116

Schristleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Brühl schen Univ>Buch- und Steindruckerei. R. Lana«, Giehi

itn.

Ts sangen lachend, voll Seligkeit Die rheinischen Burschen und Mädchen, Als fern von Kummer und bitterem Leid 2koch träumten die Dörfer und Städtchen. Doch jetzt, da Not gepackt euer Land Mit stahlhart gepanzerten Klauen, Jetzt hebet zum Schwure empor hoch die Hand, Singt mutig in Kraft und Vertrauen:

Deutsch bleibst du, König Nhein!

Das schwören wir dir zu.

Deutsch sollst du ewig sein. Wir bleiben deutsch wie du!

Du deutsches Volk du am deutschen Rhein! Wie einst du begeistert gesungen Von Sonne, Liebe und perlendem Wein,

Deutsch bleibst du, König Rhein

Rheinlied von K. Wind.

Viel tausend Lieder, mein Vater Rhein, Dir wurden begeistert gesungen.

Von Sonne, Liebe und perlendem Wein Hat jauchzend das Echo geklungen.

Doch jetzt erbrauset ein anderer Klang,

Hallt wider in Felsen und Klippen, Wie stürmender Wetter wildtosender Sang Erschallt es im Schwur von den Lippen:

Deutsch bleibst du, König Rhein!

Das schwören wir dir zu.

Deutsch sollst du ewig sein, Wir bleiben deutsch wie duk

Eine Spiel-AussteUung.

Die diesjährig« DresdnerJahresfchau Deutscher Arbeit", di« unter dem Zeichen vonSpiel und Sport" steht, bietet in ihrer Kulturabteilung einen geschichtlichen Ueberblick über dies weite Gebiet. Besonders interessant sind die Räume, die sich mit dem Spiel beschäftigen. Wie Paul Sorgenfrei imKunstwanderer" be­richtet, ist hier ein. überaus reiches, in solcher Mannigfaltigkeit wohl noch nie zusammengebrachtes Material vorhanden. Der Di­rektor der Züllchower Anstalten bei Stettin, Pastor Jahn, hat aus seinem Spielmuseum eine Schau zusammengestellt, die von ältesten Spielen und Spielsachen bis zu modernen reicht. Dr. Fuchs gibt eine Uebersicht über das Spiel der alten Griechen und Römer, bas in plastischen, photographischen und anderen bildlichen Dar­stellungen vorgeführt wird. Man findet hier Aufschluß über die Geschichte der ältesten Spiele, die im Prinzip bereits manchmal eine merkwürdige Uebereinstimmung mit den neuesten zeigen. Sv ist z. B. das japanische NationalspielGo", dessen Alter auf 4000 Jahre geschätzt wird, ein ideales Brettspiel, das noch heute als Vorbild dienen kann. Das altgriechische Spiel Rhythmomachia ist ein Zahlen-Schachspiel, das auf Pythagoras zurückgehen soll. Kungser ist ein altes Nationalspiel der Tibetaner, aus dem sich dann später die sog. Delagerungsspiele entwickelt haben. Auch die Geduldfpiele reichen schon bis in die graue Vergangenheit zurück. So haben die Tibetaner ein uraltes Juwelenspiel, das sog. Alapala, das in den Lamaklöstern viel gespielt wurde. Die

Daß jauchzend das Echo geklungen--

Sv brause dröhnend es jetzt stets aufs neu

Hell über des Unwetters Toben

Als rheinisches Sturmlied, als Schwur ew'ger Treu'

Zum Herrgot im Himmel dort oben:

Deutsch bleibst du, König Rhein!

Das schwören wir dir zu.

