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(elfe auf, schleiche Barfuß in die Ecke, kauere mich vor dem Lämpchen hin und Maf es aus . . . Richts! - Aha, denk ich, bek fremden Leuten wirkt'S also nicht. Aber kaum hab' ich mich auf8 Bett gelegt, da geht der Alarm los! Er tragt und schuppt sich und klappt mit den Ohren . . . alles, wie es sich gehört! Schön., Ich liege und warte, was nun weiter kommen soll. Schon hör ich: mein Alter erwacht.
(Schluß folgt.)
Der betrunkene Affen-General.
Don I. 2L Sauter.
3 A. Sauter, der sich durch fein Buch „Mein (Vn- flteu" als einer der besten Kenner dieses geheimnisvollen Landes erwiesen hat, erzählt m der neuen Folge seiner Erinnerungen, dem soeben bei K. F. Koehler in 2elpjig erscheinenden Buch „Unter Bvaflminen und Parias eine Fülle fesselnder Geschichten, von denen eine von den heiligen Tempelafsen von Hetampur hier wiedergegeben sei. Wenn die Schatten länger wurden, die Sonne sich langsam im Westen zur Ruhe senkte, und des Abends laue Winde Eidlich vom Dschungel her durch die Häuser wehten, setzte ich mich nut dem alten Khrer in die hintere Veranda, und wir unterhielten uns über die Wrisheiten der alten Schriften. War ich aber allein, so legte ich meinen kleinen Teppich außerhalb des Holzgttters auf den kiesigen Boden, ter um das Haus sich Herumzvg, und sah den, munteren Treiben der Assen auf den Bäumen in meinem an den Tempel grenzenden Garten zu. Wie ich mit den Dorfleuten bald Freundschaft geschlossen hatte, so wuchs auch mein Dertrautsein mit den weihbärtigen Detooh'-rern des Baumes.
Es dauert« nicht lange, so hockten sie sich wie alte Dekaimte zu mir und nahmen aus meiner Hand die duftenden Erdnüsse, die tch immer für sie und für mich in der Tasche trug. Da war ent weihbärtiges Mütterlein, das trug sein Junges, genau wie die eingeborenen Frauen es tun, auf der Seite, und ohne Schn vor mir nahm es sein Kleines und durchsuchte fein zartes Fell nach Insekten. Es war so zutraulich, daß es manchmal selbst mit ferner flattrigen Pfote in meine Rocktasche griff und sich die Russe ^r- ausholte, die es dannn für sich und das Junge mit posfrerlicher Sorgfalt schälte.
Im allgemeinen freilich war es eine Bande von frechen Schel- men, denen niemand und nichts heilig war, nicht einmal die mit Ehrfurcht angebeteten Gotter im Tempel. Ganz besonders hatten sie es auf meinen Koch abgesehen, einen ehrwürdigen alten Brah- minen Die Küche befand sich nicht im Haufe, sondern in einem Heinen Gebäude, etwa zehn Schritte davon entfernt. Tagsüber hockte »ine Unmenge von Krähen auf dem Dache und harrte der Gelegenheit für ihre Diebsgelüste. Der Koch konnte nie die Küche verlassen, ohne die Tür sorgsam abzuschließen, sonst hätte das Gesindel die ganze Küche durchsucht. Am Abend aber, wenn die KrWen sich in ihre Rester in den Bäumen rings um das Haus verzogen hatten, wurden sie von den Affen abgelöst, und oft genug geschah es, daß eines ter Tiere, wenn er ahnungslos mit der bereiteten Mahlzeit aus der Küche in das Haus hinübergehen wellte, mit einem Sprunge von dem niedrigen Dach sich auf seinen Rücken fetzte und mit feiner Pfote in die ausaehiufte Platte hineingriff. Die Wahlzeiten kannten sie besser als ich, stets waren sie zur Stunde des Essens um die Küche herum zu sehen, und mancher Fluch kam über die Lippen meines sonst gutmütigen Kochs, wenn er mit leerer Platte wieder in seine Küche zurückkehren mußte, um eine neue Mahlzeit für mich herzurichten. Der frechste und mutigste der Weißbärte, es waren ißrer an die fünfzig, war der Anführer, ein übermäßig großes Tier, das nicht mehr jung fein konnte. Mit unerbittlicher Strenge übte er sein Regiment unter den anderen, und wehe dem naseweisen jungen Assen, der einmal nicht sofort seinem Gebot Folge leistete. Ein paar Ohrfeigen rechts und links und ein Wurf vom Daum, daß man die Knochen krachen flörte, war die Folge solchen Uebermutes und Ungehorsams.
Eines Tages hatte Aatesan ein besonders leckeres Gericht zu- bereitet, aber trotz aller Dorsicht war das Unheil wieder geschehen: der Herr General selbst war diesmal der Attentäter. Mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit war er auf den Koch zuge» sprungen, hatte dem Erschrockenen die Platte süßen Reises entrissen und sie unter den Daum getragen. Rachdem er sich gesättigt, ließ er auch die andern am Genüsse teilitehmen. Dafür entschloß ich mich ihn zu bestrafen, und die Strafe sollte darin bestehen, daß er vor der ganzen Affenfamilie sich blamiere. Ich ging deshalb in das Ärmere des Hauses, na'flm mir eine Banane, schälte das Fleisch sorgsam heraus, durchtränkte es mit Whisky und hüllte es da .« in die Haut sorgfältig wieder ein* so daß niemand von außen bemerken konnte, was mit ihr geschehen war. Diese Banane legte ich unter den Baum direkt an den Stamm. Es war
hvlS wahrgenommen haben, denn er ging nur zögernd auf dte Danane zu, manchmal auf den Hinterbeinen, dann wieder auf allen Vieren. Als er etwa noch einen Schritt von der Frucht entfernt trat, (egte er sich plötzlich auf den Bauch und rutl^.e langsam auf die Frucht zu. Die übrigen faßen oben in den Aesten und beobachteten gegen ihre Gewohnheit schweigend das Tun ihres Führers Als der endlich bei der Frucht angelangt war, drehte er sich hin und her, spielend fast wie ein junges Kätzchen, schnupperte, nieste, zog sie ein Stück vor, das Süßliche im Whisky muß ihn wohl angezogen haben. Er konnte nicht mehr von der verbotenen Frucht lassen. Zuletzt hielt er sie In den Händen, aber es dauerte noch eine Weile, bis er die gelbe Schale von de» Banane losriß. Dann endlich entschloß er sich zum Genuß and aß sie. Zwei junge Assen waren indessen vom Daum heranter- gekvmmen und krochen in seine Rähe, aber wütend und mit den Zähnen fletschend sprang er auf sie zu, und sie flüchteten sich mit einem Sprunge auf die Höhe des Baumes. An den Stamm gelehnt, aß er die Frucht auf, nur hin und wieder sie von sich haltend und sich schneuzend, als wäre sie mit starkem Pfeffer bestreut.
Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten; kaum zrim Minuten coaren vergangen, da hatte der Alkoholteufel ihn gepackt; er sprang hinauf In den Baum, und nun bot sich mir ein Bild, das ich in meinem Leben nicht vergessen werde.
