Ausgabe 
20.1.1923
 
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EntbenMzer splittern mt> knicken wie Streichhölzer und oftmals erneuert werben müssen, .____ .

Um die ganze Grube, die sich von Oft nach West 2800 Meter und nach Süd und Dord 1500 Meter hinzieht, kennenzulernen, würde man drei Wochen gebrauchen, und es ist ein eigenartiger Gedanke, zu wissen, das; da über dec Erde der Werktag mit Lärm und Hast die Straßen von Ueberruhr füllt, daß d>e Sloje bis unter der Ruhr hinziehen! Dann geht der Weg zurück zum Förderschacht. Mit unheimlicher Geschwindigkeit sausen die Korbe abwärts, die Schachttür wird aufgeschlagen, statt der Kod-en werden Menschen .zutage gefördert. Das Signal ertönt, die Schachttür fliegt zu, ein 2tudE der Korb saust aufinanS.

Noch ganz benommen steigt man aus, ruft seinGlüchaus" als Avschiodsgruh und versucht mit Hilfe eftres warmien Bades und einer Unmenge Seife fein menschenähnliches Ausse^n zu» rückzurufen. Ue&er drei Stunden war man unter Tag und freut sich nun doppelt des blauen Himmels und des Sonnenlachelns. über dem weiten Zechenkomplex liegt.

Werthers Pistolen neue Goethe- Reliquien«

Gas 150, Jubiläum von Goethes Aufenthalt in Wetzlar hat eine Ausstellung von Denkwürdigreiten an diele Zeit georrchL, die den Wertster entstehen liest, und damit einen bleroenden Ge­winn geschaffen. Das Lotte-Haus wurde geschmackvoll wreder- hergestellt, und vieles Unbekannte oder Verborgene trat ans Familienbesih zutage, durch das die Sammlungen nunmehr zu einer Sehenswürdigkeit geworden sind. Wichtige n e ueGoet he- Funde, die dabei gemacht wurden, bespricht der Chronist der Wetzlarer Goekhezeir, Prof. Heinnch Gloel in der Leipziger Illustrierten Zeitung". So sind Werklet Pistolen ans Lucht gekommen. Am 29. Oktober 1772 schickte das Urbild des Goekhe- fchen Wertster, der Legaiionssekretär Jerusalem, an Lottes Brau- tigam Kestner ein Brieschen, das Goethe wörtlich in denWer­ter" ausgenommen hat:Dürfte ich Gr ec Wohlgeboren wohl zu einer vovhabenden Reise um Ihre Pistolen gehorsamst er­suchen?" Dievorhabende Reise" ging in den Tod. Jerusalem erschoß sich, nachdem er die Pistolen erhalten hatte. Diese wurden von Kestner aufbewahrt, von seinen Dachkommen sorgsam gehütet, und sind zu der Jubiläumsausstellung in die Räume zurückgekOhrt. in denen sie einst solches Uüheil angerichtet hatten. Eine dieser Pistolen wird als Leihgabe im Jerusalem-Zimmer verbleiben: es ist nicht etwa eine schwere Reiterpistole, sondern ein Pistölchen von nur 17 Zentimeter Länge mit b Zentimeter Kaliber. Gin kost­bares Buch aus Goethes Besitz ist ein von Joh. Heinrich Merck in Darmstadt für Goethe gedrucktes, bisher verschollenes Büchlein, das das Gedicht von Oliver GoldsmichDas verlassene Dorf' in der Originalsprache enthält, Goethe erzählt inDichtung und Wahrheit", dast er diese Dichtung in Wetzlar im Wettbewerb mit Gotter übersetzt habe. Beide Uebersetzungen sind verloren gegangen Aber das englische Buch schenkte Goethe vor seinem Abschied aus Wetzlar seinem Freunde Seltner, und dieser inter­essante Band ist nunmehr aufgetaucht mit einer Widmung Goe­thes, die in den Versen besteht:

Wenn einst nach überstandener Lebensmüh und Schmerzen, Das Glück Dir Rüh-- und Wonnetage gibt,

Vergiß nicht den, der ach von ganzen» Herzen, Dich und mit Dir geliebt."

