Ausgabe 
14.4.1923
 
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alles nichts geholfen, wenn nicht auch der ElefantNerven" bekom­men hätte Kaum 8 Meter vor mir hatte er, tote tote später an Len Fährten unzweifelhaft feststekten konnten, gebremst, gewendet itnb war dann wieder in ruhiger Gangart in die Nahe seines alten Standortes zurückgewechfelt. Auf ganze 8 Meter also war der Diese an uns herangetoesen, und auch nicht eine Handbreit des gewaltigen Körpers hatte ich erkennen können I So unendlich dicht war dort der Blätterwald.

Statt aber einzusehen, tote gänzlich unmöglich es sei, unter diesen Verhältnissen einen sofort tödlichen Schuh anzubringen und Len Riefen niederzuwerfen, bevor er mich erreicht und zerstampf hatte, hält mich blinde Jagdleidenschaft weiter im Stanne Roch immer will ich die Hoffnung, den Diesen zu strecken, nicht aufgeben. Also nochmal heran an den furchtbaren Gegner!

Genau das gleiche Spiel. Wie eine gewaltige Lokomotive pras- selt es auf uns los, wieder rennen wir um unser Leben, und wieder stoppt im letzten Augenblicke der Riese vor dem Zwerglein ab. Gin zweites Mal war der Tod um Haaresbreite an mir vorüber­gegangen.

Seit diesem Erleben im Buschs von Adjuge belächele ich so manche E.zählung afrikanischer Dimrode, die im dichtesten Dusch den heranprasselnden Elefanten mit tödlicher Kugel zur Strecke gebracht haben wollen. Meiner Ansicht nach ist der Mensch, der den an Furchtbarkeit alles übertreffenden Angriff eines Ele­fanten bis auf allernächste Dähe kaltblütig aushält, noch nicht ge­boren! Bei der Körperstellung des angreifenden Elefanten ist eS eine Anmöglichkeit, ihn mit Sicherheit fv zu treffen, daß der Riese wie vom Blitze erschlagen in seiner eigenen Fährte zusammen­bricht. Gelingt dies aber rricht, so wird er mit tödlicher Sicherheit den Schützen erwischen, ihn in die Luft befördern oder zertram­peln, so daß der Verwegene dann keine Gelegenheit mehr hat, von feinen Heldentaten zu erzählen.

Der hundertjährige Lederstrumps.

Lederstrumps, der ewig junge Freund unserer Jugendträume, feiert jetzt seinen hundertjährigen Geburtstag. Es war im Jahre 1823, als James Fenimore C v o p e r die erste jener Lederstrumpf- geschichten veröffentlichte, die seinen Helden und ihn selbst welt­berühmt machten. Es war das der RomanDie Ansiedler oder Die Quellen des Susquehanna", der während der Devoluttonszeit vom Ende des 18. Jahrhunderts spielt und uns den lederbestrumpf- ten Nathanael Bumpv zum erstenmal in seinem Zusammenleben mit den Indianern Vvrführt. Der Jäger Datth, dieser großartigeThPus des amerikanischen Kolonisators, wird hier im Mannesalter ge­schildert,- in dem darauffolgenden WerkDer Letzte der Mohi­kaner". das man vielfach für den Höhepunkt des Cooperschen Schaf­fens angesehen hat, werden wir dann geschichtlich weiter zurück- geführt in die wilden und blutigen Kämpfe zwischen den Ameri­kanern und den Indianern.Der Pfadfinder", die nächste Leder- strumpf-Geschichte, vertieft das Charakterbild der unsterblichen Ge­stalt, indem sie ihn auf Freiersfühen und in der Rolle des groh- .lg Entsagenden zeigt.Die Prärie" mit ihren grohartigen Na- 1r'.rschilderunk.-n zeigt das feierliche Ende des Trappers in der einsamen Anermeßlichkeit der großen Natur, und der zuletzt er­schienen« RomanDer Wildtöter" führt uns in die Anfänge des Krieges zwischen England und den amerikanischen Kolonien und gibt Bilder aus der Jugend des Lederstrumpf, dessen unendliche Beliebtheit den Dichter veranlaßte, den Helden auch noch in seinen Anfängen zu zeigen. Cooper hat mit dieser Romanserie das Helden­epos der Kolonisierung Amerikas geschaffen: jene heroische Zeit der amerikanischen Geschichte von 17431804, in der die Kolonien ihre Selbständigkeit erlangten und sich das ganze Land unterwarfen, ist in einer so wundervoll epischen Weise dargrstellt, daß die Ame­rikaner nicht mit Anrecht in Cooper ihren Homer verehren. Durch Zufall war der Dreißigjährige zum Dichter geworden. Er las einen Roman aus der englischen Gesellschaft, der ihn langweilte, und erklärte im Scherz, er könne eine sehr viel bessere Geschichte schreiben. Seine Fvau und fein« Freunde ermutigten ihn, dies zu tun, und so erschien zunächst 1820 die wenig beachtete Geschichte Precaution", bis dann im folgenden Jahre der Dichter mit dem AbenteuerromanDer Spion" das geeignete Feld seiner Tätig­keit fand und £ mach mit den schnell aufeinanderfolgenden Leder- strumpfgeschichten den. Höhepunkt der Beliebtheit erreichte.In jeder von mir besuchten Stadt Europas." schrieb der Erfinder des Telegraphen Morse 1832.liegen Coopers Werke zuvorderst in den Fenstern jeder Buchhandlung. Sie werden in 34 Städten Eu­ropas sofort veröffentlicht, wenn er sie vollendet hat: sie wurden von amerikanischen Reitenden in den Sprachen der Türkei und Per­siens gesehen, in Aegypten'. Jerusalem und Jspahan." Cooper war der erste amerikanische Schriftsteller, der Weltruhm erlangte.

