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manchmal lieh ein rascher, fast Eder Ruck das DlScklem in ! höchster Aufregung die LadenbeDienung zur Giftmahnen, dann wieder tönte ob- der ruhig geöffneten Tür dre Schelle be^glrch, fast würdig und zeigte, Daß ein ehrsamer und vernünftiger Burger sein täglich Brot begehren kam, und ein drittes Mal ertönte beim sachten Eintritt eines bescheidenen Frauenzimmers ein so zartes un& liebliches Läuten, dah der Bäcker Hausammann, der nicht ungern junge weibliche Kunden selbst bedftnte Gelegenheit nahm den Kopf in den Laden zu stecken und- nachzusehen, ob- die Anmut der Züge der des Wesens entspreche. ~ t

An einem Montagvormittag war indessen mancher Besucher | des Bäckerladens beim Eintritt überrascht, weil er auf den

WM ntananD sah auch aus der Backstube niemand zur Bedienwra ers-Um Der alte wacklige Kleinrentner Hintermann ,um Beispiel, von der Ladenglocke, mit einem leisen Zitterton an- I !romi?fbpf wartete einen Augenblick am Ladentisch, schnob sich die Aase, putzte die Drille und strich sich den gelbgrauen Bart 'Utecht ohne zu bemerken, dah jemand mit zwei großen blauen, verstaunten Augen hinter dem Tisch hervor und zwischen einem braunen schlichten Gugelhupf und einer vornehmen Scyaum- torte hindurch ihn ansah. Erst als ein piepsiges Kinderstimmlein ibn fragte Was ist aesällig?" sah er schärferen und be,rwrkte zwischen den" Augen eine kecke, kleine Aase, blond-es weickM Haar und den ganzen, kaum über die Marmorplatte des Lisches hmous- ragenden^Kopf der Klaudi Müller, Beinahe hälft er gelacht, aber Klaudi machte ein so ernstes, geschäftsmäßiges Ges ich-, daß er ste in ihrer Würde zu beleidigen fürchtete,, wenn er sich merken fteß, dah er sie nicht in den Laden hinein reimen konnte.So so, sagte er daher gutmütig,haben war eben E n eue n .

9 klaudi überhörte den Scherz. Es war ihr bitter ernst S". mut. Sie muhte an diesem Morgen alle ihre Sinne zusamnwnnehiiE, um das viele, das auf sie eindrang, einigermaßen überschauen. Mit wichtiger Miene nahm sie die zwei Semmeln, die der -Kent nersmann verlangte, aus dem Körbchen, reichte s^ ihnu war froh, dah sie den Preis dieser Ware schon ganz sicher wußte, uno rmpfing die Münze, die jener ihr bot.,,Wie man es ihrgez«^, so tat sie dann dem alten Wann die Tur auf, bedankte sich, fagt^. !°Ein andermal-° und hatte ihn so aus dem Lc-den wwder hinaus- kvmplimentiert, ehe er sich's versah Ec nickte ihr durchdre^u scbeibe noch einmal zu, dachte er hatte mit dem kleinen, ivnoer, baren Wesen ein Gespräch cm heben sollen, und verwunderte sich wft noch manche" andere Kunde An diesem Morgen weiter, was der Bäcker Hausammann da für ein frühreifes Menschensprohlein m ^AachOsLin«/Weggang hatte die LadenkliiigelettoasRuhL Auch Klaudi bekam Muhe, nachzudenken, wo ihr der Brondkopf sah Sie blickte sich zum dutzendstenmal tm Laden um und all die Herrlichkeiten an, die sie früher wie andere Müder von nutzen mit weiten Augen und allen Sehnsüchten im Herzen betrachtet, nach denen sie jetzt nur die Hände,auszustrecken brauchte, und die sie doch viel weniger verlockten, sei es, weil ihr der schwarz- bärtige Gewaltsmann, der Bäcker mit Eher Stimme das Aascken verboten, sei es, weil der suhe Duft des Backwerk--, der den Laden zum Ersticken füllte, ihr allein schon den Appetit nahm Da war sie nun, bisher ein Aufgaben-geplagt^ Schulkum und ein armes, von der strengen Mutter, der ^glohnsirn Mulle, kiirzgehaltenes Haustöchterchen und bedeutete Plötzlich etwas, hatte eine Verantwortung und Dichtigkeit, und Firste sich Brot nehmen, wenn sie Hunger hatte frisches, der