Der betanntefte Schattenriß Lottes ist der, den Goethe in Frankfurt in seinem Zimmer angebracht ha^en soll und der seit vier Jahrzehnten stets mit der Unterschrift Goethes:Lotte, gute Rächt, am 17, Juli 1774" veröffentlicht wird. Bei dec Aus­stellung kam nun die getuschte Silhouette ohne Unterschrift zum Vorschein und zugleich ein besonderes Blatt, das oben jene Worte in Goethes Handschrift zeigt und darunter einen bisher unbekannten Umriß von Goethes Kopf in Blei­stiftzeichnung. Dieses Blatt mit dem Goet'hekvpf war einst so Sinter das Lotte-Dildnis geklebt, daß die Goetheschen Zeilen als Unterschrift unter den Schattenriß, zu stetsten kamen, während der untere Teil des Blattes mit der stimm',',eichnurrg so nach hinten gebogen war, daß die Zeichnung die Rückseite des Sil- houettenblattes bildete. Danach scheint die Silhouette nicht die zu sein, die Goethe in seinem Frankfurter' Zimmer anbrachte und die nach seinem Tode der Kanzler Müller der Familie Kestner über­sandte, denn es ist keine Spur vorhanden, die darauf hinweist, daß er sie, wie er berichtet, mit Radeln an die Tapeten wand geheftet hätte. Das andere Blatt aber ist ein Original, das tonfere Kenntnis von Gvethebildern bereichert. Gine Zierde der Ausstellung bildete das Pastellbild Lottes, das von den Rachkrmrnen Kestners auf die Ausstellung geschickt worden war, Es ist ein Parallelstück zu dem allgemein bekannten Porträt von Joh. Heinrich Schröder, das ber Maler um dieselbe Zeit (1782) ansertigte. Das neue Bild, das früher entstand, ist ähnlicher Und besser gelungen; es ist offenbar nach ber Ratur geschaffen und zeichnet sich daher durch Ui-sprünglichkeit und Frische ans. während das bisher bekannte Gemälde nachträglich idealisiert wurde,

Du hast's getan«

Von Edgar Allan Pos, (Schluß.)

Dun trat Mister Gvodsellow vor und bat mit Tränen in den Augen, etnceimommen zu werden. Er sagte, daß die klare Erkennt­nis der Pflichten gegen feinen Schöpfer sowohl, als auch gegen seine Mitmenschen es ihm verwehre, länger zu schweigen. Darnach hat die ehrliche Zuneigung zu dem jungen Manne (ungeachtet dessen Mißhandlung feiner, Mister Goodfellvws Person), ihn be­stimmt, alle nur erdenklichen Gründe durch ugehen, um die schweren Verdachtsmomente gegen'Mister Pencheafter zu ent'r ften; diese Verdachtsmomente seien aber nu- doch zu überzeugend und zu schlüssig geworden, er wolle nun nicht länger zögern, wolle alles sagen, was er wisse, und sollte ihm das Herz darüber brechen. Er begann dann mit der Feststellung, daß an dem Rachmittag t>or der Abreise des Mister Shuttleworthy der ehrenwerte alte Herr tn seiner (Mister Goodfellvws) Gegenwart seinem Ressen gesagt habe, er wolle am nächsten Lag zur Stadt, um eine un­gewöhnlich große Summe in die Landesbank ein ,u,aSkn; und daß bei dieser Gelegenheit Mister Shuttleworthy seinem Dessen den unwiderruslichen Entschluß kundgezeden hake, das bisherige Testa­ment umzustotzen und ihn mit einem Schuldig abzufinden. Gr (der Zeuge) fordere nun den Angeklagten feierlich auf, anzugeben, ob das, was er (der Zeuge) eben gesagt habe, in allen Einzel­heiten die Wahrheit gewesen fei ober nicht. Zur größten Ver­wunderung aller Zuhörer gab Mister Pennfteather ohne weiteres zu, es fei die Wahrheit gewesen.

