Ausgabe 
14.4.1923
 
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SS

Dasselbe MlS wie vorher, ein starkes, weibliches Stück mit schwa­chen Zähnen.

Auf allen Seiten hören wir jetzt Elefanten, die bei der Nesung hin und her ziehen und unter ihren wuchtigen Tritten das au? dem Boden liegende Dürrholz zusammenkrachen. Einer scheint auf uns zuzuziehen. Dann hält er wieder, um sich an den Blättern" Les Unterholzes gütlich zu tun. Der Wind steht gut. Also ver° uchen wir es und pürschen uns auf 3040 Schritte heran. W i r, >. h. ich und Motunde. Der wackere Johnny sowie der Alte mit einem Enkelkind hatten auf die weitere Begleitung verzichtet und ich hinter die Drettwurzeln eines gewaltigen Baumwollbaumes zurückgezogen. Die Sache scheint demnach ernst zu werden. Der treue, furchtlose Motunde mit feinem Haumesser als einzige Waffe steht hinter mir, zitternd vor Jagdleidenschaft. Gegen Sicht durch herabhängendes- Lianengewirr gedeckt, will ich noch ein paar Schritte heran und dann die Sache abwarten. Ab und zu vermag ich die .Umriffe des mächtigen Tieres zu erkennen. Ab und zu sehe ich für einen Augenblick den Rüssel nach dem Astwerk greifen, dann die riesigen Lauscher in ununterbrochener Bewegung. Aber immer noch nicht kann ich das Elfenbein erkennen. Ich habe noch keine Erfahrung und weih nicht, was ich vor mir habe. Dulle oder Kuh? Rur das eine weih ich, bah das vor uns stehende Tier weit stärker ist, als die vorher gesehenen.

Motunde ist in höchster Aufregung, er zittert und schnauft geradezu vor Jagdleidenschaft. Er hat natürlich längst weg, dah es sich um einen starken Dullen handelt, und wimmert fast vor Aufregung, dah ich nicht schiebe.Manl Dig deut! Schiehen!" so drängt er unablässig in mich. Doch ich will selbst sehen, was ich vor mir habe, ich bin ein zu alter Jäger, um meiner Beglei­tung ohne weiteres zu glauben. Endlich sehe ich für einen Augen­blick einen Zahn. Der Augenblick genügt. Unzweifelhaft ein jagd­barer Bulle! Run gibt es fein Besinnen mehr, die Büchse soll sprechen. Ich sehe das Ziel. Da dreht der Elefant sich und in langsamem Schritte kommt er mit schlenkerndem Rüssel auf uns los, nicht ahnend, dah hinter den Lianen für ihn der Tod lauert Schm, zwanzig Schritte ist der Gewaltige an uns heran. Rasch entschlossen steige ich auf ein am Boden liegendes Stammstück, um bessere Aussicht zu haben, und genau 16 Schritte waren es, als ich von meiner erhöhten Warte aus dem Riesen die Kugel an den Rüsselansah^ setzte. 3n meiner Jagdleidenschaft hatte ich mit dem schweren Rückstoh der Büchse nicht gerechnet. Mein unsicherer Stand vermochte diesem starken Rückstoß nicht zu trotzen, und im Schüsse wirft es mich rückwärts von meinem Stand herab platt auf den Rücken, dah mir die Knochen krachen. Schade darum, dah mir auf diese Weise das schönste Schutzzeichen meines Lebens, das blitzartige Zusammenbrechen des starken Riesen, versagt blieb. Ewig schade darum!

Als ich mich mühsam mit Hilfe Motundes von dem schweren Sturze erhob, da war das erste die stürmische Frage:Wo ist der Elefant?"

Finish dort," grinste Motunde.

Ich hätte den schmutzigen schwarzen Kerl vor Freude umarmen Birnen und habe es vielleicht auch getan, so glücklich war ich in diesem Augenblicke. Der erste Schutz aus Elefanten gleich ein töd­lichen Treffer, das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nie zu hoffen gewagt!

