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1823 eine Zeitlang in ihren Dann gezogen tviellÄcht Sen werdender, Dichter mehr, als Len reifenden Mann), fein herzllches Fühlen für Klärchen wurde durch dieses romantisch« Abenteuer nicht ge* mindert aber die Jugendgespielin nahm erwünschten Anstoh und verlobte sich schnell mit einem andern. Ms Pfarrverweser in Plattenhardt sah Mörike 1829 Luise Bau, die 23jährige Tochter des kurz vorher verstorbenen Ortsgeistlichen. Nach wenigen Mo- natsn ist sie seine Verlobte, und ihr schreibt er während ferner Warrderjahre als Vikar jene wundervollen Brautbriefe, wie sb- inniger wohl nie einem deutschen Mädchen gewidmet wurden. Luise aber verstand diese hochpvetische Sprache nicht: ihr wäre lieber gewesen, Eduard hätte von besseren Heiratsaussichten geschrieben, nach deium ihr prattischer Sinn verlangte. Nach drei-ähr-gem Alm- gang löste sich ohne Mitzton die Verlobung des ungleiche Paares. Luise herrateke später einen biederen Pfarrer und ward mit ihm glücklich.
Mörike blieb weiter ruhe- und stellenlos, bis ihm 1834 in 6er klassisch gewordenen Pfarre Cleversulzbach endlich einig« friedlichere und schaffensfrohere Jahre beschieden toaneit. Wer Wied« war er ohne Amt, als er in Mergentheim die 27Mrige Tochter Gretchen des über ihm wohnenden katholischen Oberstleutnants a. D. von Speeth kennen lernte und sie nach den', baldigen Hmschelden ihres Vaters aus Mitleid 1851 zum Altar führte. Zu seinem Unheil, wie Hauns Wolfgang Nath in seiner kürzlich (bei Carl Fr Scholz, Ludwigsburgs erschienenen Monographie „© reichen, eines Dichters Schicksal, «ine Chronik vom Erdenleid Eduard Mörikes", seftzustellen unternimmt.
Alm die Herausgabe dieses Buches hat Aath, der Vorsitzende der Gesellschaft der Mörikefreunde, mit den Hinterbliebenen des Dichters. inSbesondsre mit ^dessen Tochter Frrirny (wohnhaft m Frauenstift zu Nerwnstadt am Kocher) und deren Schwregersohn, einem Münchener Architekten, einen erbitterten Kampf geführt. Im vorigen Jabrs, als dieser Streit noch im vollen Gange war. haoe ich bereits in der Presse auf die problematische Nachlastvsrwaltung fettens des Herrn Nath hingewieseu und damals mitgeteilt, cmß Mörikes heute im 68. Lebensjahre stehende Tochter Fanny, die bei Trennung ihrer Eltern sich zur Ma«« gehakte«, sich heftig gegen deren nachträgliche „VernrHsimpfung" gesträubt habe. Gelegmrt- lich efaeä Besuches in NeuerOadt gab mir Frau Hildenbrand gso. Mörike in unzweideutiger» Worten ihre begreiflich« Erregung über SaS Vrraehen Harms WolfMng.Nalhs zu verstehe»^ und ich chatte der ehrwürdigen alten Dturre aus vollem Herzen beipflicht«» Mussen. .Und ich stehe auch heute, nach dem Erscheinen der Enthül- llrnMHrift auf dem StMÜpunkte, dach, wenn nun einmal dis Oefsentlichkeit mit den Sntimifäten aus Mörikes Sch« behelligt w«- den muß dies aus Gründen schonenden Taktes erst nach dem Ableben der Tochter des Dichters hätte geschehen sollen. Bis 'dahin konnte sich Herr Nath, dessen Material freilich kein günstiges Lickt auf die Verträglichkeit von Mörikes Gattin fallen lacht, getrost gedulde!»: vorweWSnommen hätte ihm, dem am meisten Eingeweihten in jene Ehrgsheimmsfe, wohl kaum jemand die Entschleierung. SvbaD eine Ehe in das Schaffen eines Mchkers restlos bestimmend eingreift, sein weiteres Wirken unmittÄbar prägt, wird nismcmd gegen di« Erforschung und Bsrvffentlichung dieser biographischen Kleinarbeit etwas «inwe>rdsn können, — im Falle Mörikes ist jedoch, riefe Nokwsndigir'tt der Veröffentlichung schwerlich gelben. Selbst eine gesegnetere Ehe würde den poetisch schon früh unfruchtbar gewordenen Dichter nicht gespornt oder gar gewandelt haben. Die Willensschwäche des von Jugend auf Kränkelnde« war unheilbar, an dem „vorzeitigen Absterben von Mörikes Dichtergenius" war seine Ehe mit Margarethe von Speeth bei Wettern nicht in dem Matze schuld, wie solches Hanns Wolfgang Nach cmzunehmsn scheint.
