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Ober» Lai S freilich fehlen. an Fundstellen des WetternagedieteS (g.03. Wölfersheim) aber sehr schön vertreten sind. 'Dazu kommt der Eheliegende Gedanke, daß die Sitte desSchacht- gvabes" auf die alte Bestattung in der Wohngrube zurückwstst.

Die U e b e r l a g e r u n g der typologisch jüngeren Kultur durch die ältere, wie der erste Hügel des Gichholzes sie ergab, ist vermutlich folgendermaßen ganz einfach zu erklären: Die süd­deutschen Drvnzezeitleute der Wetterau fiird den Wichen und Höhen entlang am Südhang des Vogelsbergs empor gezogen. Da­bei braucht man nicht gleich an das Wachdrängen der .Urnenfelder- bauern aus dem Süden zu denken, die gegen Ende des zweite« vor­christlichen Hahrtausends die Wetterau erfüllten. Wenn nun die Träger dermodernen", süddeutschen Bronze-Kultur in den Vo­gelsberg gerückt sind, so ist cs natürlich leicht möglich, daß die ein­heimischenaltmodischeren" Gebirgler deren Gräber mit ihren Be­st ailungcn überlagerten.

Aus der' Feststellung zweier verschiedener Bevölkerungs­elemente der Bronzezeit im Vogelsberg fällt wohl auch einiges Licht auf den Ursprung der R i n g w ä l l e an verschiedenen Orten des Gebirges. Von ihnen sind zwar gewiß viele ersr mittelalter­lich. Manche, aber sind sicher vorgeschichtlich, wenngleich bisher, da nur schlechthinbronzezeitliche" Besiedelung in weiten Teilen des Bogelsberges bekannt war, kein Grund für ihre Anlage er­schlossen werden konnte. Geraueves über ihre Geschichte könnten freilich, nur ausgedehnte Forschungen mit dem Spaten erbringen (etwa am Gänsbrrg bei Alsfeld, doch auch ar. verschiedenen Stellen der Kreise Lauterbach und Schotten).

Die Anlage des Hauptgrabes im ersten Eichholz­hügel ist ferner noch deshalb von großem Interesse, weil ganz entsprechende Skelettgräber, allerdings mir jüngerem Äiwentar, in der Wetterau und auch sonst inmitten der älrnenfrlder des schon erwähnten spätbronze-früheisenzeitlichrn Umenfeldervolkes (um 1000 vor Ehr. Geb.) sich finden, bezeichnenderweise immer mit reicher kriegerischer Ausstattung (Schwerter, Lanzen-, Pfeilspitzen), wie sie in den gleichzeitigen Brandgräbcru nicht üblich sind. Pa­rallelen von klassischem Boden liegen nahe. Weitere Beobach­tungen in dieser Richtung werden gewiß noch au bemerkenswerten Schlüssen über die politischen und BevSkerungsverhSltnifse dieser Periode führen.

Der zweite Hügel im Eichholz war bescheidener in seiner Ausbeute. Er hatte einen Durchmesse von etwa 12 Metern und war noch knapp einen Meter hoch. Ein Steinkranz war nicht nach­zuweisen: ob einige am Wordwestrande des Hügels liegende Steine Reste eines solchen waren, blieb sehr zweifelhaft. Die Hügelerde enthielt nicht viel Holzkohle und nur geringe Scherbchen, darunter ein kleines Stück des AandwnlsteZ eines rotbraunen Topfes. -Unter der Hügelmitte fand sich auf dem gewachsenen Grunde das Grab. Durch wenige mäßig große Steine waren die Gcken und Seiten einer zweieinhalb Meter langen, zwei Meter Breiten, ziemlich recht­eckigen Fläche markiert, die in Südtr-rst-Aorörichtung sich erstreckte Und durch besonders harte, etwa zwanzig Zentimeter über den Grund sich erhebende graue Erde auffiel. An der westlichen Lang­seite zeigte der gewachsene Grund einen Brandflecken. In 6er Mitte der südwestlichen Schumsseite, offenbar am Kopfende des Grabes, war- auf einer Schicht hellen Landes ein kleiner Stein­aufbau. In der HüftgrgenL lag die neun Zentimeter lange Klinge eures bronzenen D v l ch m e f s e r s, an dessen stark beschädigtem oberen End« noch eine der Rieten erhalten ist, mit denen der Griff aus vergänglichem Material befestigt war. Ungefähr in Schulter­höhe. fand sich ein schw arzgläiizendes Steinchen, wie es an Ort und Stelle nicht vorkommt. Rach der Feststellung von Professor Dr. H a rr a s sowitz ist es ein Au g i t stückchen von seltener Gröhe. Vielleicht war es wegen seines schimmernden Glanzes itr irgendwelcher vergänglichen Fassung als Zierrat benutzt worden.

