Ausgabe 
21.4.1923
 
Einzelbild herunterladen

t

>

8

t

1 t c t t

r >

2

c ti e

Friedrichs d. Gr. Flöte und Bachs Klavier.

(Kostbarkeiten der Berliner Sammlung.)

Die Sammlung alter Musikinstrumente bei der staatlichen Hoch­schule für Musik zu Berlin steht, was die Zahl der vorhandenen In­strumente betrifft, an der Spitze aller «Sammlungen europäischer Tonwerkzeuge. Die Zahl der Musikinstrumente beträgt etwa 32 0 0, von denen nur etwa 250 außereuropäische Stücke sind. Aber nicht nur die einzigartige Zahl der Gegenstände verleiht dem Museum seinen Wert, sondern es bietet auch ein Studienmaterial dar, tote

ihm der rote «Saft aus allen Spundlöchern fährt. Fährt schon. ®iner Pfeift laut zwischen Len Zähnen, die Finger im Maul. Schreit: »Sie kommen!" Keiner sieht etwas. Aber sie stellen sich auf die Zehen. Aun sind die langen Lackl obenauf und die halb- ausgebackenen Dürschel haben nichts zu schauen, als den Buckel vom ,Vordermann. Gehör hilft: Hufe klappern. Sie kommen, meiner Seel, kommen die Drennerstratze herab. Die Weißröck', die Kaiser- Ilchen! Fremde klopfen einander auf die Achsel. Erzählen sich's, dav ste da sind. Etliche wissen schon genau, wieviel ihrer sind Ganze Regimenter. Die ganze Armee.Bivat unser Kaiser Franz!" Run steht man sie. Voran ein Offizier. Dann Dragoner. Freilich nur vier... sechs... sieben. Aber einer aus der Menge weiß: »'s ist erst das Pikett!"

Schon hat man sie mit Blumen beworfen. Woher? Wer mag's wissen. Sind Blumen. And wenn sie zu Boden fallen, kriechen Bub oder Dirndl zwischen die Hufe und heben sie wieder auf. Dann fliegen sie noch einmal mit ein bisserl Dreck. Schadt nichts, sind eh staubig die Dragoner, vom Marsch. Die Menge streichelt dir Rösser. Eins mag's nicht leiden: bäumt. Aber wenn auch etliche kreischend davvndrängen, bald hängen soviel am Zügel, Laß der Gaul nimmer steigen kann, das arme Vieh.

Fix Laudon, die Infanterie! Gleich fallen sie über die Ver­dutzten, Bestaubten her: ,,Wv sind die Falotten Tot?"Alle tot sGut ist's!" And die einfachen Soldaten, nicht eben jeder em Held, kommen sich vor wie mindere Heilige. Als nun gar wieder einige daherreiten, werden die Rösser umhalst und geküßt. Haben alle den Berstaird verloren.

Da ist eine Lücke: Teifel, wer mag das sein, der so ganz alleinig reitet auf dem schönen Schimmel, einen Dreispitz über dem langen, feinen, abgebarteten Gesicht?Der Schatler! Der Schat- ler!" Vom guten Kaiser Franzl ist er eigens hergrschickt, um das Landl zu befreien. Eine ganze Armee bringt er mit:Bivat! Vi­vat!" Die Weiber fallen schluchzend über ihn her, ja eine küßt des Rosses langen Fasanenfchweif, und das edle Tier hält still. Der Ennemoser, Mühlthaler von Patsch, vom Glücke trunken, wer weiß, ob nicht auch von Traubenblut, verdreht die Augen wie im Krampf und schreit:Bist gar der Kaiser? Vivat! Sollst leben!" Und er ist der seligste Mann in Tirol, heut', wo doch das Glück nur so in Strömen auf der Gasse rinnt, daß man's möcht' aufklauben. An­geprüft geht's zu den Ohren herein, vermehrt sich in erhitzten Hirnen, und, schon Gewißheit, entladet es sich bei den Weiber­leuten, indem sie, entlastet von Alltagsschicklichkeit, befreit von der Angst vor Plünderern und gereizten Soldaten, umschlagend aus banger Zurückhaltung zu wildem Aeberschwang, alles umarmen und abbusseln, was sich ihnen naht: so Kind als Greis, so Buben wie Dirndln. Ha, eine nimmt gar einen wenig liebenswerten Wau­waumischling beim Kopf und küßt ihn auf die nasse Schnauze. Dann aber kommen die Sieger an die Reih, wenn sie auch im Landl noch nichts besiegt. Verdutzt über all das unverdiente Glück, im dicken Loden, keuchend unter schwerem Gepäck, müd vom langen Marsch, erfroren vom Schneegestöber droben auf dem Brenner, nehmen sie Flaschen, ihnen hingehalten, und tun jeder einen vollen Zug, stecken Blumen an, halbwelk schon und beschmutzt. Hüte saufen in die Luft. Raufen gibt's um's Wiederfinden. And die Dirndln tan­zen. Drehen sich ganz allein selig im Kreis. Plötzlich aber wird's ihnen zu dumm, und sie gehen eingehängt mit den Soldaten, lassen sich busseln, die Augen geschlossen, die Lippen naß geöffnet. And da es der Soldaten gar nicht viele sind, die der Kaiser nur hat schicken können, weil er doch in der andern Welt die großen Schlach­ten schlagen muh, so find's nun noch einmal so viel.

