Ausgabe 
23.6.1923
 
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(Schluß folgt.)

sieht einen oder mehrens

Schrtstleikmg: August Goetz. Druck und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch- und Steindruckerei. A. Lange, Gießen.

Ausbruch ereignete sich um Sage, die sich bis auf den erhalten hat, ist mit dieser

bezaubert hatte, ob er nicht wiederkommen wolle und mir sein Geheimnis lösen. Aber sie rührte sich nicht. Die Hand schlug gleichgültig Matt um Blatt im Buche, der Blick blieb verhangen. Ich spürte, daß sie sich weigerte, daß sie es sich versagte, aufzu­schauen, aber je mehr sie widerstrebte, desto starker wollte es mein Trotz, uni.) ich war stark, denn in mir war die Erwartung der gan­zen lechzenden Erde und die dürstende Glut der enttäuschten Welt. Slnb so wie an meine Poren noch immer die feuchte Schwüle der Aachi, so drängte sich mein Wille gegen den ihren, und ich wußte, sie müßte mir nun bald einen Blick hergeben, sie müßte es. Minute aus Minute rollte vorüber und schon spürte ich, daß meine Kraft nachließ da plötzlich hob sie mit einem Ruck sich auf und sah mich an, gerade hin auf mich. Wieder war es der gleiche Blick, der nicht endete, ein schwarzes, furchtbares, saugendes Nichts, ein Durst, der mich einsog, ohne Widerstand. 3ch starrte in diese Pupillen hinein wie in die schwarze Höhlung eines photographi­schen Apparates und spürte, daß er zuerst mein Gesicht nach innen zog in das fremde Blut hinein und ich wegstürzte von mir: der Boden schwand unter meinen Füßen, und ich empfand die ganze Süße des schwindelnden Sturzes.

Ich sah nm mich. Mir gegenüber saß unter beit Menschen still über ein Buch gebeugt, bloß mehr ein schlankes junges Mäd­chen, regungslos, bildhaft, nur leise unter dem dünnen Gewand wippte das Knie. Auch meine Hände zitterten. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Ich stand aus, ohne mich umzuwenden, und ging hinaus.

geben, und saft jedes Jahrzehnt größere Eruptionen.

Der älteste historisch bekannte das Jahr 693 v. Ehr.; eine schöne heutigen Tag in Sizilien lebendig

wurden bei dieser Eruption in wenigen Tagen aufgeschüttet. Aus der gewaltigen Spalte, auf der diese Kegel sich aufbauten ergoß sich die glühende Lava die Berghänge abwärts, zerstörte 14 Ortschaften und erreichte in schnellem Lauf die Mauern von Eatania. 3n mehrtägigem Kampf überwältigte' der Glutstrvm die Uniwallung und drang in die Stadt ein, deren ganzer südlicher Teil vernichtet wurde.. Die Lava wälzte sich bis in beni Hafen und füllte diesen 1000 Meter weit ins Meer hinein aus; ein ganz neuer Stadtteil steht heute auf diesem Lavagrund zwischen dem alten Kastell Ursino, das noch (heute bis zum ersten Stockwerk im Lavastrom steckt, und dem Meere.

Der größte Ausbruch des 19. Jahrhunderts war der von 1852. Die Lavamassen, die damals die Balle del Bove überströmten, wären allein hinreichend gewesen, daraus zweimal den Vesuv aufzubauen. Der letzte große Ausbruch auf der Aordvstseite geschah 1865; seitdem ereigneten sich alle großen Eruptionen auf der Südseite. Die letzte vor der jetzigen Katastrophe von 1910 schleuderte einen Monat lang gewaltige Lavamassen aus dem Innern des Berges.

Die Eruptionen des Aetna vollziehen sich im großen und ganzen immer in derselben Form; nur die Gewalt der Erschei­nungen ist verschieden. 'Wenn die geschmolzene Lava im Innern höher und höher steigt, so bildet sich eine Flüssigkeitssäule, die auf die Bergwände einen ungeheuren Druck ausübt; diese preßt daher die Flanken 'des Vulkans mit gewaltiger Wucht aus­einander und reißt in den Bergmantel lange Spalten, aus denen sich die Lava einen gewaltsamen - Ausweg schasst. Aus den auS- gewvrfenen Aschen- und Schlackenmassen schütten sich Kegel auf, und so bilden sich oft lange Reihen solcher riesiger vulkanischW Waulwurfshaufen, die unleretnanbet auf der Brrgflanke liegen.