Friedlich 'hatten sie alle, Männlein und Weibleln, mit ihren Kindern auf dem Schoß, da gesessen, und nun führ auf einmal dieser Kerl zwischen sie wie ein .lv-gelassener Teufel, schrie und fletschte die Zähe», hieb und schlug nach, allen Seiten, und wer i'hm in die Rähe kam, den warf er vom Daum he.unter. Don Angst erfüllt, schreiend und schnatternd, floh die ganze Affenzunft in die Höchsten Wipfel des Baumes. hinaus auf die schwankenden Qlefte. Di« bogen sich tief zur Erde. Da schaukelten sie nun, sicher wenigstens vor dem betrunkenen Unhold, und kreischten und zeterten i'hm ihre Vertvunderung und Entrüstung zu. Endlich legte sich der Tumult. Der General hatte sich an den untersten Ast gesetzt und lehnte sich an den Stamm Einige Male noch bleckte er mit den Zähnen und schaute wild drohend nach oben, dann verfiel er In unve -stündliches Grunzen und zttlehl schloß er die Augen und entschlummerte. Plötzlich aber verlor er das Gleichgewicht und flog wie ein Wckhlsack auf die Erde. Verwundert schaute er sich um und rieb sich die Glieder. Zu einem Sprunge in den Baum hinaus reichten te’ne Kräfte nicht mehr. Turkelnd schleppte er sich in eine Mauerecke des Gartens, senkte den weißbärtigen Kopf aus die Brust, legte die beiden Arme über seinen haarigen Dauch und schlief ein. Oben im Baum herrschte immer noch Schwei-.en. Rur einmal zwitscherte ein ganz junges Aesfchen irgend etwas zu seiner Mutter, aber sie beschwichtigte es mit einem leichten Schlage, dann Herrschte wieder Ruhe unter ihnen.
Eine Halbe Stunde etwa mochte vergangen sein, als unser Held von feinem Rausche e wachte. Weil ich die Strafe noch gründlicher machen wollte, hatte ich schon eine zweite Banane tote die erste zubereitet, und ging mit dieser auf den Daum zu. Da aber sprang das beinahe leblos scheinende Tier in furchtbarer Wut aus seiner Ecke aus mich Zorn und Haß in feigen ganzen Wesen, wie ich es noch nie bei einem Tier gesehen hatte. Kaum gelang es mir, hinter den Schutz des Holzgitters in die Veranda zu entfliehen und die Tür hinter mir zuzuschsteßen. Das Tier -hatte mich verfolgt und Hämmerte sich an die Holzstäbe wie ein rasender Tiger an seinen Käfig. Unter seinem wütenden Rütteln lösten sich schon einige Stave, und da, um das Tier Nicht noch mehr zu erzürnen, zog ich mich in das Innere des Hauses zurück, von dort aus das Ende des von mir angerichteten Schauspiels beobachtend. Als der Affe sah, daß ich nicht mehr in die Veranda herauskam, ließ er ab von dem Gitter und trottete auf den Daum zu. Run 'hatte er wieder seine Kraft, sich auf den ersten Ast emporzuschwingen, aber kaum war er oben, da fiel das ganze Afsenvolk über ihn her; sie schlugen ihn, bissen und kratzten ihn und warfen ihn schließlich herunter. Langsam entfernte er sich, ab und zu nur 'ich umblickend und die Verfolger ab-.vebrend. Richt eher aber ließen sie ab von ihm, als bis er über dieMauer, die an den Tempel grenzt. Hinaus und ihren Dlicken entschwunden war.
So hatten sie ihn gestraft. Gr hatte sie entehrt und sich seiner Rolle als Führer unwürdig gemacht, deshalb fließen sie ihn aus ihrer Gemeinschaft. Aehnliches habe ich später noch mehrfach beobachtet,^ und die Engländer meinen darum, daß diese Assen eine Kaste bilden wie die Menschen, und den ausstoßen, der gegen ihre Gesetze sich verging.
Viele Wochen später machte ich allein einen Ausflug in den Dschungel. Mein Weg führte vorbei an einem frischgemähten Kornfeld. An seinem Rande, auf einem von Sonne und Zeit gebräunten Steine kauerte ein einsamer Affe. Auch er war ein Ausgestoßener: ich sah es an seinem ganzen gedrückten, elenden Wesen, Da empfand ich Hefe Reue um jenen dummen Streich, den ich in törichter Laune in meinem Garten in Hetampur begangen hatte.
ftienger Brauch bei den Affen, daß der General stets zuerst einen fremden Gegenstand prüfen mußte. Raum 'hatte ich mich baräufln die Veranda zurückgezogen, als er schon vom untersten Ast auf die Erde Heruntersprang. Er mochte wohl den Geruch des Aiko-__________________
Schriftleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Univ>Duch. und Steindruckerei, R. Lange, Dießen.