Kurt MshTr-Notermund.
Die Stabt der BiZo Ntsriefadrikation.
Bon Jgna Maria.
Pferzheim! Emst die kleine martzrWiche badische Nesidenz, Heute weltbekannt ob der Schmuckwaretrindustrie. An dies« Stadt, obgleich sie eine Umgebung besitzt, tote sie nicht leicht wieder- zuftnden ist — der idyllische Kupferhalmner, das SHwarzwald-- haus, die lieblichrn, abwechslungsreirhAt Täler der Gnz, Nagold und Würm —, interessiert am stärksten die Bijouteriefabri'kation. Sie ist es ja auch, die Mörzheims Weltruf befestigte: denn! wenn man hört, dah in dieser Stadt bespielsweise der „Originalschmuck" für die Eingeborenen d« Südfeeinfeln oder „Original" ägyptische Zigarettenetuis hergestellt werden, so staunt man zwar über die ungeheuere Anpassungsfähigkeit, aber man kennt auch den Grund dieses Weltrufs: zäher Wilke und d« Glaube an das eigene Können! Im Jahre" 1761 arbeitete ein« einzig« Ähren- und Stahlfabrik mit 74 Arbeitern, und zwar waren es durchaus keine glückverheißenden Anfänge, die sich zu den heutigen 1000 Betrieben mit 35 000 Arbeitern ausbauten. Darunter 53 Großbetriebe beschäftigen mehr als 100 Arbeiter, und Pforzheims Postverkehr steht an erst« Stelle nach Berlin.
Pftrzheim ist Fabrikstadt: man versuche einmal bei Fabrik- schloß gegen den gewaltigen Strom der zum Dahnhvs silenden Arbeiter und Arbeiterinnen anzugehen! Ganze Straßen, in denen sich Fabrik an Fabrik reiht, selbst die Privathäuser beherbergen! Bijoutteriebetriebe, und doch ist alles licht, hell und freundlich Keine rußgeschwärzten Mauern, keine rauchenden, himmÄanstre- bemöen Schlote adrett und sauber die Arbeiterinnen, die nach Fabrikschluß durch die Stadt spazieren. Einkäufer aus aller Herren Länder finden sich hier ein: Die Einkäuserlists verzeichnet weit mehr Namen des valutastarken Auslandes denn des kaum noch luxusbedürftigen Deutschlands. Eine ständige Musterausstellung der neuesten Erzeugnisse der Fabrikation befriedigt so ziemlich den Geschmack der ganzen Welt. Seltene kunstvolle Schmuckstücke, handziseliert, mit Emailmalerei, kostbare Edelsteine, zartgliedrige Goldketten, als Kuriosität und Beispiel von Kunstfertigkit die Ringuhr, daneben auch den Bolksgeschnrack treffende Tombak-Dubkeeketten, Ringe, Medaillons. Kein Fabrikant, nicht einmal der ausstellenöe, darf die Ausstellung betreten, damit der Musterschutz gewahrt bleibe, und auch ber Einkäufer maß sich als solcher legitimieren, bevor er die strenggehüteten Räume mit ihren Schätzen betreten darf.