Der Richter hielt es nun für feine Pflicht, einige Schutzleute abzuordnen, um das Zimmer des Angeklagten im Hause feines Onkels zu durchsuchen. Von dieser Haussuchung kehrten die Be­amten fast unverzüglich zurück mit dem wv-lbekannw, stahl gebun­denen Taschenbuch aus russischem Leder, daß der alte Herr Jahre lang getragen hatte. Der wertvolle Inhalt war aber verschwun­den, und der Richter bemüh'e sich vergettens, aus dem Angeklagten herauszubringen, welchen Gebrauch er von dem Gelte gemacht, oder wo er es verborgen habe. Der A ige.lagte leugnete hartnäckig, irgend etwas von der Dach» zu wissen. Die Schutzleute hatten zwischen dem Bettzeug des stlnglücklichen auch ein Hemd und ein Halstuch gefunden, beide mit Pennifeatkers Aufa:gsbnch,ta. en ge­merkt und leide mit dem Blute des Opfers furchtbar be.ubelt.

In diesem Augenblick kam die Rachricht, daß dcis Roß des Ermordeten eben im Salle an den F, lgen ter ernt fangen en Wunde verendet sei, und Mister GoodfeUvw reg e an, man solle den Ka­daver untersuchen, um möglicherweise b;e Kugel zu finden. Dies geschah; und wie, um die Schuldsrage eindeutig zu lösen, gelang es Mister Goodfellow nach langem Suchen, in der Brusthöhle eine Kugel von außergewöhnlicher Größe zu finden, d.e, wie ein Ver­such ergab, genau in die Bohrung von Mister Pen.stfeathers Büchse paßte, während sie für jede andere Büchse zu groß war. Um dis Sache noch besser zu klären, ergab sich überdies noch, daß die Kugel eine große Darbe rechtwinklig zu der üblichen großen Raht hatte, und bei näherer Prüfung stellte es sich heraus, daß diese große Darbe genau einer zufälligen Urte) enheit in ber Kugelsorm entsprach, die von dem Angeklagten als fein Eigen um anerkannt wurde. Dach dem Furch dieser Kugel verzichtete ber Untersuchungs­richter aus alle weiteren Zeugenvernehmungen und beschloß, den Gefangenen unverweilt vor Gericht zu bringen, indem er auch jede Bürgschaft ablehnte, obwohl Mister Goodfellow in warmen, Worten gegen diese Härte sprach und sich zur Bärgschaftsstellung in jeder beliebigen Höhe erbot. Diese Großmut von feiten des alten Charley" stimmte mit seiner freundschaftlichen und ritter­lichen Haltung während seines ganzen Rattleborougher Aufent­haltes überein. Im gegenwärtigen Augenblick wurde ber ehren­werte Mawn von der ungewöhnlichen Wärme seiner Zuneigung so mitgerissen, daß er bei seinem Angebot, für de ; jungen Freund zu bürgen, ganz vergessen zu haben schien, daß er selbst (Mister Goodfellow) keinen Dollar Wert auf der weiten Welt zu eigen besaß.

Das Ergebnis ber Verhandlung ist leicht zu ersehen. Mister Pennifeather wurde unter den lauten Verwünschungen von ganz Rattleborough bei der nächsten Schwurgerichtstagung vvrgeführt. Und dabei wurde die Beweiskette (noch verstärkt durch einige weitere Glieder, die Mistei Goodfellvws Gewissenhas igfeit ihm verboten hatte, dem Gerichtshöfe zu verschweigen) so lückenlos und schlüssig berunben, daß die Geschworenen, ohne sich zu rÄckzu stehen, sofort den Spruch fäll en:Schuldig des Mordes". Gleich daraus erging das Todesurteil und wurde an das Landgericht zur Be­stätigung eingesandt.

In der Zwischenzeit hatte die edle Haltung desalten Charley" ihn den ehrenwerten Bürgern des Fleckens doppelt teuer gemacht. Gr war viel beliebter als je zuvor, und als natürliche Folge der Gastfreiheit, die man ihm überall gewährte, ließ er, halb gezwun­gen durch die Lage der Dinge, in den peinlich sparsamen Gewohn­heiten etwas nach, zu denen ihn bisher seine Armut genötigt hatte. So sah er nun häufig Gäste in seinem Haus, und bei diesen kleinen Gesellschaften herrschten Witz und Frohsinn im höchsten (?vabe, nur leicht gedämpft durch eine gelegentliche Erinnerung an das widrige uub traurige Schicksal, das den Dessen des benagtes Busenfreundes des freigebigen Gastherrn erwartete.