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staltungskraft, welche die Erfindung sich unterzieht und dienstbar mackt 'dem Zweck vertiefter Seelenoffenbarung.
'Eine Zeitlang konnte es scheinen, als wäre das Leichte und Lichte welches die eine Seite dieses Romans.ausmacht, Hegelers eigentliches Gesicht. Die nächsten Werke, der Genfer Roman Sonnige Tag e“ in seinem zarten Lyrismus und der graziöse Humor" von „Rellhs Millionen", deuteten aus eine Persönlichkeit ■ die es deshalb so schnell zur Meisterschaft gebracht hatte weil die zu meisternde Kraft von vornherein nur einen engen Kreis umspannte. Aber in jähem Amichlag zu otejen leinen aber keineswegs bedeutenden Werken brach lein eigentliches.'Wesen in der Fülle seiner Kraft und, der Dämonie fernes dunklen Zwanges hervor. An die beiden nächsten Werke, „Ingenieur Horstmann" und „Pastor Kling Hamm er ist Hegelers Raine vor allem geknüpft. Diese großen Romane waren für Jahrzehnte die stärksten und ursprünglichsten Aeuhe- rungen feines Mutes, Befreiung von Grlebnislasten, deren Verkörperungen wohl das Gepräge seiner Vitalität tragen, aber, ganz aus ihrer Seele herausgelebt, zur erschütternden Osten- barung eines fremden Schs werden. Richt als Kunstwerke in ihrer meisterlichen Form prägen sie sich unauslöschlwh dem Gedächtnis des Lesers ein, sondern losgelöst aus dem Rahmen des Kunstwerkes als menschliche Gestalten: Horstmann, das blmde Genie, brutaler Kraftmensch und gläubiges, hingebungsbedürftiges Kind, Klinghammer, dessen Dollkommenheitsdrang m ewigem Konflikt mit seinen innerlichen Flecken liegt, der wahr, einfache und gütig sein möchte, da ein Gebrechen seiner Seele ihn unwahr, zwiespältig und boshaft macht, der hundert Makel abwaschen zu können glaubt im Blute, einer Schuld diese beiden sind so Träger eines Schicksalkomplexes. Ausdruck einer Lerden- schaft und eines Zeitwillens, daß sie über menschliche Vertrautheit hinaus das Gewicht historischer Person gewinnen.
Wie eine Raturkraft, die nach vulkanischen Ausbrüchen sich nun im Sprießen und Blühen aus geringeren Tiefen erfreut, schuf der Künstler in den nächsten Jahren Romane von leichterem Gewicht, wie „Flammen", den satyrischen Roman »Das Aergernis" und eine Reihe kleiner Erzählungen, die in dem Bande „Eros" zusammengefaßt sind. Der Umstand, daß auch von diesen viele auf vulkanischem Boden gewachsen sind, läßt sie bei. aller Taufrische von einem starken Temperament durchglüht sein, und die Kraft eines konstruktiven Willens bindet das Leichte und gibt jeder Laune das Fundament eines Schicksals und eines Charakters.
Das nächste große Werk ist der soziale Roman „D i e f r o h e Botschaft". Am die utopische Idee „Fveiland" wächst eine Welt von Menschen, die, tragisch und komisch zugleich, dies trügerische Licht umtaumeln, das seherisch und frevelnd ein Mensch entzündet hat. Die Ereignisfülle, die Mannigfaltigkeit der charakteristischen Gestalten werden getragen von her Monumentalität dieses Führers, dem Ehrgeiz und phantastischer Idealismus den Weg weisen. Sn manchen Augenblicken erreicht die Gestalt Schlossers die Wesenstiefe und Kraft eines Horstmann und Klinghammer. Wenn her Roman diesen beiden trotzdem • nicht ebenbürtig ist, so liegt das, von den Längen abgesehen, an einem 'Kompositionsfehler; nicht aus der Seele dessen, der sein innerlicher Mittelpunkt, ist der ganze Konflikt erlebt, sondern aus dem Gesichtswinkel einer peripherischen Person, die eher der Zufall als innere Rotwendigkeit in den Strudel dieser Bewegung trieb. So wird durch fremden Stoff > die reine Form des Kunstwerks gesprengt und sein eigentlicher Sinn getrübt.
