büchen, des 14. und 15. Jahrhunderts haben sich solche „Märlein“ und „Osterposfen" erhalten. Selbst di« Apostel und die Heiligen erschienen darin.ost als recht lustige und listige Leute. Auch an Anspielungen auf das Alltagsleben fehlte es nicht. So befahl einmal ein Prediger in Waiblingen — nach dem Bericht des Humanisten Bebelius — am Ostersonntag in der Kirche, alle Männer, die wirklich zu Hause das Regiment führten, sollten das Lied „Christ ist erstanden" anstimmen. Die Folge war allgemeines, verlegenes Schweigen Da richtete er an die Frauen die Aufforderung, es sollten alle, die .die Hosen im Hause anhätten", den Ostergesang an- stimmen: sofort setzte der Choral ein. Da gab es dann ein schallendes „Ostergelächter", und so Lachen und Jubel überall.
In einigen Gemeinden war es üblich, daß bei dem Mysterium von der Auferstehung Christi einem Irtden eine kräftige Ohrfeige verabreicht wurde. War im Orte kein Jude vorhanden, so mutzte sich ein Christ als solcher verkleiden und die Dachtel in Empfang nehmen.
So hielten sich Schimpf und Ernst die Wage. An diesem Tage galt, was Wackernogel im Jahre 1568 davon sang:
„Dan', lobsing', wad Odem hat, Frisch in Gottes statt, Niemand darf sich beschweren, Bei diesen Oft ernteten.“
Auch der Prediger aus der Kanzel muhte einen witzigen und manchmal recht derben Zuruf .aus dem Publikum" ungestraft hinnehmen. Es fehlte zwar an ernsten Männer nicht, die sich gegen diese un- geistlichen Sitten wandten. So schrieb Oecolampadius in Basel eine erregte Streitschrift gegen diese Herabwürdigung des Gottesdienstes, doch es dauerte noch bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, ehe es gelang, das .Gelächter" endgültig aus den Kirchen zu bannen. Autzerhalb derselben aber wurde noch viel langer „gelacht", wie folgendes .Ostermärchen" aus Berlin betverst. Als im Jahre 1827 Friedrich Wilhelm II!. nach glücklich verlau^ner Heilung eines Beinbruchs zum ersten Male wieder am „historischen Fenster seines Palais erschien, warfen eine Anzahl „Berliner Rangen" ihre Mützen in die Höhe und sangen mit Begeisterung zu ihm hinauf:
.Heil dir im Siegerkranz,
älnserm König sind die Beene wieder janz, rind der König lachte von Herzen.
Dom Schöpfer.
Aus Hamanns Schriften.*)
Wenn ich nicht einen Gott glaubte, ohne dessen Willen fein Sperling vom Dache fällt, der unsere Tränen uns versprochen hat selbst abzutrocknen — wie würde ich ohne diesen Gedanken, fort- kommen? Ich würde hundert törichte Dinge anfangen, mich irre» machen und dem großen Hausen auf der groben Straße nachlaufen; jetzt bin ich ruhig, erwarte alles, was mir Gott noch auslegen will, und hoffe, daß er mir die Last jedes Tages werde tragen helfen.
Ich überlasse mich und mein Schicksal der göttlichen Vorsehung gänzlich. Sie hat Triebe in unsere Ratur gelegt, die, wenn sie nicht lasterhaft sind und mit unseren Pflichten streiten, nicht selten als unsere Bestimmung, als der Ruf zu ihren Absichten angesehen werden können. Mit wieviel Ruhe und Zufriedenheit kann derjenige leben, der keinen andern Endzweck hat, als wie ein ver- mlnstiges, und wie ein teuer erlöstes Geschöpf, als Menfch und Christ, seinen Verbindlichkeiten ein Genüge zu tun.
Die ganze sichtbare Ratur ist nichts als das Zifferblatt und der^ Zeiger; das ganze Räderwerk und das rechte Gewicht sind seine Winde und Feuerflammen.
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♦) Die Schriften Joh. Georg Hamanns (geb. 1730 zu Königsberg) sind heute ziemlich verklungen und wenig gelcfen. And doch hat dieser .Magus im Norden" für unsere Literatur eine so große Bedeutung, da er unsere Klassiker, namentlich Herder und damit auch Goethe, so stark befruchtete. Gin tiefer, religiöser Sinn war ihm eigen, und der vorliegende Ausschnitt gibt ein charakteristisches Bild seiner Anschauung und Darstellung. Es war ein glücklicher Gedanke von Hugo v. Hvfmannsthal, daß er eine Auswahl deutscher Prosastücke aus dem Jahrhundert 1750 bis 1850 in einem „Deutschen Lesebuch" vereinigte, das der Verlag der Bremer Presse (München) unserem Zeitalter vorleg!, damit es Trost und Kraft schöpfe. Die Hamannsche Leseprobe ist daraus entnommen. Mit Recht spricht Hofmannsthal von dem „Jahrhundert deutschen Geistes", dem der Sprachquell entsprang, aus dem wir unser ganzes geistiges Leben schöpfen. D eses Les buch mit den zahlreich nebeneinanderstehenden Prosastücken bedeutender Männer offenbart uns auch den Gegensatz zu dem weniger einfachen und klaren Sprachgeist der Gegenwart.