Der Steinaufbau am Kopfende des Grabes und der dabei ge­streute weiße Sand sind Eigenheiten, welche auffallend an die gleichzeitige Bestattung im dreizehnten Hügel der Vorderen Au bei Rieder-Mockstadt erinnern, Bei deren Besprechung konnte, zumal auch im Hinblick auf den kmmals gefundenen, sonst in dieser Periode seltenen Halsring, die Vermutung geäußert wer­den, daß hier keltischer Brauch in der Bronzezeit vorgebildet sei, der unterm Ansturm der frühzeitlichen Kulturen zunächst ver­schwunden, erst in der späteren Hallstattzeit (gegen Ende der ersten S des letzten vorchristlichen Hahrtausends) wieder über den zu uns gekommen ist. Die Ausgrabung bei Ober-Lais Hat durch die eben hervorgehobene Beobachtung, aber auch durch den Steinkrcmz beim erfteit Hügel, dieser Ansicht neue Nahrung gegeben.

Rach Ausgrabrnrg der beiden bedrohten Hügel im E i ch - holz erschien es von Wichtigkeit, auch über die Zeitstellung der nur wenige hundert Schritte entfernt nahe dem B u ch k v p f beim F a u er Bacher Schmdcmg gelegenen Gruppe von etwa zehn Grabhügeln durch die Untersuchung wenigsicnZ eines davon ge­wisse Klarheit zu gewinnen.

Der hierzu ausgewählte Hügel hatte fünfzehn Meter Durch­messer und ragte noch etwa 1,20 Meter über die Umgebung. Gr war äußerlich völlig unberührt. Förster Schickedanz in Ober- L« iS hatte freundlichst die Fällung eines Baumes veranlaßt, der bei der Arbeit hätte hinderlich sein kömrnen.

Rahe dem Oftvande des Hügels fanden sich ziemlich oberflSch. lich zwei größere Steine. Dicht dabet lag das Bruchstück eines bronzenen Andels ch aste s, dessen Oberteil noch gerade west genug eiHalten war, um erkennen zu lassen, daß es sich um den Teil einer Radnadel mit feiner Strichelgravierung des Kopfes handelt. Außerdem fiel ein Stück roten, in unmittelbarer Rühe nicht anstehenden S a n d st e i n s auf, wie man ihn zum Mahlen und Schleifen zu benutzen pflegte. Da der Stein aber keinerlei Spuren praktischen Gebrauches zeigte, muß immerhin auch daran erinnert werden, dah sehr oftRot" in mancherlei Gestalt (Rötel, rote Steine) bei Gräbern verschiedener Perioden und Kulturen unter Verhältnissen sich findet, die vermuten lassen, daß es dem Toten alsFarbe des Lebens" beigegeben wurde (auf oberhessi- iche>n Boden war u. <x. besonders auffallend in dieser Hinsicht noch ein keltisches Späthallstattbrandgrab auf dem Schabenberg bet Mainz!ar a. d. Lda.: der neben der Aschenurne liegende Brvnzehalsring umschloß einen großen wasterpolierten roten Kie­sel; auch das schon erwähnte brvnzezeitliche Skelettgrab im drei- zehi'ten Hügel der vorderen Au Bei R ieder - M v ck st ad t ent­hielt übrigens einen kleinen roten Sandstein.).

Der Äusgrabungsbrsmid ließ keinen Zweifel darüber, dah hier eine Bestattung derHügelgräberbr vnzezeit zerstört wor­den war. Doch die Beschaffenheit der Erde zeigte, daß der Ein­griff schon sehr lang: zurücklag.

