Ausgabe 
24.2.1923
 
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tot. too er efl fand, cBcr war cd ein schlechte« so äußerte er seine lebhafte Mißbilligung darüber und sagte, daß da« Leien solcher Bücher in seinem Palast nicht erlaubt sei. Ja manchmal toarf er solche Bücher sogar aus Wut ins Feuer."

Während der Gefangenschaft auf St. Helena war die Lebens­weise des Kaisers von erstaunlicher Einfachheit: er trug Merst einen Jagdrvck, und nachdem dieser gewendet und in diesem Zustand zu schlecht geworden war, trug er eine ganz gewöhnliche bürgerlich Jacke von grünlich-brauner Färbung. Der einzige Luxus bestand in seinen Strümpfen: er trug nur seidene Strümpfe. Ricmals zog er Handschuhe an, außer wenn er auf dem Pferde saß, und auch dann steckte er sie lieber in die Tasche, als daß er sie an die Hände zog. Der Kaiser trug niemals irgendwelchen Schmuck, es sei denn, daß man die Uhr dafür hält. DieS war der einzige mit Edelsteinen verzierte Gegenstand, den er an sich duldete. -Hut seiner Gesundheit war er sehr sorglos: »Der Kaiser wußte überhaupt nicht, was für seine Gesundheit vonnöten war. Obwohl ihm ost gesagt worden war, daß Bässe bei ihm sofort Erkal» tunge« Hervorrufe, ging er doch häufig bei Regen spazieren und schien eine gewisse Freude daran zu finden, recht naß zu werden. Er war darin durchaus wie ein Kind."

In den langen traurigen Rächten von St. Helena, in denen der Tod ihm immer näher kam. konnte man ihn so wui husten hören, daß es durch da»s ganze Sjaitf schallte, ja daß selbst die Ratten davon erwachten und in den leeren Korridoren unheimlich hin und her raschelten." Die Schilderung dieser letzten Krankheit ist gerade durch ihre Einfachheit so ergreifend: .Der Kaiser starb ohne die geringste wahrnehmbare Zuckung und ohne das tenefte Steifwerden: er erlosch, wie Das Licht einer Lampe auägebt St. Denis erwähnt nichts von den berühmten .letzten Worten, die einige Berichte mitteilen:Frankreich die Armee Josephine". Lieber die letzten Augenblicke vor seinem Tode be­richtet dieser treue Diener: «Er bat von Zeit zu Zeit um etwas Wein, dem man ihm hastig reichte. Zuletzt sagte er, nachdem er einige Tropfen getrunken hatte: «Ach, wie gut der Wem ist. wie gut der W^n Pt*

Der Werdegang der Tabakspfeife.

Je teurer Zigarre und Zigarette werden, desto eifriger flüchtet der Raucher zur Tabakspfeife, die ihm immerhin noch einen etwas billigeren Genuß des geliebten Krautes gestattet, und so kommt das .Pfeifchen", zu Beginn der Rauchmvde im 17. und 18. Jahr­hundert des Rauchers einziger und liebster Gemih, zu neuen Ehren. Zweifellos ist Las Pfeifenrauchen die älteste Form, in der dieses Laster" geübt wurde. Pfeifenköpfe aus Eisen, Bronze und Ton hat man schon in vorgeschichtlichen Gräbern gefunden, und bei den primitiven Dölkern, die sich noch Züge dieser ältesten Menscy- heitskultur bewahrt haben, ist die Pfeife ein heiliger und hoch­verehrter Gegenstand. Besonders in Afrika hat die Tabakspfetfe ihre höchste künstlerische Ausbildung gefunden, und hier kann man am besten ihren Werdegang verfolgen, wie dies B. Halby in einem , Aufsatz derBergstadt" tut. Die einfachste Form, eine Pfeife 6er« zustellen, war sicher die, die noch jetzt bei einigen süd» und ost- afrikanischen Stämmen üblich ist: man kratzte ein Häufchen Erde zusammen, bohrte oben ein trichterförmiges Loch hinein und ver» band dessen unteres Ende mit der Außenwelt durch eine schräge Seitenbffnung. Einen technischen Fortschritt bedeutet es Dann schon, wenn die afrikanischen Zwergvölker ein zusammengedrehtes Blatt in eine frische Bananenrippe stecken, das Blatt mit Tabak füllen und daraus rauchen. Reben diesen einfachsten Pfeifcnformen stehen dann außerordentlich komplizierte und reichgeschmückte Pfeifen, bie auf die religiöse Bedeutung des Rauchens Hinweisen. Götzen und heilige Symbole erscheinen am Pfeifenkopf. Aber je mehr das Rauchen als Kulthandlung verblaßt und zur alltäglichen Gewohn­heit wird, desto häufiger werden im Pfeifenschmuck Szenen des täglichen Lebens, Darstellungen derb-humoristischer Ratur. Die größten Pfeifenkünstler sind wohl die Dali in Kamerun, die eine erstaunliche Drherrschung der Technik wie des Materials zeigen. Sehr häufig erscheint auf den Pfeifenköpfen der Reger eine ver­zerrte Darstellung des Europäers, den man auf diese Weise ver­spottet. Als Material wird vielfach die Allerweltspflanze Afrikas, der Maschenkürbis, herangezogen, und aus solchen Riefenfrüchten entstehen ungeheure Köpfe von Paukengröße. 3n der Brand­malerei haben es einzelne Stämme zur höchsten Meisterschaft ge­bracht. Im allgemeinen aber ist in Afrika so gut wie anderswo die Pfeifenerde das wichtigste Material zur Herstellung der Köpfe. Der Ton ist manchmal, wie bei den Dali-Pfeifen, sehr brüchig, und umsomehr ist die feine Ziselierung zu bewundern, die die West­afrikaner auf dem spröden Material anbringen. Bei den ein­zelnen Formen wechseln Riesenköpfe mit kleinen Rohren und fleine Köpfe mit Riesenrohren. Die Daluba und Baschilange nahmen nun Die größten Kürbisse auf die sie dann einen winzigen Tonkopf setzten. Die Waganda und andere west afrikanischen Stämme be­sitzen Pfeifenrohre in der Länge eines Mannes, ja sogar von der zweier Männer. Solch ein ungeheures Rohr besteht gewöhnlich, um es handlicher zu machen, aus Rohr und Holz. Rur die Wany» ambesi fertigen das Rohr aus Eisen, was wahrscheinlich einem uralten Brauche entspricht.__

