„Es ist Jett."
Georg v. Omptedavo'lvndete am29 März fein 60 Lebensjahr. Wir möch en ans d-ftfemAnlaß unseren Lesern eine Probe seiner reifen Erzählnngs- kunst versehen (seine Dächer sind in der Deutschen Derlagsanstalt, Stuttgart, erschienen) und wählen ein S.ück aus seinem legten Werke „Es ist Zeit", in dem er den Tiroler Aufstand von 1809 dichterisch behandelt. Sproß einer niederdeutschen, aus Holland stammenden Adelsfamilie, ist Ompteda sonst auf dem Gebret deS Romans der Sichler des deutschen Adels getoorbcn — nicht in irgendwie exklusivem Sinn, denn er ist sich des Wortes „Adel verpflichtet" stets bewußt gewesen und hat den sittlichen Maßstab dieses Wortes an die Menschen seines Standes angelegt. Dieser starke, aber nie sich vordrängende echische Gehalt hat nicht minder wie seine sichere Gestaltungskraft und frische Srzählerkunst dazu beige! ragen, Omp- tedas Werke im besten Sinn volkstümlich zu machen. 1863 in Hannover geboren, über ein Jahrzehnt dem preußischen Heer als Husarenoffister angehörig hat er dann ganz seiner literarischen Arbeit geleot bei der ihm der unermüdlich geübte Sport Ompteda ist wie manche seiner Werke bezeugen, vor allem ein großer Bergsteiger geworden - immer wieder verjüngende Erholung.bet. Im Weltkrieg hat er noch einmal als Offizier seine Kraft m den Dienst des Vaterlandes gestellt. Seit Jahren hatte er seinen Wohnsitz auf Schloß Winkl bei Meran gefunden: nun muß er, wie so diele seiner Schicksalsgenvf- fen, der Ausländsdeutschen, sich im alten Vaterland eine neue Heimat suchen. ,
\ Es ist Zeit" schildert ein drückendes Joch der Fremdherrschaft und den Aufstand der Bauern um es abzuschütteln — eine Lektüre, die gerade heute von tiefer Wirkung ist. Sn dem nachstehenden Kapitel „Weitzröcke" tauchen die gegensatzlrchen Gestalten des Wiener Generals und Hofmanns und des Bauernführers Andreas Hofer zum ersten Male auf.
betäubenden Virtuosität ins Barock-Phantastische aufgeschwellt Welten und Himmel, Bekenntmsse und Ekstasen,, Spielereien und Bosheiten sind in dies »Bilderbuch ohne Bilder brneinstepsropft hineingehämmert, und Holz offenbart tabei eure UeW> gfelt der Einbildungskraft, eine überschwellende Fulle des Ausdimcks eme grandiose HäufilNg der Mittel, die ebenso den Reichtum wie die Verbohrtheit seines Talentes beweisen. Teuer unb toert tft un« aber diese Kunst gigantischer Maßlosigkeit, wert denselben Form-, Spiel- unb Bekenntnistrieb zeigt tote so manche kostbare urdeutsche Schöpfung, wie die wimmelnde Figurenwelt gotischer Dome, tote die sich in immer neuen Gestaltungen Dichtung Fischarts, wie Lvhenstems ungeheuerlich übersteigerter Etil uiid die von Anspielungen und Wschwel^ngen von Dstton und Wirklichkeit, Satire unb Traum durchwogte Stimmung Jean Pauls Seinem lyrischen Hauptwerk hat Holz ein ähnliches paro distisches Gegenstück in dem „Pandivinum Pandämonium und Pan Mysterium" der „Blechschmiede" zugesellt, ein »pAuckastis^s, orgiastisches Ton-, Bild- unb Wortmvsterium. das er auch einen ^gestürzten Wunderpapierkorb" nennt, ^dieser sehr amufan« len unb aeistdollen, aber verbitterten und überschrienen Abrech nuna eines bedeutenden Geistes mit dem Sinn unb W^M, Kultur und Wissenschaft, vor allem aber der Kunst und Dtchtung seiner Zeit, offenbart er skch als d^ temperamentvoll^ a^r g schmacklose Original, das nicht seinesgleichen hat, als der Meister !§r derben Pritsche, der „saugrob wie Luther seine klatschenden Schläge virtuos und übel legen auszuteilen weiß. - - ,
