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alles in schlechtem Zu stand, da Roheit und viele Streitigkeiten unter den Gemeindegliedern herrschten.

Daß die Trunksucht in unserer heutigen Zeit stark zurückgegan- gen ist, ist wohl hauptsächlich in den hohen Preisen der Spiri­tuosen begrüntet. Wohl beklagen Mir die hohen Preise der Lebens­mittel: die starke Preissteigerung ter geistigen Getränke wird aber jeder Volksfreund mit Freuten begrüßen; denn sie kann nur zur sittlichen Hebung unseres Volkes beitragen.

Quer durch den Urwald von Kamerun. Ejne Elefantenjagd.

Hm Berlage von Georg Stille, Berlin NW 7, ist ein Buch Quer durch den Urwald von Kamerun" erschienen, das vor allem in Kolonialkreisen Aufsehen erregen wird da es zum Teil noch vollkommen unbekannte Gebiete behandelt und kartographisch darstellt. Der Verfasser ist Fonstrat Dr. Georg E s ch e r i ch, der nicht nur als Politiker und Organi­sator, sondern auch als Reisender und Forscher sich einen» Namen gemacht hat. Der Verfasser warte im Jahr«t 1913 auf Grund seiner früheren erfolgreichen afrikanischen Reisen vom Reichskolonialamte mit einer Forschungsexpedition in das von Deutschland durch das November-Abkommen vom Jahre 1911 neu erworbene Gebiet von Kamerun betraut. Nach außerordentlich anstrengenden, fast 6 Monate dauern­den Märschen, die mitunter durch harte Kämpfe mit den kriegerischen Fang-Stämmen erschwert wurden, gelangte die Expedition nach Durchquerung des mittelafrikanischen ur- waldes in das Schlafkrankheitsgebiet am oberen Sanga und von dort im Stahlboot zum Kongo.

Was der Verfasser über den utrendlich großen mittel­afrikanischen Urwald, über seine ziffernmäßig gar nicht zu fassenden Holzmassen, über seine unglaublichen Zuwachsver- hültnisse und die daraus sich ergebenden wirtschaftlichen Möglichkeiten zu sagen weiß, ist nicht nur für den Forstmann, sondern für jeden Wirtschaftler von größtem Interesse. Beim Lesen des Buches wird so recht klar, welche unendlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten Deutschland schon durch den Raub dieser einen Kolonie verloren hat.

Escherich gibt in seinem Buche auch ungemein fesselnde Jagd- und Naturbilder. Die folgenden Erlebnisse auf der Elefantenjagd mögen dies belegen:

Stuntenlang dauert ter Marsch, bergauf, bergab, durch Wasser und Sumpf. Da endlich, die erste frische Fährte! Ein starker Ele­fant und ein schwacher. Wir folgten den teioeir bergwärts ziehenden Fährten. Bald finden wir eine dritte imo vierte, alle ganz frisch von heute morgen. Kein Zweifel, eine Herde Ele­fanten ist in ter Nähe. Da und dort ist ein armdicker Stamm abgedreht und aus Mutwillen beiseite geworfen worden, dort hat ein Elefant eine Liane herabgerifsen, dort wieder hat einer im Schlamm ein Bad genommen, so daß ter Lehmbrei weit umher­gespritzt ist Gr ist noch nicht trocken. Es kann also nur um Viertel­stunden sich hanteln, daß hier die 2 üsselträ^ee waren. 2Ij und zu bleiben wir stehen, um in den stillen Urwald zu horchen, ob wir die Riesen nicht hören können. Da hält ter Alte plötzlich an und winkt mich heran. Richtig, auf etwa 100 Schritte vor mir steht ein mächtiger Elefant und äst an den Zweigen des Unterholzes. Zum erstenmal sehe ich einen Elefanten in ter Wildnis. Der Ur» wald ist hier aussichtiger als sonst. Die Riesenstämme sind weit verteilt, ter Unterbestand ist weniger dicht, so daß man einigen Ausblrck hat. Ich bringe das Glas nicht mehr von den Augen und verschlinge mit wahrer Gier das für ein Jägerauge doppelt reiz­volle BW!