Vor ihnen reitet der Schatler und lächelt und winkt. Kommt sich erstaunlich vor, der alte Offizier, unter den Rebellenhaufen, die doch die Arbeit schon getan für ihn und feine Soldaten. Denkt im tiefen Innern feiner Marquis-Feldmarschalleutnants- und Philosophenfeele:Volksgunst, Hetze. Vvlksgunst!" nimmt sie aber an im eigenen Ramen, und für den kaiserlichen Dienst, und für feinen hohen Herrn.

An der Wache lösen die Soldaten allsogleich die Lackl ab. Ruhig gehen die Bauern ins Wirtshaus, sich einen einzutun. Der Schatler aber teilt Landstürmern Mjd Stadtvätern mit: er hat die Kvmmandogewalt übernommen. RUn ist ein Herr in Innsbruck statt ihrer zehntausend, statt vielleicht auch keinem. Erzählt, wie er in Sterzing den Hofer Ander getroffen, und von der Tapferkeit der P'fseirer, und von des Sandwirts langem, schwarzem Bart. Sie lauschen voller «Staunen. Sandwirt? Kennt ihn Wohl dieser, jener, doch die Menge reißt die Ohren auf: Sandwirt? P'fseirer? Südtirol? Sein 3nn tatet, Oberländer! Ist gleich: Tiroler alle.

Gott erhalte, Gott segne das Land Tirol!

Rehmen die Hüte ab wie zum Aveläuten und sprechen Amen.

her Feldmarschalleutnant ins Wirtshaus tritt und dasteht in der goldbestickten Generalsuniform, der Marquis Johann Gabriel von Chasteler-Courcelles, mit dem hohen Kragen, darein das lange, vornehme Gesicht bartlos sinkt, will das Cenert gar nicht aus dem Gastzimmer hinaus, das Essen anzuschaffen, immer muh es all den Glanz anstaunen. Ist auch nicht stolz, der hohe General, nein, er spricht mit einem jeden, streicht dem Lenerl die Wange, daß es schnell gehen soll mit dem Essen, denn die Herren haben einen grauslichen Hunger.

Wie nun der Schatler dasitzt, drängen sich drauhen auf der Gasse an den Fenstern die Leut', Hände an den Scheiben, zu sehn, wie er ausschaut, der Kaiserliche Feldmarschalleutnant. Ja. solche, die nie dem Wirt einen Kreuzer zu lösen gegeben, treten ein und trinken ein Viertele, ein Wörtlein zu erhaschen, was er sagt. Ms nun die Wirtin dem General erzählt vom Karnpf auf dem Moos, und daß der Sandwirt noch in der Stadt weilt mit feinen P'sseirern, schickt er seinen Adjutanten, ihn zum Rachtessen einzu- laden. _

