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mit einem Fehltritt zusammen, den er ]td> kurz nach Sem Lode seiner ersten Frau (1796) hatte zu schulden kommen lassen; er hatte sich nämlich in ein Verhältnis mit seiner Magd» eingelassen, das nicht ohne Folgen blieb, und dessen Konsequenzen er dadurch zog, daß er (im April 1797) das Mädchen, namens Ane Lund, heiratete.

Dieser Ehe ist als letzter Sproß am 5. Mai 1813 Sören QI a b g e Kierkegaard entsprungen. Etwas schwächlich von Körper, aber mit glänzenden Geistesgaben ausgestattet, wuchs der Junge unter der fast ausschließlichen Leitung des Vaters zu einem gar eigentümlichen Menschenkind heran. Die Mutter, die übrigens eine gute und brave Frau war, scheint ihm wenig bedeutet zu haben, und auch von der Schule hat er nur vereinzelte bleibende Eindrücke mitgenommen. Im Mittelpunkt seiner Kinderwelt stand hingegen der bald schweigsame, bald lebhaft erregte Vater, dessen Dlia oft einen schwermütigen, wenn nicht gar still verzweifelten Ausdruck haben konnte. Der alte Kierkegaard war es, der die Er­ziehung des begabten Sohnes leitete, der frühzeitig seine Phan­tasie entwickelte, seinen Willen stählte und die Schärfe seines Den­kens übte Zu alledem gab der Vater ihm einen unauslöschlichen Eindruck von dem Christentum, von dem er selbst in seiner pietisti­schen, streng orthodoxen Form ergriffen war, und in dem er allem eine Zuflucht gegen die Aengste des Lebens und die Anklagen des eigenen Herzens gefunden hatte. Vor allem wurde dadurch in dem jungen Kierkegaard» tiefes Sündenbewußtsein und strenges Pflicht­gefühl wachgerufen; in Jesus sah er weit mehr den heibgen Eott und den strengen Aichter als den Verkünder der göttlichen Liebe und» den Erlöser dec Menschheit.

Doch nicht nur solche schwere Luft hat das Kind und der Jüngling geatmet; er hat auch in der Matur und unter Kameraden heitere und fröhliche Stunden verlebt. Dies mag besonders m den ersten Studentenjahren, da er als theologischer Student die Universität seiner Vaterstadt bezogen halte, der Fall gewesen fern. Aber selbst dann hat er sich doch nie gänzlich vom den ernsten, fast düsteren Eindrücken des väterlichen Hauses und von der, teils geerbten, teils anerzogenen Schwermut seiner Matur loszunngen vermocht Mur hatte er die Gabe, die letztere unter einem Schleier von Humor und Ironie vor den Menschen verbergen zu können. So lebte er denn daheim, wie die meisten jungen Studenten, teils das Dasein genießend, teils mit den Studien besckmfirgt, acs plötz­lich jenesgroße Erdbeben" eintrat, welches das .Funi-ament seines Lebens erschütterte und ihm eine ganz neue Deutung von der Vergangenheit und dem Wesen seines Vaters aufnotlgte. Da ahnte ich," sagt er in einer Tagebuchnotiz,daß das hohe Alter meines Vaters nicht ein göttlicher Segen, sondern vielmehr ein Fluch war ... Da fühlte ich des Todes Stille um mich wachsen, wenn ich in meinem Vater einen Unglücklichen erblickte, der uns alle überleben würde."

Sören Kierkegaard mag 23 Jahre alt gewesen fein, als er diesen erschütternden Einblick in das Lebensgeheimnis seines Vaters wir wissen nicht auf welche Weise bekam. Der Ein­druck auf ihn war fürchterlich. Es schien ihm, als stürze die Welt ein, wenn selbst der Vkater, zu dem er sein Leben lang m Ehr­furcht und Bewunderung aufgeschaut hatte, so hatte straucheln können. In diesem Erlebnis und seiner Einwirkung auf den jungen Kierkegaard ist nun wahrscheinlich auch der Grund zu suchen zu dem etwas leichten Leben, das er von jetzt ab als einer von der jeunesse doree Kopenhagens eine Zeit lang führte, und wahrend dessen er offenbar einmal, von den Kameraden verleitet, einen sexuellen Fehltritt beging, den er seither nie vergessen konnte. Schwere Zeiten folgten nun, und starke innere Kampfe muhten durchgefochten werden, bis er endlich nach langen Monaten wieder bas rechte Verhältnis zum Vater gewann und sich selbst und den fast verlorenen Gottesglauben gleichsam zurückeroberte. Denn bald wäre auch sein Christentum von jener Sturmflut hinweggespült worden. . _ ,, ,