Das bisherige Ergebnis der Untersuchung dieses Hügels am' Buschkopf war wenigstens für ßaien-itgat so ärmlich, daß es den freiwilligen Helfern hoch anzurechnen ist, wenn sie trotzdem un» v-erdrcssen der noch nicht bewältigten großen Srdmafss weiter zu Leibe gingen. Es war ihnen bei der Arbeit sch cm klarer ge­worden, als nurnchem sonst hochgebildeten Städter es einleuchteu will, daß es der Forschung bei Ausgrabungen nicht in erster Linie auf die Funde, sondern vielmehr auf die genaue Beob­achtung der Fund u m ft ä n d e usw. ankommen muß, was wohl diese Darstellung deutlich genug zum Ausdruck bringt.

So ergab sich, bald aus der Grdbeschaffenheit, insbesondere aus der Schichtung und aus dem Verlauf von dunkelen Streifen, die den Hügelaufwurf durchzögen, daß vor sehr langer Zeit von oben ein breiter Schacht in den Hügel getieft worden war, wobei das b'ronzezeitliche Grab zerstört wurde. Dieser Vorgang muß ziemlich lange nach Anlage der Bestattung erfolgt fein, da die Bronzenadel damals schon so zermürbt war, daß sie in Trümmer ging.

Die Weiterarbeit ließ nun erkennen, dah im Zentrum Les Hügels auf dem gewachsenen Grund ein etwa zweieinhalb Meter breiter, drei Meter langer, 75 Zentimeter hoher Grdblock stand, der durch seine rötliche, mehrfach dunkel durchsetzte Masse durch die Untermischung mit Holzköhlchen und durch seine Härte sich von der umgebenden Hügelschüttung stark unterschied Unter und dicht an diesem Erdkiotz zeigte der gewachsene Grund Brand­spuren. Die tiefere Schicht des Blockes enthielt Reste ge­brannter Knochen, dabei ganz geringe Scherbchen röt­licher Gefäße. Seine Seiten wurden von Streifen begleitet, dir möglicherweise von einer Holzverschalung herrührten.

Alis diesen Beobachtungen wurde klar, daß der Eingriff in den Hügel zur Anlage eines Brandgrabe» erfolgt iit. Rach allem konnte es sich nur uni eine, allerdings auffallend ärmliche Bestattung der mittlere« Hall statt zeit handeln ("Hatte bet ersten Hälfte deS letzten vorchristlichen Jcihrtausends), da weder vorher noch nachher ähnliche Grabanlagen Vorkommen. Es ist dieselbe südliche Bauernkultur, die anderwärts im W Meraugrbie! so reiche Gräber in großer Zahl hinterlassen hat (Rieder-Mock­stadt, Muschenheim, Lindener Mark bei Gießen, Dilling m usw.).

Auch diese Grabung hat also dank der freudigen Mitarbeit der Laiser ihren Zweck erfüllt: am Duchkops ist die Anw:senh:ii von Leuten der Bronze- und der mittleren Hallstattzeit sestgestellt.

Eine hübsche Rebenwirkung der Arbeiten am Hang des Krummbachtales war, daß Herr Ad. Götz von Unter-Lais einen schmalenSchu hle i'st enkeil", die steinerne Hack nklinge der neolithischenBan d ke r a miker" für das Oberhessisch« Museum übergab. Gr hatte das Gerät an einer Wiese bei feinem Haus vor kurzem gesunden, als er einen Abzugsgraben auswarf. Daß wirklich eine band keramisch: Siedel ung dort blühte, könnte freilich erst durch die sichere Feststellung von Scherben usw. be­wiesen werden.

Run wäre noch zu hosfen, daß bei den Rodungsarbeiten im EichHolz auch die W o h n st ä t t e n der Leute, von denen die Hünengräber aufgetürmt worden sind, zutage kommen Beobach­tungen über den Hausbau unserer Bronz-ekultur wären be­sonders wichtig längst nicht bloß vom Standpunkt der mittel­deutschen Forschung aus. Am guten Willen zur Mithilfe dabei und überhaupt an Teilnahme für die Erkenntnis unserer Vorzeit fehlt es den Laisern nicht. Das haben sie praktisch bei der Aus­grabung und auch durch die große Aufmerksamkeit bewiesen, mit der sie in Scharen dem Lichtbildervortrag folgten, der zum Dank für die Mühe der Helfer ihnen erllären sollte, wie die Ergebnisse der dortigen Untersuchungen im größeren Rahmen der deutschen und der europäischen Vorgeschichte einzuordneu sind und wie sie sich darin ausnehmen.

SHrMeiiuirg: Dr. Friedt. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Brühl'fchen Untv.-Vuch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen.