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and hätte sich auch nicht darum gekümmert. (Schluß folgt.)
lange Stange! „____________ _________
auf ihrer Seite der Straße zum Fenster heraussah. Aber versöhnlich, wie Jungfer Holm heute gestimmt war, hörte sie das nicht
Die Ehe Eduard Mörikes.
(Die Frage der Diskretion für Dichter- Biographen.)
Wohl kaum ein deutscher Dichter ist den Frauen zartfühlender genaht — and das nicht nur in seinem Schaffen — als der Schwabe Eduard Mörike. Und selten ist einer so von ihnen enttäuscht ^worden, wenn wir von der treuesten Schwesterliebe absehen. Seine Knabenschwärmerei für die Base Klärchen Neuser, die im Herzen des Jünglings dann za echter Neigung aufblühte, ward nicht erwidert. Eine seltsame Fremde, halb Mignon, halb Landstreicherin, die »Peregrina" seiner späteren Gedichte, hatte Mörike im Jahre
Eines Zages hatte sich bei Jungfer Holm das unbefriedigte Mütterlichkeitsgefühl besonders stark fühlbar gemacht. Sie hatte die Möpsin gewartet und sie mehrere Male aus- und angezogen, allein es hatte nichts geholfen. Jetzt stand sie niedergeschlagen am Fenster. Da hörte sie plötzlich Schreien und Holzschuhgeklapper auf der Straße; eine ganze Horde Schuljungen stürmte vorbei. Alle schwangen im Laufen die Mühen und riefen: „Hurra! Die Tochter des Waldwärters hat zwei kraushaarige Buben bekommen!"
Jungfer Holm stutzte. Infolge ihrer vereinsamten Stellung ahnte sie nichts von der Begebenheit, die die ganze übrige Stadt in Bewegung gesetzt hatte. Zwei kraushaarige Buben! Plötzlich kam ihr ein Gedanke — wie wär's, wenn sie das Mädchen veranlaßte, ihr das eine der Kinder abzutreten? Sofort zog sie sich zum Ausgehen an und eilte davon; die Möpsin lieh sie zu Hause; die war in der letzten Zeit etwas fett geworden und konnte weites Gehen nicht gut ertragen.
Unterwegs überlegte sie. Buben hatten die Jungen gejohlt. Mädchen wären ihr lieber gewesen, aber nun war es einmal so.
bet; aber die größte Ungerechtigkeit von allen war doch, daß nur sie allein Kinder gebären muhte, deshalb galt es in erster Linie, die Frauen dahin zu bringen, dies einzusehen, um sich dem zu widersetzen. Das Leben soll sich andere Wege suchen zu seiner Selbsterhaltung. Sie entzückte Jungfer Holm damit, daß sie sie lobte und pries toegen des entschiedenen Standpunktes, den sie in dieser Sache eingenommen habe, und die biedere Jungfer schluckte ihre Worte, als wären sie hohe Weisheit. Aber späterhin, als die Kopenhagenerin anfing, mit der Vorsehung ins Gericht zu gehen, and sogar das Geschlecht der Gottheit untersuchen wollte, das sie allzu ungerecht verteilt fand, indem die männliche Seite von zwei Personen in der Dreieinigkeit vertreten und die dritte mehr als zweifelhaft sei, fühlte sich Jungfer Holm weniger behaglich in ihrer Gesellschaft. Sie dachte schließlich in der Stille, wenn sie doch nur abreisen wollte, und stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als dies wirklich geschah, obgleich sie nun wieder ohne Gesellschaft war.
Ader diese Bekanntschaft blieb nicht ohne Bedeutung für Jungfer Holm. Sie lernte, ihren Männerhaß in ein System zu bringen, und faßte ihren Abscheu davor In schwere Beschuldigungen zusammen, die sie aus Mangel an anderen Zuhörern ihrem lieben Möpschen einprägte.
Und „Perle", die Möpsin, wurde ein neuer Lichtpunkt in ihrem traurigen Dasein. Sie sah still da, horchte auf ihren Vortrag und gab nur von Zeit zu Zeit durch ein kurzes Bellen ihren Beifall zu erkennen. Aber sie verstand jedes Wort, das ihre Herrin sagte, und haßte alle Menschen genau so wie diese. Nie lief) „Perle" eine Gelegenheit ungenützt, einem Mann an die Beine zu fahren; sie bekam Fußtritte von den Männern und wurde von den Jungen mit Steinen geworfen, knurrte jedoch aus solchem Anlaß niemals gegen ihre Herrin, sondern nahm dies als einen Stoß, den die Welt nun einmal versetzt. Ihr gemeinsames Schicksal knüpfte sie nur noch fester aneinander. Darum war es nur folgerichtig von der Möpsin, wenn sie ihren Widerwillen gegen das männliche Geschlecht auch auf die Hunde ausdehnte. Sie konnte andere Hunde nicht ausstehen und bekam niemals Junge. Dieser Umstand war Jungfer Holms Stolz und Freude. Jahrelang hatte sie in dieser Richtung Befürchtungen gehegt und darum ihre Hündin fürsorglich gehütet; nun war diese fünf Jahre alt, und die Jungfer fühlte sich sicher. Sie war |eft überzeugt, „Perle" habe sich die Ansicht ihrer Herrin von dem andern Geschlecht angeeignet, und so schrieb sie ganz hingerissen darüber an ihre kurzgeschorene Freundin und sprach mit jedermann davon, der ihr nur zuhören wollte. Und sonderbar, bald der eine und bald der andere sprach mit ihr über die merkwürdige „Perle" und verlockte Jungfer Holm damit, von deren Keuschheit zu reden. Aber sie sah die Gesichter der Leute nicht, wenn diese von ihr weggingen.
bete mit sich auf dieser sündigen Erde, und mit der Zeit gingen ihre Gefühle von dem einzelnen über auf die Gattung „junge Männer" im allgemeinen. Als dann diese und sie selbst auch älter wurden und eine neue männliche Jugend auftauchte, erbte diese ihren Hatz, ohne daß die ältere Generation sich dadurch benachtei-- ligt zu fühlen brauchte — sie hatte genug für sie alle.
Liebe kann zuweilen irnerirtbert bleiben, Hatz niemals. Die Jungen konnten sie aus Instinkt nicht leiden, sie wußten, auch an sie komme die Reihe, sobald sie erwachsen seien, und so verlangten sie sofort Vorschub auf ihr Guthaben. Die Mütter verabscheuten sie um ihrer Männer und Söhne willen, und die jungen Mädchen sahen in ihr ein abschreckendes Beispiel. Und eines schönen Tages entdeckte sie, daß sie zu der ganzen Stadt in einem schiefen Verhältnis stand.
Nun hielt sie sich einen Hund. „Natürlich!" sagten die Männer. „Das versteht sich!" erwiderten die Frauen, und die betben Geschlechter nickten und lachten einander zu, wenn sie mit „Perle" vor- überging. O, sie hätte ihnen die Augen auskratzen mögen, diesen Abscheulichen, diesen Ekelhaften! Wenn doch nur die Sintflut wiederkäme! Wenn nur bald der letzte Tag anbräche! — Wenn nur — wenn nur! Und bann wurde sie überdies Jungfer betitelt, wenn sie auf den Fischmarkt kam und Fische kaufen wollte, als ob nicht ihr Vater ein großes Fischerboot besessen und diese Leute heute alle in der Tasche gehabt hätte! Einsprache erheben —! Danke schön, davon hatte sie die Aase voll. „Ich bin keine Jungfer !" hatte sie einmal mit großem Nachdruck gesagt; aber da hatten sie sie so boshaft fragend angesehen und einander zugeblinzelt — diese Tiere! Das war ein fürchterliches Dasein. Die Bitterkeit nagte und brannte in ihr, und selbst der Haß, der ja nichts anderes war als verschmähte Liebe, unendlich große Liebe, die sich nach innen geschlagen hatte, sich selbst verzehrende Siebe, die sie verbrannte und aufzehrte in der schlimmen Gestalt des Hasses. Sie wurde lang und mager; ihre Brüste wurden flach, und ihre Nase wurde spitz mit roten Stellen um den Ansatz herum — sie schoß in Samen.
An jenem Tag, als ihr ihr Verhältnis zu der Stadt klar wurde, erschrak sie. Sie fühlte, daß der Krieg erklärt fei und daß es jetzt heiße, aller Hand' gegen eine und einer Hand gegen alte. Aber ihre verschmähten Gefühle wurden zur Tatkraft, und sie nahm den Kampf auf. Es wurde ein Krieg bis aufs Messer mit feindseligen Blicken und bösen Worten und herausgestreckten Zungen, erst versteckt und dann offenkundig. An stürmischen Abenden schlugen die Jungen donnernd an ihre Haustür und schickten Schwärmer ihren Schornstein hinunter, so baß ihr Ofen über die ganze Stube Ruß ausspie. Und in mondhellen Dächten brachten ihr die jungen Burschen unter ihrem Fenster Ständchen mit Har- monikabegleitung. Ja, als sie sich eines Morgens erhob, stand ein ausgestopfter Storch vor ihrem Schlafkammerfenster mit einem Wickelkind im Schnabel.
Dieser letzte Streich war beinahe zu boshaft, der zielte auf ihren empfindlichsten Punkt, die Muttersehnsucht — ein Gefühl, bei dem trotz ihrer Selbstverhärtung immer noch ihr Herz blutete. Sie war nicht dumm und wußte wohl, daß nicht der Storch die kleinen Kinder bringt — aber gerade das machte sie traurig. Warum konnte es nicht so sein? Dann hätten alle Fräulein doch auch wenigstens ein Kindchen bekommen können.
Beim Gedanken an Kinder konnte sie ganz schwach werden, und wenn sich das kleine Volk der Nachbarn auf der Straße her- umtrieb, war sie beinahe geneigt, Frieden mit der Welt zu schließen, hur um das Vergnügen haben zu können, solch ein Kleines in die Arme zu nehmen. Aber wenn sie sich näherte, rissen ihr die Mütter ihre Kinder vor der Nase weg und murmelten etwas vom „bösen Blick". Dann schloß sie sich ein und weinte, und nachher war sie nur noch bitterer.
Zu andern Zeiten, wenn die Sehnsucht groß in ihr wurde, kleidete sie den Mops als kleines Kind an, legte ihn in eine Kiste, die die Wiege vorstellen sollte, und wartete und pflegte ihn.
Sie kam bis zu dem Punkt, wo sie erkannte, daß der Kampf allzu ungleich sei, und gerne die Waffen niebergelegt hätte, wenn der Friede damit zu erkaufen gewesen wäre. Jetzt sah sie ein, daß sie der Stadt nicht das geringste geschadet, sondern nur zu deren Unterhaltung beigetragen hatte, während ihr von der Stadt das ganze Dasein verbittert und zur Hölle gemacht worden war. Aber der Friede war nicht zu haben, dazu machte den andern der Kampf allzuviel Spaß — und so kämpfte sie denn weiter.
Dann kam ein Lichtpunkt in ihr Leben und ein Grund zu neuem Kampfeifer, denn in den Sommerferien erschien eine Vertreterin der Frauenemanzipation in der kleinen Stadt, um da zu baden. Es war eine kleine Lehrerin aus Kopenhagen mit kurz- geschnittenen Haaren, die die Männer noch eifriger haßte als Jungfer Holm und sich mit allerlei Gedanken trag, wie man sie von ihrem Thron stürzen könnte. Die Kopenhagenerin und Jungfer Holm fühlten sich zueinander bin gezogen und fanden M) traft verborgener Sympathien. Die Kopenhagenerin aber fand in Jungfer Holm einen fruchtbaren Boden und eröffnete vor ihrem Blick Tiefen der Ungerechtigkeit, die sowohl die Vorsehung als die; Männer gegen die Frauen ausgeübt hatten. Die ganze zeitgenof» psche Gesellschaft war auf Ungerechtigkeit gegen Ne Frau gegrttw
und wenn man das Kind selbst erzog, bann brauchte es ia gar nicht zu werden wie die andern Männer. Sie war vergnügt und tf ihrem Wege. „Seht nur, wie sie daherschwebt, die !" sagten zwei Frauen zueinander, von denen jede


