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waren, sich nicht viel um sie gekümmert Hütter, habe sie nicht weiter verdrossen, da Wald und Wiese ihr lieber gewesen seien als die großen, kahlen Gemächer des Schlosses.

Allein vor einem halben Jahre habe Sir Stuart darauf be­standen, sie stets am Tische zu sehen. Da habe er sie ständig gehvf- meistert, sie müsse als Edelfräulein sich üben in zierem Wesen und guter Haltung. Auch sei er bei Tisch aufgestanden, um ihr die Ellenbogen zurechtzurücken und genau zu beobachten, wie sie schnitte und die Dissen zum Munde führe.

Sie könne es nicht leugnen, sie hätte dazu sauer geschaut und wäre herb gewesen zu dem Fremden, trohdem die Mutter es ihr Les öfteren verwiesen.

Aus dem kleineren Aergernis sei ein größeres erwachsen, als Sir Stuart eine Leidenschaft überkam, gleich ihr hinauszustreifen in Wald und Wiese. Als Dorwand, um sie dauernd zu begleiten, habe er Len lieberfall Ler Marodeure gebraucht, deren sie sich Loch glücklich erwehrt hätte. Aber sie sei zumeist des Morgens früher aufgestanden als Sir Stuart und vor ihm aus dem Schlosse entwichen. Habe ihr das zwar bei den Mahlzeiten finstere Dlicke eingetragen, die sie aber mit Lächeln abgewiesen.

Allein vor einem Monat habe ihr Bruder sie in aller Frühe ausgesucht und ihr erzählt, Sir Stuart Hamilton M krank aus Liebe zu ihr, und er frage sie, ob sie nicht geneigt fei, Sir Stuart wieder zu lieben. Hätte sie eine Faust gesehen, die ihr einePistolen- mündung plötzlich wider das Auge gerichtet hätte, ihr Schrecken hätte kein größerer sein können.

Doller Abscheu habe sie die Zumutung des Bruders abgewiesen. Doch das liebel sei um so schlinrmer geworden, denn Sir Stuart sei hinter ihr hergewesen wie verfolgende Panduren hinter flüchtigen Bagagen, so daß sie sich keinen Rat mehr gewußt habe.

Gestern nun habe sie der EngelfHmann auf der dunklen Treppe überrascht und trotz ihres Sträubens geküßt. Zu Mittag habe er ihrer gespottet und behauptet, er wäre ein Petrucchiv und wisse widerspenstige Käthchen zu zähmen. Das würde sie schon erfahren, wenn sie beide erst zum Altar geschritten seien. Ob dieser Reden wäre die Frau Mutter totenblaß geworden und hätte ein Glas zer­brochen.

Ihr sei bange zumute geworden, und so habe sie sich nach dem Mahle entschlossen, ihre Kümmernisse und Aengste der Mutter an­zuvertrauen. Sie sei zum Gemache der Mutter gegangen mit dem festen Entschlüsse, ihr anzukündigen, sie könne nie und nimmer die Frau des Sir Stuart Hamilton sein. | (Fortsetzung folgt.)

Warkrenfammeln erls Wisssnschaft.

Don M. (Büttner.

Die Briefmarken aller Länder, gestempelt oderpostfrisch", sind Sach- und Goldwerte von internationalem Kurs. Diese von jeder Valuta-Schwindsucht unberührte hohe Votierung der phila- telistischenWertpapiere" hat leider dazu geführt, daß bei uns auch das Markensammeln immer, mehr zu einer materiellen und spekulativen Angelegenheit geworden ist. Zum Schmerz aller auf­richtigen Sammler aus der guten alten Zeit vor dem Kriege, denen ihre Liebhaberei noch Herzenssache ist. die sich die Liebe zu ihren kleinen bunten Idealen nicht rauben lassen wollen.

Ilm so höher sind alle Bestrebungen und Faktoren zu schätzen, die dazu beitragen, den sachlich-ernsthaften Gehalt des Marken- sammelns zu fördern und seine ideellen Werte zu bereichern. Dem Kenner braucht nicht gesagt zu werden, wie zahlreiche Bezirke der Wissenschaft das kleine Markenbild umfaßt, wie Geschichte, Geographie, Ethnologie, Wirtschaftskunde, Zoologie, Botanik, He­raldik, Kunst usw. hier zum Studium durch vielseitigen Anschau­ungsunterricht en miniature locken. Unter diesen Ilmständen ist es keine Iltzbertreibung, wenn man eine auch nur einigermaßen ge­scheit zusammengestellte Markensammlung als eine ArtBibliothek der Unterhaltung und des Wissens" bezeichnet.