' Auf dem Friedhof des Städtchens Cooperstewn, auf dein Hügel, der den Otsegv-See überblickt, steht das 25 Fuß hohe Grabdenkmal Coopers, und es ist bekrönt worden von der Statue des Jägers Lederstrumpf mit feinem Hund. Wie in diesem Brvnzedenkmal, so ist im Andenken der Welt die Gestalt des Dichters für immer mit seiner besten Gestalt verknüpft. Lederstrumps ist nach einem

Wort Lowellsder Dorkänrpfer der epischen Kunst der Reuen Welt, eine Figur so dichterisch wie die des Achilles, so unsterblich wie Don Quixote, so romantisch in ihrer engen Verknüpfung mit dem Vvlksgeist wie die König Arthurs in den Tagen des Ritter- tums "Ich glaube nicht," sagte Balzac,daß das Werk Walter Scotts eine so grandiose Schöpfung besitzt, wie die dieses Helden der Savannen und der Arwälder." Was an Natth Bumpo feine ersten Leser entzückte und jugendliche Gemüter ewig entzücken wird das ist der Hauch der Arsprünglichkeit, die Verkörperung eines Ideals, das der Natur alles, der Zivilisation nichts verdankt. Von dem menschlich-gütigen und heldenhaft abenteuerlustigen Geiste Lederstrumpfs geht die ganze Jndianerromantik aus. die in sei- nem Zusammenleben mit den Freunden Chingakgook und Ankes ihre Verllärung erfährt. Cooper lieh dieser Gestalt alle Vorzüge seiner eigenen Begabung. Die feinste Empfindung für alle Vor­gänge der Natur, die schärfste, unbewußte Beobachtung, der nichts entgeht, das Denken in anschaulichen Bildern, den Ausdruck in volkstümlich einfacher Form. Aber er zeichnete zugleich ein geschicht­lich getreues Bild, denn die Figur des Lederstrumps ist einem der frühesten amerikanischen Pioniere, Daniel Doone, dem Gründer des Staates Kentucky, nachgebildet. Doone drang als Erster in -das noch ganz unbesiedelte Kentucky ein, lebte hier als Jäger üt Kämpfen mit den Indianern und brachte 1760 eine Schar von Pionieren in die Arwälder des Landes, wo er nach langen Kriegen mte den Indianern, in denen er der tapferste und kühnste war. festen Fuß faßte. Seine Abenteuer haben in den Lederstrumps- geschichten eine dichterische Verklärung gefunden, die noch heust, fortleuchtet und auch große Künstler unserer Tage wie Max Dle- vogt in seinen wundervollen Illustrationen, zum Nachschaffen und Deufchaffen der Gestatt anregt.

