Ausgabe 
1.3.1924
 
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gen und schtvefelsaures Ammoniak wäre so eines, dann würden sie dicke Kartoffeln haben und Weizen und Korn viel mehr als früher. Als ob das die Sackstoff teilten nicht schon längst gemußt häaen! Das hatten sie doch damals schon zur Qteinkvhlezeit getan. Darum waren die Bäume auch jo stark geworden I

Nun wollten sie den Bauern gerne Helsen, und sie freuten sich daraus, wieder in die Erde zu gelangen. Dann würden sie doch wieder in die grünen Pflanzen kommen und lebendig fein und die liebe Sonne spuren I

Maskrn.

Eine Faschings-Studie von Dr. P. Landau.

Eine geheimnisvolle Mach! strömt von den leblosen Dingen in unsere Seele und unser Inneres über. Besonders dem Äinte und dem primi.iven Menschen scheinen oft die äutzerlich wahr­nehmbaren Erscheinungen unendlich bedeu.samer, we.e.isootter als alle seelischen Gigmschnf.en und die starre unlebendige Form wird in feiner Phantasie zur wundersam wirtrn>en Kraft. So ward dem Wilden zuerst das Geheimnis der Maske erschlossen, ihre rat» felf'-afie Kraft die alle ekstatischen und schwärmerischen Rausch­zustände der Kul.uren entbinden half und heute noch in dem be- wutz.en Sein des modernen Menschen dunkle triebhafte Gewalten befreit, die ihr in den Lastbarkeiten des Faschings und der Feste über sich selbst hinausheben.

Bei allen Raturvölkern findet sich die Maske. Bei feierlichen Aufzügen, bei religiösen Versammlungen. vor allem aber bei den mimischen Tänzen wird sie getragen. Diese Tänze, die als eine Art Gottesdienst gewisse Geschehnisse des Lebens nacyahmen. er­wecken nun in dem Tänzer die Sehnsucht nach einem Welterleben der dargestelltea Dinge, nach einem völligen Aufgehen in oer frem­den Person, die er verkörpert. Dazu hilft ihm die Waske, die äußere Form, die eine Aehnlichkeit des andern Wesens hinübertragi in das Ich des Menschen; sie wird die Brücke, auf der das fremde Ich in ihn hineinwandert, um fein ganzes Wesen mit einem neuen Geiste zu erfüllen. Kein bloßer Schein ist dem Raturmensqen die Maske, sondern das wirkliche Bild eines Gottes, eines Dämonen, eines Tieres, jener Gewalten, die er anbeket. Darum gelten bei vielen Raturvölkern die Masken als etwas Heiliges. Da der Wilde oen Tieren übermäch ige göttliche Kraft zuschreibt, fo sind es zu­nächst Tiermasken, die er anlegt; Löwenkövfe setzten sich die Pe­ruaner auf, da sie die Löwen für ihre Ahnen hielten. Fächer» Völker tragen Fischmasken, denn die Fische sind ihre guten, fegen» spendenden Götter. Dann erfintet die Phantasie der Wilden tie­risch verzerrte, halb menschlich geformte Masken, in denen phan­tastische Dämonen, greuliche Ungeheuer, der ganze Hexensabbat Primi wer Mytholrgien dargestellt wird. Eine ungeheure Kraft grotesker Gestaltung hat die Kunst der Raturvölker in diesen Tanz» und Zauber- Kri gs- und Festmasken bewiesen, und unvergeßliche Formen g-schafsen. die wie Borstellnngen schwerer Träume in ihrer bizarren Scheußlichkeit uns bedrücken und in ihrer starren Groß­artigkeit ergreifen. Auch Wolken, Sonne. Mond und Sterne wur­den als Maskenbilder dargestellt, z. B. bei den Hopi-Jndianem Reu-Marikos, die merkwürdige und absonderliche Symbole für diese HimmelsersHeinungen an,stellen. Eng verbunden ist die Maske mit dem Toten- und Ahnenkult, der Seelenverehrung der Wilden. Bielleicht ist alles Maskenwesen überhaupt, dieses Symbol toller Lustigkeit rrnd überströmenden Genusses, aus dem dunkelsten Rätsel der Menschheit, aus dem Tvtendienst. geboren worden. Die Maske ward dazu verwendet, um den Geist und die Seele des Verstorbe­nen, die im Kopfe fortleben sollte, auf den Lebenden überzuleiten. So entstanden die Schädelmasken, die sich vielfach, z. B. bei den Bewohnern von Reupommern. fnten. Der Kopf des Twen wird zerteilt und der Hinterkopf weggeworfen. Aus dem Vorderteil werten alle Weick/eile entfernt, durch eine feste Masse aus Kalk das Gesichtsbild wieder h?rg-stellt und dann bemalt. Der Papua hält diese g aasige Mas^e mit den Zähnen fest und zwingt in der rasenden Erregung seines Tanzes die Selle des langst verscharrten Ahnen in ihm einzukehren und ihm ihre Straf'e zu verleihen. Toten­masken, die die Züge des Gestorbenen wiedergeben, hat man in viel höher entwickelten Kulturen mV ins Grab gelegt. 3n Aegypten, Assyrien und Phönirien war das Sitte iind kam aus dem Orient nach Griechmland. wie die gewaltig urwllllichen goldenen Masken der Mykenischm Gräber bewiesen. Hier ist die Maske frlllich schon vom Gesicht des Trägers als eignes Kunstwerk losgelöst.

