Vormittagsstunden die von Amerika herüberkvmmenden Funkwellen an Intensität stark abnehmen und an einem bestimmten Zeitpunkte die Hörbarkeit g a n z v e r s ch w i n d e t. Auch nachmittags ’ treten um eine bestimmte Zeit ähnliche Störungen auf, doch wesentlich schwächer. Sonderbar hierbei ist nun, bah dieses Minimum der Wahrnehmbarkeit stets um die Zeit eintritt, in der sich die Mitte zwischen beiden Stationen gerade auf der Vorderseite der Erde in bezug auf ihre Bahnbewegung um die Sonne befindet. Aus diesem -Umstande muh also auf, offenbare Zusammenhänge mit kosmischen Ereignissen bzw. Zuständen geschlossen werden, das „Wie" ist allerdings zunächst unentschieden.
Mit diesem Problem eng verbunden ist die Frage des hypothetischen Aethers als Träger dieser elektrischen Wellen- forkpflanzung, weshalb es hier noch, kurz gestreift sei. Dieses nach den bisherigen Vorstellungen so widerspruchsvolle Medium ist physikalische oder gar mechanisch schwer zu sassen bzw. festzuhalten, es muh aber als Träger des Lichtes als ein den Weltraum erfüllendes Etwas gefolgert werden, da es anders nicht verständlich wäre, wie das Licht als wellenförmige Fortpflanzungswirkung von den entferntesten Sternen zu uns gelangen könnte. He nach den verschiedenen VerfwHsergebnissen, die man zur materiellen Erfassung des Aethers unternahm, wurden die gewagtesten Theorien und Vorstellungen über diesen rätselhaften Stoff angestellt. Als eine Hauptursache für die verschiedenen, nicht gerade immer überzeugenden Aetherbeschreibungen dürfen wohl die Versuchsergebnisse von Michelson gelten. Es handelt sich bei diesen um einen scharfsinnigen Spiegelversuch zu dem Zwecke, auf optischem Wege eine absolute Bewegung der Erde gegen den als ruhend angenommenen Weltäther nachzuweisen. Das Resultat dieser Versuche war jedoch negativ-, da ein Effekt nicht wahrgenommen wurde. Man stand vor einem Rätsel, und die verschiedensten Erklärungsversuche wurden herangezogen, um den sich hier ergebenden offen» baren Widerspruch- mit anderen Versuchsresultaten zu überbrücken; es sei nur auf die vielbesprochene Einsteinsche Relativitäts-Theorie hingewiesen.
Hier scheinen nun Anschauungen über das Wesen kosmischen Geschehens, besonders bezüglich der Sonnen-Probleme, wie sie in meinem soeben im Berliner Verlag Winckelmann und Söhne erschienenen Buch „Sonnenflecken und kosmisches Geschehen" entwickelt sind-, eine befriedigende Deutung dieser Probleme zu gestatten, weshalb sie hier, soweit sie diese betreffen, auszugsweise wieder- gegeben seien.
Bereits von Robert Mayer, dem Entdecker der Gleichwertigkeit von Wärme und mechanischer Arbeit, ist gefolgert worden, daß die von der Sonne ausgestrahlte Energie durch hineinstürzende Meteore bestritten werden müsse. .Diese Theorie wurde aber seinerzeit wegen des hierbei zu erwartenden Maffenzuwachses der Sonne sowie der zu seltenen Meteoreinstürze aus die Erde als mit Erfahrungstatsachen in Widerspruch stehend, bald aufgegeben.