Wenige Minuten sind verstrichen, La tut sich die Tur auf. Tritt der Ander! ein im riefengrünen Hut, behält ihn auf, nach Dauernart. Da fährt der hagere General empor: hat nicht gewußt, bah es so einen gibt im wilden, fernen P'sseier. Run stehn sie einander gegenüber: der Schlanke mit dem feinen, glatten Marquis­gesicht und der gewaltige Bauer im langen, schwarzen Bart. Wie die schmale, weihe Hand, die sonst den Handschuh trägt, in der großen, roten Bauernsaust liegt, beugt der Sandwirt nicht einen Zoll den steifen Tirolernacken, aber der Marquis verneigt sich. Höfische, wie Offizierssitte haben's ihn so gelehrt. «Stumm schauen sie sich an Wird dem Ändert nicht leicht, vor dem Herrischen ein Wort vom Mund zu lassen, während er kein Übles Redhaus hat, wenn nur der Rechte dasteht, etwan der Zwölfer oder gar der Spöck, wo er reden kann, wie halt die Lackl reden. Auch der Mar­quis weiß nicht, was sagen, im ersten Augenblick. Mit einem Bauern kann man ja nur vom Vieh sprechen, vom Hof und von der Ernte, von der Messe und vom Wetter. And die zwei blicken sich, nicht ohne Bewunderung, ja Wohlwollen an. Doch der Feld­marschalleutnant findet 6a8 Band. Besorgt, die Bauern zu loben, wie's Erzherzog Johann geraten hat, sagt er:Ihr seid Helden! Wahre Helden! Ihr habt gefochten wie die Schweizer bei Sem­pach!" Sempach? Davon ist dem Anders nichts bekannt, und er schaut wesenlos drein. Als er aber die Aufforderung erhält, nieder- zusitzen, dankt er geschmeichelt; das Rachtessen, sagt er, hat er freilich sich schon eingetan. Doch ein Glaset Wein wird er nicht verschmähen, denn der Wein ist eine Gabe Gottes. And sie reden, reden vom Landl, immer vom Landl. Hetzt erst geht dem Ändert der Mund auf, ja, bald ist er heimisch, als säßen sie mitsammen im Herrgvttswinkel am Sand.

In Innsbruck aber stürmen nachts wieder die Glocken: der Feind, heißt es, kommt den Brenner herab. Tiefes Dunkel in der Stadt, Kotlaklern und Hallodri ein Fest. Stimmen grellen:Licht! Licht an die Fenster!" Kerzen erscheinen hinter beit' Scheiben. Immer mehr Lichtlein blinzeln auf. Bald strahlen ganze Stock­werke als sei Victorilicht und Vivatbeleuchtung. Aber ist blinder Lärm und wie die Lackl zum Berg Jsel geströmt, daher alles Glück und Anheil kommt, so fluchten sie nun zurück:Sakra, sakra, die Aachtruh ist hin!" Die kleinen verschlafenen Dirndln und Buben, die sich im Bettlein aufgerichtet, weinend, weil sie nicht wissen, was ist, müd' und daher ungezogen, legen sich wieder schla­fen Sakra, sakra!" die Lackl löschen das Licht. Innsbruck ist neu in Rächt versunken, Mentscher, Roher, Teigaffen, Laschen und Hallodri gehen um. Wann wird endlich Frieden einkehren in die verwilderte Stadt?

Sobald es tagt, heißt es: der Schatler kommt, denn tote die Erde sich näßt in weitem Amkreise, ehe denn ein Damm bricht, so dringt das Gerücht in die Stadt. Da läuten alle Glocken auf allen Türmen. Stürmen nicht:Es ist Zeit!", drohen nicht,Feind im Land!" klagen nicht wie das Zügenglöcklein nm eine arme Seel', die heimgefunden nach langer Jrrsal aus dem geknechteten Land Tirol, nein, sie läuten Glück und Vivat, lachen und singen, die Glocken von Innsbruck der Stadt. Fragt keiner mehr, wer ist ver­dächtig sind alle Tiroler. Wie herrlich es auch gewesen ist, wie die Lackl die Landfremden aus der Stadt geworfen haben, der Bürger ist doch nicht einen Augenblick zum wahren Glück gekommen. Ist die Sonne untergegangen, freut dich der Mond, spannst aber doch, daß die alte Sonne wieder scheint: die Kaiser­lichen kommen. Auch die rechtlichen Dauern freuen sich. Sind nicht in den Kampf gegogeu zu Plündern und Beutemachen. Sind fort von Haus und Hof fiir die heilige Religion; zu ihrem Schaden, denn der Fuß des Herrn ist der beste Dünger auf dem Acker.

Teifel! ist das auf der Wiltaner Straße ein Laufen und Ge- dräng, daß die entsetzte Mutter das Buberl auf den Arm nimmt, nur daß es nicht erdrückt werden mag. Rote Köpfe haben sie vor Erwartung und Glück. Sprechen alle immer die gleichen Worte: Komrnen's schon?" Fragen und sind doch eben noch selbst be­fragt. Schrein und Huchzen. Hält sich einer dennoch die Ohren zu, fängt er gleich selber an zu brüllen. Einen Dieb haben sie erwischt, der die Hochstunde seines Volkes ausnutzt zu seinem schmutzigen Ge­schäft. Aber der Kumpeter Ratzi haut ihm eine über den Grind, daß der Hallodri liegen bleibt. Hinterdrein erst sagt der Ratzi freundlich, 's könnt' sein, er wird ihm eine Waschen langen, daß