Ganz fremd und fern allen diesen genannten Ronranen steht die Geschichte von „Pietro dem Korsaren und der Jüdin Ehnirinka". Schon der Stoff weist sie scheinbar in ein anderes .seelisches Klima: Die romantische Geschichte svielt hn XIII. Jahrhundert an der ligurischen Küste. Ein phantastischer Abenteuerroman, wie' es auf den ersten Blick scheint, in dem Hegelers Phantasie sich schwelgerisch auslebt und seine Freunde an farbiger Erfindung seine Menschengestaltung und seine aufwühlende Psychologie überwuchert. Aber in dem Abenteurer Pietro, .der anfangs unbewegt von Erlebnis zu Erlebnis taumelt, erwacht der Rechenschaft verlangende Christ, und im Zu sammenprall mit der vom Feuer ihres Volkes durchglühten Jüdin entzündet sich sein religiöser Drang: aus dem - Triebmenschen wird der evlösungsbedürftige Sucher. Der Drang, die Bindungen seiner Persönlichkeit zu durchbrechen, di; Zufallrwelt von Geburt und Bildung zu erweitern und zu vervollkommnen, war schon — zum Teck noch äußerlich — für Horstmann, ganz innerlich für Klinghammer der Keim zu den Konflikten, durch die sie zugrunde gingen. Auch Pietro wird von setnem Chaos verschlungen. Zugleich aber weist er hinüber auf eine neue Problemstellung, die jetzt den Gestalten Hegelers Richtung gibt
Der Krieg hat seine Produktion lange unterbrochen. Der nächste Roman, der dann erschien, die Erzählung „Zwei Freunde", schien in.ihrer idyllhaften Zartheit, in der Freuds an der verklärten, anmutigen Schilderung von Jugendeindrücken vor allem an jene Werke der Frühzeit anzuknüpfen. Aber was dies Buch von ben früheren trennt und auf eine höhere Stufe hebt, ist die dichterische Wiedergabe seines Erlebens, ist die Sprache als Mittel seelischen Ausdrucks, deren künstlerisches Spiel den. Autor von der letzten Haft des Raturalismus befreit. Ramentlich in der zweiten Hälfte des Romans, da die verschlun
genen Pfade der Jugend einmünden in den Weg des Leids, be- iymmt sie eine Süßigkeit und balladenhast dunkle Fülle, wie sie -rüher nur da und dort in Keinen lyrischen Geschichten erklang.
Der Wille zur Wahrheit, auch auf die Gefahr der Plattheit im Dialog "bestimmt, weivn nicht ben Aufbau, so doch den Ton der früheren Romane. Eine gewisse Rauheit unb Härte eine Prägnanz, die durch ihre Eckigkeit manchmal verletzt und der
Öetyte dvch entgleitet, ist d)arafteuifttfd) iüi* ben ^djiiüerev der Leiden Horstmanns und des Pastor Klinghammer Wenn man bamit einige Seiten cru$ bem Schillstteii her „ 3Del vergleicht, so toirb man finden, baß der neue Ton nicht nur ernq Befreiung von runsttheoretischen Fesseln und eine größere Geschmeidigkeit, sondern vor allem ein Wachstum der Seele bedeutet Auch für Hans Bokelmann, dem der beiden freunde, der es wirKich ist, kommt die Stunde, da die Glasbläsereien seines Jugendtraumes zerbrechen. Aber der klirrende Tön zerbricht nicht auch ihn sondern weckt eine neue Saite seiner Seele. Während Hegelers' frühere Gestalten im Ringen um ihre Wiedergeburt zugrunde gingen, findet er den Weg zu einem neuen, feinem eigentlichen Leben.
Das Leid nicht mehr als der tragische Anstoß zum Untergang, sondern als das Mittel zur Befreiung des „verschütteten" Menschen macht auch den Gehalt des letzten Romans aus, der augenblicklich in den Spalten des „Gießener Anzeigers" erscheint. Wilhelm Hegeler, heute ein Fünfziger, der schon in so jungen Jahren zur Meisterschaft gekommen schien, ist in Wahrheit sehr langsam gereift.