Es kommt nur darauf an, den in einer solchen Fundgrube lie­genden Kenntnisreichtum zu heben. Diesem Streben desgeistigen" Sammlers im Gegensatz zu dem allzusehr an philatelistischen Aeutzerlichkeiten hängenden versucht in den letzten Jahren in wachsendem Umfange eine einschlägige Literatur zu dienen. Aller- Lings handelt es sich bei den betreffenden Werken um Spezial­gebiete, während' eine umfassende Enzyklopädie bisher fehlte. Erst jetzt steht dem wisfensdurstigen Markenfreund eine solche in dem kürzlich erschienenenGroßen Lexikon der Philatelie" von Alexan­der Dungerz (Verlag Albert Kürzt, München) zur Verfügung. Auch der kundige und älteste Sammler wird aus dem verdienstlichen Werk noch manche Belehrung schöpfen können; gar nicht zu reden vom Anfänger und' mittleren Sammler, der kaum ahnt, welche Fülle des Interessanten und Wissenswerten das weite Feld seiner Liebhaberei umschließt.

Oder wer wüßte etwa um eine kleine ethnologische Probe zu machen, was es mit einemJonagibako" für eine Bewandt­nis hat? Cs ist das Weidenkörbchen, das auf der roten 3-Äen- Marke Japans vom Jahre 1900, der Festausgabe zur Hochzeits- feier des Kronprinzen, abgebildet ist. In dem Körbchen wird der erste Brief aufbewahrt, den der Bräutigam der Braut schickt; es ist hübsch mit rotem Papier ausgeklebt und mit Bildern bort Kranichen und Fichten verziert, den Sinnbildern langen Lebens;

denn Kraniche tverden nach dem japanischen Volksglauben 1000 Jahre alt, und' Fichten gehen nie ein. - Das Körbchen, in dem sich ferner soviele kleine Kuchen aus Reismehl befinden, als die Braut Lebensjahre zählt, muß drei Tage und drei Rächte im Drautgemach stehen.

Auch die Entstehungsgeschichte einer der ältesten und teuersten Marken, der schwarzen 10 Centimes von Neukaledonien 1860, dürfte selbst unter den sachverständigen Spezialsammlern nicht allzuvielen bekannt fein.. Der mit -dem Postdienst betraute französische Ser­geant Triquera von -der Marine-Infanterie in Port de France fertigte 1859 den Druckstein für diese Marke mit dem Kopf Aa- poleons an. Den Stein fand er 89 Kilometer von Ronmea und übertrug auf ihn die Zeichnung in mühevoller Handarbeit fünfzig- mal mittels einer Radelspitze, wodurch naturgemäß ebensoviele Typen mit kleinen Abweichungen entstanden. Die originelle Marke wird heute mit etwa 50 Goldmark und mehr bewertet.

Auch sonst bietet der Werdegang von Briefmarken nament­lich mit porträtartigen Darstellungen manches Interessante. Wer kennt oder erinnert sich etwa noch an das Modell zu den deutschen Germania-Marken, gegen die etwa 20 Jahre lang unser künst­lerischer Geschmack rebellierte? Es war die früher bekannte, noch heute in Derlin-Wilmersdorf lebende Schauspielerin Anna Füh- ring, die bei vielen festlichen Gelegenheiten ihrer stattlichen Erschei­nung wegen die Figur der Germania verkörperte. Aach Bildern und Statuetten, die sie in dieser Rolle Larstellen, zeichnete der Graphiker Paul Waldraff 1900 das allbekannte Markenbild. Eine Photographie der Künstlerin zeigt sie mit Krone, offenem Haar und Drustpanzer, ganz ähnlich wie sie dann auf den Marken ver­ewigt worden ist. Ein Gegenstück hierzu bildet übrigens Oester­reich mit feinen 20100-Kronen-Marken der Ausgabe 1922, auf denen in stilisierter Form Erika Wagner, die Heroine der Wiener Staatsoper, Lurch den Zeichner W. Dachauer abgebildet.wurde.

