Ausgabe 
31.3.1923
 
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Samstag, 31. März

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1923 Nr. 13

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Das Ostsrgelachter.

Kulturgeschichtliche Plauderei von Dr. Jobs. Klein Paul.

Wem, der Winter seine Rolle ausgespielt hatte und der Früh- 6aud zog, wenn gleichzeitig auch die langen Fastenwochen endlich vvroei waren, gab es ein allgemeines Wiederaufleben. Da­her ist es kein Wunder, daß das Auferstehungsfest, früher viel mehr als jetzt, als ein Freudenfest begangen wurde. Damals herrschte noch natürliches Fühlen. Es war tn erster Linie Auf­erstehungsfest der Natur, die nicht nur dem Auge neue Reize, wndern auch für den Tisch neue, lange entbehrte, hochwillkommene Gaben bot. Da jauchzten die Herzen auf, und in ursprünglicher Art taten sie das nicht leise.

Schon den Sonnenaufgang am Ostersomrtagmorgen durfte nie­mand verschlafen. Jeder wollte sehen, wie da die Sonne drei Freuden;pnmge tat, oder in der Lausitz und in der Mark Dranvenburg das Osterlamm tn ihr erkennen; Langschläfer wur­den geweckt, indem man sie mit Nuten demDirkenhänschen" aus den Federn trieb und ihnen dann wohl gleich im nächsten Dach oder Tümpel ein Bad bereitete; Osterwasser soll ja besondere Wuraurg tun. So war man früh aus den Deinen, und die jungen wollten ebenfalls springen. Nahe bei Iserlohn stand bis rns 18. Jahrhundert eine alte Eiche, die von sieben Erdlvchern um­geben war. Dorthin zog die ganze Einwohnerschaft am Öfter» svnntagmorgen, jeder faßte den Daum und machte die .sieben Sprunge'. Wer alle sieben Löcher traf, glaubte, daß ihm zum mmdesten noch sieben Lebensjahre beschieden wären, oder wofern tr ledig war daß er in dieser Zeit eine Frau bekommen würde.

DiesesOsterwecken" geschah allenthalben mit viel Lärm Mit Knarren und Ratschen weckte man die Natur, sofern sie noch nicht von selbst erwacht war, trieb den Winter, den .Judas" ans Hinte- dem sich die Gestalt -Donars, des heidnischen Frühlings- und Sommergottes verbirgt. Derartiges spielte bis in die Kirchen hinein. Hier wurden während der Passionszeit dieQuempas- lledeo gesungen, deren erstes mit den Worten begann:

Quem Pastores landabere, Den die Hirten lobten sehre Und die Engel noch viel mehre." daher der seltsame Name. Gleichzeitig wurde in vielen Gemeinden jede Woche einSalve-Gottesdienst" gehalten, was auf die Pas- frone Heber des heiligen Bernhard von Clairvaux zurückging die sämtlich mit dem WorteSalve" (sei gegrüßt") beginnen. Eins berfel&en,Salve caput oruentatum", hat Paul Gerhardt inO Hanpt voll Blut und Wunden" umgedichtet. Nach dem letzten Salve" wurden die Kinder, bis zu den mitgebrachten Säuglingen herab, von den Geistlichen mit einerSalve-Brezel" beschenkt, schon das ein Beweis, daß es bei diesen kirchlichen Festen nicht nur feier­lich zuging. Ein weiterer, daß es sich davon herschreibt, daß bei festlichen AnlässenSalven" und Salutschüsse (letztere aus Ka­nonen) abgefeuert werden, während derAprilnarr", den man SU Beginn des Ostermontagsin den April schickt", wieder auf allerlei Scherz und Hänselei beimOsterwecken" zurückgeht.

