Samstag, 20. Januar
1023 — Nr« Z
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Sm Reichs der schwarzen Diamantrn.
Essen, Januar 1923-
WeiMn überragt das gfirbmab &er Kohleizech: di« niederen Häuschm von stleberruhr, in nie erlahmendem <5'4er dreht es NÄ. als sei eS sich seiner Bedeutung bstoustt. Es muh sich ja unaufhörlich drehen, soll nicht der Förderkorb, der hinabfährt in schwarze Steten, stilleste'hen. Es ist ein eigenes Gefühl, wenn man — angetan im sthergmannsanzug — mit brennender Grubenlampe und der unentbehrlichen Spitzhacke (an Stelle des Stockest zum ersden Male den schoanke iden Färderkorb betritt und eins ährt in die Fach-. Wenn auch di« gewMrlichr Geschwindigkeit von 15 Meter in der Sekunde aus 7 Meter vermindert wird bei der Verso nenfachrt, so bedeutet es für den Laien noch immer ein Hinabsausen, und er ist froh, wann er den, engen Jörderkorb lieber verlassen kann,
Mn« neue, unbekannte Welt tut sich für On auf, eine Welt, die ichn mit Bewunderung und heimlichem .Unbehagen erfüllt. ®i ist im Deich.' der schuxrrzen Diaman e i, von denen heute das WM unseres ganzen Volkes abhängt, nach denen heute die fremden A Machthaber grei.en, w-eil es der letzte, einzige Reichtum ist, der uns blieb. „Glückauf!" grüfeen die Anschläger, die den Färderkorb bedienen, schieben di« gefüllten Kohlenwagen ein, reihen die leeren 'heraus. Die Schachttür fliegt zu, ein Signal ertönt, in rasender Fahrt geht es zutag. 140 gefüllte KohleNivagen in einer Stunde, die pro Wagen 0,65 Tonnen fassen, insgesamt eine Tagesförde mng von 70? Tonnen. Hier unten in 400 Meter Tiefe, auf der HauptfördersM«, herrsch! reger Betrieb, KMenzüge fahren an, von Lokomotiven mit AKumulatoven- betrieb oder von treue i, in ewiger Dunkelheit erblindeten Gruben- Pferden zum Förderschacht gezogen. Elektrische Bogenlampen erhellen cvribgewlkte Tunnels, die sich nach allen Richtungen hin in unendlich: Fernen verlieren. Gin angenshmes Lüftchen, vom Bergmann „Wetter" genannt, das von dec fünften SoUe, der „WetlersoUe", zur sechste, hinabgeleitet a>-ird, weht in den längen Gängen, wird zur scharfen Zugluft, toinu di« Tunreis sich kreuzen. Zur besseren Verteilung der Wetter in der Grub« sind Wetter- türen angebracht, die sich selbsttätig schließen.
Je näher man den Kohlenflözen kommt, desto spärlicher wird die Beleuchtung; sie verliert sich schliesslich ganz; enger und niedriger mardsa die Tunnels, tiefer zieh! sich die Hrärspann- leitvng über den Schienen der Grubenbahn hin und zwingt zur größten Vorsicht. Nun herrscht stille, tiefste Finsternis, die der kleine Strahl der Bergmannslampe mir auf ganz beschränktem Umkreis zu durchbrechen vermag. Die Grubenlampe ist der treueste und vrrlästlichsk Freund des Te gmanns, sie zeigt ihm die Gefahr an, warnt ihn vor seinem schlimmsten Feind, Leu schlagenden Wetter (Grubengas). Das Flämmchen, das in unbeirrter Stich- förmigkeit durch den runden Glaszylinder Helle und auch Wärme gab flackert aus, schwebt plötzlich im Korb oberhalb des Zylinders, wird zur warnenden Flamme, die zur schleunigen Rückkehr zwingt, will der Bergmann nicht sein Leben einsetzen.
Bon der Decke fallen Wassertropfen mit klingendem Ton in den kleinen „Lee" auf dem Fnstwrg. In den Kohlenzechen bildet sich, hrrvorgerufen durch feuch e Niederschläge. Grubenwasfer — auS den oberen Gebirgsschichtea fliestt beständig Wasser in den Grubenbau — das von 350 P. S, Zentrifugalpumpen mit einer «u n?? von 2 Kubikmeter pro Minute zutage gefördert wird. ®*n Alchtjunktionieren oder Stillegen dieser Pumpen hätte das «rsaufen ber Gruben zur Folge. Ader feucht ist es trotzdem in
। den Gruben, und die bei der Ginfahrt so sauberen Bergmanns« anzüge sind nach der Rückkehr ans Tageslicht nicht wiedev* zuerkennen, Gesicht und Hänle übrigens auch nicht! Schwere Vvv- Hänge sperren di« dunklen Gänge ab, eiserne Türen liegen griff* bereit, um bei dem so gefürchteten Grubenbrand die Ausdehnung des Feuers zu verhindern, das mit rasender Schnelligkeit sich in den unendlich langen Gängen ausbreiten würde.
