Samstag, 21. April
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1923 — Nr. 18
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©hfö 6er auf'eine „Erneuerung Les Sprachblutes" ausging, 6. 6. Die feinsten Schwebungen Les Sprechtons, die leisesten Nuancen Les Lebens nach genauester Beobachtung in Worten auffangen wollte „Ävtz Patte eine Art, einen mit feiner Meinung förmlich zu fee- Ä5 E wieder vorgekommen ist", meint Bahr von der fortreltzenDen Wirkung Die der junge Poet damals auf die Ge° lE^Eübte. So schuf er in seltsamster Zwillingsarbeit mit »^ ^ °^^^^bgengesetzten Johannes Schlaf jene Beispiele eines naturalrstlsch-rmpressivnistischen Stils, die stets merkwürdig ^'°en werLen,^ weil sie etwas Neues in unser Schrifttum brac^ r E 0 waren Las Wesentliche, als die Wieder-
wcht gehörter, nicht gefühlter Einzel- hTnM* , Kein Satz follte heraus, „bevor er nicht färben-
mn’nJf 9eii^wt?Ilc-n& womöglich duftend vor ihm stand". sLZ ea Melodie Les Regens, der flirrende Tanz der nA to r• siechen einer Fliege, sie waren sosinn-
nfm ftt? X S,eseBen- -nan sie zum erstenmal zu erleben S ^ouung aller mitfchwingenöen Stimmungen,
Des „Ambiente umhüllte die Stoffe selbst trotz ibrer Banalität mit einem hell flutenden Licht, das der Glanz des Lebens selbst zu tzin sch^. Das.war die „entscheidende Anregm-g^die Gerhart insseiner Widmung von „Dor SoMienausgang" erhal- V” t Me..^r ganzen Generation zugute tarn. Prosaerzcchlungen stärker als in dem Drama „Familie Seliae, das nn Dialog ein sehr feines Gehör für die a&Cr gat ^ine dramatische Kraft öte ^Erungen mit Hauptmanns ersten Dra-
SmS.e «5-^‘fcnMbD-n ” a3or Sonnenaufgang" ist die Toni der ö-d E^ies reines Wesen in eine verrottete s 4 9 gestellt, m der ein Trunkenbold die Hauptrolle spielt- der Kontrast der 'LeihnaHtsstimmung ist ähnlich^herausgearbeitet möiX’mri^r e t'' Aber wo Holz-Schlaf menschlich reiche Züge grau in grau nebeneinanr.er setzen, gestaltet der bedeutendere Geist einfarbenftaftkges, dramatisch ergreifendes Bild. Nicht die Fa« ÄÄLm .ä“1“'“"'1* ®"‘ma «.ä äx“« ä sää
Ä^en Disziplin, mit der er seine Keime entwickelt, feine Persönlichkeit erzogen hat. Zehn Jahre nach der „naturalistischen DhHf“Emooiyer Welt mit einer „Revolution der Tr™ X^?UE<:& &!cJr aU$ dieser Dichtungsgattung Len „großen W<g zur Natur zurück weisen wollte. Der Experimentator und „Bastler, der nun einmal in diesem Aufrechten steckt, der zum Broterwerb mit seinen geschickten Händen Spielzeug verfertigt hat, sollte die Poesie von dem „Leierkasten" des Reimes und beS Metrums befreien, auf jede „Musik durch Worte" verzichten und ledigäch einen inneren Rhythmus gelten lassen. Was er in seinen jj?°n<!n &eü>en „Phantasus"-Heften gab, war jedoch keine neue *0l'.nc.‘-aber eine sehr gelungene Llebertragung seiner impres. ! r Uch?" Dsobachtungskunst auf die Lyrik, mit einem köstlichen -DJorllt^C0£n UItZ? phantastischen Einschlag. Durch dieses Sinn«, tole »um Gegensatz, in die klang, ^^en Lieder des putschen Rokoko versenkte, kam er, der tiefe yyV’s“'0 6 Kenner des Wortes, auf Spielereien, die ihn in seiner j^SJafntö zu etner bewundernswert geschickten Nachadmuna der 4 fVUtinem^ÄtS witC" außerordentliche Dokument da»
fer ^ wahrlich em erratischer Mock in unserer Lyrik — ist di« Neuausgabe des Phantasus" (1916). Die einzelnen Gedichte sind hier mit einer ebenso bewundernswerten wie verwirrenden und
Arno Holz.
