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sich zum Helden träumen. lznt> fieW Du, Neber Slementt, das ist es. was mich beunruhigt, dah ich mir im Reiche der Phantasie eine Rolle auserwählt habe, die ich zwar ohne Gefahr spiele, die aber die Wirklichkeit nicht berührt. Prüfungen und Gefahren zu überwinden, das ist Tugend, aus der das wirkliche Sein hervvrgeht. Tugend ist also das Werden; das Sein aber ist Allmacht. — Clemens, welche Sehnsucht habe ich zu diesem Sein. Aus sich selbst handeln, fühlen, daß man das Schicksal durch Charakter und innere Kraft überschauen und beherrschen kann.
Manchmal, wenn ich in der Nacht aufwache, und der Mond tn mein Zimmer scheint, träume ich und frage ich die Wolken, was wohl mit mir werden wird. Das Mvndlicht, wie ein dichterisches Genie sieht es und denkt für mich, übt Talente in meiner Phantasie, erhebt mich so hoch über mein Sein, daß ich gleichsam das Bewußtsein davon verliere und aus dem Spiel nicht mehr heraus- sinden kann. Aber wenn der Mond hinübergegangen ist, überfällt mich, der Schlaf. Lind beim Erwachen ist von diesem Zauber nichts mehr in meinem Geiste."
So weht durch diese Blätter der Hauch eines seltenen Freundschaftsbundes, der in feiner Reinheit und Inbrunst erhebt und die Lektüre des schönen Buches zu einer stillen Feier macht.
Der unterirdische Wald.
Sllzze von Dr. A. Klidinger, Gießen.
I.
Durch die feuchtwarmen Dünste über dem Wald der Stein- kohlezeit zuckten mächtige Blitze. Wochenlang schon tobten ungeheure Gewitter in der mit Elektrizität überladenen Atmosphäre. Zn die frei umhertollenden Sauerstoff- und Slickstoffteilchen der Luft waren die elektrischen Entladungen hineingefahren und hatten auf ihren Dahnen mit elementarer Gewalt die widerstrebenden Elemente zusammengeschweiht. Zu einer innigen Verbindung, die wir Menschen Salpetersäure nennen, wurden sie verbunden. Rur dem zündenden Funken gelang es, den trägen Gesellen, den Stickstoff an den Sauerstoff zu fesseln. Es war ihm lieber, ungebunden umherzuschweben. Bald da, bald dort immer Neues zu sehen, niemals ruhsam an einem Orte zu verweilen. Jetzt war es vorbei mit diesem freien Leben. In eine neue Verbindung, in die Salpetersäure war er eingetreten, und damit hatte er in der Luft nichts mehr zu suchen.
Lange noch schwebten die Salpeterteilchen im brodelnden Nebel, dis sie zum Boden gelangten. Lieber dem Farnkraut und Bärlapp- Laum schwebten sie, über dem ungeheuren Sumpf, der sich in unabsehbare Fernen weitete.
In unaufhörlicher Fruchtbarkeit gebar der Sunrpf Riesenbäume und Schachtelhalmdickungen. Merkwürdige Tiere krochen in dem LIrwaldschlamm herum. Panzerlurche von abenteuerlicher Gestalt, und die ersten Saurier, die Drachen der Lirwelt.
Die mit Salpete säure getränkten Dünste drangen in. den feuchten Boden ein. Don den Bäumen triefte die Nässe, und der schwammige Boden sog das Wasser unaufhörlich in sich auf. Neue Nebel entquollen dem Boden, nur dann und wann leuchtete die Sonne bis auf den Grund des Morastes, schillernde Reflexe erzeugend. Die Salpetersäureteilchen sanden im Boden Stoffe, mit denen sie sich verbanden. Sie saug'en die Gesteine aus, nahmen aus ihnen den Kalk, das Natron oder Kali und wurden zum Salpeter. So wanderten sie weiter, bis sie zu den Wurzeln der Bäume gelangten.
