3

««stand und ... über die Schwell« des Gastzimmers, in dem wir Ms alle befanden, trat schwer atmend Sseliwan, di« Schatulle der Tante in den Händen.

Alle sprangen von ihren Plätzen auf und blieben tote ange­nagelt steh en ...

Sie haben das Kästchen vergessen, nehmen Sie es, brachte Sseliwan dumpf hervor. , c r _ .

Mehr konnte er nicht sagen, weil er vom schnellen Laufen tzmiz atemlos war, und vielleicht auch infolge einer heftigen mne- ** Er^stellte^die Schatulle auf einen Tisch, setzte sich unaufgefor­dert auf einen Stuhl und lieh den Kopf und die Hände sinken.

19. K a p i t e l.

Die Schatulle war unversehrt. Die Tante nahm das Schlüssel- chen von ihrem Halse, sperrte sie auf und rief:

Alles, ganz wie es war!" .

Unversehrt," sagte Sseliwan leise.Ich brn immer hinter Ihnen hergelaufen wollte Sie einhvlen ... hab es nicht fertig ^bracht. Verzeihen Sie. dah ich vor Ihnen dasitze ... bin außer

Der Da ter ging als erster auf ihn zu, umarmt« ihn und tüljte ihn auf den Scheitel.

Sseliwan rührte sich nicht. . .

Die Tante nahm zwei Hundertrubelschetne aus der wchatulle und wollte sie ihm in die Hand drücken.

Rimm. was man dir gibt," sagte der Kommissar.

Wofür? Braucht's nicht."

Weil du das bei dir vergessene Geld ehrlich aufbewahrt und abgeliefert hast." -

Otter wieso denn? Soll man denn nicht ehrlich sein?

"Run du bist ein guter Mensch ... du hast fremdes Gut *Ö*£"Ä.«r e». lyidi« d--

ihm die Dante freundlich zu. ,

Okimm nur, nimm! suchte ihn mein Vater zu überreden. Du "hast ein Recht darauf."

Was für ein Recht?" , . v ,

Man unterrichtete ihm vom Gesetz, nach denr jeder, der etwas Verlorenes findet und wieder zurückbringt, Anrecht aus den drrt.en

Wa?ist^dc^für ein Gesetz," erwiderte er und schob von neuem die Hand der Tante mit den Geldscheinen tveg.

Durch fremdes Unglück wird man nicht reich! ... Brauchts "'^%r sNuid"vou seinem Platze auf, um auf feinen vielgescholtenen Hof zurückzukehren, aber der Vater liest ihn nicht fort: er nahm ihn in sein Arbeitszimmer mit und schloß sich dort mit chm em, nach einer Stunde lies) et den Schlitten anspannen und ihn nach Hause

Einen Dag später mußten alle in der Stadt und in der ihn» -egend von diesem Ereignis, und »toet Tage W« M««» Lawr und die Tante nach Kromh. Sie machten der Sseliwan Sta- twa tranken in seiner Hütte Dee und ließen seiner Frau einen warmen Pelz zurück. Auf den, Rückwege fuhren sie wieder zu ihm und brachten ihm noch Geschenke: -i-ee, <>uckei und Mehl.

Er nahm alles höflich, aber ungern an und sagte:

Wofür? Jetzt kehren schon fett drei Tagen tn eurem fort bei mir Leute ein. Wir haben Verdienst gehabt ... und haben Kohlsuppe gekocht. Sie fürchten uns jetzt nicht mehr, wie sie uns man' müb^ch den Feiertagen in die Pension zurück- brachte hatte ich ein Paket Mr Sseliwan bei mir; ich trank bei ti>m Tee iab ihm in einemfvrt ins Gericht und dachte:

tojs er für ein prächtiges und gütiges Gesicht hat. Weshalb ist er M? undRn andern so lange.als ein Waldteufel erschienen?"

