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sah aus, als hätte der Herr vtaatsra! Plötzlich einen üblen Geruch verspürt.Wollten Tie nicht die Güte haben, verehrtester Herr," fuhr er fort, zu dem Kalugaschen Gutsbesitzer gewandtuns die Einzelheiten eines so interessanten Ereignisses mitzuteilen?"

Warum denn nicht? Sehr gernel" erwiderte der Gutsbesitzer, rückte fernen Stuhl ungeniert in die Mitte des Zimmers und begann folgendermaßen:

Wie Sie wahrscheinlich wissen oder vielleicht auch nicht wissen, meine Herren, besitze ich ein kleines Gut im Koselsker Landbezirk. Früher brachte es mir etwas ein, jetzt aber habe ich natürlich nichts als Anannehmlichkeiten zu erwarten. Doch zum Kuckuck mit der Politik! Na also, auf diesem Gut habe ich auch meinen winzigen Herrenhof: ein Gemüsegarten, wie bei allen Leuten, ein Teich mit Karauschen, ein paar Wirtschaftsgebäude, na, und ein Wohnhaus für den eigenen, sündigen Leib . . . Man ist halt Junggeselle. Eines Tages nun das wird so sechs Jahre her sein kam ich ziemlich spät heim; wir hatten beim Nachbarn ein bißchen Karten gedroschen, aber ich bitte Sie, das zu beachten: ich hatte, wie man zu sagen pflegt, auch nicht ein Tröpfchen über den Durst getrunken. Ich zog mich aus, kroch ins Bett, blies das Licht aus. And nun stellen Sie sich vor, meine Herren: kaum habe ich das Licht aus­gelöscht, da fängt es unter meinem Bett zu krabbeln an! Ich denke: eine Latte! Wer nein, es ist keine Ratte: es kratzt, es klopft, es schabt sich . . . endlich schüttelt es auch noch die Ohren!

Ra, versteht sich: ein Hund. Wo aber sollte ein Hund Her­kommen? Ich selbst hielt keine; sollte sich vielleicht ein herrenloses Dich zu mir verirrt haben? Ich rief meinen Diener; Filka heißt der Kerl. Er kommt mit dem brennenden Licht in der Hand. ,Sag mal, mein lieber Filka', fange ich an, ,was ist das für eine Schlam­perei! Da hat sich ein Hund unter mein Dvtt verkrochen/ ,Was für ein Hund?' sagt er. .Woher soll ich das wissen?* sage ich, ,das ist deine Pflicht, für die Ruhe des gnädigen Herrn zu Sorgen.* Mein Filka bückt sich, leuchtet mit der Kerze unter dem Bett herum. .Hier ist nirgends ein Hund*, sagt er. Ich bücke mich auch: wirklich kein Hund zu sehen. ,Was Teufel soll das bedeuten!* Ich, sah meinen Filka an: der Kerl lächelte. .Schafs- kopf*, sage ich zu ihm, .was fletschst du die Zähne? Wie du die Tür ausmachtest, ist der Hund wahrscheinlich ins Vorzimmer ge­schlüpft. Lind du Döskopf hast nichts gemerkt, weil du ewig schläfst. Bildest du dir vielleicht ein, ich wäre betrunken?* Er wollte widersprechen, aber- ich warf rhn hinaus, kroch- wieder unter meine Decke und hörte in dieser Rächt nichts mehr.

Aber in der nächsten Dachl stellen Sie sich bloß vor wiederholte sich dieselbe Geschichte. Kaum habe ich daS Licht aas- gelöscht, so fängt es unter dem Bett za kratzen und zu scharren an. Wieder rief ich den Filka, wieder guckte er unters Bett wieder nichts! Ich schickte ihn fort, blies das Licht aus pfui Teufel! der Hund ist wieder da! And es ist ein ganz richtiger Hund: man hört ganz deutlich, wie er atmet, wie er mit den Zähnen sein Fell entlang fährt und Flöhe sucht . . . Ganz deutlich! , Filka!* rufe ich, .komm mal ohne Licht herein!* Er kommt. ,Run*, sage ich, .hörst du's?* .Jawohl!* sagte er. Ich kann ihn im Dunkeln nicht sehen, aber ich merke es, daß der Kerl Angst gekriegt hat. (Xtn* sage ich ,wie erklärst du dir das?* ,Ja, wie soll ich es er­klären, Pvrfirij Kapitonhtsch? Es ist ein Spuk!* ,Du Lumpen- kerl* sagte ich, .halt das Maul mit deinem Spuk . . .* And unser beider Stimmen klingen so dünn wie Vogelstimmen, und wir zittern wiie im Fieber und alles im Dunkeln. Endlich zündete ich das Siebt' an, und gleich ist alles still und nirgends ein Hund zu sehen nur wir beide, Filka und ich, sind weih wie Kalk. Sv lieh ich denn das Lickt die ganze Rächt brennen. And ich sage Ihnen, meine Herren Sie mögen mir nun glauben oder nicht, von da ab hat sich dieselbe Geschichte sechs Wochen lang Dacht für Rächt wiederholt. Schli-hlich gewöhnte ich mich sogar dran und löschte die Kerze aus, denn ich kann bei Licht nicht schlafen. Mag er nur krabbeln, denke ich. Gr tut mir ja nichts Böses.''