Früh trat bei den Masken der Wilden als zweiter Zweck hin.zu, daß man sich zu verbergen suchte. Die Maske wurde ein Mittel zum Schuh vor Dämonen, zum Erschrecken der Feinde. Hinter dem grell bemalten Gesicht aus Holz, Baumrinde oder Flechtwerk barg sich ein mächtiger Geist, der jedem Gegner Furcht einjagen mutz e. Endlich aber sanken die Masken aus ihrer Heilig­keit und Furchtbarkeit zur Lächerlichkeit herab. Bei den Ratur­völkern ist die Maske bereits zur grotesken Vermummung des Schauspielers, zur komischen Fratze des Possenreißers geworden. Aber die Maske über wildes Grauen und verzerrte Komik hinaus in die Höhen reiner Schönheit zu erheben, ist erst der griechischen

Kunst gelungen. Wir bewundern in der Entwicklung der Medusen» maste eine wahrhaft göttliche Kraft des antiken Bildnergeistes, der aus einer wüsten Fratze ein wundersames Menschenangesicht zu formen w-utz.e. Aus dem Mastenwesen und seinen Wundem ent­stand auch noch eine andere Schönheit, die des Dramas. Richt an­ders als die Wilden, tanjten die alten Grjechen, in Tiermasken vermummt beim Kcl.erfeste im Januar dem Weingott ihre Kult* tünze. In Pferde-, Vögel-, Wespen-, Frösche-Masken schlangen sie ihre Chöre, und in den Aristophanes-Komödien lebt diese pri­mitive Maslierung unsterblich fort. Aus den Masken-Festen ent­stand derDocksgesang" der Tragödie, der neben höchster be­seligender Lust auch die gewaltige Tiefe menschlichen Leidens offen­barte. Der Schauspieler behielt die Maske, durch die er ursprüng­lich mit seinem Gotte eins geworden, später bei; sie ist ihm lange das schönste Symbol seines A>. sgehrns in der dargestellten Person, wirkt in einer ursprünglicheren Kultur, wie der japanischen, sogar noch heute; aber der moderne Mensch, der gelernt hat, das eigene Gesicht in tausend Masken umjufo.mert, der in seinen Zügen Stim­mungen der Seele ausdrückt, weiß mit der stark stilisierten, auf eine dekorative szenische Wirkung berechneten Schauspielermasks nichts mehr anzufangen. Die archaisierenden Versuche der Re­naissance und später Goethes, die Maske auf der Bühne wieder zu beleben, muhten scheitern.

