Ausgabe 
30.9.1923
 
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Sommerphivx, der den ganzen August dis Mitte September blüht, mit seinen vom zartesten Weih bis ins tiefste Karmoisin und Rubinrot leuchtenden Farben. Sowohl einfarbig wie mit zarten lila, rosaroten und dunkelroten Ringen im weihen Blütenkelch wirkt er wie altmodische gemusterte Saquonnetkleidchen junger Mädchen aus der Biedermeierzeit. Mit Reseda vereint gibt er herrliche, lang sich haltende Sträuße. Roch unbekannter pst die Farbenpracht der Sommerguillardie. Auf einem Beet gleich ms Land ausgesät trägt diese bescheidene wunderbare Pflanze mar» gueritenförmige Blumen in zartestem Weist, Zitronengelb, Gelb­braun, Braunrot bis zum tiefsten Rot gefüllt und ungefüllt nnt wunderbar abgetönten Kelchen. Auch das zartgebaute Schöngesicht (Kalliopsis) drängt sich auf langem, rankem Stengel mit seinen zierlichen, gelbbraun gefleckten oder geringelten Blüten durch das Blumenmeer der Rabatte. Seine niedrig gebaute Abart bildet ebenso wie die niedrige Studentenblume (Tagetes nana) die Ein­fassung der Rabatten, während die schwefelgelben und orangervten Riesenblumen des hohen Tagetes prachtvolle Hintergründe bildet, oder in Basen und Töpfen vor Hauseingang und Freitreppen un­endlich dekorativ wirkt. Dazwischen blühen die schönen blauen Blümchen der Jungfer im Grünen (Rigella) mit den eigentüm­lichen zweiteiligen Blumenblättern, Löwenmaul reckt in, weihen, gelben, rosa und rosenroten Farben das Köpfchen, und die mohn­artigen, in Saffrangelb, Weih und Hellrot gtäiizenden Blumen der Efchscholtzie locken ebenso wie die ernste Trauerblume (Scabisa.) einen Schwarm geschäftig summender Bienen an. Zart und fein schwankt die rosenrote Kosrnea mit ihrem gefiederten Laub tm Morgenwind. Vielgestaltig und unendlich dankbar ist die Fülle der Astern der einfachen ungefüllten Sternblume mit gelbem Kelch bis zur gefüllten runden Hohenzollernaster, der Straußenfeder und der zierlichen Liliputaster. Die anspruchslose zartgelbe oder in tiefstem Orangenrot aufleuchtende Ringelrose (Kalendula) wächst auch geduldig in solchem Tarteneckchen, wo der Schlauch nicht hinreicht. Würdig beschließen den Kranz der Sonnenblumen die stolzen Dahlien, die Lotosblumen gleich ihr Haupt vor der Sonne neigen. 3n ihrer mädchenhaft ernsten Schönheit gleicht die un­gefüllte weiße Dahlie mit ihrem strengen Bau einer Priesterin, die Gottes Schönheit in der Ratur predigt, während ihre an­spruchsvollen gefüllten Schwestern alle Töne vom zartsten Gelb bis zum tiefsten Schwarzrot repräsentieren. Ihre Abart, die Liliputdahlien, gleichen kleinen niedlichen Diedermeierfrauchen, die sich zu Großmutters Kaffeeklatsch in hellrote, postgelbe und charmvisinfarbene steife Röckchen gehüllt haben. Auch eine Blume aus der Rokokozeit darf in einem solchen Garten nicht fehlen: die Zinnie. Gedämpfte Pracht, gebauschtHörst du, wie Groß­mutters Seide rauscht." In den gemusterten Brokatkleidern der schönen Denetianerinnen, der Damen am Hofe Philipps von Spanien nnb Ludwigs XIV. spielt das Dorbild der Zinnie eine große Rolle, und wenig Blumen gleichen der Zinnia elegans grandiflvra, der großmütigsten gefüllten Sorte, die in allen Farbentönen leuchtet, an Pracht. Strohblumen in allen Farben unterbrechen das Bild, und wie goldene Aehren nicken die Wimpel der Goldrute (Solidago), das Helenium, das Goldballs (Rud- beckial und das Helianlarus. Reben der lila Staudenaster leuchten sie golden bis in den Spätherbst hinein, und machen dem Blumen- foeund das Scheiden vom Sommer.besonders schwer.

Sechshundert Jahre Kölner Dom.

Die Vollendung und Einweihung des Ehores des Kölner Doms am 27. September 1322 schloß die entscheidende fast 100jährige Dauperiode dieses ehrwürdigsten deutschen Gottes­hauses ab, so daß wir jetzt den 600. Geburtstag des Domes feiern konnten. Ein Zeitgenosse, Levold von Rorthof, schreibt darüber in seiner Chronik, daßim Jahre 1322 am Tage des heiligen Kosmas und Damian die heiligen drei Könige zu der Stelle übertragen wurden, wo sie jetzt sind und der neue Chor eingeweiht wurde". D» der Tag der hl. Kosmas und Damian der 27. September war, so ist damit das Ginweihungsdatum fest- gestellt. Mit der Feier war die festliche Aeberführung des kost­barsten Kölner Reliquienschatzes, der Körper der drei Könige, aus der alten Petruskirche nach der Domkirche verknüpft. Der Erzbischof Heinrich von Virneburg hielt das erste Hochamt. Eine der großartigsten Taten frommer Opferfreude und architektoni­scher Gestaltung war mit diesem Abschluß des Bauwerkes voll­bracht. Schon vor dem Brand des alten von Erzbischof Hildebold erbauten Domes im Jahre 1248 war der Plan erwogen worden, den reichen Reliquienschätzen der 'Heiligen Stadt einen würdigeren Schrein zu errichten, als ihn der gegenüber den prächtigen neuen Stifts- und Klosterkirchen dürftig und altmodisch erscheinende Dom bot. So legte denn im Jähre des Brandes 1248, am Tage Mariä Himmelfahrt, Erzbischof Konrad v. Hochstaden den Grund­stein zum Reubau des Domes und leitete damit eine Epoche der Bautätigkeit ein, die wie keine andere das Aufblühen der deut- schon Gotik offenbart. Die Gestalt des ersten Dombaumeisters Ger­hard von Rille steht mit viel größerer historischer Plastik vor uns, als etwa die seines Straßburger Kollegen Erwin von Stein- bach. Er war schon ein angesehener Wann, als er den Dau