Eie lassen sich, wie ich sehe, nicht bange machen," unterbrach ihn Anton Stepanhtsch mit halb verächtlichem, halb herablassen­dem Lächeln.Daran erkennt man gleich den Husaren.**

Sie könnten mir jedenfalls nicht bange machen," ertviderte Pvrfirij Kapitonhtsch und schaute einen Augenblick wirklich ganz husarenmähig drein.Aber hören Sie weiter. Einmal besucht mich ein Rackbar, derselbe, mit dem ich damals Karten gespielt hatte. Da ich setzte ihm za Mittag vor, was ich gerade Gutes hatte, dann spielten wir, und er muhte mir fünfzig Rubel für den Be­such zahlen; inzwischen war's Rachi geworden, mein Gast wollte aufbrechen Aber ich hatte meine Gedanken und sagte: .Willst du nicht bei mir übernachten, Wasilij Wasiljitsch; morgen gewinnst du, so Gott will dein <Seld wieder zurück.* Mein Masilij Wasil­jitsch überlegte und überlegte und blieb schliehlich. Ich lieh ihm sein Bett in meinem Schlafzimmer machen . . . Ra also, wir legten uns hin, rauchten noch ein bihchen, schwatzten Eist vom weiblichen Geschlecht, wie es bei Junggesellen nun einmcu Brauch ist, lachten ans tüchtig aus; endlich W t^: Wasily Waschtisch löscht sein Licht aus und dreht mir den Rucken zu; das soll Mhen: Schlafen Sie wohl. Ich wartete ein wenig, dann löschte ich auch Mein Licht >rus. And stellen Sie sich vor: noch hatte ich gar nrcht Zeit, darüber nachzudenken, was jetzt wohl passieren wurde, Zto ging es schon los. And noch wie! Anterm Bett kam er heraus­gekrochen, lies durchs Zimmer, man hörte die Krallen richtig an