’ Eigenwillig, maßlos, verschroben, aber zugleich konsequent, kraftvoll unb ehrlich ist Holz auch in^ seinen l^ten Dramew Mtt den bewußt als Theaterware geschaffenen Stücken ^^umulus ,ms. fiät er feine Begabung für szenische Wirrungen er
wiesen. Auch seine „Sozialaristokraten", dieser köstlich beobachtete Ausschnitt aus der Berliner Boheme von einst, habe" Theater blut Bei seinen letzten beiden Tragödien, Sonnenfinsternis u Ignorabimus", in denen er wohl sein Lebenswerk geben wottw, überwiegt aber die Schwere des Naturells, die allzu, große Be lastuug mit psychologischem und Weltanschauungsstoff dre -Unaus- aeglichenheit und Geschmacklosigkeit seines Stils. Beidemal stesgert sich t>fe mühsam vorbereitete Katastrophe zum Schluß zu em tragischen Höhepunkt, der erschüttert. Doch der Aufwand ^r vorher verbrauchten Mittel steht dazu in keinem Verhältnis. Wir ebten unb bewundern das mannhafte Ringen, das ehrlic^Schas- ken dies^ Sechzigjährigen, der unser Schrifttum so bereichert hat, aberdie goldene Krone des Genies ixrnrögen tmrausseinwn Haupt nicht zu erblicken, höchstens den mit Dornen reich durchsetzten Kranz eines wackeren Kämpfers für Wahrheit und Schönheit.
Ein Professor der Ehemie war damals in Deutschland so selten wie ein weißer Rabe, unb als er an der Landesuniver- sität Gießen diesen Posten bekleidete hatte er zunächst unendlich viele Vorurteile zu überwinden. Er schuf hier mit Hilfe her Darmstädter Regierung ein Laboratorium, an dem bie Studenten eine praktische Ausbildung erhielten. Was für eine R^ volution das bedeutete, davon bekommt man heute, wo man sich Chemie ohne Laboratvriumsarbeit nicht 'nehrvorstellen kamst eine fckwacke Vorstellung aus den Verteidigungsartikeln, die Lievlg schrieb. Er erzählt uns u. a., bajj im, Jahre 1838 zwei junge Preußen nach Gießen kamen, um Chemie zu studieren, da es m ihrem Lande keine Laboratorien gab und daß ihnen von der preußischen Regierung befohlen wurde, sofort zuruckzukehren und von einem so revolutionären Beginnen abzulassen. Allmählich aber setzte sich mit dem raschen Wachsen seines toissenschaftlichen Ansehens auch die Lehrmethode Liebigs durch, und hauptsächlich aus seine Forderung hin wurden die deutschen Universitäten mit Laboratorien ausgestattet, die bann zu hoher Äerw)llkvmmnung gebracht wurden. Liebigs Bedeutung'für die GMichte der Chemie liegt nicht nur in der Errichtung des Gießener Laboratoriums und der Einführung des chemischen Unterrichts, sondern in lewer Entdeckung neuer Tatsachen, in der Verbesserung der vorhandenen Methoden unb Apparate, in der Ausbildung der theoretischen ®bemieunb in ihrer Anwendung auf alle Lebensgebie.e, vor allem ach bie menschliche unb tierische Ernährung unb auf bert Ackerbau. Der Landwirtschaft brachte er mit seinen Düngemethoden Auf- fiärung über den Haushalt des Bodens, sein „ Jreischextrcht . der seinen Namen über bie ganze Welt trug, toar Ergebnis seiner Grnährungsforschungen. Um die VerbrA ung und Bckanntmachung feine/ Wissenschaft hat er sich ein unsterbliches Verdienst erworben durch bie lichtvolle unb spannende Darstellung lewer „Chemischen Briefe", die für bie populärwissenschaftliche Literatur Mbnbredjenb wurden. Mit Gießen sind seine größten Leistungen, ist der: Ruhm seines Namens verknüpft. Nur ungern entschloß er sich 18o2 ach das Drängen des Königs Maximilian 11. nach Munchem über zusiedsln, wo er bis zu seinem Tode gewirkt hat. »Sch habe mich verkauft" sagte er damals zu seinem Freunde Pettenkofer. Als er am 18 April 1873, drei Wochen vor seinem 7C Geburtstag, Erie Augen schloß, da war fein Name unb fein a&erl in alten Seilen der Erde als eines „Wohltäters der Menschheit bekannt.