Essens

Don GottfriedRickk.

Hört ihr es auf den Gassen schrei'n? Die Franzosen rücken in Essen ein! Eine ganze Armee, neun Divisionen, Letterei und schwere Kanonen. So wälzt sich hin das eiserne Heer, Als ob es mitten im Kriege wär'.. lind in den Gassen drängt sich und gafft Die deutsche Bürger- und Arbeiterschaft Lind steht und will ihren Augen nicht trau'«, Mit den Fäusten im Sack und finsteren Brau'«, Lind fühlet stumm in Wut und Schmerz Den Griff nach Deutschlands rastlosem Herz, Vorüber mit dumpfem Trommelton Stampft Bataillon um Bataillon, Bajonett auf, Säbel blank, Schwerfällig rasselt Tank um Tank Braune Gesichter, Augen heiß, Vorüber flattert Blau-Rot-Weihi

Im Kvhlenkitiel ein Arbeitsmann Sieht sich den Troß von der Seite an: Auf der Stirn ihm rot eine Darbe brennt. Er brummt in den Bart:

Das Regiment Haben gejagt wir am chemin de dames Donner, wie alles anders kam!

Warum? Warum?"

Gr kratzt sich am Ohr, Kommt ihm heut alles ganz spassig vor. Er weiß nicht, träumt er, ist er wohl wach? Lind er sinnt vergangenen Tagen nach, Tagen voll Kamps, Mühe und Blut, Tagen voll jauchzendem Siegesmut, Da er dem fliehenden Feind auf der Spur 3m Sturmtrupp sausend durch Frankreich fuhr, Hurra, hurra für Kaiser und Reich!

Da fährt er auf, da wird er Ueich. Eh arrifere sale bocke!"

Franzosen rundum.

Ein Kolbenstoß.

Da trollt er sich stumm. Lind im Gehen wird ihm so seltsam heiß Isis Sämm, ist's Zorn? Sr selbst es nicht weiß. Wie ein Schleier sinkts ihm vom Gesicht, Lind er schreit:

Wer nicht hält, was er verspricht, Der ist ein Lump, tut er noch so groß, Sei er Deutscher oder Franzos! Wer hat uns erzählt, daß Deutschlands He«? Lind der Kaiser für alle der Feind nur wär', Lind wenn wir einmal von den Briden frei. Daß alles wieder Freund uns fei? Wir jagten den Kaiser aus dem Land, Wir brachen die Waffen mit eigener Handz Wir beugten uns willig schmachvollem Joch Was stört ihr den Frieden? Was sucht ihr noch? Aber: ob Kaiser, ob Republik Lins wollt ihr brechen das Genick!

Der deutschen Arbeit ist's ber meint, Daß ihr in unserem Land erscheint! Der hat's gegolten vom Anbeginn.

Das war für euch des Krieges Sinn, .Und alles andere Flunkerei Für deutsche Dummheit und Rarretei! And hattet ihr früher nicht die Macht, Jetzt wird der Plan cm's End gebracht! Wenn erst in Essen die Feuer verlvht, Dann, Lenkt ihr, ist Deutschland auch bald tot.* Gemach, ihr Herrn, und habet Acht:

Der deutsche Arbeiter erwacht!

3hr selber reißt ihn aus seinem Wahn: Roch bricht für uns ein Morgen an I 3hr wollt uns zwingen in Sllaverei, Der Deutsche aber war immer frei! Ein Hundsfott Jeder, der vergißt Don dem Tag, daß er ein Deutscher iftr

Dann geht er zur Zeche, sein Schritt llingt schwer - ----- Da war ein wackrer Deutscher mehr!

Herrgott im Himmel, laß es grscheh'n Daß alle Brüder so aufersteh'nk

) Dom Verfasser borgetgen bei der Trauerkundgebunfl NkS Vroßdeulfchen Volkspartei am 15. Januar 1923 in Graz.

Schriftleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Dcühl'schen Auiv^Duch- und Steindruckerei. R. Lange, Giehew