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Samstag, 27. Januar ßtf
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Dis Entstehung der deutsch-französischen Srbfeindschaft.
Die Vergewaltigung des wehrlosen Deutschlands durch Frankreich läßt vor ivnferm geistigen Auge ähnliche traurige Ereignisse der Geschichte aufsteigen, und so sind denn die Schatten Ludwigs XIV. und Napoleons in diesen Tagen vielfach und mit Recht heraufbeschwvren worden. Aber die Erbfeindfchaft zwischen Frankreich und Deutschland, die im Laufe der Geschichte fast immer einen Triumph des westlichen Angreifers mit sich brachte, geht schon viel weiter zurück, ja zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte und ist ein wichtiges Element in dem tragischen Schicksal des deutschen Volkes. Die markanten Grundlinien und großen Zusammenhänge, die dies offenbar machen, hebt der be° raimte Tübinger Historiker Pros. Johannes Haller in seinem soeben bet Eotta erscheinenden Werke „Die Epochen der deutschen Geschichte" hervor, das gerade jetzt so manchem einen nachdenklichen Einblick in das weltgeschichtliche Los unserer 'Ration gewähren wird. Das geographische Problem der „doppelten Front", das dem Deutschen Reich bei seiner Entstehung als Geschenk der Rornen in die Wiege gelegt wurde, die Bedrohung von Ost und West, hat unfern Staat stets einer großen Unsicherheit ausgesetzt, und zwar war die Gefahr von Westen immer die größere, weil sich dort bald nach der Teilung des Reiches Karls des Großen ein mächtiger Miliiärstaat entwickelte, dessen Arber» legenheit in dem Augenblick fühlbar werden mußte, als die Macht des altdeutschen Kaiserreiches verfiel.
Philipp II., der Schöpfer der französischen Einheit, ist der Zeitgenosse des Bürgerkrieges, in dem sich die Staufer und Welfen zerfleischten, und dieser Zwiespalt in Deutschland führt schon im Anfang des 13. Jahrhunderts dazu, daß die deutschen Könige zu Figuren in dem europäischen Spiel werden, das von der Seine und von der Themse aus gelenkt wird. Deutschland wird damals zum erstenmal das Schachbrett der europäischen Kriege, und der erste Steg, den Franzosen über Deutsche erfochten, der von Bou- vtnes im Jahre 1214, entscheidet zugleich den englisch-französischen Streit auf deutschem Boden zugunsten F.ankreichs. Das kriegerische Frankreich erstrebt von nun an Erweiterung feiner Grenzen auf Kosten des.Deutschen Reiches, und je schwächer dieses wird, desto begehrlicher werden die Franzosen. Schon im Anfang des 14. Jahrhunderts sprach man in Paris davon, der Rhein solle Deutschland von Frankreich scheiden. Daneben laufen die Bestrebungen französischer Könige, sich selbst oder ihrem Hause die deutsche Krone zu verschaffen. Dir Bistümer und Städte an der Maas und Mosel, Toul und Derdun, kommen schon Ende des 13. Jahrhunderts unter französische Herrschaft; die Franche-Comtö, das Dauphine, gehen denselben Weg, und so entsteht gegen Ende des 14. Jahrhunderts die Grenze, die Frankreich bis 1870 behalten hat.
Sv Nächst allmählich durch fortgesetzte Aebergriffe der Fran- sosen die deutsch-französische Erbfeindschaft heran; aber der eigentliche Same der ewigen Kämpfe wurde im Jahre 1477 ausgestreut, "ls der spätere Kaiser Maximilian Maria, die Erbin des bur- gundtschen Reiches, heiratete. Das mächtigste deutsche Fürstenhaus, die Habsburger, geriet dadurch in einen langen Konflikt mit Frankreich um die burgundischen Erblande, und dieser Gegensatz übertrug sich von selbst auf das Deutsche Reich. „Der Same !“r ote putsch-französische Erbfeindschaft, die bis dahin nicht be» war ausgestreut,, sagt Haller. „Gr hat rasch ge- ra avd immer stärker getrieben und schließlich als schädliches dewachs über die Geschichte der deutschen Ration für alle Zeiten
seinen Schatten geworfen. Man wird nicht behaupten können, daß es ohne die Heirat von 1477 eine deutsch-französische Erbfeind» schäft nicht würde gegeben haben; denn es sind doch neben dem Charakter des französischen Volkes vor allem geographische Ar- sachen, die ihr zugrunde liegen. Aber darum ist es doch Tatsache, daß der Gegensatz zum erstenmal dadurch ausgebrochen ist, daß Oesterreich der Erbe des burgundisch-niederländischen Staates wurde."