Alle Wunder sind tägliche Begebenheiten, stündliche Erfahrungen des Lebens in Gott.
Es gehört zur Einheit der göttlichen Offenbarung, daß der Geist Gottes sich durch den Menscheng riffel der heiligen Männer, die von ihm getrieben worden, ebenso ern.edrigt und fed er Majestät
Den allein weisen Gott in der Natur bloß bewundern, ist entäußert, als der Sohn Gottes durch die Knechtsgestalt, und wie die ganze Schöpfung ein Werk der höchsten Demut ist.
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vielleicht eine ähnliche Beleidigung mit dem Schimpf, den man einem vernünftigen Mann erweist, defsen Wert nach seinem Rock der Pöbel schätzt. ,
Ich wundere mich, tote es dem weisen Baumeister der 'Bett hat einfallen können, uns von seiner Arbeit bei dem großen Werk der Schöpfung gleichsam Rechenschaft abzulegen, da kein kluger Mensch sich leicht die Mühe nimmt, Kinder und Narren über den Mechanismus seiner Handlungen klug zu machen. Nichts als Liebe gegen uns Säuglinge der Schöpfung hat ihn zu dieser Schwachheit bewegen können. e
Wer eine bessere Welt vvrgibt wie Rousseau, und eine individuelle, atomistische und momentane Vorsehung leugnet, der widerspricht sich selbst. Gibt es einen Zufall in Kleinigkeiten, so kann die Welt nicht mehr gut sein noch bestehen. Fließen Kleinigkeiten aus ewigen Gesetzen, und wie ein Säkulam aus unendlichen Lagen von selbst besteht, so ist es eigentlich die Vorsehung in den kleinsten Teilen, die das Ganze gut macht.
Ein solches Wesen ist der Urheber und Regierer der Welt. Gr gefällt sich selbst In seinem Plan und ist für unsere Urteile unbesorgt. Wenn ihm der Pöbel über die Güte der Welt mit klatschenden Händen und scharrenden Füßen Höflichkeiten sagt und Beifall zujauchzt, uürd er wie Phocion beschämt und fragt den Kreis seiner wenigen Freunde, die um seinen Thron mit bedeckten Augen und Füßen stehen: ob er eine Torheit gesprochen, da er getagt: „Es werd« Licht", weil er sich von dem gemeinen Haufen über seine Werke bewundert sieht.
Nicht der Beifall des gegenwärtigen Jahrhunderts, das wir sehen, sondern des künftigen, das uns unsichtbar ist, soll uns begeistern. Wir wollen nicht nur unsere Vorgänger beschämen, sondern ein Muster für die Nachwelt werden. - Wie unser Bach für alle Klassen der Jugend geschrieben sein soll, so wollen wir solche Autoren zu werden suchen, daß uns unsere Urenkel nicht für kindische Schriftsteller aus dem Händen werfen sollen.
Sin eitles Wesen schafft deswegen, weil es gefallen to'.l; ein stolzer Gott denkt daran nicht. Wenn es gut ist, mag es aussehen, wie es will; je weniger es gefällt, desto besser ist es. Die Schöpfung ist also fein Werk der Eitelkeit, sondern der Demut, der Herunterlassung. Sechs Worte werden einem großen Genie so sauer, daß er sechs Tage dazu braucht und den siebenten sich ausruht.
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Ich überlasse alles der göttlichen Vorsehung, und sehe mich als ihren Ball an, der durch nichts anderes als die Kraft ihrer Hände lebt. Bei allem dem Gram, der mich schwach macht, fühle ich doch noch in gewissen Stunden, was die Weisheit in den Sprichwörtern sagt: meine Lust ist bei den Menschenkindern. - Solange wir an den glauben, der die Leute so lieb hat, laufen wir keine Gefahr, Menschenfeinde zu werden. .
Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, der mich von allem Hebel erlösen wird und auch von der Sünde, die mich wie meine eigene Haut umgibt, mich träge macht und allenthalben anklebt. — Ich weiß, daß meine Muse auf einer glühenden Asche singt und ihre Feder statt einer Scherbe braucht, um sich zu kratzen. — Ich weiß, daß die Erde meine Mutter und Würmer meine Brüder sind.
Wsr*s initiuKii
Von Fritz Fuldner.
(Schluß.)
Daß in jener Zeit keine Annäherung stattgefunden hatte, daß sich die beiden damals nicht einmal gesehen hatten, davon überzeugte ihn ein späterer Brief Arnos, in dem es hieß:
„Morgen kommt Ihr Mann zurück, und ich trete bald meine Reise an. Welch' ein schmerzlich langer Mona! war dies, Marianne. Sie nicht ein einziges Mal zu sehen, was für eine Entsagung, sind doch auch ein Trost, daß ich sie um Ihretwillen Üben konnte. Ich weiß, es hat Sie beruhigt und Ihnen die Gewißheit gegeben, daß mir Ihr Glück über alles geht. Oder war es eine törichte Selbstgeißelung? Hätten wir nicht ruhig und selbstlos miteinander verkehren können, ohne ein fremdes Recht zu verletzen? Jetzt, am