Dor uns liegt das mächtige Tier regungslos. Blitzartig hat ihn die Kugel durch das Gehirn gestreckt. In dünnem Faden K der rote Lebenssaft aus der Stirne des gefällten Riesen chtig nähere ich mich mit Motunde von der einen, Johnny und der Alte von der anderen Seite, bangend, ob vielleicht noch ein Lebensfunke, der uns gefährlich werden könnte, dem mächtigen Körper innewohnte.

Doch, wo ist der Kleine? Er hat sicherlich längst das Weite gesucht. Doch nein, da ist er ja, eben klimmt er auf eine Dorder- säule des Elefanten hinauf und bohrt den kleinen Finger in das Kugelloch, Gegensätze, wie man sie sich nicht gröher denken kann: der gefällte Urwaldriese und der kleine Knirps!---

Es kann auch anders gehen. Bei Adjuge ist es, genau zwei Monate später. Seit einigen Tagen habe ich mit wenigen Leuten, weitab von meinem Haupttroh, mitten im Urwalde Lager bezogen, um den dortigen, ganz besonders schönen und an Edel­hölzern reichen Bestand zu studieren und verschiedene Probeflächen auszunehmen.

Am 1. Juli morgens ziehe ich mit meinen Getreuen am Rande eines Urwaldbaches dahin. Da und dort werden Messungen vor- fiettommen oder eine kurze Rast benützt, die Beobachtungen und Messungen zu Papier zu bringen. Wiederholt ist es uns, wie wenn wir in ziemlicher Entfernung ein dumpfes Brechen hörten. Dir horchen gespannt auf. Sollten es am Ende doch Elefanten sein?

Da auf einmal ein kurzer, scharfer Knall, fast wie ein Büchsen- schuh.

Elefant," ruft Motunde und langt nach der schweren Büchse, die er seit jener glücklichen Elefantenjagd tagtäglich mitschleppte, wochie er auch sonst noch so belastet fein.

-Unter Führung unserer beiden Eingeborenenbegleiter geht es hurtigen Schrittes in die Richtung, in welcher der Elefant vorhin «neu jungen Daum abgeknickt hatte, um besser zum Laube ge-

to&m M komum. Das war der Knall gewesen, den wir vorhin ^npfnAtten' Sicherheit finden die Eingeborenen

r?"S^uchten Platz In wenigen Minuten stehen wir vor dem abgedrehten zähen Baumstamm.

Es ist kaum zu glauben, datz es tierische Kräfte gibt die eine fotöje getoalttge Arbeit zu leisten vermögen. Der Daum mitzt an 5er Stelle kurz über dem Wurzelansatz, an dem er abgedreht ist" fast 30 cm, und ist in etwa 10 m Höhe nochmals an einer Stelle HA g[aU abgebrochen. Dabei handelt es

morsches, sondern um frisches, grünes, zähes SeStÄ f eigenen Augen nicht selbst gesehen und

die Starken selbst gemessen, ich wurde es nie und nimmer glauben, m. ,®eV. Elefant, der, wie uns die Fährte zeigte, ein sehr starker ^ L°igEger war, hatte in der Umgebung des Platzes übel ge- Baume ringsum zeigen fast alle bis weit hinauf Hand- hat mit den Zähnen die Rinde losge- fte mit dem Rüssel erfaßt, streifenweise losgerissen und ^.AB^&ei^nn2ecfeSlffen versehrt. Ab und zu zeigt die Rinde <tote abgenagt aussehen. Wie wenn der Clefant mit dem Rüssel daran geknuspert und gesogen hätte! Auch ^^^rabgerissen, zertreten, entrindet, beschnuppert Da rttotefeer lagen Aeste am Doden, und waren (Blätter abge- KuA und gut, der Elefant war hier lange gestanden und hatte es sich gründlich schmecken lassen. a 1

