Ausgabe 
26.5.1923
 
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unseren Gärten und I denwares Beginnen, ohne Zeitung und ohne jedes Buch auskvm- : Schwarzamsel, men zu wollen. Durch diese Zwischenschaltung sollte nur auf die

Bedeutung der Lektüre für alle Weltbegeüenheiten hingewiesen

gezeigt zu haben,

Schriftleitung: August Goetz. - Druck und Verlag der Brühl'schen Llntv.-Duch- «ad Lteindruckerei, R. Lang», Sieb««.

Andere Bügel, die ganz von selbst in > öffentlichen Anlagen heimisch wurden, sind die . .

6te sich aber leider bei der Veränderung ihrer Lebensweise in einen den kleinen Singvögeln sehr gefährlichen Raubvogel verwan­delt hat, und die Singdrossel, die mit ihrem herrlichen Ge­sang unsere Gärten verschönt, ohne bisher schlimme Eigenschaften

werden.

Bas hundert- bzw. fünfzigjährige Jubiläum der deutschen Zeitungsdruckmaschinen zwingt ein tvenig zu Vergleichen mit bet Gegenwart und Vergangenheit, wie nach und nach recht Vollkom­menes im Druck der Tagespresse und ihrer Beilagen erstand. Aus der erwähnten achtseittgen Zeitungsdruckmaschine vom Jahre 1873 sind tm Laufe der Entwicklung wahre Wunderbauten der deut­schen Druckinaschinentechnik hervvrgegangen, die es ermöglichen, selbst die umfangreichste Auflage einer Tageszeitung in verhält- nismästig kurzer Zett ins Publikum zu werfen, um dieses mit dem Neuesten auf dem Gebiete der Politik und Unterhaltung bekannt zu machen. Die achtseitige Rotationsmaschine von heute bietet durch 'ihre zweckentsprechende Gestaltung eine gute Unterstützung zur Her­ausgabe kleinerer Zeitungen; die grösseren Organe bedienen sich jener Avtationspressen, die stiindlich 10 000 Exemplare von 16-, 32-, 64- »der Wseitigen Zeitungen zu liefern vermögen. Bei gerin­gerer Seitenzahl einer Tageszeitung läht sich die stündliche Lei­stung verdoppeln und vervierfachen; ja selbst acht- und zwölffachy Produktion ist möglich, da sich die zum Druck erforderliche große Anzahl von Rundplatten durch umfangreiche automatische Gieß­werke leicht Herstellen läht. Durch solche weitreichenden Druck- Möglichkeiten braucht es nicht weiter LU überraschen, dah die größten deutschen Rotationsdruckmaschinen zur Herstellung von stündlich 100 000 achtseittger Zeitungen imstande sind, wobei die notwendige Za^ von Papierrollen mitwirkt.

In diesen Ziffern kommt der Aufstieg einer fünfzigjährigen Gntwicklmrg der deutschen Zeitungsdruckmaschinen zum klaren Aus­druck, deren Leistungsfähigkeit auch mit darin besteht, die gedruckten Zeitungen durch mit der Maschine verbundene Förderanlagen nach dem beliebig abgelegenen Derfandraum rein mechanisch zu vermit­teln, was eine große Zeitersparnis zum schnellen Expedieren der Zeitung mit sich bringt. Der Höhepunkt des Mehrfarben- und Jllu- strativns-Rvtativnsdrucks mag hierbei nur angedeutet sein.

Auch der Zeitungsbilderdruck hat eine hohe Stufe der Voll­endung erreicht, und er gelangt zur größeren Vollkommenheit, wo es sich darum handelt, schöne Beilagen im neuzeitlichen Gummi- oder Tiefdruckverfahren herzustellen; diese finden bei der Leser­schaft jederzeit eine dankbare Aufnahme. Rur kommt es darauf an, die Anzahl der Zeitungsleser noch ganz wesentlich zu ver- grvstern, damit uns die Macht der Presse zum Wohle des Volks­ganzen erhalten bleibt.

Die Göttin.