(Zu seinem 60. Geburtstag, 26. April.) Don Dr. Paul Lan da u.
beutsche Literaturgeschichte hat eine besonLere Dorliebe für ^tmllche Kaiser und unglückliche Thronprätendenten. Immer wieder *5* {m ^llen Licht allgemeiner Anerkennung
Stnfterni8 stoßen und einen neuen Gott tn ber Lebensarbeit eines Sana» olre Essings gesetzt wei-den. Für Lenz wurde der 6er h.nl Sencnimen, den Stil geschaffen zu haben, den
I D Lethe der Welt offenbarte. Grabbe wurde als der eigentliche große DramatiLr gepriesen, für Len Kleist gilt. Letzten ln ^Lse Reihe. Man suchte nach hm h„Kl9^rUn^ Widerpart zu dem vom Glück begünstigten, ? A 5Ruhmesglanz umstrahlten Gerhart Hauptmann und fand ihn ln dem stets schlecht behandelten „Vater des deutschen Qta= turalismus der selbst leidenschaftlich für seine Prioritätsrechte beltänbin»d sich m ver Rolle des Märtyrers gefiel. Durch dieses ^lt ^br -Slr ^.^?teter! verkannten Genies gegen den „Günstlina rüd|6tfm^idrrk -rmT' ^.D^JeIb^ in ein Sana falsches Licht ge- X“’ kvllte ihn durch sich selbst wirken lassen. Er ist gewiß T "9«n3e.r Kerl , ein eigenwilliger, krafidoll-knorriger Einsamer ein gewalager Sprachschöpfer, eine urdeutsche Erscheinung wie wir deren nicht viele in unferm Schrifttum haben
^hn- kik11 r6 ätrE$auVtäniti[i<^e- energisch draufgängerische ?™^r- ®ln leidenschafllrcher Neuerer und Kämpfer, wirkt der Ost- Anfang an, gleich wie der Hecht in dem trübe und mit damaligen Literatur, einer, der es
ernst nimmt, der den Dingen auf den Grund gehen will und unaufhaltsam vorwärts stürmt! Der Zwanzig- luhrige ist blind verliebt in den Klingklang der Sterne ator in ^nF^A^n9s°Ires? 93er'fe un& Strophen drängt sich dem scharfen ÄÄÄS“«1 *•M Ä
»Kein rückwärts schauender Poei Geblendet durch unfahliche Idole, Modern sei der Poet,
Ka Modern vom Scheitel bis zur Sohle."
Es ist eins der sympathischsten Bücher aus der Frühzeit der da- nmligen „Moderne dies Buch der Zeit, prachtvoll jung derb bis Mm Gassenjungenton, abe/erquickend ton Ä toav^ ^I(e Fialen Mitleids getragen und ^.' etnem krafagen dichterischen Schwung. Ein ungezwungenes OkÜelt /a 1 . ~-1 ~l<~ eine neue !
den vermickerten" Großstadtfrühling mit seinen
E^^E^feen, die dürftige Lichtstimmung des Hinterhauses das tragisch schwüle Treiben der Friedrichstraße bUI-eC 6«lndlosen Lärm der Fabrikviertel. Manche^dieser Eichte gehören hmite zum Bestände jeder Anthologie und werden l^iltur erbbe* bleiben für den Gefühlston einer bestimmten „^er eü genügte Holz nicht, neuen Wein in alte Schläuche zu hetzen, schmerzhaft peinigte ihn die unüberbrückbare Kluft zwischen vem, wa s er sagte und wie er es sagte. Er machte sich resolut frei wm allem Vergangenen und wollte an kein Gebot der Aesthetik ®° gebührt ihm das Verdienst, zuerst unter den nL,^5n«?^vmerii und Drängern über die Voraussetzungen einer seuen Kunst nachgedacht zu haben. Gr wunde zum Fanatiker eines


