Phon die Punkte und Striche des Morsealphabets als musikalische ffiSSÄ * i.k Mbk T°I--«»>°.-S 6er Weltkrieg zum erstenmal die Probe auf die allgem eins Brat'ckbarkeit der drahtlosen Telegraphie stellte. Die Verhältnisse, £S die einzelnen Nationen in den Kmeg traten waren vurckaus verschieden. In England, Frankreich und n^ mehr n deii Vereinigten Staaten war die Betätigung auf dem Vadtogebtet jedem freigestellt. Es fanden sich infolgedessen in dteseiteLandern Lausende, 'wenn nicht Hunderttausende von Amateuren, welch- a reiner Liebhaberei sich mit der Materie vertraut gLmacht hatten. Diese benutzten naturgemäß die sich im Kriege biegende gelegen beit ihr Können zu zeigen und strömten in Scharen freiwillig zur' Front, wobeisie teilweise sogar selbstangefertig e ApPa- rate verwendeten. In Deutschland Ivar durch die Bestimmung des Telegraphengesetzes die ^.schaftlgung der drahtte^nDcle- araphie nur den wenigen auf diesem Gebiet tätigen Firmen uns Lea Angestellten derselben in dem Rahmen der Ftrma gestasteft Bei der Schwierigkeit der Materie war es dann trotz besten Willens nicht mehr möglich, während der Kriegszeit «nere genügend großen und brauchbaren Stamm von Leuten ausza bilden die in der Lage waren, die Radistelegraphie so ausgu- nutzen' wie es diese Technik an sich gestattet. Ev sind dem deutschen Volke ganz außerordentliche Schädigungen aus drr.em Mangel an Aadivamateuren entstand^, über Oie, tm einzelnen au sprechen zu weit führen würde. Gin allgemeiner Gesichts- wmkt läßt hier bereits die Dichtigkeit der .-Behauptung erkennen. Bekanntlich hängt die Leistungsfähigkeit einer -^'uppe und auch einer Heeresleitung in erster Linie von ,der SchneMkeit d^ Nachrichtenaustausches während der Kampchandlang ab. -.a us« apparate in vorderster Stellung gaben denn Feind: die Mogloch- teit, jede Wahrnehmung und . dergleicyen, innerhalb, ,weniger Sekunden rückwärts zu melden, während ein.Kurierdienst tme O- aus deutscher Seite vorzugsweise Anwendung fand, für gleiche Mengen Stunden verbrauchte und viel, seltener durchgefuhrt werden konnte. Die deutsche Industrie und die Heeresleitung haben gegen Ende des Krieges die größten, .Anstrengungen gemacht, Geräte herauszubringen, die der Bedienung eines wenig sachverständigen Personals zugänglich waren. Naturgemäß tonnte aber ein Ausgleich an die Derhältmsse auf der Seite des Feindes nicht erreicht werden, wo noch begünstigend die Latsche hinzukam, daß bei Ausscheiden eines Funkers sofort aus den Reihen der Grabenoesatzung Ersatz zur stelle war.
'Bedenkt man, daß alles dies einzig und, allein Darauf zurückzuführen ist, daß ein Radioamateurwesen j.n Den!sch.and behördlicherseits verboten war, so müßte man annehmen daß nach dem Kriege schleunigst hier eine Aenderung eingetreten Ware. Genau das Entgegengesetzte ist der Fall. — Vor alten ‘ote Feindesstaaten haben in der Zeit nach dem Kriege in der Radiotechnik eine Entwicklung durchgemacht, für dm selbst den Ein- aeweihtesten in Deutschland volle Uebersicyt „fehlt. Man wurde in Deutschland auf die dortige Entwicklung überhaupt erst aufmerksam' als im Jahre 1922 mehr oder weniger berechtigte Händler in Deutschland erschienen und alles, vxrs nur wie ein Funkgerät aussäh und sich hierfür zu eignen schien, aufkauften: Nachforschungen ergaben den inneren Zusammenhang.