Nun ist man mitten im Kohlen schacht! 3m schwachen Schein der Bergmannslampe glänzen die Koihlenfchichten faszinierend, und der Gedanke an den Kohlenreichtum eines einzigen Förder« schachtes hat für den kohlenhungrigen Later, dem die schwarze« Diamanten schier unerschwinglich geworren sind, etwas Be* vauschendeS, Äebrrwältige ides. stlnd wenn er dazu noch hört, dast einem jeden te.chstrairren Bergmann jährlich 120 Zentner KMen (pro Monat 10 Zentner) zustehen, die ihm mit sage und schreibe fünfzig Pfennigen -»pro Zentner angerochnet werden, so sieht er in jedem Bergmann einen vielbsneideten Kohlenbaron! Aber wer einmal hier unten war und seine Arbeit sah — tote er auf Händen und Fitsten durch enge Kohlenschächtc kriecht, die gerade die Weite eines schlanken Menschen haben, halsbrecherische Leitern emporklimmen must, tote er bei neuen Anbrüchen (neue Strecken) in kostlenstaubdurchschwängerler Lust mit der Pickhacke die schweren schwarzen Ko./.eistucke von den Wänden loshackt und gewärtig sein must, dast die Decke, worunter er arbeitet, herunterbricht und ihn unter sich begrabt — der begreift den Kampf um den Siebenstundentag im Bergwerk, der ja noch i« aller Gedächtnis ist. Die Kohle liegt ja nicht greifbar parat: durch Einwirkung der Gebirgsbewegung wird die regetmä feige Ablagerung der Kohle unterbrochen, es entstehen Faltungen und seitlich: Verschiebungen der Flöze. 3n der Kohle finden sich, sehr schöne Versieinenrngen, Blät.er, Farren, sogar gcuve Baum* stämme. Bis zu 200 Meter Teufe werden noch Kohlen ge* Wonnen, die verschiedener Art sind: Anthrazit, Flammkohls, Gasflammkohle und Gaskohle. Sie werken ans Tageslicht geschasst, separiert und gewaschen und kommen in den bekannten Korn* g rösten in den Handel. Förderkohten sind dir Kohlen, die, sowie sie zutage gefördert, an den Verbraucher abgesetzt werden.
Dumpfe Schläge verhallen zitternd im Gestern — es wird gesprengt. Die Dynamitpatrone reifet tiefe Löcher in den Berg, der vorerst mit der Prestluft-Doh.maschine vorbereitet wird. 2ütf diese Weife entsteht ein Querschlag (Verbindung einzelner gtöj* teile miteinander). Das kreischende Knirschen des Bohrers, dev vc-n zwei Bergleuten xeführt wird, dröhnt von den Felzivänden wider, ei'ee mühfeligs, unendlich langwierige Arbeit. Die Spreu« gung nimmt der Schießmeister vor, und man liest mit leichtem Gruseln im Sunfet der Erde von einer schmalen Tür. die hinein ins Innere des Berges führt: Pulverkammer. Eine stlnvorsichtig* keil, und Menschen, Tiere, Kohlen, Dergtverk haben aufgehört zu fein.
Bis zur dritten Sohle ist abgebaut, aller Kohsenreichtun« der Erde entzogen, die unersättlichen Menschen sind tiefer hinab* gedrungen, um der Erde ih.e Schätze zu entreißen. Die aus* gebeuteten Flöze werden mit Gestein oder Holz ausgefüllt, damit keine HoUräume entstehen, die für die Grube sehr gefährlich werden .können. Sie werden deshalb ständig geprüft von den Zimmerleuten, die auch das Verzimmern der in Betrieb befindlich:» Strecken vornehmen. Damit die Flöze nicht unter dem Druck des Gebirges zusammenbrechsn. toerixm sie mit Holz «usgeb-aut, Der Druck ist so stark, dast. selbst die schweren, ftsrfa).