Im Sommer 1840 bestand Sören Kierkegaard das theologische Staatsexamen und» im Herbst desselben Jahres verlobte er sich mit einem 17jährigen Mädchen namens Aegine Olsen. Indessen, in etwas mehr als Jahresfrist, hob er die Verlobung wieder auf und reiste nach Berlin, teils um Kopenhagen einstweilen den Mücken zu kehren, teils um in d»er preußischen Hauptstadt feine Studien fortzusehen. Der Grund» dieses Bruches ist wohl nicht in Mangel an Liebe zu suchen im Gegenteil, er liebte sein Leben.lang seine Aegine" und hat nur sie geliebt sondern lag in schwer zu enträtselnden Verhältnissen, die wir nur zum Teil zu überschauen vermögen. Unter ihnen spielten jedenfalls eine entscheidende Volle einerseits seine Schwermut, andererseits alles, was mit dem er­wähnten Fehltritt zusammenhing.

Wie tief diese Verlobungsgeschichte auf das fernere Leben Kierkegaards gewirkt hat, davon legen die Schriften sowie auch die hinterlassenen Papiere genugsam Zeugnis ab. Hier soll bloß daraus hingewiesen werden, dah sie sein schon vorher stark ent­wickeltes Schuldgefühl w-eiter nährte so daß er sein zukünftiges Leb-en nur noch unter dem Gesichtspunkt eines Dühenden oder (wie er sagt) einesPönilierenden" betrachtete und daß von da ah die reiche literarische Tätigkeit begann, die nur ein gutes Jahr­zehnt anhalten, aber in dieser kurzen Zeitspanne der Welt eine Aeihe unschätzbarer Werke schenken sollte.

lichem Anfang durch den Tod der rangen Frau lm Kindbett ein Olhufi-ühes Ende bereitet wurde. Aührend ist ein Sonett, das ihre Güte preist und» den Beweis erbringt, daß Milton würdige Frauen wohl zu schätzen verstand.

Trotzdem durch sein Gebrechen seine Tätigkeit eine nur ein­geschränkte sein konnte, tönte Miltons Stimme immer weiter für feine alten Ideale. Sie tönte fort nach Cromwells Tode und nach der Abdankung seines Sohnes, und sie schwieg auch noch nicht, <Üs der Sieg der Stuarts schon gewiß war und» Karl II. als König etnzog Wie durch ein Wunder ist Milton der Strafe entgangen, die ihm als Verteidiger der Hinrichtung Karls I. und wegen seiner Schmähungen auf Karl II. zu erwarten stand.

Aus zweierlei Gründen: seiner Erblindung und» der Wieder­einsetzung der Herrschaft der Starts war Milton in politischer Beziehung zur Untätigteit verurteilt. Jetzt aber, wo er nach den Stürmen der letzten Jahrzehnte wieder zu Frieden nab Auhe gelangt war feine häuslichen Verhältnisse wurden recht erträglich durch seine dritte Frau steigen vor seinem Geiste die Gestalten seiner dichterischen Welt auf. Während nach dem Beispiel des Herrschers und seines Hofes das vom Puritanertum Befreite eng­lische Volk sich wüstem Taumel hingibt, während Dichtung und Dichter sich bemühen, diese Stimmung widerzuspiegeln, entsteht der tief innerliche, heilige Gesang des blinden Dichters vomVer- lorenen Paradiese".Dieser Mann sticht uns alle aus und die Alten noch dazu," urteilte Dryden nach der Lektüre des _ Gedichtes. Diesem Urteil können wir uns heute nicht mehr anschließen. Ist auch die Gestaltungskraft des Dichters von fast antiker Großartig­keit verrät die Schilderung seiner Geisterwelt und des Weltalls sein tiefes Eindringen in Matur und Kunst, so fällt doch die Über­mäßige Schwulst »der Dichtung störend» auf. Moch mehr treten diese Schwächen, vielleicht infolge seines hohen Alters, imWieder­gewonnenen Paradiese" zutage, während derSamson Agonistes" ums deswegen fesselt, weil er im Aufbäumen Samsons gegen feine Unterdrücker, sein eigenes Ain-gen um Freiheit und Wahrheit schildert.