Durch die Entwicklung der drahtlosen TeiegraPhie wahrend des Krieges waren Apparate ausgebildet worden, welche bei einfachster Konstruktion die Möglichkeit gäben, einen Lelephonte- verkehr 'in höchster Vollkommenheit drahtlos durchzufuhren. Wiederum waren es die Amateure, die hieraus zunächst Witzen zogen, indem eine Anzahl kleiner Telephoniesender und Empfangsstationen von diesen gebaut und in Betrieb gesetzt wurden. Die Industrie war tüchtig genug, die sich bietende Chance sofort mit allen Kräften auszunutzen. Lind es entwickelten suo Verhältnisse, die man kurz unter dem Namen „Broad-Casting- Bet rieb" bezeichnet. Dieser besteht darin, daß Nachrichten der verschiedensten Art, wie Kvnzertvvrträge, Reden usw d'-obtlos entsendet werden, um Fernwohnenden von diesen Mitteilung zu geben. Allein im Staate Neuyork sind im Frühjahr 1922 über 1 000 000 solcher Droad-Easting-Em Pfanger n Betrieb gewesen. Mangels jeder behördlichen Vorschrift ent» fand nach kurzer Zeit ein völliges Durcheinander und jetzt erst »ielt es die Negierung für erforderlich, Bestimmungen für die drahtlose Telephonie herauszugeben. In welcher Weise diese De- iimmungen vorgenommen wurden, läßt erkennen, wie weit die Sachkenntnis und Einsicht der Behörden ging. Weit entfernt davon, den Brvad-Casting-Verkehr einer hemmenden amtlichen Kontrolle zu unterwerfen, beschränkte man sich in den 11. S. 21. einzig und allein daraus, ein Wellenbereich festzusehen, der von dem Droad-Casting benutzt werden durfte, während Bestimmungen für den Cmpsang gänzlich vermiedeii wurden. Die Auswirkungen derartig segensreicher Verordnungen sind heute ersichtlich. Das Durcheinander des Anfangs verschwand ganz automatisch und führte zu einer Regelung des Betriebes, welche das höchste Lob für die Industrie und für die Amateure bedeutet. 2lus drahtlosem Wege gibt man dem Landmann Berichte über Wetter usw., den Kindern erzählt man auf drahtlosem Wege zur Schlafenszeit Märchen und verbindet diese Erzählungen mit erzieherischen Momenten. Den artigen Kindern vermögen die Eltern Lob und Anerkennung zukommen zu lassen, während unartige Kinder statt der erwarteten
IckSnen Erzählung eine Strafpredigt vernehmen, deren Wirkung um f^naMicklicher ist, als hie Worte im wahrsten Sinne vom Himmel kommen. Erwachsene finden ihre Freude cm musMlischen Darbietungen der verschiedensten Art von Opernvortragen bis zum Keimkonzert oder einem Hazzbandorchester oder Zerstreuung oder Belehrung an wissenschaftlichen oder unterhaltenden Vorträgen.
Nickt ganz so vollkommen, aber doch auf gleich Bretter Nasis steht der Broad-Easting-Verkehr in den meistm Kulturstaaten Selbst kleine Staaten des mittelamerikanischen Konuneats eilTpm nocb freute in feinet Kultur \<in fret bet
tionen steht sich gerade auf diesem Gebiet, welches wie rein anderes berufen ist, dem Volke inneren Wert zu geben, sich in diese rückständige Stellung hat drängen lassen. Die drei Grvßfirmen: Aelefunken, Lorenz, Huth wurden allein zur Bettung ins Pvstministerium berufen und es wur^ folgende V«- einbaruna getroffen: Der Sendebetrieb geht nicht an die Hand der Allgemeinheit oder einzelner Gesellschaften, sondern verbleibt ausschließlich der Post, welche zufolge ihrer Organisation und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit außerstande ist, dem Pro- «ramm Wechsel und große Mannigfaltigkeit angedeihen zu lassen. Empfanqsa^arate müssen besondE von der P->st vorgeschiie- benen Forderungen genügen. Diese Forderungen werden unter Berücksichtigung der den Großfarmern gehörigen Patente so Kau» futtert werden, daß praktisch selbst dann wenn der Wumch vorliegt oder wenn es der Wortlaut