Aus Justus von Liebigs IugendLagen.
(Zu feinem 50. Todestage, 18. April.)
Der Todestag des größten deutschen Chemikers, des Begründers dieser Wissenschaft für Deutschlcmd, in der wirkte dm Welt vorangehen, Justus von Liebig, der sich am,18. April zum 50 Male jährt, lenkt unsere Blicke wieder zurück in sene Kindh^its taäe der chemischen Forschung, da der Chemiker noch als eine Art Alchimist und Goldmacher galt unb die Gründung eines wissenschaftlichen Laboratoriums eine unerhörte Neuerung ^^beutete. Liebt u faa das Experimentieren von Kindheit an tm Blut, unb er erbte diese bei ihm genial ausgebildete Kunst bereits von sein^ Vater der mit Farbstoffen handelte und allerlei Methoden nach- sann um seine Waren zu verbessern. Für bie Schule batte ber Heine Justus gar keinen Sinn und schmückte Mtanbig&ie lebte Bank so daß man ihn schließlich für „ganz untauglich erflärte unb ihn von der Schule entließ, weil er sich zuviel mit „Spielereien" abgab. Diese Spielereien waren seine naturwissenschaftliche" Versuche, unb die unternahm er mit größter Ausdauer.upb Kustn- beit tote er sie nur in erreichbaren Büchern beschrieben sand. Chemiker wollte er werden. Aber wo gab es .^wanden — abgesehen von dem fernen Paris, wo diefeWissenschaft damals bstihte , der ihn darin unterrichten konnte? Die einzige Form des Chemikers, die er kannte, war der Apothekewder ja als Mischer von Tränklein unb wunderlichen Mixturen dem Knaben der von ihm geliebten Geheimlehre am nächsten zu stehen schien., Sotrat er alfo als Lehrling bei dem Apotheker in Heppenheim m der Nahe seines Geburtsortes Darmstadt ein, merkte aber bald &en großen Anterschied, der zwischen dem gelehrten Studium und der beschrankten praktischen Anwendung bestand und kehrte entwiuscht nach zehn Monaten nach Hause zurück. Er war damals noch in rmturphilv sophischen Anschauungen befangen und schwärmte für ©cbell t ng, von dem er später gesagt hat. er sei ihm für feine Laufbahn sehr schädlich gewesen. Während seines Studiums in Bonn und Erlangen gründete er unter den Studenten naturwisstnschastliche unb chemische Vereine unb machte in Erlangen seinen Zwktor Die Freigebigkeit des Grvhherzogs von Hessen gestattete »m, seine chemischen Studien in Paris fortzusetzen SeiM Erstlmgs- arbeit über das Knallgas erregte tos Aufsehen der gelehrten Welt und brachte A l e x a n d e r v o n H u in b o l d t mit dem iun- aen Forscher in Verbindung. Humboldt, der Förderer aller Wissen schaftm, brachte ihn zu dem großen Chemiker Gay-Lussao, m dessen Privatlaboratorium er nun wirklich rn b-" b»r neuesten
Weitzröcke.
Es ist soweit: der Schatler kommt mit den Weißröcken Ms es Nacht geworden ist, ziehen sie in Sterzing ein Bald klopft s an allen Häusern und Gaststätten: „Gut Freund! Macht au ! Die
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