Sine Ehrenrettung des Grsfsn SchsK.

Die Schack-Galerie, diese wundervolle Sammlung und Stif­tung, die dem früheren Kaiser vermacht und von diesent in München gelassen wurde, tritt in ihrer ganzen Bedeutung für die Kunst des 19. Jahrhunderts erst jetzt hervor, da sie von dem Direktor der Berliner Aationalgalerie, Ludwig Jasti, vollkommen neu geord­net worden ist. Jasti gibt nun auch im Verlag von ®. Hirth inj München ein neues Verzeichnis der Schack-Galerie heraus, das mit Erläuterungen ihres Begründers und Aeußerungen der Künst­ler versehen ist.Der Begründer führt uns umher," sagt Jufti int Vorwort, »und die Maler, die ihn begleiteten, sprechen über ihre Werke." Mit dieser neuartigen Erläuterung geht eine Ehren­rettung des Grafen Schack als Sammler .Hand in Hand, die durch diese Zeugnisse begründet wird. Schack ist ja als Sammler in ein ungünstiges Licht gerückt worden, indem er in den Lebensgeschich­ten von Marses, Feuerbachs und auch Böcklin als der manchmal unduldsame, von den Künstlern später hart angeklagte Mäzen er­scheint. Verstärkt wurde diese Nichtachtung durch die bitterbösen Bemerkungen Lembachs in seinen ..Gesprächen" und durch die kari­kierende Darstellung in Wilbrcordts RomanHermann Ising er". Scharr Hat die Meisterwerke, auf denen der unvergängliche Wert feiner Sammlung beruht, bis 1869 zusammengebracht,Gerade bis dahin aber waren ferne Einkünfte int Verhältnis zur Zahl und Bedeutung seiner Bilderkaufe recht bescheiden," sagt Justi,und nur durch persönliche Anspruchslosigkeit war es ihm möglich, die Mittel für so viele Erwerbungen zu erübrigen. Manche der von ihm geförderten Künstler und deren Freunde haben später über ihn gezetert und gespottet, well er so schlecht bezahlt habe, und diese abfällige Meinung hat sich ziemlich festgesetzt. Tatsächlich fanden die jetzt berühmtesten jener Waler darmlls überhaupt feine Käufer oder Besteller, Schack war ihnen Retter in der Rot und Mit­begründer ihres Ruhmes. Nachher erschien manchem wohl die Hilfe gering; das werden wir ihnen gewiß nicht verübeln, auch tricht, daß Feuerbach empört war, weil Schack keinen Platz für ein Riesenbild hatte, das er plante. Aber wir wollen es dem weniger Begüterten Landebelmann auch nicht verdenken, daß er mit feinen Mitteln haus hielt; er hat für jene Künstler mehr getan, als trgenb em anderer Sammler." Später hat dann Schack wenig mehr ge­kauft, und auch daraus sind ihm Vorwürfe gemacht worden.Der wahre Grtmd ist sehr traurig. Als der Besitzer, der mit so viel Glück erworbenen Meisterwerke nun über reichliche Mittel ver­fügte und mit weniger Sparsamkeit als bisher hätte kaufen können, begannen feine Augen schwach zu werden, und als die stattlichen Räume des Reubaues vollendet waren, bereit zur Aufnahme einer größeren Sammlung, da war er schon der Erblindung nahe. Roch konnte er sich an kleinen Bildern freuen und an größeren mit dm Augen entlang gehen. Aber 1880 war er froh, von dem Fvrt- schreiten des Gemäldes für seine Grabkapelle zu hören, sehen konnte er nicht mehr." Er, der auch als Dichter die verdiente Anerksa- mmg nicht gefunden, ist als Förderer der Kunst schwer verkannt worden, und bescheiden, aber im Vollgefühl des Geleisteten durfte er sagen:Wenn es mir gelungen ist, den Dann der Verkemnmg, unter dem Deutschland schon so viele feiner besten Söhne verküm­mern ließ, auch nur von einem derselben hinweg zu heben, so werde ich mir in meiner letzten Stunde sagen können, daß ich nicht ver­gebens gekbt habe."