Dieser Gedanke verfolgte mich und liest,-mir keine Ruhe ... Es war dock derselbe Mensch, der allen so sch .eckuch vorgekommen war, den alle für einen Zauberer und Boiewicht gehaltenhatten Und es hatte so lange den Anschein, als beschäftige er sich nur damit plebeltaten auszusinnen und anzustiften. WeShalo tva, et auf einmal so gut und freundlich geworden?

20. K a p i t »l. ... ...

Ich hatte in meiner.Kindheit das grvsze Glüch dast ach meine ersten Religionsstunden von einem ausgezeichneten Ehrikten «Hw... Es tvar der Orjoler Geistliche Ofiromhsttnsist. ein ®m er meines Vaters und ein Freund aller Kmver. wv a um.

Varmherzigkeit zu lehren wustte. Meinen Kameraden erzählte ich nichts davon, was wir tn der Christnacht bei S^^n er!ect hatten, weil habet nichts für meine Tapferl«» Rühmlich.» ge.u ^^en w m im Gegenteil, sie hätten über meine Furcht lachen komrna. »ix ich eröffnete alle meine Abenteuer und Zwoisel dem W tt.n.

Er streichelte mich mit der Ha.'d und sage:

Da bist sehr glücklich, deine ceele war in oa ühivtimch wie eine Krippe für das Heilige Kind, das aus die Erde kam um für die Anglücklichen zu leiden. Christus hm Dunkel er ml 1, das deinen Sinn trübte infolge deS hohlen Gmedeü der anverstan digen Menschen. Der Waldteufel war nicht Sselitmim sondern chi fetter euer Argwohn gegen ihn, der es niemand erlaubte, sein

gutes Gewissen zu erkennen. Sein Gesicht erschieir euch finster, weil euer Auge finster war. Wache darüber, dah du ein andermal nicht so blind seist."

Das war ein verständiger und vortrefflicher Rat. In den weiteren Jahren meines Lebens wurde ich mit Sseliwan näher bekannt und hatte das Gllick zu sehen, wie er für alle ein lieber und geachteter Mensch wurde. Auf dem neuen Gute, das die Tante ge­kauft hatte, befand sich ein guter Gasthof an einer Landstrabe mit lebhaftem Verkehr. Diesen Hof bot nun die Tante Sseliwan unter günstigen Bedingungen an, er schlug ein und blieb bis zu seinem Lebensende auf dem Hofe. Hier gingen meine weit zurück­liegenden Kinderträume in Erfüllung: ich wurde nicht nur mit Sseliwan nahe bekannt, sondern wir hegten Freundschaft zuein­ander und volles Qkrtraucn. Ich sah, wie sich seine Lage zum Des- seren wandte, wie bei ihm der Friede einkehrte und er sich all­mählich auch ein Vermögen erwarb, wie alle, die Sseliwan begeg­neten, statt der früheren finsteren Mienen Freude zeigten. Und es kam wirklich so, dah, als sich die Augen Der Menschen um ihn aufheiterten, auch sein eigenes Gesicht heiter wurde.

Von den Leuten der Tante konnte Sseliwan den Lakai Doris- suschka, den er in jener denkwürdigen Christnacht beinahe erwürgt hätte, am wenigsten leiden.

Manchmal machte man sich noch über diese Geschichte lustig. Die Geschehnisse jener Rächt wurden auf die Weise erklärt, dah ebenso wie alle den Verdacht hegten, daß Sseliwan die Tante be­rauben wollte, auch Sseliwan selbst den bestimmten Argwohn hatte, der Kutscher und der Lakai wären absichtlich auf seinen Hof ge­fahren, um hier der Tante in der Rächt das Geld zu stehlen und dann alles auf die bequemste Weise auf den verdächtigen Sseliwan abzuwälzen.

