Ausgabe 
26.5.1923
 
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neue Pilgerfahrt beginnt, wo gestern

des

Ja," sprach der Mann zerknirscht vor sich hin,die letzte Stunde dieses Jahres hat es klar gemacht: es war auch dieses Jahr ein Jahr Les Herrn!"

Am Feuer sättigten sich die Leiden an dem Fleische des Rehes. Dann fielen sie in friedlichen Schlaf.

Plötzlich weckte das Schreien ihres Kindes die Mutter wieder zum Leben, und als sie aufhorchte, klang ganz nahe seitwärts aus den Zweigen hervor Getöse wie eines Kampfes. Dann warr

Da raffte die Mutter sich auf; ihre Kraft war wiedergekehrt, und sie sprang hinüber ins Dickicht von wo des Kmdes Stimme getönt hatte. And vor ihr stand dort ihr Wann vergeisrert im Gesicht, das Schwert gesenkt, und im hellen Mondlich^ sah man, wie Blut von dem Schwerte troff un» Arin und Gesny- des Mannes war mit Blut bespritzt.Mern Krnd! schrie die Mutter. "^Da reichte^ihr^der Mann Las Kind, das er im linken Arme gehalten, mit dem schützenden Felle bedeckt. Das Krnd vmrun­versehrt; es war wieder in Schlaf versunken und lächelte un Schlafe. Wir sind beide freU und ohne Wunden! sprach der Mann ge-

Ansere Gärten und Parke geben ebenso günstige, ja oft bessere Fortpflanzungsmöglichkeiten für die Bügel als unsere unter sorg­fältiger Forstbewirtschaftung stehenden Waldungen, und darin liegt die Erklärung, daß heute Lannen-, Blau- und Haubenmeisen, ja sogar Goldhähnchen, selbst Wildtauben, Kuckucke und Spechte ganz regelmäßig unsere Anlagen aufsuchen, und sosern ihnen nur einiger Schutz gegen Katzen und anders Raubgesindel geboten wird, sich Lauernd bei uns ansiedeln. Sogar die Einbürgerung dS« R a ch t i g a l l gelingt, wenn die klimatischen Verhältnisse muht ungünstig liegen und die örtlichen Amstände bieten, was die Nach­tigall liebt: fließende Gewässer und in unmittelbarer Rähe Laub­wald mit dichtem Unterholz. Freilich, wollte man nun Rach- tigallenvärchen kaufen und ihnen an dem Ort, an dem man !ie ansiedcln will, einfach die Freiheit geben, so dürfte das eilt ver­gebliches Beginnen sein. Wir kennen nur einen einzigen Fall, wo eine solche Einbürgerung gelang. Goethes Freund, der Herzog Karl August, hat auf diese Weise in demWebicht" genannten Gehölz bei Weimar Nachtigallen in Freiheit gesetzt und rhre Nach­kommen sollen sich dort bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts aufgehalten haben.

Der moderne Vogelfreund macht sich die Kenntnisse der heu­tigen Vogelkunde zunutze. Er weiß, daß der Zugvogel auf seiner Frühjahrswanderung die Gegend aufsucht, in der er erbrütet wor­ben ist. Qluit kann man leicht Nachtigallen rm srelen züchten, zinü die so er-zielten Jungtiere kehren .regelmäßig an oen Ge­burtsort zurück, die Eltern allerdings nicht. Eine große Voliere wird am Südrand eines Gebüsches so aufgestellt, daß ach uiner- avorien vci i halb Les umschlossenen Raunres Lichtes Buschwerk befuidet; die - Da sprach Nord-, West- und Ostwand des Käfigs wird <ms Brettern her- 1 gestellt, die Regen und Wind abhalten, an der Südseite ein leicht abnehmbares Drahtgitter angebracht. Dies Hüm wird Ende April oder Anfang Mai mit einem Pärchen Nachtigallen besetzt und dieses schreitet bei entsprechender Fütterung regelmäßig zur Brut, wobei der Nestbau durch Darreichung von Moos, Federchen i>sw. unterstützt werden kann. Kann man für die Aufzucht der Jung­tiere die fast unentbehrlichen frischen Ameisenpuppen beschaffen,

bt0<®agnWeib^forschte, was geschehen sei. Der Mann aber sagte zitternd:Vollende, was du vorhin begonnen: die Mär von der Opferung jenes Kindes, die Gott dem eigenen Vater befohlen!

