Zur Zeit wird an einer Herausgabe der gesammelten ®> Handlungen von Sophus Lie gearbeitet. Zu diesem Zwecke ist Pi ofessor Engel nach Kristiania gekommen.
Einer der Mitarbeiter von „Aftenpvsten" hatte, so fährt dieses Blatt fort, eine .Unterredung mit dem Professor, welcher eifrig beschäftigt im Manuskriptsaal der ülniversttätsbibliothek amDrarn- merstveg fast, wo die nachgelassenen Schriften von Sophus Lie ge= Knelt sind. Der liebenswürdige Mathematiker legt seine vielen iere beiseite und geht ein auf ein Interview über Sophus Lie und seine Werke.
„Wie Sie vielleicht wissen, kam ich hierher nach .Kristiana im Jahre 1884, um mit Staatsunterstützung unter Professor Lie zu studieren und behilflich zu sein bei der Sammlung and Herausgabe seiner Werke. Biele von seinen Arbeiten waren wenig aus- siihrlich und wenig ausgeführt. Sie waren oftmals nur skizziert, so daß sie nur für wenige verständlich waren. Bedeutungsvolle Theorien waren oft nur angedeutet und oft für die meisten rätselhaft. Lie war immer mit etwas Neuem beschäftigt. Wir nahmen damals, im Jahre 1884, sofort die Theorie der Transfvrmations- gruppen in Angriff. Das war damals etwas ganz Neues. Jetzt wird dieser neue Zweig der Mathematik, der ganz selbständig von Sophus Lie geschaffen worden ist, auf zahlreichen Gebieten gebraucht. Wir gingen sofort an die Ausarbeitung einer Darstellung dieser Theorie; aber es blieb damals nur bei einem Anfang, denn ich konnte nur von September 1884 bis zum Juni des nächsten Jahres hier bleiben. Als ich wegreiste, hatten wir einen Haufen von Manuskripten liegen. Wir konnten nur 30 Bogen drucken und herausbringen. Aber dann kam Lie im Zähre 1886 nach Leipzig als Professor und Direktor des dortigen mathematischen Instituts. Dort begann wieder unter meiner Mitwirkung die Arbeit an dem Werke über die Theorie der Trans- sormationsgruppen. Es wurden im ganzen drei größere Bände aeschaffen zu insgesamt 125 Dogen. Davon enthalten die 30 Bogen, sie 1884—1885 fertig wurden, nur Borarbeiten. Die drei Bände kamen 1888, 1880 und 1893 bei D. ©. Teubner in Leipzig heraus."
— „Welcher Art war Ihre Zusammenarbeti mit Sophus Sie?"
— „Die Theorien sind alle Lies Eigentum. Nur auf die Form hatte ich Einfluh, in erster Linie aus die deutsche Sprache, in der die Werke geschrieben wurden."
— „Was ist es, was man jetzt herauszugeben vorhat?"
— „Das ist eilte Ausgabe von Lies gesammelten Abhandlungen. Teubner hat die Initiative dazu ergriffen, und im Jahre 1912 wurde eine Subskription eröffnet.
— „Wie groß wird das Werk?"
— „Im ganzen werden es 6 Bände Abhandlungen und dazu ein 7. Band, welcher nachgelassene Schriften enthalten soll."
— „Ist die Herausgabe aller Bände gesichert, und wer wird sie herausgeben?"
— Ja, die Herausgabe ist Ökonomisch gesichert durch die Mittel, die der Norwegische Mathematikerverein zu diesem Zweck aus dem staatlichen Forschungssonds bewilligt erhalten hat. Die Herausgeber sind Professor Heegaard und ich. Der Druck ge- Kbei Teubner in Leipzig, und Aschehoug und Teubner erbte Kommission für das Werk. Bon den Bänden kommt zuerst der Dritte heraus. Er ist schon gedruckt und gebunden und die nächsten Exemplare können hier in der nächsten Zeit erwartet werden.
— „Wird die Herausgabe der gesammelten Abhandlungen von Sophus Liegroße Bedeutung für die Mathematik bekommen?"