Die in dem erwähnten Buche abgeleiteten Anschauungen bauen auf der gleichen Grundanschauung auf. Insbesondere wird in Anlehnung an andere Raturvorgänge gefolgert, dah angesichts der ungeheuren Energie-ilmsehungen bei Meteoreinstürzen in die Sonne eine Verfeinerung, Zertrümmerung, eines wesentlichen Teiles der einstürzenden kosmischen Materien in eine Art Aggregatzustand der Materie stattfinden müsse, der wohl mit großer Wahrscheinlichkeit als der rätselhafte Aether aufgefaßt werden darf. Rach- Maß- gäbe des so stetig neu erzeugten Aethers auf der Sonne muh natürlich eine ständige Aetherabwanderung von dort in den Raum stattfinden. Vergegenwärtigen wir uns von diesem Gesichtspunkte aus das Verhältnis zwischen Erde und dem von der Sonne wegstrebenden Aether, so folgt zunächst, dah an der Tag-Rachtgrenze ein über die Erde hinwegstreichender Aetherwind vorhanden fein muh. Aus der gleichen Richtung der Rotationsbewegung der Erde um ihre Achse einerseits und ihrer Dahnbewegung um Cie Sonne andererseits folgt nun, dah an der Vorderseite der Erde in bezug auf die Bahnbewegung, das ist morgens, die verhältnis- mähige Aethergeschwindigkeit größer, an der Rückseite (abends) dagegen kleiner sein muh, als dem Mittel entspricht. Verfolgt man nun die Konstellation der beiden hier betrachteten Funkenstationen anhand- eines Globus, wenn beide sich an der Vorderseite befinden, so kann man feststellen, dah die Station Chantam sich in bezug auf Geltow auf der der Sonne abgekehrten Seite befindet; in Ehatam aufgegebene Funkwellen müssen sich also bei dieser Erdstellung auf dem Wege nach Geltow gegen den Aetherstrom hin durcharbeiten, und zwar nicht nur gegen den mittleren, sondern gegen den erwähnten vergrößerten. Hiernach könnte man sich also vvrsteilen, daß die Funkwellen gewissermaßen von dem „Aetherwind" in ähnlicher Weise zurückgedrängt, fortgeweht werden, wie etwa Schallwellen durch einen Luftwind. Wie man, auf freiem Zelde stehend, die Klänge eines Kirchengeläutes förmlich auf fkf) zugetragen empfindet, wenn der Wind aus der Richtung der Kirche auf einen zukommt, und umgekehrt die ertönenden Glocken in die Ferne zu entschwinden scheinen, wenn der Wind in entgegengesetzter Richtung weht, so erscheint es auch erklärlich, daß bei dieser Grdstellung die in Ehatam aufgegebenen Funkwellen au ihrem Wege nach Geltow mehr oder weniger abgefchwächt, gewissermaßen zum Teil in den Weltraum hinausgeweht werden müssen. Dah um die entsprechende Rachmittagsstunde nur geringfügige Störungen in der Aufnahme der Funksprüche in Geltow eintreten, erklärt
— „Don China, Schiffsarzt, will nach Haufe auf zwei Tage und Hann nach Afrika. Hast du Zeit? Wo gibt es hier gutes Bi«? Hattest du eine weiche Stunde, dah- du damals dich so offen gabst? Ms ich dich auf den Bahnhof brachte, wollten unsere Hände sich tzärnicht trennen.
Wieder ein Jahr weiter, da klingelte es. Dunkelbraun im Macken, rotbraun das Gesicht, rostrot die Hände, standest du vor Mir War das eine Freude. „Was habt ihr zu Mittag?' „Dicke Bohnen und Dauchspeck." — „Mensch, das ist ja famos. Kein einziges Mal gab es das an Bord!" Das war ein lustig Mittagessen, gespickt mit Seekalauern, Matrosenscherzen, Tropen- Witzen. „älebrigens ich habe in Dingens, zwei Meilen bon hier, die Praxis übernommen. Bauernpraxis, kein Kuchen, schwerer, saurer Pumpernickel, aber das ist gerade was für mich