Deutsch sollst du ewig sein, Wir bleiben deutsch wie du!

diese antike Zeitmessung, und noch 1586 stellte Papst Sixtus V. ein solches monumentales Uhrdenkmal vor der Peterskirche auf. Doch erst die Idee des Schattenstabes, des Polos, der in der Richtung der Weltachse, also senkrecht zur Aequatorebene, stand, ersparte die Messung der Schattenlängen und schenkte der Mensch­heit die eigentliche Sonnenuhr, die bald als Horizontal- oder Ver­tikal-, bald als Äequatorial-Sonnenuhr auftrat und bis ins 18. Jahrhundert hinein beliebt gewesen ist. Trotzdem die Erfin­dung der Räderuhr schon viel früher erfolgte, trennt uns doch erst wenig mehr als ein Jahrhundert von der Sonnenuhr, die wir heute nur noch in verschlafenen Rokokogärten als merkwürdige Anlage finden.Bis ins 18. Jahrhundert hinein aber wurde die Sonnenuhr auf Reifen mitgeführt und in der Tasche getragen. Die Handwerker und Instrumentenmacher der Zeit wetteiferten, diese Zeitmesser in möglichst kostbarer und schöner Form herzu­stellen. Solche kostbaren Sonnenuhren finden sich noch zahlreich in Museen, und Alfred Rohde, der soeben im Verlag von Klink- hardt.und Biermann zu Leipzig eine interessanteGeschichte der wissenschaftlichen Instrumente vom Beginn der Renaissance bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts" erscheinen läßt, widmet diesen Sonnenuhr-Kunstwerken das erste Kapitel. Zunächst lag die Ver­fertigung der Uhren ganz in den Händen der Gelehrten, die sich mühten, möglichst genaue Zeitmesser herzustellen. So hatte z. B. Regivmontan, der die astronomischen Berechnungen auf eine teste Grundlage stellte, eine eigene mechanische Werkstatt. Erst seit 1530 lösen die Handwerker in der Jnstrumentenfabrikation die Wissen­schaftler ab, und zwar übernimmt Augsburg die Führung, wo sich die ersten bedeutenden Werkstätten entwickeln. Ein Meister, der aus diesen Augsburger Werkstätten hervorging, Ulrich Schniep, arbeitete hauptsächlich kleine Reise-Sonnenuhren, die in schön ge­schmückten Kästchen waren und auch den Laien die Ablesung der Zeit gestatteten.

Erlesene kleine Kunstwerke sind die Sonnenuhren, die dann im 16. und 17. Jahrhundert von wohlhabenden Leuten getragen wurden. Sie wurden aus Elfenbein oder auch aus Solenhvfer- stein hergestellt, mit schönen Bildern oder reicher Ornamentik ge­ziert und sehr handlich gearbeitet. Zwei Platten, die zueinander rechtwinklig stehen und durch einen Faden als Schattenzeiger mit­einander verbunden werden, bewährten sich wegen ihrer Flach­heit besonders als Taschenuhr und waren im 17. Jahrhundert sehr beliebt. Neben diesen Horizontal-Sonnenuhren waren auch Aequatorial-Sonnenuhren vielfach im Gebrauch, bei denen die Uhrebene paralell zur Aequatorebene verschoben ist. Auch hier schufen die Augsburger die besten Vorbilder, und diese Zeitmesser erfuhren sogar im 18. Jahrhundert eine Neubelebung durch die Arbeiten Düsseldorfers Claude Dunvd, der von der Räder- uhr gewisse Verbesserungen für die Sonnenuhr übernahm. Diese Dunodschen Sonnenuhren aus vergoldeter Bronze sind mit reich­stem Schmuck ausgestattet und werden dadurch zu köstlichen klei­nen Kunstwerken. Man konnte von ihnen nicht nur Stunden, sondern auch Minuten ablefen. Die Renaissance war die eigentliche Blütezeit dieser kleinen und zierlichen Zeitmesser, deren Fabrika­tion in den Augsburger Werkstätten gegen Ende des 18. Jahr­hunderts zu lebloser Erstarrung herabsank.