Als ich in der Skulpturensammlung eines Morgens die noch leeren Säle der Antike durchwmrderte, wurde Plötzlich eine Tür aufgertssen, und ein knabenhaft schlankes Mädchen mit einem wundervoll geschnittenen Kopf, in dem unergründliche Augen sil­berne Bläue spiegelten, stand vor mir.Wissen Sie, wo die neue Göttin ist?", fragte mich die Unbekannte mit einer klingenden Stimme, die mir von irgendwoher bekannt schien.

Während ich verneinte, eilte das junge Mädchen schon weiter, und ich folgte, wie von ihr gerufen. Bald standen wir in ernenn Kuppelraum, in dessen Mitte einsam eine fast unzerstörte weibliche Marmvrgestalt ragte. Die Wände ringsum waren mit gold- braunem Stoff ausgeschlagen und gossen warme Flut über den Stein.

..Sehen Sie," sagte die Fremde, al« ob ich zu ihr gehörte, und ivandte einen Augenblick die Rätselaugen von dem Bildnis zu mir,hier ist die Grenze zwischen Mensch und Gott überschritten. Vielleicht sind die Hände und Füße noch von dieser Welt, obgleich in ihnen eine himmlische Stille schimmert. Aber tvenn Sie diesen Leib unter beit unwahrscheinlichen Schleiern betrachten, ist alle Jrdischkeit schon vergessen. Da ist in dem Stein die Erde besiegt, da ist dem Stoff Geheimstes abgerungen, da ist letzte Bindung ge­löst. Sehen Sie, dies Gesicht hat niemals ein Menschenantlth ge* Sjaut. Freude und Qual der Sterblick>en verlieren hier ihren ton. Diese Augen blicken vielleicht so. wie ein Daum, eine Blums im Morgentau den Wolken nachsehen würden, wenn ihnen Augen­licht geschenkt wäre. In diesem Haar zittert ein Wind, der sich aus unbekannter Ferne aufgemacht hat, um hier uitd nirgendwö anders zu wohnen. Dieser Mund duldet keine Worte, weil er weist, dast das Letzte niemals ausgesprochen werden kann und im Schweigen die tiefste Musik schwingt." Die Stimme neben mir verstummte, um dann leise noch einmal aufzubrechen:Das Gött­liche bleibt immer nur Ahnung und Sehnsucht l"

Als ich aus der Versunkenheit aufschaute, war meine Gefährtin unhörbar verschwunden. Alles in mir bebte in einer niegekannt«t Wallung, während die letzten Worte der Fremden, in der Kuppel des Saales zu einem zauberhaften Widerhall verwoben, noch lang* wie ein Klang aus anderen Welten Über meinem Haupte tönten..«

______ Werner Dock.

Das Jubiläum der geitungs- dru<Amafchine.

Don Eduard Kühnast -Magdeburg.

Das schnelle Herausbringen der Tageszeitungen wird in der Hauptsache durch das Vorhandensein geeigneter Schnelldruckmaschi- nen ermöglicht. Obgleich vor nun hundert Jahren 1823 die Haube- und Spmersche Zeitung in Berlin als erstes Organ des Festlandes bereits auf Schnellpresse von Koenig u. Bauer gedruckt wurde, so bediente man sich damals in Deutschland zum Druck der Zeitungen und Bücher allgemein noch alter Holz- Pressen, die sich seit den Tagen Gutenbergs nur wenig ver­ändert hatten, obwohl man diese Druckpressen vom Jahre 1800 ab auch nebenher aus Eisen baute. Trotzdem klingt es fast tote ein Märchen, wenn wir erfahren, dah selbst grostere Mütter, so die MagdÄburgische Zettung. noch im Jahre 1844 auf alten Holzpressen gedruckt wurde und zwar bei einer Auflage von 5000. Durch diese primitive Herstellungsweise kam es oft vor. dah die Zeitung bis morgens um 9 Uhr noch nicht ausgedruckt tvar und die einzelnen Exentplare buchstäblich unter der Presse hervorgezogen werden muhten, um zur Ausgabe zu gelangen. Durch die vermehrte Ein­führung der Duchöruckschnellpresse liehen sich die Zeitungen weit schneller als vordem Herstellen, weil der mechanische Druck eine recht ansehnliche Mehrleistung gegenüber der Handpresse hervor­brachte. Durch das Aufkommen von zwei-, vier- und sechsfachen Schneitoressen kannte das stündliche Druckquantum der Zeitungen ganz wesentliich erhöht werden.