And verwunderungsvoll, kaum des Wortes mächtig erzählte bas Weib die Opferung Isaaks und schloß mit den Worten der Schrift, die sie so oft im Kloster zu Fulda vernommen: sp^ch

der Engel des Herrn zu Abraham: Lege feine H^d nicht an d«i Knaben und tue ihm nichts. Denn nun weiß ich. daß-du Gott furch­test und hast deines eigenen vohnes nicht verlchonÄ um meinet­willen. Da Hub Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter- ihm in der Hecken mit lemen Mrnwm bangen.und gurg «n und nahm Len WidLer und opferte ihn an seines Sohnes fetatUum $rantotfer." . _ t I ^r^eichliche'Taben'frijcher Weitz-' oder Mehlwürmer er-

Als sie geendet, sprach der Mcmn.So yat M ^uieermui w« ^E«rÄe jungen Tierchen gut auf. Wenn die Jungen nicht die Mähr von der Opferung ^vig4tros »pfern! I etwa 14 Lage alt sind, entfernt man" nachts vorsichtig das Draht-

der Opfermng Jsaoks. Siehe, auch rch wollte^unser » ojgnti ^^Die Jungm Norden flügge, und- die so herangewachsenen

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Der Mann versank in tiefes Schweigen. Er mutzte sein Ge­sicht verhüllen und abwenden von dem Weibe, das, friedlich auf ihr schlafendes Kind niederblickend, am Feuer sah.

.Endlich raffte er sich wieder auf, MitLrotzen Schritten ging er am verglimmenden Feuer auf und 'nieder,, und noch wilder als vorher rollten seine Augen. ... - ___ =

Wir mögen jetzt nahe der Stunde fern, rief er,wo das alte Jahr dem neuen die Hand reicht. Die Pfaffen, wenn sie die Jahre zählen, sagen: im Jahre des Herrn! aber bei diesem gott­verlassenen Jahr voll Schmach und Elendes sollte man billig sagen. im Jahre des Teufels!" , . ~ ,

, And beim och," sprach das milde. Weib,hat das e i ne Jahr, in welchem der Herr als Mensch Len Menschen geboren wurde, einen solchen Aeberschutz des Heils über alle folgenden Jahre gebracht, daß auch das schlimmste Jahr nach der Geburt des Herrn immer noch ein Jahr Les Herrn sein wirb "

Der Mann nahm das Kind vom Schoße der Mutter.Die

Ä',mÄ'e»ÄmÄlSM» PÄÄ «Hftbfltgtnmg von Singvögeln im Garten, setzt, den Blick gen Osten wendet. Nur eines will ich heute er- I Die Amgestaltung unserer Gärten und öffentlichen Anlagen iunLen, ob wir den morgenden Tag überleben! Sst dieser Fe^ ' - - ---------

mit seiner Kuppe nicht jetzt unser einziges Haus? Laß mich hinmif- steigen mit dem Kinde nach altväterlichem Brauch! And indes ich oben die Zukunft beschwöre, gedenke du hier des sühnenden Opfertodes, in welchem Las nordische Volk seinen besten Mann, Len König Domaldi hinschlachtete, damit der Hunger von dem Lande genommen werde!" > _ ,

Da ries das Weib verzweislungsvoll:So höre du vorher die Geschichte einer anderen Opferung! Höre, Mre es erging, da Jehovah dem Abraham befahl, dah auch er fern bestes Gut, seinen Sohn Isaak, am Altäre schlachte!"

Aber der Mann hörte nicht. Er stürmte mit dem Kinde zur Felsenkuppe hinauf und verschwand hinter den Büschen.

