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***& 'E E zu Dem Innigen um, Gleichartigen kommen lieh, 8, Dschcnderinnen gegen Gfchaiderinnen, Gschaider gegen VfchaiLer hatten. Es toar so, lieh sich nicht abstellen unb wurde «nch di« bessere Tracht und durch das erleichterte häusliche Leben der Schusterin noch vermehrt.

Sie hatte ihrem Manne nach dem ersten Jahre einen Sohn m ^trugen Jahren darauf ein Töchterlein geboren. Sie glaubte Wer, bah er die Kinder nicht so liebe, tone sie sich vorstellte, bah sem solle, und tone sie sich bewußt tocrr, bah sie dieselben! Re?«; denn sein Angesicht tvar meistens ernsthaft und mit seinen Arbeiten beschäftigt. Er spielte und tändelte selten mit den Kin- bern und sprach stets ruhig mit ihnen, gleichsam so, wie man Mit «Erwachsenen spricht. Was Nahrung unö- Kleidung und an­dere anher« Dinge anbelangte, hielt er die Kinder untadelig.

In der ersten Zeit der Ehe kam die Färberin öfter nach Vfchaid, und die jungen Eheleute besuchten auch Millsdvrf zu- ttjeilcit ,bei Kirchtoeihen oder anderen festlichen Gelegenheiten. Als <wer die Kinder auf der Welt tvaren, toar die Sache anders ge- worden. Wenn schon Mütter ihre Kinder lieben und sich nach ihnen sehnen, so ist dieses von Grohmüttern in noch höherem Grade der Fall: sie verlangen zuweilen mit wahrlich krankhafter Sehn- sticht nach ihren Enkeln. Die Färberin kam sehr oft nach Gschaid herüber, um die Kinder zu sehen, ihnen Geschenke zu bringen, eine Weile da zu bleiben und dann mit guten Ermahnungen zu schei­de»^ Da aber das Alter und die Gesundheitsumstände der Fär-

öfteren Fahrten nicht mehr so möglich machten, und der Färber aus dieser Ursache Einsprache tat, wurde auf etwas anderes gesonnen, die Sache wurde umgekehrt, und die Kinder kamen letzt zur Grohmutter. Die Mutter brachte sie selber öfter «r einein Wagen, öfter aber wurden sie, da sie noch im zarten Alter waren, eingemummt einer Magd mitgegeben, die sie in einem Fuhrwerke über den Hals brachte. Als sie aber größer waren, gingen sie zu Fuhe entweder mit der Mutter oder mit einer Magd nach Millsdorf, ja, da der Knabe geschickt, stark und klug geworden war, lieft man ihn allein den bekannten Weg über den Hals gehen, und wenn es sehr schön war, und er bat, erlaubte man auch, daft ihn die kleine Schwester begleite. Dies ist bei den Dschaidern gebräuchlich, weil sie an starkes Fuftgeben gewöhnt sind, und die Eltern überhaupt, namentlich aber ein Mann wie der Schuster, es gern sehen und eine Freude daran haben, wenn ihre Kinder tüchtig werden.

So geschah es, daft die zwei Kinder den Weg über den Hals öfter zurücklegten, als die übrigen Dörfler zusammen genommen, und da schon ihre Mutter in Gschaid immer gewissermaften wie eine Fremde behandelt wurde, so wurden durch diesen Umstand auch Vie Kinder fremd, sie waren kaum Gschaider und gehörten halb Nach Millsdorf hinüber.

Der Knabe Konrad hatte schon das ernste Wesen seines Me­ters. und das Mädchen Susanna, nach ihrer Mutter so genannt, »der, wie man es zur Abkürzung nannte, Sanna, hatte viel Glau­ben zu seinen Kenntnissen, seiner Einsicht und seiner Macht und Blich unbedingt unter seine Leitung, geradeso wie die Muttev unbedingt unter die Leitring des Vaters gab, dem sie alle Ein- : und Geschicklichkeit zutraut«.