Alle diese Verbesserungen reichten jedoch nicht aus, dem Lese­bedürfnis weiter Volkskreise zu genügen. Der politische Umschwung vom Jahre 1848 brachte der Presse mehr Freiheit und eine größere Machtentfaltung; auch die Äuflageziffern vieler Zeitungen wurde davon vorteilhaft berührt, was insbesondere im Anfänge der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts recht augenfällig hervortrat. Diese gänzlich veränderten Verhältnisse führten zum Import von schneller produzierenden Druckmaschinen des auf diesem Gebiete fortgeschrit­teneren Auslandes. Die Maschinenfabrik Augsburg hat vor fünf­zig Jahren 1873 die erste Abformung davon entnommen und eine zugleich acht Seiten druckende Rvtationsmaschine auf den deutschen Markt gebracht, deren Original aus den Werkstätten der Londoner Times hervorgegangen war. Bei dieser achtseittgen Rotationsdruckmaschine kamen weder einzelne Bogen noch flache Sahformen zum Druck, wie wir es bet den bisher tot Gebrauche befindlichen Schnellpressen gewöhnt waren, sondern der für eine achtsetttge Zeitung erforderliche, sozusagen endlose Papierstrang, wickelt sich regelrecht von einer vor der Maschine liegenden Papier­rolle ab, um auf den mit Platten belegten Zylindern zweiseitig bedruckt, dann geschnitten und abgelegt zu werben. Das waren so die Erstlingskonstruktivnen dieser Maschinen, die später durch den Einbau von Falzapparaten ganz wesentlich vervollständigt worden sind.

Diese nun fünfzigjährigeEnttoicklungdesdeut- fchen ħtationsmaschtnenbaues an dieser Stelle auf» zurollen, würde zu weit führen; eS sollen nur einige Andeutungen eingeflochten werden. Gin halbes Däkulum bedeutet ja im Leben der Völker nut eine verhältnismähig geringe Zeitspanne, doch können sich innerhalb derselben geradezu weltbewegende Ereig­nisse abspielen, wie das letzte Jahrzehnt hinreichend lehrte. Die Umwälzungen -auf dem Gebiete der Technik treten nicht so grell in die Erscheinung, hier gibt es zumeist organische Gntwicklungs- ftufen. ehe der betr. Gegenstand zur richtigen Auswirkung gelangte. Die Entwicklung der Zeitungen und Druckmaschinen unterlag ja auch so mancherlei Hemmungen, denn es gab Zeiten, in heuen man der Presse durch die Zensur und sonstige Unterdrückungen das Leben so sauer als nur möglich zu machen suchte. Auch die mit so vielen Röten behaftete Gegenwart neigt dazu, den Hrefterzeug- nissen Öen Existenzkampf zu erschweren, wenn das verehrltche Publi­kum nicht bald einzusehen beginnt, hast mit dem Fehlen der Zei­tung ein Stück geistiger Macht dahinsinkt. Aus den Blättern der Geschichte dürfte ersichtlich sein, dah jeglicher Aufstieg der Völker, wie England und Amerika lehren, nur durch das geschriebene und gedruckte Wort ermöglicht wurde, das sich nach allen Richtungen hin frei entfalten konnte, lieber diesen Punkt sollte sich die breite Oeffentlichkett zunächst ganz einig sein. In den letzten Jahrzehn­ten hat es für die Preherzeugnisse aller Grabe eine geradezu glänzende Aufwärtsbewegung gegeben, die auch nach der jetzigen allgemeinen Depression einmal wiederkehren dürfte, sobald sich unser Volk wieder daran gewöhnt, für seine geistige Kost die er­forderlichen Aufwendungen zu machen. Es ist ein geradezu un»