Samstag, 16. Juni
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Der Geschichtsschreiber der Hohenstaufen.
(Zu Fr. v. Räumers 50. Todestage, 14. Juni.)
Velten hat ein geschichtliches Werk so groben Einfluß auf Publikum und Literatur gewonnen, wie die „Geschichte der Hohenstaufen" von Friedrich v. Raumer, deren erste Auflage 1823—1825 erschien. Dieses Werk, das jetzt seinen hundertsten Geburtstag feiern könnte, ist heute zwar in vielen Tatsachen veraltet, aber durch feine anmutige Darstellung noch immer lesenswert und vor allem wichtig, weil es die Quelle für so viele Dichtungen, von Tiect, Jmmermann, Grabbe usw. ist. Auch Raumer selbst lebt nur noch als der Verfasser dieses Buches fort, durch das er die Mode der Histvriendramen entfesselte wrd jene Zeit Heraufführte, da jeder dichtende Oberlehrer seinen „Friedrich II.“ oder „Äon« radin", in Jamben versaht haben mußte. Das Vorbild aller war der erfolgreiche Raupach, der die 6 Bände des Aaumerschen Werkes zu fünfaktigen Tragödien verarbeitet hatte. Durch Raumer zuerst wurden die Deutschen zur Beschäftigung mit der Geschichte angeregt und fanden in jenen großen Tagen mittelalterlicher Kaiserzeit das heiß ersehnte Vorbild für die neue Einigung. Goethe begrüßt« freudig diese Gefchichtserzählung, die Treitschke „den ersten glücklichen Versuch umfassender politischer Geschichtsdarstellung" genannt hat, „der seit dem Wiederaufleben der historisch-philologischen Forschung gewagt wurde". „Schon der mächtige Stoff, das historisch« Ideal des Zeitalters der Romantik, gewann dem Werke die-Herzen der Leser. Räumers Gesinnung war ganz modern, obwohl er mit Tieck, Eichendorfs und anderen romantischen Dichtern freundschaftlich verkehrte. Gr urteilte mit dem weltmännischen Wohlwollen eines verständigen Beamten der Hardenbergischen Schule. Immerhin blieb dem Buche das große Verdienst des ersten Wurf«: die hohen Gestalten unserer alten Kaiser traten den gebildeten Deutschen wieder menschlich nä^r, am deutlichsten wohl das Charakterbild Kaiser Friedrichs II." Räumers wissenschaftliche Bedeutung ist durch die überragende Größe Rankes in den Schatten gestellt worden. Gr steht mit seiner Geschichtsauffassung noch ganz auf dem Standpunkt des 18. Jahrhunderts, so stark er auch die Romantiker beeinflußte, und sein Vorbild war Voltaires „Jahr- hundert Ludwigs XIV.". Als Verteidiger der Aufklärung und ihres Helden Friedrichs des Großen erregte er auch durch seine Akademierede von 1847 den Unwillen Friedrich Wilhelms IV., worauf er sein Amt an der Akademie niederlegte. Der vielerfahrene Beamte, der dann als Professor in Breslau und Berlin wirkte, wurde 1848 als Mitglied des Frankfurter Parlaments zum Gesandten in Paris ernannt, ohne dort viel ausrichten zu kön- , neu. Als ein liebenswürdiger Plauderer und Erzähler erscheint er in seinen überaus zahlreichen Werken, von denen einige, wie feine „Briefe aus Paris", seine Schilderungen Englands und Frankreichs immerhin einen kulturgeschichtlichen Wert haben. Schließlich gab er noch bei Lebzeiten seinen „Literarischen Vachlaß“ heraus und bewahrheitete damit Rankes etwas boshaftes Wort von ihm: „Was er in jedem Moment dachte, sagte er gerade heraus ohne Ueberhebung, aber auch ohne Zurückhaltung, mid ließ es drucken."
Aus der (Befriste des deutschen Studsntsntums.