Die letzten Jahre des Dichters blieben jedenfalls frei von häuslichen Konflikten. Seine Töchter hatten das Haus verlassen. Sein Leben floß in ruhigen Bahnen, und seine außerordentliche Bedürfnislosigkeit lieh» ihm das Fehlen materieller Genüsse nicht entbehren. Die Mufik, ihm schon aus dem Elternhause vertraut, spendete ihm immer Trost und» Hilfe. Freunde versammelten sich sehr zahlreich um ihn. Zeitgenossen schildern ihn anregend im Ge­spräch. Kejn Fünkchen Humor aber vermochte die bitteren An­schauungen, zu denen ihn das Leben geführt hatte, zu mildern. Es war ein schmerzloses Hinüberdämmern, kein Todeskampf, das das schwere Erdenwallen eines der größten englischen Dichter am 8. Mo- pember 1674 beschloß.

Aus dem Leben Sören Kierkegaards.

Von Anders Gemmer.

Der dänische Dichterphilosoph, dessen Mame über diesen Zeilen steht, gehörte zweifelsohne zu der Klasse der Denker, welche man um einen Ausdruck von ihm selbst zu gebrauchen dieexisten­tiellen" nennen könnte. Oder wie es sich auch ausdrücken ließe: er war einer von denen, diemit dem Herzen" gedacht undmit dem Herzblut" geschrieben haben, d. h. was ihn anzog und inner­lich bewegte, waren vor allem die Fragen der gewöhnlichen Lebens­führung, die ethisch-religiösen Probleme des Daseins. Er setzte seine ganze reiche Begabung und» all seine Kraft ein, um seine Mitmenschen zu bewegen, aus innerster Ueberzeugung heraus zu denselben selbständig Stellung zu nehmen. Einem solchen Denker gegenüber ist es nun von besonderem Interesse, seine Lebens- Mtwicklung kennenzulernen.

Das Geschlecht Kierkegaards der Marne bedeutet eigentlich Fried-Hos" stammt aus dem westlichen Teile Jütlands, wo die Heide sich breit macht und ihren Bewohnern ein dürftiges und hartes Leben Bereitete. Kierkegaards Vater, Michael Kierkegaard»,, mußte denn auch als Junge auf der Heide Schafe hüten und» zwar bei jedem Wetter, im Winter wie im Sommer. Eines Tages nun, da er unter völliger Einsamkeit und her harten Kälte zu leiden hatte, erwachte eine solche Empörung in des Knaben Seele, daß er einen Hügel bestieg und,von seinem Gipfel aus den Gott verwünschte, der ein Keines elfjähriges Menschenkind so Entsetzliches durchmachen ließ. Diese Tat konnte Michael Kierkegaard» nie vergessen. Mit unaustilgbarer Schrift stand» sie sein ganzes Leben in seiner Seele eingeschrieben, und selbst der 80jährige Greis zitterte noch bei dem Gedanken, daß er als Junge den lebendigen Gott verflucht hatte. Welche tief eingreifende Bedeutung diese Begebenheit auch für das Leben des Sohnes be­kommen sollte, werden wir später sehen.

Bald» danach wurde Michael Kierkegaard zu seinem Oheim nach Kopenhagen geschickt, um bei ihm in die Lehre zu gehen, und von da ab fing fein Leben an, sich in äußerer Hinsicht immer erfolg­reicher zu gestalten, so daß er sich schon als 40jähriger Kaufmann Pom G^Häft zurückziehen und von feinem Gelbe leben konnte. Der Grund» zu diesem, für einen sonst rührigen Mann immerhin etwas auffallenden Schritt dürfte nicht so sehr darin zu suchen fein, daß M schon in diesem Alter die Lust zum Ausruhen von des Lebens Mühseligkeiten verspürte, sondern hing aller Wahrscheinlichkeit nach