begann, und er war erfüllt von dem Geist der neuen Baukunst, die zuerst in Frankreich verwendet worden war. Rach den neueren Annähmen ist er der Meister, dem der große Plan des Werke- mit der fünfschiffigen Ghoranlage, dem Kranz von sieben Kapellen, dem stattlichen Querhaus, dreischiffigen Langhaus und der Doppel­turmfassade zu darckcn ist. Aber nicht in diesem großen Plan, dessen Ausführung erst c4el spätere Zeiten sich angelegen sein ließen, liegt in erster Linie seine Bedeutung, sondern in der reinen und edlen Formensprache, mit der er von Anfang an die fran­zösische Frühgotik auf deutschem Boden umgestaltete. Die späteren Meister konnten auf seinem Werk ruhig fortbauen, so sehr sich auch unterdessen der Stil entwickelt Chatte.Wohl bei keinem andern deutschen Bau", sagt darüber Edmund Renard,hat der himmelstürmende, sehnsuchtsvolle Wunsch der Gotik einen so klaren eindringlichen Ausdruck gefunden wie tm Kölner Dom; in diesem Sinne auch, bedeutet die Schöpfung Weister Gerhards die Vollendung des Baugedankens, der die kirchliche Baukunst seit den Anfängen des romanischen Stiles durchbricht."

Gerhards Rachfolger, die Dombaumeister Arnold und Jo­hannes, zeigen bereits die volle Pracht der deutschen Hochgotik, vor allem in dem großartigen Wald von Strebepfeilern, der über dem strengen .Unterbau so einzigartig emporwuchs. Bon diesem eingeweihten Dom sagte Petrarca, als er 1333 Köln besuchte: Ich sah die schönste Kirche inmitten der Stadt, obgleich, unooll- endet, die sie durchaus nicht unverdient die höchste nennen." Aber nach dieser Hochflut der Begeisterung, die das Werk in so Ver­hältnis achtzig kurzer Zeit hatte entstehe!: lassen, trat bald eine Ebbe ein. Die Zeit, da Bischof, Stiftung und Bürger in der Förde­rung des Baues gewetteifert, war verflogen. Die Gründung des ersten Kölner Dombau Vereins, der Petersbrüderschast, ist bereits ein künstliches Mittel, um die Fortführung des Baues zu sichern: aber das Schicksal' des Rieselrunternehmens, das es zur Richt- Vollendung verurteilte, toar trotz der neuen großen Pläne bereits entschieden. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Kölner Dom von der Romantik als das Wahrzeichen deutschen Geistes und deutscher Kunst wiederentdeckt; Sulpioc Dvissersc lieferte mit unendlichem Fleiß die kunstaeschvchtlichen Unterlagen für den Weiterbau; Friedrich Schlegel und Görres forderten nach den Befreiungskriegen den Ausbau als ein Dankopfer der siegreichen Ration, und unter Friedriche Wilhelm IV. entstand ortnn der Dombauverein, der 1880 den Ausbau beendete.

Herbst.

Von Willibald Köhler').

Schon spann im letzten Sonnenbrand Die Spinne ihre Seide.

Du, goldner Herbst, fähvst durch das Land In närrisch buntem Kleide.

Du. goldner Herbst, gießt durch das Land

Bei wüst verhängtem Zügel And galgenfröh ein buntes Band Aus deinem Farbentiegel.

Du, Harfner Herbst, singst durch da- Land

Änd geigst auf allen Zweigen Zum Tanze auf am Grabesrand Im goldnen Dlätterreigen.

Du, goldner Herbst, stürmst durch das Land

Auf deines Sturmes Pferde, And grüßt mit deines Hornes Klang Die müde, kühle Erde.

Es huscht im Rebel hinterdrein Sin lautlos schneller Wagen.

Wen mag in ihrem weißen Schrein Die blasse Wolke tragen?

Du, goldner Herbst, schlägst tollkühn auf

Ein feuergrelles Lachen And förderst deiner Rosse Lauf Mit deiner Peitsche Krachen.

In deinem Lachen lauert schon Ein Klang, als klirrten Scherben, Es ist der ahnungsbange Ton Des Lachens vor dem Sterben.

Da würgt es dich am Scharlachtuch, Es reihen alle Geigen,

Du stirbst mit einem lustigen Fluch And Horn und Harfen schweigen.

') 3m Erdgeist-Verlag, Leipzig, ist ein kleines Mich Verfassers, betiteltDie Spiegelbrücke" erschienen, das sehr an- sprechende Gedichte enthält, die über dem Durchschnitt der mo­dernen Produktwn stehen.Herbst" mag dafür zeugen.

Schriktleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.