Ein anderer großer Moment des Ostergottesdienstes war es, wenn der Geistliche LasHalleluja" anstimmte, in das die ganze Gemeinde in vollem Chor einfiel, wonach das Osterfest auch hier und da dasHallelujafest" genannt wurde. So war Jubelstim- nmng allenthalben, und dieser Lust trugen die geistlichen Herren mich weiterhin Rechnung. Die ganze Osterwoche hielt das an. Schon am Palmsonntag begann es. Da wurden im Geschmacks

früherer Zeit feierliche Prozessionen durch den ganzen Ort veranstaltet, bei denen diePalmesel" die größte Rolle spielten. v>u Erinnerung daran, daß der Heiland aus einen Esel seinen Ein­zug in Jerusalem hielt, wurde er von einem Heiligtum zum an­dern geführt und an jedem ein feierliches Hochamt abgehalten. Die erste Schilderung eines solchen ülmzugs findet sich schon in der aus dem 10. Jahrhundert stammenden Lebensbeschreibung des heiligen Ulrich von Augsburg. Als lebende Esel in unfern Lan­den seltener wurden, ersetzte man sie durch solche aus Holz und es galt als eine große Ehre, sie zu ziehen oder wohl gar zu tragen; die angesehensten Bürger und Ratsherren stritten sich darum und hier und da trieb man es so weit, daß man zu Ehren desHerrn Esel" (Esel des Herrn) eine Messe las und einen Hymnus fang. Vergebens eiferten später die Kirchenfürsten in ihren Hirtenbriefen dagegen; noch im Jahre 1782 wurde der Palmesel in Salzburg, noch im Jahre 1800 tn München herumgefuhrt. Während des Llm- zugs wurde der Esel, wenn nicht gar der auf ihm sitzende Heiland, ift-t Palmwedeln und Weidenzweigen geschlagen (angetrieben); wer ihn traf, nahm ein Stück von diesengeweihten Zweigen" mit nach Hause und bewahrte ihn auf, denn das war zu allem mög­lichen gut.

Aehnliche Veranstaltungen, oder solche anderer Art, gab es fast während der ganzen Osterwoche, die demzufolge keineswegs einestille Woche" war, namentlich an ihrem Ende. Auch heute noch sind hier und da Gründonnerstags- und Karfreitagsprozes­sionen üblich, jetzt meistens in den Kirchen, früher vorzugsweise im Freien, bei denen man sich im Moselgau nicht nur der Ratschentrommel", sondern sogar einesRatschenkarrens" be­dient, große, ungefüge Instrumente, mit denen man größtmöglichen Lärm macht.

Noch Herzog Georg der Bärtige von Sachsen spendete zu An­fang des 16. Jahrhunderts eine beträchtliche Summe, damit in Freiberg, Meißen, Großenhain und anderen Städten seines Landes an diesen Tagendas ganze Leben und Leiden des Heilandes" in alter Weise dargestellt wurde, um die Gläubigen bei der alten Lehre zu erhalten. 3n Freiberg nahmen diese Ausführungen schon bald wieder ein Ende, indem bei einer solchen, wie eine dortige Chronik sagt,eins der vordersten Schaugerüste durchbrach und eine Jungfrau, vorn und hinten ganz entblöß, zum Schauspiel lange hängen blieb", tn den ander» Städten schliefen sie bald nach des Herzogs Tode infolge der Reformation ein.

Bei alledem waren Ernst und Scherz bunt durcheinander ge­mischt. Andachtsvoll stimmte das von mehreren Personen vor- geführte Gespräch des Engels mit den Frauen (Matth. 28) am Grabe Christi. Sehr derb gestaltete sich demgegenüber oftmals der Wöttlauf der Apostel" zum heiligen Grabe (Joh. 20, 4), um nur zwei einzelne Momente daraus anzufühien. Das früheste litera­risch interessanteste Osterspiel ist das in Tegernsee geschriebene Bon der Ankunft und dem Untergänge des Antichrist", in dem, wie fein Titel bezeugt, nicht sowohl der Weiterlöser, sondern der Gottseibeiuns (Donar) die Hauptrolle spielte. Ein anderesVon den klugen und törichten Jungfrauen", das Landgraf Friedrich von Thüringen im Jahre 1522 in Eisenach aufführen ließ, zeigt ebenfalls, worauf damals der Geschmack ging.

Dasselbe gatt barm auch von der eigentlichen Osterpredigt am Auferstehungstag. Nach den vielen Bußpredigten der Fastenzeit war auch sie ein Ausdruck der Freude, und wie man sich eben damals freute: der Heiterkeit. Da wurde von den Predigern nicht tour der biblische Bericht erzählt und erklärt, sondern durch aller­hand seltsame Schnurren und Schwänke getmirzt. 3n den Schwand-