Das Weib wollte ihm nacheilen, die Mutter dem Kinde. Doch als sie aufstand vom Feuer, da ward erst offenbar wie ihr der Hunger das Mark aus Len Knochen gesogen, sie brach ohnmächtig

in den großen Städten, öic einen Wechsel von Laub- und Nadel­holz mit dichtem Dusch- und Strauchwerk bieten, hat Vögel in die Stadtgärten gelockt, die man früher für ausschliehliche WalH- bewoKier hielt. Diese Einbürgerung der Waldessänger in unfern unmittelbaren Nähe ist zweifellos gegenüber der allgemein^ Naturentfremdung, der der Städter immer mehr erliegt, ein Glücks- zufall, den wir nach Kräften unterstützen müssen. Anleitung dazu bietet Friedel Dahn in einem Aufsatz derGartenschönheit", Lei; sich mit dem Gartenvogelleben im Frühjahr beschäftigt.

Die Morgensonne Les neuen Jahres weckte die Schläfer. Sie stiegen hinauf zur Kuppe Les Felsens, von wo gestern abend- der Mann vergeblich die Zukunft erschauen wollte. Da tat sich ein wunderbares Bild vor ihren Augen auf: das weite reiche Main­tal glühte im Sonnenschimmer, Hütte an Hütte stieg aus Len Grün­den, und der Rauch von hundert Feuerstätten hob sich zum leichten Gewölk verschwebend- in die reine Winterluft. Die Gatten küßten sich bei diesem Anblick und- küßten ihr Kind- und fielen nieder, und beteten. Der Mann aber wagte noch nicht wieder seine Frau ins Auge zu schauen. Doch Liese hob ihn liebreich auf und sprach: Latz uns des alten Jahres nicht vergessen, obgleich es kein Jahr des Teufels gewesen; denn siehe, noch ist Las neue Jahr nur ws- nige Stunden alt, und doch hat es schon so reiche Verheißung ge­bracht, daß wir frohgemut zum WanderstaLe greifen. Denn die neue Pilgerfahrt beginnt, wo gestern die alte schloß: S m Jqhv

- - - auch ein fast verhungertes Weib zu ihm kam mit I und wie mit Irrsinn geschlagen durch den eigenen Vorsatz, krschaW Knaben. Als sie aber die Schwelle des rettenden I ich zwei Wölfe, die an dem Körper eines Retzs zerren Da wW

Hauses überschritt, stürzte sie zusammen vor Schwäche und hauchte I es wi^erhAvvr meinen Auge;mitdem Dchwerteyringe ich &n©etft aus Das Kind aber lag an der Brust der toten Mutter I hinzu, Las Kind ins Fell verhüllt fest an mich schließMdi UM trib versuchte' zu saugen, alö ob sie noch lebe, und die härtesten I schlage die QMtien niederi Hier liegt das Reh, das uns Gott M Aänmr konnten bas nicht schauen ohne Tränen. So fiel der jändt, der Widder statt Les geopferten Sohnes!"

vtamm damit Las Reis gerettet werde. Hätte nicht vielmehr die I Da rief das Weih gleich einer Seherin:And doch ist auch Mutter das Kind opfern sollen, dah sie leben geblieben wäre sich I das Opfer Isaaks nur die Verheißung gewesen eines größeren Md ihrem Manne und anderen Kindern?" I Opfers. Denn als die Zett erfüllet war, hat Gott selber seinen-

Da kam dem Weib die Sprache wieder.Nein!" rief sie und I einzigen Sohn- dahingegeben zum Sühneopfer für die Schuld aller richtete sich hoch auf.Selig die Mutter, welche so ihr Leben ge- I Menschen. And seit diesem letzten wahren Opfer sagen wir von geben für ihr Kind. Zum Himmel schwebend wird ihre Seele bei? I jedem Jahre: Sm Jahre Les Herrn!" . -

Knaben geschaut haben, der noch trinken wollte an der toten Brust und der nun doch geborgen war! Du sagst, vor Schwäche habe sie den Geist aufgegeben! O nein! Sm Aebermatz der Freude zersprang ihr Las Herz, als sie nach Todesmühen ihr Kind nun endlich doch gerettet sah, und von Wonne bewältigt, hauchte sie . das Leben