Der sture Westfale wurde mein bester Freund. Jede Woche schwirrte er auf dem Rade heran, bald schimpfend- über die dickköpfigen Dauern seines Dorfes am Heiderands, bald lustig, wenn er dem Tode einen Menschen abgerungen hatte. Ab und an W qerte ich die zwei Meilen hinaus, um in blühender Laube, bet staubigen Flaschen und bei ländlicher Kost, beim Datnpfe der extrafeinen Zigarre — „nur der Pastor und der Apotheker kriegen davon" — Altes und Reues durchzusprechen. Am, liebsten aber Altes, Schulschnurren, Studentengeschichten. Erlebnisse tn Asten, Afrika Amerika. „Denkst du noch- an den ollen Moller, unfern, Historiker; den wüsten Jäger? Seine ewige Redensart war iin der Klasse, wenn er einen von uns nicht sehen konnte: „Ei, du Lommel, ß-etz dich ho, daß ich dich hetzen kann!" -Und einmal malte der lange Kvrling — er ist jetzt Arzt da oben in Ostfriesland und ein Prachtkerl geworden -— den ollen Möller an die Tafel, wie er auf einen Sechserbock anschlägt, der sich hinter einem Baumstamm druckt. Darunter schrieb er: „Ei, du Lömmel, hetz dich ho, dah ich Ach ßehen kann." Wir kamen aus dem Lachen gar nicht heraus, bis der olle Möller hereinkam. Der lange Körling wollte schnell alteg auswischen, aber es ging nicht mehr. Der olle Moller sah sich das Gemälde an, lachte und sagte: „Körling, Sie haben kein übles Talent. Wenn Sie auch nur halb- so gut die römische Geschichte fonntcn __
Hinter mir, am Machandelbusche, blinkert mein Rad in der Septembersonne. Wie oft quälte Fritz mich: „Mensch, lerne doch- Dadfahren, dann kannst du mich öfters besuchen! Ich kamt doch nicht immer die Praxis int Stiche lassen!" Er quälte und quälte, ich aber lieh- Herbst und- Frühling und Sommer vergehen, bis ein neuer Herbst die Bäume färbte. Dann endlich lernte ich die Lenkstange handhaben. „ ., , L, .,,
Monatelang war Fritz nicht zu mir gekommen, ich hatte nicht Zeit hinauszuwa-ndern, Driefschreiben verblieb Endlich, kam er, totenblaß und mager, wankend. „Ich habe zwei Monate Bet Mutter krank gelegen. Jetzt bin ich wieder durch, das heißt, so ganz noch nicht, aber die Praxis ruft.“ Ich riet ab: „Erhole dich zu Hause, oder im Süden, laß die Praxis zum Kuckuck gehen, du bist ja noch todkrank." Aber rede einer bei dem Eisenkopf. Mit Angst und Bangen mußte ich ihn von mir lassen-.
Einige Tage darauf treffe ich einen Bauer aus dem Dorfe: „Wie geht's dem Doktor?" — „Sehr schlecht." Rach Hause, aufs Rcid und hinaus durch den hanbhvhen Schmutz im Herbstregen. Ich kannte ihn kaum wieder; das Gesicht so schmal, die Hände so zart, die Haare — fo krank, „’n Oewergang, min Jungchen, t ward bald hättet'l" scherzte er noch mit halber Stimme. Gr war in Rächt und Regensturm zu einer Wöchnerin geeilt, hatte zwei Leben gerettet und- seines dafür gegeben. Durchgeregnet, überwacht, über» Hungert war er fiebernd- zu Hause zusammengebrochen.
Ein Held ohne steinernes Denkmal, über die Armen und Kranken vergessen den jungen Doktor nicht, der nur kurze Zeit unter ihnen weilte, dessen Worte so hart, dessen Herz so weich war.
Am nächsten Tage rief ein Telegramm mich an sein Totenbett. Drei Tage später geleitete ich- ihn, wie einst vor 3 Jahren, wieder zum Bahnhöfe. ,
por, Rebelstreifen kriechen aus dem Moore, Moor und Dam- Por Rebelstreifen kriechen aus dem Moore, und Moore und Dämmerung verhüllen das Kirchlein des Dorfes dort hinten zwischen Heide und Moor, wo er wirkte, mein letzter Freund.
Ob ihm ein allerletzter folgen wird? Ich- glaube es nicht. Aber eine Freundin habe ich mein lebelang, eine gute, treue, mütterliche Freundin, die alle Sehnsucht stillt und jeden Schmerz heilt, ... die blühende Heide.
Kosmische Störungen des Radio- sernverkehrs.
Von R. Wusso w.
Durch das z. Zt. aufblüh-ende Rundfunkwesen wird die Aufmerksamkeit der breiteren Oesfentlichkeit auf die geheimnisvollen Kräfte gelenkt, die sich- uns in der drahtlosen Telegraphie offenbaren. Aber nicht nur dem Laien, sondern auch dem Fachmann bieten eigenartige Erscheinungen int Radioverkehr Rätsel, für die er bisher noch keine genügende Erklärung und Deutung gefunden hat. Sv treten im Telefunken- Fernverkehr zwischen Grvßstativnen täglich merkwürdige Störungen auf, z. B. zwischen Ehatam bei Reuhork als Sendestativn und Geltow bei Potsdam als Empfangsstation. Diese Störungen sind derart, daß zu bestimmten