— „Ja, sie wird von großer Bedeutung werden für das Studium der Mathematik. Ich hoffe, daß Lies Ideen durch dieses Werk die Borbereitung und den Einfluß gewinnen werden, den sie verdienen. Wenn er bis jetzt nicht denjenigen Einfluß, auf die Entwicklung der Mathematik ausgeübt hat, den er eigentlich hätte ausüben sollen, so ist die Ursache dafür gerade die, daß er nicht so bemerkt und beachtet worden ist, wie er Anspruch hat. Ich glaube, daß der Reichtum und die Fruchtbarkeit seiner Ideen auf gleicher Höhe mit denen Henrik Abels stehen. Natürlich darf man dabei nicht vergesfen, daß Abel in sehr jungem Alter starb."
— „Was untersuchen Sie gerade jetzt hier in Kristiania besonders?"
— „Ich gehe die hinterlassenen Papiere von Sophus Lie durch, die sich hier auf der Bibliothek gesammelt finden und die einigermaßen geordnet sind. Ein Berzeichnis ist von Professor Störmer und Professor Guldberg ausgearbeitet worden. Was ich mm machen muß, ist, zu untersuchen, welche hinterlassenen Papiere man in dem genannten 7. Band benutzen kann und darf, ach suche alles, was von ltzetoukung fein kann, aus und stelle fest, von welchen Papieren man mit Sicherheit sagen kann, daß sie keine Ausbeute geben."
— „Wie lange gedenken Sie hier zu Bleiben?“
— „Alles in allem 14 Tage. Nachdem ich zum ersten Wale im Jahre 1884 in Norwegen war, bin ich durch einen merkwürdigen Zufall genau alle neun Jahre wieder hierher gekommen. 6o war ich hier zum zweitenmal 1893, bann 1902 aus Anlaß des Abel-Festes und 1911 beim plniversitätsjubiläum. Dieses letztemal habe ich also eine etwas längere Pause als 9 Jahre nehmen müssen."
— „Können Sie noch irgend etwas Besonderes von Sophus Lie erzählen, abgesehen vorn Gebiete der Mathematik?"
, ~ »Ich kann ja erwähnen, daß um 1884, als Sophus Lie auf der Hohe feiner Kraft in feinen besten Jahren stand, die meisten Norweger kein Verständnis von seiner Bedeutung als Mathematiker hatten. Er wurde mehr als Fußwanderer gewürdigt; als solcher war er berühmt. Einmal ging er als Student ton Kristiania nach Moß, bloß um ein Buch zu holen. Es kam ihm nur auf das Buch an; er ging sofort wieder nach Kristiania zuruck, sogar ohne seinen Baker, der damals in Moß wohnte, gu begrüßen. Als ich 1893 hier war, traf ich mit Sophus Lie zusammen, wie er gerade weit oben in den Bergen gewesen war. Er erzählte mir, daß er in einer dunkelen Nacht an einen Fluß gekommen war, der angeschwollen war und die Brücke mit sich gerissen hatte. Bvrwärts konnte er nicht kommen, und zurück mochte er nicht wegen der Dunkelheit. So lief er die ganze Nacht am llfer auf und ab und pfiff, um die Zeit zu vertreiben, Opern - melodien.
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Das norwegische Blatt gibt zum Schluß noch Daten aus Engels Laufbahn: Er wurde 1885 Privatdozent und Professor in Leipzig. Bon 1904 bis 1913 war er in Greifswald, bann wurde er Professor an der Universität Gießen. Im Jahre 1903 wurde Professor Engel Ritter der ersten Klasse des St. Olavsordens. Die Initiative hierzu ging aus von Bj ö r n st j er ne Bj o rn- f o n, welcher im Jahre vorher beim Llbelfeste zusammengetroffen war und welcher den Professor wegen dessen, was er für Sophus Lie getan hatte, sehr hoch schätzte.
Altmodische
Spätsommer- und Herbstblumen.
Don Elise von Hopffgarten.