Mokunte, ter dicht hinter mir steht, raunt mir zu:Woman! Ich habe längst an dem schwachen Elfenbein erkannt, dah es sich hier um ein weibliches Stück handelt, und kann mich also ungestört an seinem Anblick freuen. Wer den Elefanten nur im Zoologischen Garten oder im Zirkus gesehen hat, kann sich keinen Begriff von ter Schönheit des Tieres in ter freien Wildbahn machen. Es ist ein ganz anderes Tier, das wir hier sehen, als seine armen, un­glücklichen Artgenssen, die man dem grvhstädtischen Publikum in Freiheit dressiert" verführt. In seiner afrikanischen Heimat, im Gefühl seiner noch ungebrochenen Kraft mutzt ihr die Riesen sehen. Dann erst habt ihr Elefanten gesehen!

Da hebt der Elefant den Rüssel, um in ter oberen Luftschicht sich die Witterung Lu holen, und schon kommt ihm die Sache ver­dächtig vor. Gr stützt eine Art Mesen aus, das ter alte Pangwe auf unserer Seite täuschend beantwortet. Umsonst, ter Wind steht schlecht, ter Elefant läßt sich nicht täuschen, wendet blitzschnell und ist mit Gedankenschnelle verschwunden. Nie hätte ich dem plumpen Tier solche Gewandtheit in Wendungen zugetraut.

Wir begeben uns dorthin, wo er gestanden. Deutlich ist ter sützliche Elefantengeruch wahrnehmbar, ein nicht zu verwechselnder unangenehmer Geruch.

Und schon wieder hören wir im Busche links vor uns einen V Elefanten, und wieder gelingt es uns, seiner ansichtig zu werden.

Ehegatten soll eine Witwe % Jahve mit dem Wiederverheiraten , warten. ®tn Witwer kann mit Genehmigung der Obrigkeit diese Zeit abkürzen.

Von anderen öffentlichen und ärgerlichen Lastern.

Zauberer und Zauberinnen, besonders solche, die mit Segnen umgehen, sollen an Leib und Leben nach ter göttlichen vchrift und Rechten gestraft werden. Die Flucher und Lästerer sollen erst­lich mit 4 Schillingen, darnach mit 4 Tornetz, dann mit 1 Gulden und endlich mit Turmarrest bestraft werten. Helfen diese, Strafen nicht, dann soll Landesverweisung eintreten.

Eheleute, die übet haushalten, sich übet mit anderen betragen, ungezogene Kinder haben^. ihre Gebete nicht können, füllen mit einem Gulden gestraft weiten. Die ungehorsamen Ätnuer ater , tee ihren Eltern fluchen, ihnen nicht folgen, sie verachten oder übel halten, sollen mit einem Gülten gestraft werden: kann tee Strafe nickt erleat werden, tritt Turmarrest ein.

Die Vollsäufer, sonderlich die öffentlich auf ter Gasse mit Rufen Kreischen usw. die Gemeinte Gottes ärgern, sollen mit einem ©ulten gestraft werten. Wucherer und unchristliche Hantiere7 sollen ihre Ware durch ihre Mißhandlung verwirkt ^urer und Ehebrecher sollen in den Bann getan und aus der Gemeinde ausgeschlossen werten. Auch sollen tee Fastnacht und Kirmessen durchaus abgeschasft sein und bleiten.

^^Begräbnissen in Erzeigung ter letzten Liebe soll es auch ordentlich und ehrlich zugehen.

Beim Vergleich dieser Disziplinvrdnung mit ter vorigen aus dem Jahre 1543 finden wir, datz in ter letztgenannten tee augedroh- ten Strafen viel härter sind.Qc

Interessant ist auch eine P ° l i z e i v e r o r d n u n g, die 1 6 3 , also noch während des 30iahrrgen Krieges, Gietzen erlassen wurde. Sie hantelt vom fleißigen $Mnd) ter Predigten vom hl. Abendmahl, von ter Kinterlehre, vom Gottes- lästern Fluchen und Schwören, vom Ehebruch, vom Fressen und Saufen In letzterem Artikel wird auch ter Wirtshausbesuch an S^nn^und Festtagen gänzlich verboten, und Uetertretungen wer­ten mit Gefängnisstrafen bedroht.