Die Wissenschaft vom Tuch.

. Das Kaiser-Wilhelm-Jnstttut für Faserstoff-Chemie in Dahlem bei Derlin hat sich die Aufgabe gestellt, die Faserstoffe einer bis­her verabsäumten, systematisch-wissenschaftlichen Erforschung zu unterwerfen, um damit auch für die Textil-, Zellstoff- und Leder- Industrie praktische Wirkungen zu gewinnen. Der Leiter des In­stitutes, Prof. R. O. Herzog, hat in einem Vortrag bei der Einweihung der Anstalt einige wichtige Ergebnisse der Anter« suchungen mitgeteilt, die in denNaturwissenschaften" wieder­gegeben werden. Sv wurde die Verarbeitung der Wolle geprüft und festgestellt, daß das Wollhaar fast bei jedem Fa­brikationsgang immer von neuem mißhandelt und überbeansprucht wird. Das Zerreißen des Haares ist erst das letzte Glied in der Kette der Schädigungen: schon vorher wird die Dehnbarkeit deS Wollhaares wesentlich beHnträchtigt. Am nun diese Verhältnisse zu erkennen, wurde die Einwirkung des Fettgehaltes und der Feuch­tigkeit auf die Dehnbarkeit geprüft. DaS Wollfett spielt im Haar eine dvppette Rolle: es bildet eine äußere Deckschicht und im In­neren einen organischen Baustein des Haares. Die Entfernung der Deckschicht hat geringen Einfluß auf die Dehnbarkeit: dagegen beeinflußt der Fettgehalt der inneren Haarsubstanz Dehnbarkeit und Festigkeit der Wolle. Eine Wolle, die weniger als Vr Prozent Fett enthält, ist so geschädigt, daß sie auch durch nachträgliches Fetten die ursprünglichen Eigenschaften nicht mehr zurückgewinnt. Es muß daher beim Waschen der Wolle diese Tatsache mehr alS bisher berücksichtigt werden. Für die Verarbeitung der Wolle ist auch die Diegungselastizität deS Wollhaares von großer Bedeu­tung. Man muh auch die Geschwindigkeit berücksichtigen, mit der zufammengedrückte Wolle wieder ihre frühere Lage annimmt: daß ist ein Vorgang, den man in der Physik als Hysteresis bezeichnet. Für die Fabrikation ist dasjenige Wollhaar am geeignetsten, dos die geringste Hysteresis aufweist. Gin Gewebe aus solchem Ham wird etwaige Falten binnen kurzem verschwinden lassen: ein An­zug aus solchem Tuch wird sich am schnellsten «ushängen. Je öfter, heftiger und rascher hintereinander die Wolle belastet wird, desto mehr verliert sie ihre ursprünglichen elastischen Eigenschaften und desto schlechter wird das daraus gearbeitete Tuch. Seinen Sih" behält der Anzug dann, wenn das Tuch die richtige Schmieg­samkeit besitzt: diese Eigenschaft läßt sich mit Hilfe neugeschassener Apparate genau feststellen. Auch noch eine Reihe anderer Eigen­schaften werden im Tuchhandel geschäht, so Weichheit und Glanz des Tuches. Diese Eigenschaften wurden wissenschaftlich geprüft, und ebenso wurde untmsucht, welchen Einfluß die Eigenschaften der Wolle, der Garne, die Fadenstellung im Gewebe, die Kett­spannung, die Walle, kurz die einzelnen Fabrikationsgänge auf die Eigenschaften des Endproduktes haben. Durch diese Unter­suchungen läßt sich die praktische Herstellung des Tuches außer­ordentlich verbessern, und gemeinsame Arbeit mit dem Fabrikan­ten hat auch bereits zur Anerkennung dieser wissenschaftlichen Ge­sichtspunkte durch die Praktiker geführt.

Schristleitung: August Goetz. Druck und Verlag der Drühl'schen Univ^Duch- und Steindruckerei. R. Lange, Dießen.