der Verordnung gestattet, andere Firmen als die Dertragsparttier nicht tu die Lage kommen Apparate bauen zu können. Die Post selbst soll nach den vorhandenen Informationen den Einbau der Empfangsstationen vornehmen, wodurch der Bezug solcher Sl.atio!mn eme Höhe erreicht, die eine allgemeine Einbürgerung unmöglich macht. " Einsichtige Kreise sind bei der Arbeit, die Monopolgefahr un Radio-Amateurbetrieb zu durchkreuzen, ©men Zusammenschluß aller an dem Radivbetrieb interessierten Kreise Ersuch, der unter der Lügdes bekannten Wissenschaftlers DrNesper sehende deutscke Radio-Club; eine Zusammenfassung aller Fabrikanten bildet der Verband der Radioindustrie, der ferne Mttgltederschaft jedoch nicht auf Fertigfabrikanten beschrankt, sondern^uliefer^tM und Fabrikmiten von Teilgeraten, sowie die Hersteller von Rohmaterialien und die Exporteure und Grossisten umfaßt. Millionen und «bei- Millionen von Arbeitern und Angestellten wur^n bei einer sinngemäßen Entwicklung der Radio,echntk Arbeit und Ver dienstmöglichkeit finden. Gewaltige^ Kapitalien konntet nutzbrtn- aend in die Bewegung gestellt werden. Ganz abgesehen von ute fem wirtschaftlichen Faktor, mutz auch auf die bringen^ A° wm- digkeit hingewiesen werden, für Deutschland den W^ offen zu halten, der/wie kein anderer, für die Verbreitung der wertvollsten Kulturgüter berufen und geeignet ist.
Die Fran und die Landschaft.
Von Stefan Zweig*).
Es war in jenem heißen Sommer, der durch Regennvt und Dürre verhängnisvolle Mißernte im ganzm Lande verschuldete und noch für lange Jahre im Andenken der Bevölkerung gefürchtet blieb Sckon in den Monaten Juni und Hut.waren nur verem- zelte flüchtige Schauer über die dürstenden Felder hingestreift, äber seit der Kalender zum August übergeschlagen, fiel uterhaupt kem Tropfen mehr, und selbst hier oben, m dem Hochtale Dtm)ls, wo H, wie viele andere, Kühlung M finden gewähnt hatte, glühte dw Luft safranfarben von Feuer und Staub. Frühmorgens schon stamste die Sonne gelb und stumpf wie das Auge eines Fiebernden vom leeren Himmel auf die erloschene Landschaft und mit den steig^den Stun- den quoll dann mählich -in weißlicher druckender Dampf aus dem messingenen Kessel des Mittags und uberschwulte das trat. Allmählich erstarb in dieser sinkenden Welt welkender Pflanzen, hinsckmachtenden Laubes und versiegender Bache auch innen alle lebendige Bewegung, müßig und träge wurden die Stunden Ich Die die andern, verbrachte diese endlosen Tage fast nur mehr tm Zimmer, halb entkleidet, bei verdunkelten Fenstern, in einem willenlosen Warten auf Veränderung, auf Kühlung, in einem stumpfen, machtlosen Träumen von Regen und Gewitter Und bald wurve auch dieser Wunsch welk, ein Brüten, dumpf und willenlos wie das der lechzenden Gräser und der schwüle Traum des reglosen, dunfl- umwölkten Waldes. _
Aber es wurde nur noch, heißer von Tag zu wag, uns oer Regen wollte noch immer nicht kommen. Ich hatte htnausgeyen
*) Von Stefan Zweig ist vor einiger Zeit im Insel-Verlag (Leipzig) ein Band „Novellen einer Leidenschaft er schienen, denen wir die vorliegende mit starken Kurzungen entnehmen; sie soll Zeugnis ablegen von der starten Kunst dre^s Dichters, Stimmungen fesizuhalten, geschlossene lebenspiuhende Erzahlungea hinzuwerfen, die in ihren Motiven freilich oft ins Absond^üche hineingreifen und nicht restlose Befriedigung S'nterlassen Dafür sind es „Novellen einer Leidenschaft". Die plötzliche Retzbartet, die einem Menschen zu überfallen vermag uns ihn aus dem Geleise bringt, steht im Vordergrund der Geschichten, von denen sie Eingangsnovelle „Amok", nach der das Buch genannt ist, ue er schütterndste ist.