An schönen Tagen konnte man morgens die Kinder durch das Tal gegen Mittag wandern sehen, über die Wiese gehen und dort anlangen, wo der Wald des Halses gegen sie her schaut. Sie näherten sich dem Wald, gingen auf seinem Wege allgemach über bi« Erhöhung hinan und kamen, ehe der Mittag eingetreten war, auf den offenen Wiesen auf der anderen Seite gegen MMsdorf hinunter. Konrad zeigte Sanna die Wiesen, die dem Großvater gehörten, dann gingen sie durch seine Felder, aus denen er die Vetreidearten erklärte, dann sahen sie auf Stangen unter dem Vorsprunge des Daches die langen Tücher zum Trocknen herab- hängen, die sich im Winde schlängelten oder närrische Gesichter machten, dann hörten sie seine Walkmühle und seinen Lohstamps, bie er an seinem Dache für Tuchmacher und Gerber angelegt Satte, dann bogen sie noch um eine Ecke der Felder und gingen jn kurzem durch die Hintertür in den Garten der Färberei, wo st« von der Großmutter empfangen wurden. Diese ahnte immer, wenn die Kindr« kamen, sah zu den Fenstern aus und erkannte sie txm weitem, wenn Sannas rotes Tuch recht in der Sonne leuchte'e

Sie führte die Kinder dann durch die Waschstube und Presse tn das Zimmer, lieft sie niedersetzen, lieft nicht zu, daft sie Hals­tücher oder Jäckchen lüfteten, damit sie sich nicht verkühlten' und behielt sie beim Essen da Aach dem Esten durften sie sich lüften spielen, durften in den Räumen des großväterlichen Hauses her- umgetjen oder sonst tun, was sie wollten, wenn es nur nicht uw­schicklich oder verboten war. Der Färber, welcher immer bei dem Essen war, fragte sie um ihre Schulgegenstände aus und schärfte ihnen besonders ein, was sie lernen sollten. Nachmittags wurden si« von der Groftmutter, schon ehe die Zeit kam, zum Aufbruche getrieben, daft sie ja nicht zu spät kämen. Obgleich der Färber keine Mitgift gegeben hatte und vor seinem Tode von seinem Ver­mögen nichts wegzugeben gelobt hatte, glaubte sich die Färberin an diese Dinge doch nicht so strenge gebunden, und sie gab den Kin- t>ern nicht allein während ihrer Anwesenheit allerlei, worunter Nicht selten ein Münzstück und zuweilen gar von ansehnlichem □Berte war, sondern sie band ihnen auch immer zwei Bündelchen gufammen, in denen sich Dinge befanden, von denen sie glaubte, daft sie notwendig wären, oder daft sie den Kindern Freude

kmlnten Unb tocrr,. oll die nämlichen Dinge im Dchuster- haus« in GschaD ohnedem in aller Trefflichkeit vorhanden waren, so gab st« die Groftmutter in der Freude des Gebens doch und Li« Kinder trugen sie als etwas Desonderes nach. Hause So LklchhstF nun, daft die Kinder am heiligen Abend schon unwissend re Geschenke m Schachteln gut versiegelt und verwahrt nach $ ihnen in der Nacht einbeschert werden sollten.

Werl die Groftmutter die Kinder immer schon vor der Zeit zum Fortgehen drängte damit sie nicht zu spät nach Hause kämen, so erzielte sie hrerdura), daft- die Kinder gerade auf dem Wege bald an dieser bald an jener Stelle sich aufhielten. Sie saften gerne an dem Aifelnuftgehege, das auf dem Halse ist, und schlugen mit ©teuren Aaste auf, oder spielten, wenn keine Nüsse waren, mit -Blattern oder mit Hölzlein oder mit den weichen, braunen Zäpf- chen die im ersten Frühjahr von den Zweigen der Nadelbäume herabfrelen. Manchmal erzählte Konrad dem Schwesterchen Ge­schichten, oder toenn sie zu der roten .Unglückssäule kamen, führte er sie ein Stück auf dem Seitenwege links gegen die Höhen hinan und sagte ihr, daft man da auf ben Schneeberg gelange, daft dort Felsen und Steine seien, daft- die Gemsen herumspringen und grofte Vögel fliegen. Er führte sie oft über den Wald hinaus, ste betrachteten dann die dürren Rasen und die kleinen Sträucher der Heidekräuter: aiber er führte sie wieder zurück und brachte sie immer vor der Abenddämmerung nach Hause, was ihm stets Lob eintrug.