die das Leben der Vergangenheit festhalten. -Unter den alten Reise­spielen befinden sich viele Originale mit Kupferstichen,' ein Spiel das im Besitz Gellerts war, ist betiteltdas menschliche Leben" und zeigt farbige Kupferstiche mit Szenen aus Gellertschen Fa­beln. In einer besonderen Abteilung werden Bilder von spielen­den Kindern aus den verschiedenen Jahrhunderten vorgeführt, von Albrecht Dürer und A. v. Ostade über Chodowiecki und Schenau zu den Meistern des 19. Jahrhunderts Ludwig Richter und Pietsch, schließlich Fritz von Uhde und Hans Thoma, also durch 4 Jahrhunderte hin.

Rosenparadiese in der Mark Brandenburg

Man schreibt uns: Wie viele haben doch auch nicht die min­deste Ahnung davon, daßdes Heiligen römischen Reiches Streu­sandbüchse" nicht bloß aus endlosem Kiefernwald und weiten Wasserflächen, aus Berlin und dem Oderbruch besteht, daß sie vielmehr auch Gartenparadiese von kostbarem Wert und einer Schönheit umschließt, die man inmitten der weiten Heideflächen kaum erwartet. Freilich, wer die herrlichen Schloßgärten in und bei Potsdam gesehen hat, wird schon eines besseren belehrt sein. Aber wie viele Nichtbrandenburger wissen etwas von den groß­artigen Spargel-, Erdbeer- und Blumenkulturen der Mark. Doch sei hier nur von ihren Rosenkulturen die Rede. Berühmt ist die Aosenblüt« des Schloßgartens von Liebenberg, das grade jetzt wieder durch das bekannte fürstliche Memoirenwerk so viel genannt wird. Darm die einfach großartigen Rosenplantagen von Britz bei Groß-Berlin und die namhafte Rosenzucht von Buckow in der Mark. Ueberall dort beginnt sich dies Jahr, arg verspätet, erst jetzt die Rosenblüte voll zu entfalten. Aber es gibt noch ein Rosenparadies in der Mark, wo es die meisten kaum vermuten werden: in Forst, N.-L., der größten deutschen Tuchindustrie­stadt, unweit Kottbus. Hier, wo mitten in der sandigen Kiefern­heide der Niederlausitz ein ganzer Wald von Fabrikschloten auf ragt und des Abends der Lichterschein einer der größten Industrie­städte des mittleren Deutschlands sich weithin über die einsame Heide legt, ist es, wo 1913 eine der größten deutschen Rosenaus- flellungen stattgefunden hat. Auf der idyllischen, von der Lau­sitzer Neiße umflossenen Wehrinsel, wo die so zu Unrecht verschriene Mark zur allgemeinen Ueberraschung mit der Märchenpracht aus­wartete, die eine Massenblüte von 30 000 Rvsenstöcken ausstrahlt. Die Stadt Forst, die immer auch! das Auge für die Schönheit offen­gehalten hat, wußte sich dies Paradies zu erhalten und schuf sich auf dem Ausstellungsgelände des 50 Morgen großen Jnselparks den inzwischen weithin berühmt gewordenenOstdeutschen Rosen­garten", der unter dem besonderen Ehrenfchutz und unter der Mit­wirkung des Vereins deutscher Rosenfreunde steht.

altgriechischen Geöuldspiele sind wohl die frühesten ihrer Art. Be­rühmt war das Wandarinenspiel. Diese alten Spiele des himm­lischen Reiches waren meist in Elfenbein gearbeitet und wiesen kunstvolle Verzierungen auf; ebenso die altchinesischen Domino­spiele, die aus elfenbeinernen Stäbchen mit chinesischer Beschrif­tung bestehen. Unter den deutschen Spielen sind die alten Karten­spiele von künstlerischem und kulturgeschichtlichem Wert; manche von ihnen, wie der sog.Hamburger Ausruf", zeigen Malereien,