Lleberall hin griffen die Wurzeln mit ihren feinen Ausläufern. Gleich kleinen Polypen saugten sie aus ihrer Umgebung die Dährsalze, die sie zum eigenen Wachstum und zu dem ihrer Stämme und Kronen benötigten. Sv wurden auch die Salpeterteilchen ergriffen und in die Bäume hinaufgesogen. Durch Pumpwerke in einer Vollendung, wie wir Menschen sie niemals erreichen werden, wurden sie in Dahnen geleitet und in die feinsten Aestchm und Zweige der Däume gepreßt. So kamen sie in die Blätter, in welchen sich die chemischen Hexenküchen der Pflanzen befinden.
Zn den grünen Zellen der Blätter war fieberhafte Tätigkeit. Don der Luft wurde durch die Spaltöffnungen Kohlensäure herbeigesaugt, durch Röhren wurde Wasser hereingeleitet, und nun vollzog sich das große Wunder. Aus den leblosen Substanzen bildete die Sonnenkraft in den grünen Kammern zunächst Zucker und Stärke und weiter — unter gleichzeitiger .Umwandlung der aus der Erde herbeigeführten Nährstoffe — das lebendige Pflanzeneiweiß. Hunderte von Stickstoffatomen mußten aus den Salpeterteilchen herausg-rissen werden, um mit Wasserstoff und Kohlenstoff Schwefel und Phosphor ein Eiweiß eilchen zu bilden. Jetzt war der Stickstoff ein Teil des lebendigen Baumes geworden Als Pflanzenblut wogte er durch seine Adern und nahm Teil an dem Schaffen und" Leben des Ganzen. Neue Zellen, neue Blätter mußte er bilden helfen, damit der Baum wachsen konnte.
Dieses Wachstum währte Jahrtausende. Der Daum wurde ein Riese unter seinesgleichen Jauchzend empfing er von der gütigen Sonne seine Lebenskraft und reckte stolz sein Haupt in die Welt.
Dvch> sein Schicksal war das all der andern! Ob groß oder klein, einmal mutzten sie alle sterben, wie ihre Väter und Geschwister in den langen Zeiten vorher. Doch sein Sterben sollte noch entsetzlicher sein tote der Tod all seiner Vorfahren.
Eines Tages grollte es tief tn der Erde. Zrnmer näher, immer wuter kam das Getös. Der Himmel verfinsterte sich und mit furchtbarem Donner barst die Erde. Alles wankte. Fahles Licht flammte auf und verschwand. Die Aiesenbäume wurden geknickt wie Stroh-- halme, dre Tiere verbargen sich voller Furcht tief unten imSchlamm, und da kam das Entsetzliche. Mit wahnsinnigem Krachen barst die Erde. Berge türmten sich auf, ganze Wälder rersanken, undWasser- massen stürzten über all die grüne Herrlichkeit. In wenigen Sekunden war der üppige Wald verschwunden. Ein weites wild- wogendes Meer bedeckte die Stelle, wo einst frisches Leben grünte. An rauhen Felsen, die einst tief unten unter dem Erdboden lagen, brachen jetzt die Wogen des neu entstandenen Meeres.
Jahrmillionen vergingen, da erhob fidji das verschwundene ßanö, und nicht lange währte es, bis frisches Grün wieder den ehemaligen Meeresboden bedeckte. Tief drunten aber, unter einer Schicht von Sand, Ton und Fels schlummerte der tote Wald. Der Druck der Erbmassen preßte ihn zusammen. Eine meterhohe Schicht von moderndem Holz lag schließlich dort, und nach und nach wurde es schwarz und steinhart. Wie in einem Kohlenmeiler ging es zu, Diel langsamer allerdings. Aber es wurde aus diesem weißen Holz doch schwarze feste Kohle.
H.
Lange mag der Wald wohl so gelegen haben. Nichts störte ihn in feiner Ruhe. Jahrmillioneu vergingen wieder.
Da, eines Tages hörte er ein leises Surren in seiner Nähe, dann Ruhe und dann einen leisen Knall. Immer näher kam das Surren, immer näher die Explofion, und da, auf einmal stand ein Mensch vor ihm, mit geschwärztem Gesicht und einer Grubenlampe in der Hand.