Das Misttrauen und der Argwohn auf der einen Seite riefen Mihtrauen und Argwohn aus der anderen Seite hervor, und allen schien es, als seien sie Feinde und hätten Grund, einander für Seute zu halten, die zu allem Schlimmen geneigt sind.

So erzeugt immer das Döse wieder Böses und wird nur dnoch das Gute besiegt, das nach dem Worte des Evangeliums unsere Augen und unser Herz reinigt.

21. K a p i t e l.

Es bleibt mir nur noch zu erklären, warum Sseliwan, nachdem er den Brezelbäcker verlassen hatte, so mürrisch und verschlossen ge­worden war. Was hatte ihn damals derart verdrossen?

Mein Vater, der diesem guten Dkenschen geneigt war, dachte trotzdem, dah Sseliwan irgend ein Geheimnis haben müsse, das er hartnäckig verberge.

Sv war es auch. Sseliwan enthüllte sein Geheimnis einzig und allein meiner Tante, und auch das erst, als er einige Jahre ; auf ihrem Gute gelebt hatte und nachdem seine immer kränkelnde Frau gestorben war.

Als ich schon als Jüngling wieder einmal meine Tante be­suchte und wir Sseliwans gedachten, der vor kurzem gestorben war, erzählte mir die Tante sein Geheimnis.

Es bestand darin, dah Sselitvan in seiner Herzensgüte gerührt trat vom bitteren'Los der hilflosen Waise des entlassenen und In der Stadt gestorbenen HenkerS. Niemand wollte die Kleine, als das Kind eineS -verachteten Menschen, bei sich aufnehmen. Sseliwan war arm und konnte sich auch nicht entschließen, die Tochter des Henkels im Städtchen, in dem jeder sie und ihn kannte, bei sich zu behalten. Er muhte vor allem ihre Herkunft verbergen, an der sie doch unschuldig war. Andernfalls wäre sie den schweren Vor­würfen der Menschen, die nichts von Milde und Gerechtigkeit wissen, nicht entgangen. Sseliwan verbarg sie, weil er immer fürchtete, man könnte sie erkennen und beleidigen, und diese ukr« schlossenheit und Unruhe teilten sich seinem ganzen Wesen mit und gaben ihm zum Teil sein Gepräge.

So war jeder, der SseliwanWaldteufel" nannte, in einem noch viel gr öfter en Maste einWaldteufel" für ihn.

Hünengräber bei Ober-Lars (Kr. Schotten).

Von Dr. O. Kunkel- Gietzen.

(Schluß. >

Die Rachbestattung gehört jener mitteldeutschen bronze- zeitlichen Kultur an. deren dichte Siedelung und langandauernd« 'Herrschaft im Vogelsberg, zumal in seinem nordöstlichen Decke, durch Hunderte von Hünengräbern auf de» Waldhohen über den lieblich«» Wiesentälchan deutlich bezeugt wird. Die Jäger-- und Hirtensippen, die wohl nur nebenbei einen Wmrner.ichra Hackbau trieben und die in den erste» Jahrhunderten bei zweite» vorchrtfl- lichen Jahrtausends in Obtzrhessen eingezogen waren, bewahrt.» alsHinterwäldler" noch ihr: altmodische Kultur, als in der tficnitt Wetterau schon neue Kräfte' ei «gezogen waren. Rich', imt cis lvt- ün l)vh'n CBogslvbitn

hunderte-altes materielles und geistiges Gut am Leben war, was draußen der Strom der Zeiten längst hinwrggeschwemmt hatte.

Die Formen der Hauptbestattung zeigen Anklänge an eine etwas jüngere bronzezeitliche Kultur, wie sie, in Süddeutsch- land zu Haufe, in unsere Priv'mz eingedrungen ist. Sie scheint aus Elementen der bäuerlichen Vandkeramik der Steinzeit hervor- maangcn zu fein (um andere Wurzeln hier zu übergehen), worauf insbesondere die Erzeugnisse der Töpferei hindeuten, die bei