Seit vierzehn Tagen war sie, die Zwölfjährig--., aus der Schule entlassen. Dor acht Tagen hatte die Mutter sie bet dem Bäcker als Austragekind angemeldet; dann b^te >ie eine zwei­tägige Lehre bei dem Meister selber durchgemacht. Er hatte ihr die Kundenhäuser, wohin sie das Brot zu tragen ^alftMyrigt, und sie geheißen, die Preisliste auswendig zu lernen, damit sie nötigenfalls auch beim Verkauf mithelfen könne. Der notige üall war sehr schnell eingetreten, denn schon heute hatte HausammMM sie ganz unvermutet hinter den Lavenasch gestellt, hinter dem sonst seine Frau zu hantieren pfl^te. Er hatte bäte, ein böses Gesicht gemacht und etwas von Lotterer geschimpft und hinzu gefügt, Klaudi möchte ihn rufen, wenn ste etwas nicht wisse^ Dann aber war er mit seinem Wagen fortgefoßren, mit dein sonst der Geselle eine Ladung Brote nach einigen großen -ronsum- geschäften bringen mußte. Der Geselle war heute nicht zur Arbeit anaetreten. Gr sei krank, hatte Klaudi den Meister M Frau zurusen gehört. Diese aber lag offenbar auch noch zu Deti, ob krank oder nicht, das wußte sie nicht. Jedenfalls aber befand sich Hausammann um all' des Zuwideren willen cm diesem Mor­gen in einem mächtigen Zorn. Einmal hatte es K.audi sogar ge- schienen, als habe er der Meisterin hinter.der verschlossenen Tür der nahen Schlafkammer mit großem Gepolter Silage an­gedroht. Sie selbst stand nun da, im abgetragenen Kleidchen, Die Schuhe gestückt, die Strümpfe geflickt,. eine neue Kattunschurze, die ihr die Mutter zum Eintritt gekauft, vorgebunden, laiigst in Aöten und im Fall, den abwesenden Weister zu brauchen. Fremd sah sie alles an. Außer dem Preis der Semmeln, die der Beniner eben fortgetragen, war wenig genug in ihrem Gedächtnis haften geblieben. Ihr Herz klopfte. Das Blut stand ihr heiß m den schmalen Wangen. Aber das half nun nichtI Bis Hausammann zu- riickkam, mußte sie sich eben durchbeitzen, denn die Tür zum Zimmer der Meisterin war verschlossen, wie ft« bet einem Ver­

suche, sich dort Rat zu yolen, vorytn bemerk yatte. Klaubt ft-ftzte. Sie hatte schon viel geseufzt in ihrem kurzen Leben, j" der. Schule, unter den Schlägen des betrunkenen Vaters, der setzt tot war, und vor Einsamkeit, wenn sie oft bis spät in Oie Aacht Daheim im Dunkeln hatte sitzen müssen, bis die Mütter von der Arbeit kam Aber die Gegenwart schien ihr doch am dunielten. Alt das, was sie hier schon wissen sollte und nicht wußte! Kunden, di« unwirsch wurden, wenn sie sich nicht gleich auskannte! Kunden, die lachten, wenn sie das kleine Mädchen nur sahen!Aber es lag noch etwas anderes in der Luft. Es stimmte -Uvas nicht mit lLm Zorn des Meisters, dem kranken Gesellen und der eiw gesperrten Meisterin. Etwas tote Anheil gähnte dw Klaudi an. Aicht umsonst kam sie aus einem Hause des Aifrie^ns und der Sorge. Sie witterte Derartiges auch hier.Wem Gott, dachte sie,wo bin id)- hingeraten?" , ,

Aber die Zeit verging. Klaudi verkaufte große Brote und Heine Brote, schlug Törtchen ins Papier, wog Zuckerwerk m Tu­ten Wenn sie ein Schrankfach nicht erreichen konnte, kletterte sie aus einen Stuhl. And- die Käufer schauten ihr weiter zu, lächelten, und zeigten sich wieder je nach Laune hilfreich, wißbegierig, toei sie sei, oder beleidigt, daß ihre Ansehnlichkeit von so wmziger Aichtssagenheit bedient werde. Ein dutzendmal hatte he wohl schon ihre kleine Lebensgeschichte erzählt und- versichert, daß-sie wirklich nicht mehr tagschulpflichtig, sondern mar noch zum Besuch des Abendunterrichtes der Ergänzungsschule gezwungen sei, dakam Hausammann zurück. Der große, schwere Mann mit dem bleichen Gesicht und dem buschigen, schwarzen Schnurrbart trat sogleich M den Laden, da er auf seinem ganzen Gang unruhig gewesen, wie es daheim gehen werde und dabei seinen Frühmorgenarger noch tüchtig gesteigert hatte. Die Klaudi war gerade beschäftigt, mit verständigen Händen einen großen Dogen PKier für lletne Pakeft zurechtzuschneiden. Der Bäcker stutzte unwillkürlich über .An­stelligkeit. Ein to-enig Zorn schmolz ihm hmweg. Wunderllches kleines Wesen, dachte er, dann wandte sich hin ganzer Groll gegen feine Frau, die nicht an ihrem Postrnr stand. Schon wollte er sich zu ihr hinüber begeben. Da trat sie selbst heraus eine hübsche, noch junge Person mit feiner Haut und- rötlichem Haar, aber in den Augen einen merkwürdigen Glanz, als ob in ihrem Kuneri ein Durst brenne. Ihr Haar war unordentlich und in ihren Wbern ein eigentümliches Fliegen, das von.mühsam unterdrückter Hast zu zeugen schien. Sie war mit sich selber zerfallen, hatte im Bett gelegen, ohne eigentlich krank zu sein, fühlte sich schuldig und doch nicht imstande, gut zu machen.