Gvldglitzernd liegt die Morgensonne über dem spätsommer» ließen Garten, der Tau glänzt, und in leuchtenden Farben stehen Herbstflauden und Sommerblumen in reicher Blüte. Gelb herrscht im August und September vor, da fangen sich die gelben Sonnenstrahlen gern in den Blüten und lassen sie in besonderer Pracht erglühen. Wenn solch ein Garten richtig angelegt ist, dürfen ihm die einfachen, altmodischen Blumen nicht fehlen, die der Besitzer sich mit leichter Mühe selbst ziehen kann, und die viel anspruchsloser und schöner find als die vom Landschaftsgärtner für Billen- gärten bevorzugten Begonien, Fuchsien, Geranien und Pellar- gonien. Wohl leugne ich die Schönheit und Zweckmäßigkeit solcher Blumenanlage nicht. Sie blichen den ganzen Sommer bis zum Spätherbst, und sind infolgedessen sehr bequem für Menschen, die sich nicht selbst um ihren Garten kümmern können. Aber sie eignen sich nicht für Schnittblumen, und wer den Süden kennt, und sie dort in üppiger Fülle, teils als Büsche oder sich um Feigenkaktus und Säulen rankende, über mannshohe Gewächse wachsen sah, der begreift, daß man von ihnen im nordischen Klima gar nicht ihren wahren Charakter erkannt hat. Großmutter und Urgroßmutter hatten in ihrem Gärtchen ganz andere Blumen, die sie, wenn sie z. T. vielleicht auch aus dem Süden kommend ober dort anzutreffen sind, der deutschen Heimaterde angepaßt haben und auf dem bescheidenen Sandboden der Mark bei einiger Pflege ebenso gedeihen, wie in der fruchtbaren Erde Thüringens und Süddeutschlands.
Heutzutage gibt es nach dem Zusammenbruch unseres Bater- lanbeS so wenig wahre reine Freuden, daß die Hausfrau mehr Wert auf den Blumenschmuck im Zimmer, auf Ballonen und im Hausgarten legen muß. Leider muß die Städterin aber für Blumen enorm hohe Preise zahlen, und die Gutsfrau erachtet Dlumen- anlagen vielfach als unerlaubten Luxus, der es auch ist, wenn sie zur Anzucht viel Arbeitslohn ausgeben muß. Deshalb sollte die Gartenbesitzerin mit dem Opfer einiger Stunden in der Woche sich all diese Freuden durch persönliche Arbeit selbst beschaffen. Wenn sie bei schlechtem, sandigem Boden im Frühjahr Astern, Levkoyen, Reseda,die schlichten schönen Eschschvlhien,Sommerphlox, Verbenen, Guillardien, hohen und niedrigen Tagctts. Kalliopsis, Kalend.la in einem Mistbeetkasten aussät und die Pflänzchen dann ins Land setzt — ober sie auch gleich dem Mutterboden anvertraut, wird sie im Spätsommer, wenn die Frühlingsstauden abgeblüht sind, eine solche Blumen fülle ernten, daß sie nicht nur ihr eigenes Haus damit schmücken kann, sondern auch noch ein Füllhorn schlichter Freuden über die Besucher ihres Heimes durch ihre Dlumen- spenden auszuschütten vermag. Auch lassen sich solche Blumen leicht zur Deckung der Unkosten verkaufen, weil eben nicht jeder sie zieht. Hat man ton Boden gut mit Kuhdung im Vorherbst vorgedüngt, so braucht man, wenn die Pflänzchen aufgegangen sind, nur für Auflockerung tos Bodens, Säuberung von Unkraut und reichliche Bewässerung zu sorgen. Als Düngesalze bei der Aussaat wählt man am zweckmäßigsten die sog. Prachtmischungen aus den Katalogen der Erfurter oder anderer Großzüchter. Große bewährte Firmen liefern durch ihre jahrzehntelangen Erfahrungen viel zuverlässiger als die mit unbekannten Saatmischungen handelnden Kleinhändler, und die Leuchtkraft, die geschmackvolle Aneinanderreihung der Farben in ton Beeten ergibt sich dadurch von selbst. Bezaubernd wirkt tor längst nicht genug bekannte niedrige