Interessant ist ein Gang durch eine Silberwarenfäbrik in vollem Betrieb. In offenen Schmelzöfen schmilzt das körnige SW« in großen Tvnrigeln flüssig, wird in Formen gegossen und erkaltet hier zu Barren, die nun in den weiteren FabriS- räumen gur Verarbeitung gelangen. Schwere Preßhämm« hämmern den Barren in die gewünschte Länge, andere Maschinen walzen und schneiden das Rohfilber zu dünnen Platten, formen es zu langen, schlanken Röhren, die durch entsprechrnve Bearbeitung zu fernem Silberdraht gezogen werden. ®ä ist das Material zur Herstellung Von Silberketten und Maschengeflechten. Kunstvoll konstruierte Maschinen schireiden den Silberdraht in bestimmte Länge, formen die Stückchen zu rNLtnanderhängenden glatten od« gedrehten Ringelchen und lasten endlich das fertige Kettenband in aufgeflellte Behält« rieseln. Andere Maschinen stricken Rundnetzgeflechte für die so beliebten Silbertafchen und Silberbörsen. Scharfe Drahtscheren schneiden das Geflicht in Taschengröße, das dann zu Taschen verarbeitet wird. Mit dem Meterstab messen geübte Arbeiterinnen das Kettenband in Ketten ab, versehen die Ketten und Kettchen mit Verschluß, geben sie zum Putzen weit«.
Fermmaschinen stellen Löffel, Gabeln, Messergriffe, Siebe, Kaffeekannen, Zuckerdosen usw. her, die nächste feilt die über» flüssigen Ränder glatt, so wandern die Gegenstände von Maschine zu Maschine, bis der gebrauchsfertige Gegenstand den Putzerinnen übergeben werden kann. Ebenso w«den Medaillons, Silberbügel. Zigarettenetuis hergestellt, alles auf dem Wege des maschinellen Verfahrens.
Das vielverwendete Alpakasilber erfährt dieselbe Behandlung inti> Verwendung, nachdem durch ein besonderes Verfahren eine Silberplatte von bestimmt« Stärke einem minderwertigen Metall aufgewalzt wird, und zwar so, daß. die Silberfchichch inaner die Oberfläche bedeckt. Dann ber Blick in das fertige Musterlager der Fertigfabrllate: Da stehen große Silberhumpen für Südamerika bestimmt, da liegen Scheuchen, Fing«hüte, Bestelle, Reisenecessaires, Ketten, Ringe und Medaillons, und wenn man auswählen .sollte, man vermöchte es nicht, überwältigt von solch vielseitigem Angebot.
Die Fabrikation von Gvldwaren ist ähnlich wie die bar SWertoaven, nur, daß der Gedanke der Goldverarbeitung für Laien etwas Berauschendes hat, während die Arbeit« sich lärmst an das unansehnliche, schmutzige, kaum den Namen Gold verdienende Arbeitsmaterial gewöhnt haben. Die Gewohnheit tötet schließlich auch den „Goldrausch", und erst müssen die Putzerinnen es in energische und liebevolle Behandlung nehm«, ehe das glänzende strahlende Gold seine faszinierende Wirkung ausübt. Wie man bei Alpakasilber eine Silberplatte einem anderen Metall aufwalzte, so wird auch bei Dublee eine Gold- platte von bestimmt« Stärke einem unedlen Metall aufgewalzt, stets bedeckt die Goldschicht die Oberfläche. Die Herstellung von Ketten, Ringen, Taschen, Medaillons ist die nämliche wie bei SW«: sehenswert ist das Fassen von Edelsteinen und Gmall- malerei. Natürlich sind diese Fabriken, die mit solchem hochwertigem Material arbeiten, ein« besonders scharfen Kontrolle unterstellt. Der Niedergang unseres Wirtschaftslebens macht sich auch hi« bemerkbar, viele Fabriken, je nach Fabrikation, arbeiten mit verkürzt« Arbeitszeit unö sehen sich zu weiter« De- triebsemschränkung veranlaßt, kommt nicht bald eine Wendung zum Besseren.
Das sanfte Hügelland des Kraichgairs, das die blauschimmern- den Schwarzwaldberge ablöst, liegt in goldenem Frühlings» sonnenschein: Pforzheim, noch Schwarzwaldkind, arbeitet in un- verörvsfenem Fleiß, um Tausenden Unterhalt unö damit Lebensfreude zu geben.
Schriftleitung: August Go«h. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Univ.»Buch« und Steindruck««!, R. Lange, Gießen.