Wie sich der Begriff des Marksnsammelns von feinen An­fängen bis heute gewandelt hat, zeigen mancherlei historische Re­miniszenzen. Recht eigenartig mutet z. B. Len modernen Philate­listen Las erste, auf Marken bezügliche Inserat an, das im Jahre 1841 in LenTimes" erschienen und etwa lautete:Briefmarken gesucht. Ein junger Mann, der sich sein Schlafzimmer mit gestem­pelten Briefmarken tapezieren möchte, hat bereits, dank der Liebens­würdigkeit seiner Freunde, mehr als 16 000 Stück gesammelt; da Liese Anzahl aber noch nicht ausreicht, bittet er mitfühlende (I) Personen, Lurch Heberfenbung von Briefmarken zur Verwirklichung seiner Idee beizutragen." Äeberhaupt erfreuten sich die Marken­tapeten früher anscheinend einer gewissen Beliebtheit. So be­richtet ein Fachblatt aus dem Jahre 1845:Auch Kaufleute gibt es in England, die von der Sucht, solche Königinköpfe (die ersten englischen Marken mit Ler Königin Viktoria) zu sammeln, angesteckt sind. Sie b'enützen dieselben, um Cornptoire damit zu bekleben, und man hat in London bereits große Cornptoire gesehen, die mit solchen Stempeln an allen Seiten völlig tapeziert sind." Ein an­deres Blatt meldete 1882 von dem Kloster der Brüder von Saint Jean de Dieu und dem Karthäuser-Kloster zu ©ent, Laß einer der Brüder 153 874 Marken aus 800 000 ausgewählt und zu land­schaftlichen und figürlichen Motiven als Tapete zusammengestellt habe, mit der die Wände Les Sprechzimmers geschmückt seien. Auch Driefmarkenbilder, aus einzelnen Marken zusammengeklebt, wurden in früheren Zeiten vielfach hergestellt. Ilm nur ein Bei­spiel zu nennen, war 1896 in der Kanzlei der Wiener Waisenhauses eine Wiedergabe des Abendmahls von Lionardo da Vinci 51t sehen, die von dem ehemaligen Sekretär des Waisenhauses, Karl Stoß, aus 12 000 Marken zusammengefügt war.

Als Kuriosa seien ein paar noch wunderlichere Ausschweifun­gen der Sammlerphantasie erwähnt; ein Driefmarkenkleid wurde auf einem Ball in Bermuda getragen; es bestand aus 30 000 Marken, die. verschiedene Muster zeigten. Auf der Taille einen Adler, der in seinen Fängen den Erdball hielt, an beiden Seiten das Sternen­banner, auf dem Rücken ein Porträt innerhalb eines Schildes. Der zu dem Kleide passende Hut war gleichfalls mit Marken bedeckt. Daß auch Herrenanzüge aus Briefmarken hergestellt bzw. beklebt oder benäht worden sind, zeigt eine Abbildung in einer englischen Zeitschrift des Jahres 1921 mit dem überzeugenden Kommentar: Da Kleidung in Deutschland noch äußerst kostspielig ist, hat sich Lieser Mann mit einem Anzug bekleidet, der aus gebrauchten Briefmarken aller Wertstufen und vieler Länder besteht." Ver­mutlich sehen nun die leichtgläubigen englischen Leser uns in Deutschland massenhaft in Briefmarkenanzügen Herumlaufen! So­gar von einem besonders wertvollen philatelistischen Ofenschirm, der 1875 auf dem Jahrmarkt in Salzburg zum Kauf angeboten wurde, weiß die Tradition zu berichten. Der Rand des Schirms war aus gelben österreichischen und schwarzen Dahermarken, das Mittelfeld mit den verschiedenartigsten Marken in quadratischer Form beklebt, und in einem Kreise waren die Buchstaben F. J. I. (Franz Josef l.) aus roten Merkurmarken gebildet. Die Buchstaben waren etwa 16 cm hoch und bestanden aus mehr als 20 roten Merkuren. Da der Ofenschirm damals nur 2 Gulden 50 Kreuzer gekostet haben soll, der Wert einer einzigen der roten Merkur- Marken heute aber in vierstelligen Gvldmark-Ziffern ausgedrückt werden muß, so bedeutet der Erwerb für den unbekannten Käufer eine recht günstige Kapitalanlage.

Schrittleitung: Dr. Friedr. Wilh. Lanae. Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.