Also doch," murrte Hausanimann, mit höhnischer Anzüglich­keit, "als sie sich' an ihm vorbeidrückte.

Sie antwortete nicht, obschon ihr Die Zunge sonst nicht fehlte.

Kopf und Herz taten ihr weh. m <. .

Der Bäcker warf einen Blick auf die Klaudi. Eine Vr-bigt, die er über die Frau loslcstsen wollft, blieb ihm im Halse stecken. Er ging an seine Arbeit. . r i , . , ,

Frau Stine, die Bäckerin, ergriff ein Staubtuch- und hob an, im Laden Ordnung zu machen. Sie war sauber und arbeitsam, wenn der Teufel sie nicht besaß. Beiläufig fragte sie die Klaudi, ob schon viele Kunden dagewesen, dann mit scharf ängstlichem Ton, ob sie sich auch nicht verrechnet habe. Sie tat einen Blick,M Die Ladenkasse. Wit einem Aechz-en griff si-e sich an Die schmer-i Z^KlaE machte weite Augen. Aicht verrechnen sollte sie sich ! And wissen, was sie nicht wußte! And alles versteheii, alles, auch die merkwürdigen Meistersleute! Das letzte..machte ihr immer noch am meisten zu schaffen Der rauhe Dackei. tat chi eher leid. Aber die Frau! Sie war hübsch und offenbar fleißig! Aber warum wischte sie mit dem Staubtuch nun schon zum Dritten Wale den gleichen Deller aus? Erinnerungen kamen Der Klaudi, Erkenntnisse dämmerten ihr Ganz so sonderbar war Der Baker manchmal gewesen. Dann hatte Die Mutter die Stirn gefaltet und war ins böse Keifen gekommen. 3n diesem Augen-! blick sah sie die Meisterin eine Flasche aus einem oer Gestellt nehmen und hinter den hohen Wandschirm treten der die eine - Ladenecke mit dem Ofen abschnitt Der Kf^Di stock^ d^- Herz- schlag So hatte der Vater sich oft mit der Flasche versteckt! Fast wider Willen glitt sie der Bäckerin nach. _. . ri.

I ' Gerade hob Frau Stine die Flasche mit Aum an Die durstigen L'^Klaudi trat hinzu. Sie griff mit beiden Sänpen nach der Flasche Aicht", sagte sie mit zitternder Eindringlichkeit.

Frau Stine wußte nicht, wie ihr geschah. Sie hatte Klaudi nicht kommen gehört. Sie senkte Die Flasch- und sah die großen, blauen Augen des Kindes mit einem Ausdruck halb d-s Zorns, halb Des Entsetzens zu ihr aufgeschlagen. Sie schwankte. ®nt_ rüstunq und Scham stritten in ihr. Sie schaute ganz verwirr» Ms das kleine Mädchen. Es fiel ihr ein, Daß

«en schlecht und. recht und allein da draußen im Laden gewirt­schaftet Dann stieg ihr Das Blut, langsam, aber immer hu n- > jetzt am Halse sichtbar und jetzt an Den Wangen, bis es diese und Die Stirne tote eine Flamme überschlug. Sie sagte kein Wort. Mit zitternder Hand setzte sie Die Flasche bestelle.

Drüben erschien auf einmal wieder uer Backer. Die Salle yar ihn herbeigezogen. Er erriet die Zusammenhänge und hatte ein Mes Wort auf Den Lippen. Aber die Klaudi - es war sonder­bar er mochte vor ihr nicht schimpfen.