Mit der antiken Kunst und Kultur versank in der Rächt des Mittelalters auch die Maske In das Richts. Als heidnischer Spuk von den Kirchenlehrern verdammt, wag e sie sich erst mit den An­fängen der europäischen Renaissance wieder hervor. In den kirch­lichen ..Esels» und Rarrenfeften", die französische Lustigkeit dem Gottesdienste einfügte, drang sie in die Kirchenfeste ein. Sine all­gemeine Maskenstimmung aber ergriff die christliche Welt in den Tagen der Minnesänger, da der g rle König Rene in schäserlichem Idyll seinen Provenyalischen Hof hielt und christlich-heidnische Fest­züge veranstaltete, da Ritter äilrich von Lichtenstein als Frau Venus vermummt durch die Welt zog und das Leben nur noch eine Reihe von heldenhaften Abenteuern und Tvurnieren zu sein schien. Bis in die Zeit desLetzten Ritters" Kaiser Max hat sich dieser heidnische Mummenschanz erhallen, um in der Renaissance h-rrlich auf-eckeben. In diesen Sei en starker Et -egung wurde die Maske ein Wickel, um die wild ausgäh-enden Triebe zu bändigen und in reine Formen zu (ei en. In Italien wurde das Masken­tragen allgemeiner üblich, besonders auch bei 5 tauen, die sich so gut dahinter verbergen und alle hemmende Schau abwerfen konn­ten; und es kam dann auch bald in die anderen Länder. In Frank­reich tr-gm Frauen, wenn sie inkognito auszehen wollten, Masken, diet>on schwarzem ©am* g macht worden waren und inwendig eine Crystalle angenehet hatten, welche das Frauenzimmer in den Mund nimmt, damit sie die Masque halten kann". 3n England war die Sicke des Mas'entragens bald so allgemein, dah in Shake­speares Tagen keine Dame ohne Maske auf der S ratze oder im Theater erschien, worüber sich die Puritaner als über eine große stinsittlickckeii sehr ereiferten. Auf schnell improvisierten Masken­bällen ist dann auch eine Form des englischen Dramas entstanden, die kn den Werken Shakespeares und seiner Zellgenossen ihre deut­lichen Spuren hinterlassen hat. Es ist dieMasane", deren klas­sische Werke das Hochzei sfpiel imSturm" und MiltonsKomus" sind. Bei einem Feste traten mitten unter die Schar der fröhlich Versammelten plötzlich massierte Leute, wie es Romeo und seine Gefährten beim Feste Capulets tun. und wurden in solcher Ver­kleidung gern aufgenommen. Am Hofe Ludwigs XIV. erreichten dann diese allegorischen Maskeraden in der Pracht der Darstel­lung ichen Höhepunkt. Die Feste, die Ludwig XIV. in Versailles veranstaltete, setzte eine ganze Welt von Maschinen und Deko­rationen in Bewegung und umgaben die Maske mit dem größten Prunk, der diesem ursprünglich so einfachen Gegenstand je bei» gelegt worden ist. Die Maske wird dann zum Symbol des Ro­koko und des 18. Jah-huntews. 3n tausend Vermummungen und neckischen Derlleid mg-n gefiel sich diese Zeit; es war das belieb» yte Spiel in Gesellschaft, dah plötzsich phantastisch gegleitete öder grotesk vermummte Gestalten auf traten. Der Maskenball wurde das ßieblingsf 'ft für die Frau des Rokoko. 3m strahlend erhellten Saal wirbelt der tolle Zug der Harlekine und Pierrvts, ter Do­minos und Fledermäuse, ter Fastnach/sschwalben und all der luftig verputzten Gestalten dahin. Alle Stände mischen sich durcheinander, die grotzen Damen und die Bürgerinnen; hier reifst ein Prinz einer Herzogin die Maske vom Gesicht, dort küht ein Marktweib Marie-Antoinette die Hand, da sie die Königin unter der Maske erkannt hat. Unter ter Maske kann man dem feinsten Vergnügen des 18. Jahrhunderts, der frivolen Plauderei, unbeschränkt sich bingeben, und so fliegen unter den schvarzen Schirmen die sprü­henden Witzworte. die kecken Liebes beten erungen hin und her. Die Romantik hat versucht, den alten Gast ter Waske wieder aufzu­decken; sie hat ihn in den phantasievollen Scherzen Tiecks und E. T. A. Hoffmanns wundervoll gllchiltert, aber nicht zu neuem Leben erweckt, llnb auch wir grübeln heute wieder über einer Philosophie der Maske", weil sie selbst in ihrer berauschenden und befreienden Macht nicht mehr unter uns weilt.

Schriftleitung; Dr. Friede. Wllh. Lange. Druck und Verlag Brühl'schen Llniv.-Voch» und ©»»inbrucfere.t. R. Lange, Dietzen.