den Boden schlagen, er schüttelte die Ohren und flieh plötzlich gar an den Stuhl, der neben dem Bett von Wasilij Wasiljitsch fland. .Porsirij Kapitonytsch*, sagte jener, und, wissen Sie, mit ganz gleichgültiger Stimme, .ich wuhte gar nicht, daß du dir einen Hund angeschafst hast. Was ist's für einer? Ein Vorstehhund?* .Dein* sage ich, ,ich habe keinen Hund und habe nie einen gehabt.* .Wieso? And was ist denn das?* .Was das iftr sage ich, .zünd' nur das Licht an dann wirst du's schon erfahren.* ,Ist das kern Hund?* .Rein.* Wasilij Wasiljitsch drehte sich in seinem Bett um. ,Du machst Späh, zum Teusel nochmal!* .Rein, ich spähe nicht.* Run höre ich, wie er ritz-ratz ein Schwefelhölz­chen anstreicht, der da unten aber treibt's immer toller, kratzt sich die Seite. Run flammte das Licht auf und gleich war alles still: Jede Spur verschwunden! Wasilij Wasiljitsch sieht mi' an und ich sehe ihn an. ,Was ist das für ein Kunststück?* fragte er. ,Ja* Jage ich, ,das ist ein Kunststück solcher Art, dah wenn du hier Sokrates selber Hinsehen wolltest und da Friedrich den Grohen, so würden die beiden auch nicht dahinterkömmen.* And nun er­zählte ich ihm alles ausführlich. Hei, wie mein Wasilij Wasüjitsch da in die Höhe fuhr! Als hätte er sich verbrannt! Er konnte gar nicht in seine Stiefel hereinkommen. .Meinen Wagen!* brüllte er, .meinen Wagen!* Ich suchte ihm zuzureüen, aber es hals alles nichts! Er lamentierte nur noch ärger. 'Richt eine Minute bleibe ich hier*, schrie er, ,du bist ja ein gottverfluchter Mensch! Meinen Wagen!* . . . Schliehlich kriegte ich ihn aber doch herum. Rur sein Bett muhte in ein anderes Zimmer geschafft und überall Rachtlämpchen angesteckt werden. Morgens beim Frühstück war er wieder etwas zur Vernunft gekommen und gab mir allerlei Rat­schläge. ,Du solltest mal für etliche Tage oerreifen, Porsirij Kapi­tonytsch*, sagt er. .vielleicht hört der Teufelsspuk dann auf.* Ich muh Ihnen aber sagen: der Mann mein Rachbar nämlich war ein ungemein kluger Kops! Hat er doch einmal sogar seine 8ck»--iea<-rmutter htzrumgekriegt, dah sie einen Wechsel für ihn fmterzeichaetes. fo hatte er sie bei ihrer Empfindsamk tt zu packen geuvwu Von da ab war sie wie Seide: sie gab ihm Vollmacht zur Verwaltung des ganzen Gutes was kann man mehr verlangen? And das will doch was heihen mit der Schwiegermama fertig werden! Aeberlegen Sie mal selbst! . . . Ra, aber von mir fuhr er damals doch in recht mißmutiger Stimmung weg: ich hatte ihm am Vormittag noch hundert Rubel abgeknöpft. Er schimpfte sogar: .Andankbar bist du* sagte er, .und ganz gefühllos.* Ja, was konnte ich denn dafür? Run, das ist eine Sache für sich; seinen Rat aber nahm ich mir zu Herzen; noch am selben Tage kutschte ich in die Stadt und nahm in einem Wirtshaus Quartier, bei einem mir bekannten alten Raskolnik?) Er war ein ehrwürdiger Alter, wenn auch ein bihchen unwirsch; aber daran war nur die Einsamkeit schuld; ferne ganze Familie war ihm weggestorben. Rur vom Ta­bak wollte er nichts wissen, und gegen Hunde hatte er eine ge­waltigen Widerwillen: glauben Sie, er hätte je einen Hund auch nur einen Augenblick in fein Zimmer gelassen? Rein, eher hätte er sich selber mitten entzwei gerissen! .Denn*, sagte er, ,wie geht fenn das an? Hier in meiner guten Stube geruht die Aller­heiligste Himmelskönigin selber an der Wand zu hängen, und da soll ein dreckiger Hund mit seiner gottlosen Schnauze hemmschnüf- felnl* Ra ja, die Anbildung! Aebrigens bin ich der Meinung, was du als Weisheit anerkannt hast, daran halte dich"

Sie sind, wie ich sehe, ein großer Philosoph," unterbrach ihn Anton Stepanytsch zum zweitenmal mit dem gleichen Lächeln.

Pvrfirij Kapitonytsch runzelte diesmal sogar bie Stirn.

Was ich für ein Philosoph bin, das weiß man nicht," sagte er. Und sein Schnurrbart zuckte unheimlich,aber Sie würde ich gern in die Lehre nehmen."

Aller Augen waren auf Anton Stepanytsch gerichtet: jeder von uns erwartete eine hochfahrende Antwort oder wenigstens einen flammenden Blick . . . Allein der Herr Staatsrat verlieh seinen, Lächeln den Ausdruck der Gleic^ültigkeit an Stelle der Verachtung, gähnte, scharrte mit dem Fuß und weiter nichts.

Run, bei diesem Alten nahm ich also Quartier," fuhr Pvr­firij Kapitonytsch fort.Als guter Bekannte, wies er mir nicht eben sein bestes Zimmer an; er selbst schlief im selben Raume hinter einem Verschlag aber so wollte ich's ja gerade haben. Eine Qual war es sreilich! Das Zimmer klein, dumpf, eine Mords­hitze, Fliegen ohne Zahl und was für klebrige Viecher! In der Ecke ein riesiger Hausaltar mit uralten Heiligenbildern; die Gvld- gewänder ganz trübe und hohl; ein durchdringender Geruch nach Oel und nach irgendeinem Gewürz; auf dem Bette zwei Feder­pfühle; klopfst aufs Kissen, so kommt unter ihm eine schwarze Schabe rausgekrochen ... Zu alledem hatte ick noch aus Lange­weile unglaublich viel Tee getrunken es war zum Verzweifeln! Ra, ich legte mich also hin; an Schlaf nicht zu denken und hinter dem Verschlag liegt der Wirt und seufzt, ächzt, murmelt seine Gebete. Endlich aber wird er still. Ich höre ihn schnarchen fo gai« leise, nach alter Mode, schön höflich. Das Licht hatte ich längst ausgelöscht, nur das Lämpchen vor den Heiligenbildern brannte noch .... Da steckte also das Hindernis. Ich stehe ganz

3) Anhänger der Sekte der sogenanntenAltgläubigen", die Me vom Patriarchen Rikon 1654 durchgeführte Revision der kanoni­schen Bücher nicht anerkennen.