Aus der Geschichte der Aetna-AusbrKche.

Dasalte wunderbare Ungetüm, wie bereits Saeton mit angstvollem Staunen den Aetna nannte, zeigt wieder einmal seine furchtbare Kraft in den heftigen Ausbrüchen, die tu Catania und der übrigen Umgegend des Berges eins furcht­bare Panik entfesselt haben. Dieser gewaltigste unter den euro­päischen Vulkanen, der Berg, der nach Arivstmit seinem Feuer die Rächt zum Tage, den Sag mit seinem Rauche dunkel rnacht," hat die Menschheit stets mit einem ehrfürchtigen, mit Grausen gemischten Staunen erfüllt. Die Alten nannten ihn Pfeiler des Hinmtels" oderSchlüssel der Erde", die Araber gaben ihm den NamenDjebek", d. h. Berg schlechthin, woraus die manchmal vorkommende BezeichnungGibello" entstanden ist. Schon die ältesten Bewohner Siziltens flohen, als dis Feuer des Berges jahrelang verheerend hervorbrachen. Wieviel Jahrtausende seitdem vergangen sind, wissen wir nicht, aber in der geschichtlichen Zeit hat der Aetna nie lange Ruhe ge-

Katastrvphe verbunden. Zwei Brüder retteten ihre alten Eltern auf ihren Schultern vor dem Lavastrom, und Bieter wich vor den frommen Söhnen zurück und verschoirte fte. Vielfach in der! antiken Literatur begegnen wir dieser Geschichte. "Auch sonst beschäftigte sich die Phantasie der Alten mit diesem feuer» fMenden Mesen. Der Mythus berichtete, daß die Rieselt Snceladus und Typhim hier lebendig begraben seien und durch ihre gewaltigen Anstrengungen die Erde erschütterten; hier sollten Vulkan und die Zyklopen bem Jupiter die Blitze schmieden. Von dem Philosophen Empedokles berichtete später die Sage, daß « sich in den Krater des Aetna gestürzt habe, um das Geheimnis des Erdimrern zu ergründen. Zahlreiche Ausbrüche sind aus dem Altertum bekannt, und verschiedene antike Städte wurden durch diesen gefährlichen Nachbar ver­nichtet, so Naxos, Hybla u. a. Auch im Mittelalter verknüpften! sich bald Sagen mit dem Berg, von dem der Kardinal Bembo in seinem 1495 geschriebenen Dialog über den Aetna sagt: Unvermählt ragt er. keines anderen Berges Bund feiner wert achtend, und hält sich unberührt in den eigenen Grenzen." Wie eine Säule, die den Himmel trägt, erhebt der Aetna sich über alle anderen Gipfel der trinakrifchen Gebirge um Tausends von Fuß, und die andern Berge scheinen in scheuer Ehrfurcht rings um seine kreisförmige Basis zurückznwrichen.

3m Jahre 253 n. Ehr. ereignete sich in den Tagen, da dis heilige Agathe in Catania den Märthrertod erlitt, ein ge­waltiger Ausbruch, der die Mauern der Stadt erreichte. Seit­dem gilt der int Dom von Catania aufbewahrte Schleier den Heiligen für ein wundertätiges Mittel, um der drohenden Lava Stillstand zu gebieten, und bei vielen späteren Ausbrüchen sandten die Bischöfe von Catania diesen Schleier an die be­drohten Orte. Freilich konnte man auch mit der Reliquie den verheerenden Laus der Feuerftröme nicht aufhalten, und durch das ganze Mittelalter hin wütete der Aetna, zerstörte besonders in oen Jahren 1329, 1536 und 1669 alle umliegenden Ortschaften.

Als die schrecklichste Katastrophe feit dem Altertum gilt dis Ä?- Wahres 1669. Die Monti Rossi, das Zwillingspaar roter1 Aschenkegel, das allen Besuchern des Aetna wohlbekannt ist,