Eine Wohnstätte der jüngeren Steinzeit bei Leihgestern.
Von Dr. Kunkel, Gießen.
Der raschen Benachrichtigung unb der tätigen Unterstützung durch den Herrn Lehrer Loh, sowie dem Entgegenkommen des Herrn Volk ist es zu danken, daß eine auf der Baustelle des letzteren am Südrand von Le i h g e st em, links der verlängerten Rathausstraße, unweit des Schafbaches, angeschnittene steinzeilliche Wohnstätte vom Ober-Hessischen Museum zu Gießen unter Beobachtung, gehalten werden könnte.
Sie zählt zu der riesigen Siedeln ng, die südlich des heutigen Dorfes die Höhe sich hinanzvg und die unseren Sammlungen schon früher so manchen Fund geliefert hat: Gefäßreste, Mahl- und Schleifsteine, Hacken, Deilchm, Meißel, Messer, Tierlnochen, Hüttenlehmbrocken; auch eine Bestattung mit wohlerhaltenem ©fe- fett, die nach' altem Brauch unter dem Fußboden einer Wohnung angelegt war, ist im Museum zu sehen.
Es handelt sich um eine Riederlassung von Angehörigen des in der Wissenschaft mit der Behelssbezeichnung „Bandkeramiker" (Keramik — Töpferei; die Gefäße sind mit Bandmustern verziert), benannten B a u e r n v o l k e s, das aus den Ländern an der unteren und mittleren Donau stammt. Sh.ren verdankt dis W e 11 e r a u ihre e r st e d i ch t e D e s i e d e l u n g. die im dritten vorchristlichen Jahrtausend ihren Höhepunkt und ihr Ende erreichte. Die Steingeräte, mit denen damals die Felder bebaut wur- iden, Hacken und Pflüge, werden im Museum vorgeführt, wo auch die übrigen Funde ausgestellt sind". Das schon erwähnte Skelett gibt einen guten Begriff von dem verhältnismäßig kleinen, gewiß aber zähen und ausdauernden Menschenschlag.
lieber Art und Herkunft dieser wie auch aller anderen vorgeschichtlichen Kulturen sind wir einzig und allein durch die Bodenfunde unterrichtet. Der Laie freilich kann aus den unscheinbaren Scherben und aus den meist nicht viel ansehnlicheren sonstigen Resten unmittelbar kaum sonderliche Belehrung gewinnen. Dazu sind die ausgedehnten vergleichenden Forschungen der Fachleute notwendig, die alle nur irgend erreichbaren Funde, nicht bloß die eines eng begrenzten Gebietes, bei ihren Arbeiten heranziehen müssen. Die Bodenfunde haben also gewissermaßen urkundlichen Charakter; unb hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß erst mit ihrer Entzifferung, b. h. mit der Deutung unb Verarbeitung durch den Vorgeschichtler ihr eigentlicher Wert beginnt!
Aber jeder verständnisvolle Laie kann milhelfen, daß dem Fachmann das draußen im Land zu Tage kommende Forschungsmaterial nicht entgeht. Dafür kann er selber dann in den Sammlungen, wo die Funde geordnet und aufbewahrt werden, so manches sehen, kann er durch Wort oder Schrift so manches erfahren, was sonst der Wissenschaft unb somit stach ihm verborgen bleiben müßte: nämlich über die allmähliche Ausbildung der menschlichen Kultur im allgemeinen, über die alten Bewohner unserer Heimat im besonderen, über die Entwicklung unseres deutschen Volkstums. #.
Das alles zeigt schon, wie schade es ist, wenn vorgeschichtliche Bodenfunde auch noch so unscheinbaren Aussehens, den Forschern verborgen bleiben, weil Der, dem sie zusällig begegnen, selber nichts Rechtes damit anzufangen weih. Die Keine Mühe sollte sich doch niemand verdrießen lassen, von seiner Beobachtung dem Bürger- ,meister sofort Meldung zu machen, der nach dem Denkmalschutz- gesetz zu ihrer Weitergabe an die richtige Stelle verpflichtet ist, ober einem der Lehret — diese haben dankenswerterweise in