Der Zusammenbruch der deutschen Staaten im 30jährigen Kriege brachte dann diese unheilvolle Saat zur Reife. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 trat eine neue Erscheinung in das deutsche Schicksal: „Das ist die ständige Einwirkung Frankreich- auf Deutschland, seine stetige, bestimmende Einmischung in die deutschen Angelegenheiten. Das hatte man bis dahin nicht gekannt. Verbindungen deutscher Fürsten mir der französischen Krone waren wohl gelegentlich vorgekommen, aber das waren Episoden. Seit 1648 wird es ein dauernder Zustand, daß Frankreich in Deutschland hineinregiert." Vertrat doch Ludwig XiV. sogar die Ausfas- sung, das Deutsche Reich gehöre von rechtswegen zu Frankreich, and die Franzosen fühlten sich als Rachkommen der alten Franken, forderten, daß der französische Staat die Grenzen des alten fränkischen Reiches gewinne. Das gelang zwar Frankreich nicht, aber durch die Wegnahme des Elsaß wurde das französische lieber* gewicht über Deutschland befestigt, und bas historische Schicksal, das das schwache Deutschland immer mehr zum Raub seines westlichen Rachbars machte, erfüllte sich 1807, als Napoleon durch die Zertrümmerung Preußens tatsächlich die Träume aus der Zeit Ludwigs XIV. erfüllte und die Macht Karls des Großen unter feiner Herrschaft vereinigte.
Essen-Amerika an der Ruhr.
Kennt ihr die Stadt? Rein?-Denn ihr antwortet: Rauchig, schmutzig, häßlich!! Ihr schüttelt euch. Natürlich gebt ihr bä Zuzugebende zu: Hauptstadt der deutschen Arbeit; Kopf der Ruhr- Wirtschaft. lind das wußten die Franzosen ja Wohl-auch. Darum ihr Gieren nach diesem Besitz, Aber „wißt ihr, wie das ward", was man da draußen an der Ruhr Essen nennt? Wißt ihr, was diese Stadt, rein als Gemeinwesen betrachtet, unter den deutschen Großstädten bedeutet? Sie fast ganz ausschließlich saugte den Gedanken des neuen Deutschland in sich, wie wir ihn vor dem Kriege zu verstehen begannen. Sie ist Größe aus dem Nrchts, ist Wille zur Macht in Stein geworden. Ein Reuhvrk, ein Chikagv, mit Wachstum ins Ungeheure und Aussichten ins Anabsehbare. And doch viel schöner, urwüchsig deutsch, „Schön." Da steht das Wort. Jawohl: diese Stadt ist schön. And sie wäre In ungehemmter Entwickelung 1930 ober 1950 vielleicht der schönsten eine in deutschen Landen geworben.
Wohlverstanden: schön ist auch die Arbeit und schön find ihre Stätten, schön sind die gewaltigen Schachtanlagen, schön, ja, malerisch ins Großartige gesteigert ihre Aufzugstürme. Hallen und Schlote, ihre Koksbatterien aus denen nachts unheimliche Gluten auflobern. Schön sind Hochöfen und Walzwerke (die es übrigen- in Essen nicht gibt) in ihrer Großartigkeit und Gewalt. And dieser Schönheit der Arbeit entzieht sich nicht, wer sehend und fühlend zwischen Duhr, Emscher und Lippe wandert oder wirft. Aber diese Schönheit ist hier nicht gemeint Essen, die Stadt tfi schön im Zusammenwirken moderner Daukultur und frisch grünen-