Einmal war am heiligen Abende, da die erste Morgendäm­merung in dem Tale von Gschaid in Helle übergegangen war, ein dünner, trockener Schleier über den ganzen Himmel gebreitet, so daß- man dis ohnehin schiefe und ferne Sonne im Südosten nur als einen undeutlichen roten Fleck sah, überdies war an diesem Tage eine milde, beinahe lauliche Luft unbeweglich im ganzen Tale und auch am Himmel, wie die unveränderte und ruhige Ge­stalt der Wolken zeigte. Da sagte die Schustersfrau zu ihren Kindern:Weil ein so angenehmer Tag ist, weil es so lange nicht geregnet hat und die Wege fest sind, und- weil es auch Bei* Vater gestern unter der Bedingung erlaubt hat, wenn der heutige Tag dazu geeignet ist. so dürft ihr zur Groftmutter nach Mills- dors gehen: aber ihr müftt den Vater noch vorher fragen."

Die Kinder, welche noch in ihren Nachtkleidchen dastanden, liefen in die Nebenstube, in ioelcher der Vater mit einem Kunden sprach, und baten um die Wiederholung der gestrigen Erlaubnis, weil ein so schöner Tag sei. Sie wurde ihnen erteilt, und sie liefen wieder zur Mutter zurück.

Die Schustersfrau zog nun ihre Kinder vorsorglich an oder eigentlich, sie zog das Mädchen mit dichten, gut verwahrenden Kleidern an; denn der Knabe begann sich selber anzulleiden und stand viel früher fertig da, als die Mutter mit Sem Mädchen hatte ins reine kommen können. Als sie dieses Geschäft vollendet hatte, sagte sie:Konvad, giß' mir wohl acht: weil ich dir Idas Mädchen mitg-ehen lasse, so müsset ihr beizeiten fortgehen, ihr müsset an keinem Platze stehenbleiben, und toenn ihr bei der Groft- mutter gegessen habt, so müsset ihr gleich wieder umkehren und nach Hause trachten: denn die Tage sind jetzt sehr kurz, und di« Sonne geht gar bald unter."

Ich weift es schon, Mutter," sagte Konrad.

älnd siehe gut auf Sanna, daft sie nicht fällt oder sich erhitzt." Ja, Mutter."

So, Gott behüte euch und geht noch zum Vater und sagt, daft- ihr jetzt sortgehet."

Der Knabe nahm eine von seinem Vater kunstvoll aus Kalb­fellen genähte Tasche an einem Riemen um die Schulter, und die Kinder gingen in die Nebenstube, um dem Vater Lebewohl zu sagen. Aus -dieser kamen sie bald wieder heraus und hüpften, von der Mutter mit einem Kreuze gesegnet, fröhlich auf die Gasse.

Sie gingen schleunigst längst des Dorfplatzes hinab' und dann durch die fünfer gaffe und endlich zwischen den Planken der Obst­gärten in das Freie hinaus. Die Sonne stand schon über den mit milchigen Wolkenstreifen durchwobenen Wald der morgend­lichen Anhöhen, und ihr trübes, rötliches Bild schritt durch die laublosen Zweige der Holzapfelbäume mit den Kindern fort.

In dem ganzen Tale war kein Schnee, die größeren Berge, von denen er schon viele Wochen herabgeglänzt hatte, wurden damit bedeckt, die kleineren standen in dem Mantel ihrer Tannen­wälder und im Fahlrot ihrer entblößten Zweig« unbeschneit und ruhig da. Der Boden war noch nicht gefroren, und er wäre ver­möge der vorhergegangenen langen regenlosen Zeit ganz trocken gewesen, wenn ihn nicht die Jahreszeit mit einer zarten Feuchtig­keit überzogen hätte, die ihn aber nicht schlüpfrig, sondern eher fest und widerprallend machte, daft sie leicht darauf fortgingeu. Das wenige Gras, welches noch auf den Wiesen und vorzüglich an den Wassergräben derselben toar, stand in herbstlichem An­sehen. Es lag fein Reis, und bei näherem Anblicke nicht einmal ein Tau, was nach der Meinung der Landleute baldigen Regen Bedeutet.

Gegen di« Grenzen der Wiesen zu war ein Gebirgsbach, über welchen ein hoher Steg führt. Die Kinder gingen auf den Steg und schauten hinab. In dem Dache war schier kein Wasser, ein dünner Faden von sehr stark blauer Farbe ging durch die trockenen Kiesel des Gerölles, die wegen Regenlosigkeit ganz weift- gewor­den waren, und sowohl die Wenigkeit als auch die Farbe des Wassers zeigten an, daft- in den größeren Höhen schon Kälte Herr«