Ganz erstaunt war der Wald über diesen Anblick, doch dann ärgerte er sich über den Ruhestörer. Ganz leise fing er an zu zischen, eine furchtbare Flamme zerrih das Dunkel, ein ohrenbetäubendes Krachen und Poltern folgte und dann war Ruhe. Von dem vorwitzigen Menschlein lagen nur noch ein paar Fetzen herum. Die Bohrmaschine lag verborgen in einer Ecke.
Nun habe ich doch wieder meine Ruhe, sagte s'H der Wald. Das Grubengas hat seine Wirkung getan.
Doch er hatte sich verrechnet. Die Menschen kannten feine Hindernisse. Wenn ihr Körper auch schwach war, so gab ihnen ihr Geist doch Mittel, mit diesem ungebärdigen Wald fertig zu werden.
Eines Tages kamen sie wieder. Besser ausgerüstet, damit ihnen die schlagenden Wetter nichts anhaben konnten.
And nun war es endgülttg vorbei mit seiner Grabesruhe. Mit Pickeln und Schaufln gruben sie ihn heraus, schleppten ihn in kleine Wägelchen und fuhren ihn durch lange Gänge. Aus allen Ecken kamen kleine Wägelchen. Eine surrende Maschine wurde davor gespannt. Lämpchen blitzten auf und verschwanden, und schließlich kam ein großer Raum, in dem viele Lampen brannten. Plötzlich fühlte er sich gehoben, und es dauerte nicht lange, da stand er wieder in der Sonne. Sehnsüchtig blickte er emv-or ins Licht. Nun sollte wieder ein frohes Leben beginnen. Hei! Die Menschen waren doch gut.
Aber er hatte sich geirrt. Die Menschen kannten keine Pflanzenseele. Nur an sich dachten sie, und daß der Wald oder gar die Kohle eine Seele haben sollte, lächerlich! In rohe Maschinen wurde der schwarze Wald geworfen. Zerrissen und gequält wurde er. Zn lange Kammern wurde er geworfen. Wieder wurde es dunkel um ihn. Eiserne Tore schlugen zu.
Aber woher kam die unerträgliche Temperatur? Nun wußte er, er würde wieder gemartert, zum letzten Male. Heiß wurde es. immer heißer. Glühend machten ihn die Menschen, und da verlor er alles, was noch von 6er einstigen grünen Herrlichkeit herstammte.
Heiße Gase entftrömten ihm. immer mehr, immer mehr, bis schließlich eine poröse formlose Masse aus ihm geworden war. die die Menschen aus dem Ofen glühend hinauswarfen. Koks nannten sie jetzt seine ausgedörrte Leiche. Zum Schmelzen von Eisen sollte er dienen, und den Menschen sollte er das Zimmer wärmen!
©einen Geist aber, die Gase, halten sie durch lange Röhren und Kühlanlagen fortgeleitet, bis es wieder kälter in ihm wurde. Ein Teil der Gase wurde flüssig, das war der schwarze Teer, und das Gaswasser und das Benzol und Harz und den Rest der Gase nannten sie Leuchtgas. Damit beleuchteten sie ihre Zimmer. Denn schön und hell brennen konnte das Gas und leuchten, wenn es an ein! Glühstrümpfchen kam. Das ist wahr. Aus dem Teer wollten sie schöne Farben machen und Duftstofse und Arzneimittel. Ja, was die Menschen alles können! Mit dem Rest machen sie ihre Dächer wasserdicht, mit dem Benzol trieben sie ihre Maschinen und Autos. ilnf> das Gaswasser! Ja, es roch zwar schlecht, aber es war ein Stoff darin, der es wertvoll machte. Die Stickstoffteilchen, die der Blitz damals gefangen hatte, waren darin, allerdings waren sie jetzt an Wasserstoff gehenden, und man nannte sie Ammoniak. Das war es, was die Menschen haben wollten. Das Ammoniak trieben sie aus dem Gaswasser heraus und schmiedeten es an Schwefelsäure. Jetzt war es schwefelfaures Ammoniak.
Ein berühmter Mensch den sie Liebig nannten, hatte gesagt, die Dauern mühten ihre Aecker mit künstlichen Düngemitteln dün»