(Schluß.)
Schon der Hinweis der Rostocker Universität in der im Jahre 1748 an den den Landsmannschaften wohlgesinnten Herzog gerichteten Denkschrift, daß. Rostock die einzige Universität sei, an der noch Lanl^mannschaften öffentlich geduldet würden, deutet daraus hin, daß damals die Bewegung gegen die Landsmannschaften sich nicht allein auf Rostock beschränkte. Tatsächlich sehen wir um die Mitte des 18. Jahrhunderts auch anderenorts wieder die Behörden gegen die Landsmannschaften mit Erfolg einschreiten. So erging, freilich einige Jahre später, im Jahr 1765, z. B. in Jena! ein scharfes und augenscheinlich mit Vachdruck gehandhabtes Verbot der Landsmannschaften, die sich dort seit dem anläßlich des Hubertusburger Friedens in Jena gefeierten Friedensfeste wieder stärker öffentlich gezeigt hatten.
Konnten die durch die Einrichtung des Patronats halb und halb, oder wie bte der Pommern, sogar offiziell anerkannten Landsmannschaften Rostocks sich nach dem behördlichen Verbote überhaupt nicht mehr halten, so daß wir seitdem von Landsmannschaften in Rostock nichts mehr hören, so vermochten sich in Jena zwar z. B. die Mosellaner, wie uns überliefert ist, auch nach 1765 zu behaupten. Trotzdem wird das Verbot von 1765 eine starke Erschütterung des blndsmannschaftlichen Verbindungslebens bedeutet haben, zumal die meisten der davon in Jena betroffenen Landsmannschaften erst kürzlich neu entstanden und ihrem inneren Wesen nach, wie wir oben darlegten, nur von lockerem Gefüge waren. Der ausschlaggebend« Unterschied zwischen den damaligen Landsmannschaften und denen des 17. Jahrhunderts bestand ja eben darin, daß jeder Zwang für einen Anschluß fehlte und die Beteiligung deshalb keineswegs mehr eine allgemeine war. Zwar war es vielfach üblich, daß sich die studierenden Landsleute durch das Tragen eines bestimmten farbigen Abzeichens, der „Masche", als Landsleute kenntlich machten und wohl auch gelegentlich gemeinschaftlich kneipten, doch bedingte solches Tragen einer landsmannschaftlichen Masche noch keineswegs die Zugehörigkeit zu einer geschlossenen landsmannschaftlichen Verbindung, die zeitweilig vielleicht gar nicht einmal vorhanden war. Bestand aber «ine solche, wie z. B. die seit 1721 in Jena nachweisbare, angeblich schon weitaus ältere Mvsellanerlandsmannschaft. so fehlte es doch an schriftlich festge- legien Gesehen, die sich die Mosellaner erst nach 1760 gegeben zu haben scheinen. Mochten in ruhigen Zeiten solche lockeren Gebilde auch Zusammenhalt genug für ein längeres Bestehen in sich tragen, so waren sie doch zu erfolgreichem Widerstand gegen behördlich« Unterdrückung, sobald solche wie 1765 in Jena einsehte, weit weniger geeignet als die älteren festeren Organisationen des 17 Jahrhunderts. • !
Die jetzt häufiger und entschiedener werdenden Maßnahmen der Behörden gegen das landsmannschaftliche Wesen, lassen den Schluß zu. daß in das während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts etwas matt und alt gewordene studentische Gemeinschaftsleben um diese Zeit neue belebende Anregungen getreten waren. Die neue Welt- und Lebensanschauung der Aufklärungszeit begann damals von Halle. Göttingen unb dem 1743 begründeten Erlangen aus allgemeiner auf den Universitäten festen Fuß zu fassen. Die Universitäten, denen in der voraufgegangenen Periode der lebendige Zusammenhang mit dem geistigen Leben der Ration vielfach verlorengegangen war, so daß gerade die geistig fortgeschrittenste«