iimf^UtUnBe!l[an8r. ba"e er nach all den Zeichen, die wir im ePug<m hundert Metern fanden, hier gestanden, und vji.n- al^ tmr kamen, war er auf einmal weg! Johnny ist um* h^ihÜM^Intber Unö jammert über unser Zuspätkommen. Ich aber 8\9e^U- vEum der Elefant nicht mehr da war. aoobl waren wir durch eine Dodenwelle gegen Sicht vollkommen gefcedt herangekommen, wohl waren wir auf dem weichen Urwald- boden lautlos herangepürscht. Aber als wir den Äuftfauf xret» Pn& H?be, hinter der der Elefant äste, annahmen ba ie ich den Windhauch im Racken gefühlt und gewußt, datz -Achter und dichter wird der primäre Urwald. Wir kommen .euJ?tD$e5 altes, verlassenes Farmland, von dem bereits dichter ergriffen hat. Kein Zweifel, hier hat sich der Riese eingestellt, wohl wissend, daß ihm hier der Mensch nicht den ?DbrP°,ILtoctt?mrLeib schleudern kann. Hier in diesem dich- owi?ü>sbst Unn^Ubtoer£lxMt der Elefant sich sicher, hier kann er' Wie selbst gesehen zu werden, den Jäger auf ein paar Schritte ^st"z"u Ozer?ran!peln"' 8U überrennen und nach Herzens- dem Ange war in dem Dickicht Nichts auszu- stachen, vielleicht aber können wir den Riesen hören? 8

-Uno richtig wir Horen das bekannte Rauschen im Blätterwald« Der Elefant zieht etwa 50 Schritte vor uns in der Dickung Einen Augenblick sehen die Schwarzen über den Gipfeln den Rüssel mit dem er die Luftschicht prüft. Der Wind aber fitzt uns im Rackm uad mit stillem Wutschrei bricht der Riese ein Stück weit g^en aas los- Dann wird es stille im Busch. Der Riese lauert auf vie <zu>erge!

Äein Ätoeifel, wir haben es mit einem kampflustigen Einzel- gätiger ju tun und haben einen furchtbaren Gegner vor uns, der bereit ist, den Kampf aufzunehmen.

Keine 100 Schritte hangaufwärts steht der Riese im dichtesten Pflanzengewirr, unsichtbar und unerreichbar für die Büchse Um eine Kugel richtig anbringen zu können, mutz man dicht an den Kolotz heran. Aus vielleicht 5-10 Schritte. Sonst ist es unmög- lich, die Kugel sicher anzubringen.

-.E^Wabnsinn für jeden vernünftig denkenden Menschen! Man mutz sich doch sagen, dah in diesem ungleichen Kampfe alle Vor­teile auf feiten des Riesen und so gut wie keine auf der Seite des anpürschenden Jägers liegen. Und doch ist die Jagdleiden­schaft größer als jedes Denkvermögen! Sie hat mich in einer Art und Weise erfatzt, wie fast noch nie in meinem Leben. Stand doch auch das edelste Wild, das die Erde trägt, der alte, wehrhafte Einzelgänger, auf kaum Schrvtschuhweite vor mir. Rimmer darf ich diese Gelegenheit verpassen, mag daraus werden was will!

Angestrengt"'lauschen wir. Richts, auch nicht das geringste ist von der Rähe des Riesen zu merken. Mäuschenstill steht der Gewaltige in unserer nächsten Nähe. Kein Kollern, kein Klap­pen der Lauscher, keine auch noch so kleine Bewegung verrät feinen Standort. Der Elefant lauert heimtükisch auf den Feind, um ihn zu zermalmen. Er hat mit feinen feinen Siniitn unsere An­näherung längst wahrgenommen und Weitz auch, ohne uns zu sehen, genau, wo wir stecken. Solange wenigstens, als wir uns rühren. Run auch wir auf einmal stille geworden find, glaubt er sich im letzten Qlugenbtia um feine Beute betrogen. Mit schrillem, mark­erschütterndem Kampfgeschrei bricht auf einmal der Koloß los, datz die armdicken Stangen brechen wie Zündhölzer und weithin Schlamm und Erde stieben! Dis auf allernächste Rähe stürmt er heran, direkt auf uns los. Das hält der Teufel aus! Der Busch­mann vor mir ist schon verschwunden, wie wenn ihn die Erde ver­schlungen hätte. Auch ich reihe aus und stürme hinter dem nach mir rufenden Motunde drein, bis ich eine Stelle finde, mich seit­wärts vom Wechsel in die Büsche zu schlagen. So mag der Ele­fant vielleicht über meine Spur hinausprellen, dieweilen ich klopfen­den Herzens mich an einen starke« Bambus klebe. Es hätte wohl