Wie schon vorn erwähnt wurde, scheint temals tee -vuv^cht sehr stark in unserer Gegend geherrscht zu haben. Dies ist nicht zu verwundern: waren doch noch vor 100 Jahren auf fast allen Döbern Bierbrauereien und auch Branntweinbrennereien vorhan- ^Datz nicht nur das Volk, sondern auch Geistliche öft^s dem Trünke ergeben waren, geht aus ten Synodalberichten ter damali­gen Zeit hervor. So wurde auf ter Synode am 13. Mai 1572 zu GwtzM-Linten nach Punkt 6 des Synodal-Protokolls bestimmt: Die Pastoren sollen sich por ärgerli^m Lebern Are ^n. Saufen und unterer Leichtfertigkeit hüten und hr F'A^uchtenlafsen vor ten Leuten." Ferner wurde auf dieser Synode tem .Pfarrer Weishun von Niederkleen befohlen, sich leichtfertiger Dachm, und teS Zechens zu enthalten, tem Pfarrer Joh. Kinzenbach von Hausmt vvrgewOrfen, er habe sich ganz leichtfertig und ärgerlich gehalten, sei immer voll Weins und gehe mit seiner Hausfrauutel um.

Recht intereslant in dieser Hinsicht ist auch tee Synote, welche am 23 Juli 1582 zu Dutenhofen stattfand. Es waren aut derselben 18 Geistliche aus ter Umgegend von Gietzen erschienen. Die Synote begann mit den Zensuren ter Änzelnen Geistlichem Diese fielen zum Teil recht ungünstig aus. Pfarrer Keusler von Kirchgöns war von seiner Gemeinte verklagt warten Gr wurde ernstttch ermahnt, sich zu bessern und verfiel in 10 Gulden Strafe. Dem Pfarrer Tobias Stockhausen zu Grotzen-Linten gaben die Amtsbrüter gutes Zeugnis in seiner Berufstätigkeit: was ater sein Leben anbelange, sei er sehr tem Trünke geneigt und brauche viel Branntwein. Der Pfarrer Joh. Kinzenbach von Hausen tourte wie schon auf ter vorigen Synode, zu mehr Steiß in seinem Rmte angehalten und vor tem Zechen, Dollsaufen, Gezanke und anderen Lastern getoarnt. Namentlich wurden ihm folgende Laster vor- geworfen: _ ,

a) Er mische sich in Gerichts- und andere Händel.

b) 3m Zechen fange er Gezänk mit ten Leuten an.

c) 3m Zechen reiße er ten Weibern den Schleier ab.

d) Er stehe j-tzt im Lande in einem bösen Geschrei wegen feiner Familie usw.

Der Pastor Nikolaus Hunius zu Rodheim ist vor ter Trunken­heit gewarnt worden. Dem Pfarrer Friedrich Gernand zu Heuchel­heim wurde vorgewvrfen, er studiere und lese nichts; seine Pre­digten würden mißfallen, auch sei er tem Trünke und tem Fluchen sehr geneigt, wie er sich denn zu Gießen etliche Mal ungebührlich aufgeführt habe. Deshalb hielt man ihn zu größerem Fleiß und züchtigem Geben und Wandel an.

Noch vor 200 Jahren stand das sittliche und religiöse Leben in unserer Gegend aus einer ziemlich tiefen Stufe, hervorgerufen hauptsächlich durch ten Alkoholgenuß. Dies geht aas ten Proto­kollen ter Kirchenvisitationen hervor. So klagte am 25. Oktober 1703 ter Pfarrer Rüdiger von Reiskirchen (Kr. Wetzlar), daß in seiner Gemeinte lauter gottloses Wesen, Zank, Hader, Fluchen, Vollsausen stattfinde. Bei der am folgenden Tag in Volpertshausen und \ Weiten hausen ftattfintenten Visitation- wurden die Bewohner dieser Orte zur Besserung ermahnt. Bei ter Visitation in Hochel- ! heim und Dornholzhausen am 29. Oktober sand man an beiten Orten '