach einem Jahr felöft für t e g l e t d) e und halten es für nötig, sie auszufuhren! Also ist die Söee Ach in! Aber eines ist unbedingt notwendig: die Poeme müssen von einer ungewöhnlichen pveischen Schönheit fein., dannt^ fiel&en Leser so hinreihen, daß er sie unwillkürlich auswendig lernt. Mein Fi-eund. bedenken Sie. vielleicht war Ihre ganze poetische Laufbahn bisher nur ein Vorwort, eine Einleitung vielleicht werden Sie erst jetzt ein Ihrer Kraft entsprechendes n e u e s Wort Ihr neues Wort sagen können! Bet-.mch.en Sie daher die Sache ernster, tiefer und mit mehr Begeisterung. Vor allem aber ist möglichst viel Einfachheit und Raivität vonnoten. Dann nod> dieses: schreiben Sie es in Reimen, und nicht im allrussischen Versmaß. Lachen Sie nicht darüber! Das ist wichtig: letzt ist der Reim volkstümlich, das allrussische Versrn atz aber akademisch. Keine einzige Dich'ung ohne Reime bletvi tm Gedächtnis haften Das Volk dichtet nicht mehr im alten Vers- maß sondern nur in Reimen. Wenn Sie es ohne Reime (und ohne häufige Trochäen) schreiben, verderben Sie die Sache. Sie dürfen über mich lachen, aber ich spreche die Wahrheit! Die rohe Wahrheit!"...


