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1923 — Nr. 82
Samstag, 11. MttgUst
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Der Hüttenberg.
Don Lehrer 31. Dach, Flensungen.
(Schluß. I
Die älrbewoh-ier des Hüttenbergs waren die Chatten und 7C> ime damals alle Germanen, der heidnischen Religion Oh?M*rrtftn; r™°-t emtcs(\ Anhaltspunkte find vorhanden, die uns Aufschluß über ihren heidnischen Kultus geben. Die Gottesdienste warei, öffentlich unter heiligen Sichen oder Linden. Jeder Montag war ein Ruhetag Die monatlichen Feste wurden an den Reu-- und SÄÄ1'«, ivelche Zeit sie für die glücklichste hielten. Au solchen Mondfesten wurden den Göttern Tiere, ja sogar Men- twer nT/T TP Opfern gibt noch Zeugnis ein mach. tn T Rahe meines Heimatortes Dornholz. Wifi»'’'-6 \ a *2. im Walde liegt. Eindrücke für Kopf und
in T-TVfT llic6 sieht man deutlich die Rinnen,
PPmTT CBInt .^blief Daß man in dortiger Gegend besonders Db8.r ®övr diente, geht daraus hervor, daß nach
Ramin f Ofyi mtl ?S! eines Stieres in Wetzlar unter dem Ramen Hammon göttlich verehrt worden sei. Rach Aldenbrück ■ TT ”*V - Itn;?,n stierähnlichen Kopf und Ammons- hornern^Largestellt, gleich dem Jupiter Ammon.
™ f.'-U schönsten Gebräuchen der alten Germanen gehörte die Tote.r Mnn legte sie auf eine Bahre,"Lkleidete T ?^ber" und gab dem Mann fein Schwert,
R> m 6l,e. Splrchel und dem Kind sein Spielzeug in den cxmse«?“sen fnn& die Leichenfeier statt. Diese wurde
S ®^n9 von Liedern und einem Leichenschmautz.
S*m11rt ™;8?-nS E^ALiben legte man den Toten in feinem besten Scheiterhaufen und verbrannte ihn. Hierauf
Sie"?!C ®sMne aus der Asche gelesen und beigesetzt. Auster- 681,1 ?£ten soffen, Schmuck und Gerätschaften bPmP "germanischen> Grabhügel sind besonders im Hochel-
und Dornholzhäuser Wald vorhanden.
Mwrers Ab?^ u^den vor etwa 90 Jahren unter Aufsicht des aebffrrT TT S0Tt ,HvchelhLim in den genannten Wäldern Zneu in .;®us ersts Grab im Dornholzhäuser Wald enthielt einer hölzernen Scheide befindlichen 5 Zoll langen Dolch serbra»F -TTf- geringsten Berührung in vier Stücke
fanop /r rnör ü2?ren verfault, ferner eine 7 Zoll
lange Heftnaöel (frbula) von Kupfer, welche auf der Oberfiäcks
Eich E 4 Zoll Le und i/O Zl L die di» Ä^ voch^ ganz unversehrte Waffe von Kupfer Alle bt>n TT ^ciM oder einer Streitaxt hatte,
bem Stucks rvaren stark mit Grünspaii überzogen. Auher-
bech. Jk ?leT Hl-gel noch ein Totenkopf gefunden, "der
Hüaet^m cheyrere kleine Stücke zerfiel Der zweite
war ÄK/?8uuer Wald hatte 60 Schritte im Umfang und
Ls als dem höchsten Teil desselben, 7 M hoch
®faufi?n dieser Gegenstände hatte seinen Grund in dem
den Grüb-km PT Germanen, die Seelen würden in pder bei h tosPeA- ®S^er langte man auch Bäume auf die Ä ol?4 Seelen schattig und kühl ruhen konnten,
dttinuten hT s Q,etten eingehullte Totenköpfe fand, so ist 5u D^Dr^^^iPs^ualigM Bewohner des Hüttenbergs ihren Urne niit T,. ™ s &en Aumpf verbrannten, Lia
dann T öL?'^ TV?" "bngen Gegenständen beisetzten und -'n" Erde zuwarfen. Roch manche Gebräuche Ai Tte'r altgermanischen Leichenfeiern.
meinem Heimatort Dornholzhausen und auch wohl noch in
anderen Orten des Hüttenbergs fingen heute noch die Schuh' kinder bei der Beerdigung Degräbnislieder. Auch findet nach derselben em Leichenschmauß im Trauerhause statt, zu dem an "te ^.^E^iidken des Verstorbenen eine besondere Einladung ergeht. Man sagt: Es wird auf die Trauer geladen
ist gänzlich ungewiß, wann dieses heidnische 'Wesen im Huttenberg dem Christentum weichen muhte. Richt unwahrschein. lrch rst es. daß bereits unter Roms christlichen Kaisern im römischen Germanien das Christentum festen Fuh fahte zumal nn 4. Jahrhundert den Städten Speier, Worms, Mainz und Trier das Licht des Evangeliums aufgegangen war und in diesen Städten sich christliche Lehrer vorfanden. Auch predigte öst. dieser Zeit der hl. Lubertius an der Sayn und stiftete zu Dietkirchen ein Bethaus, woraus die von ihm benannte Kirche hervorging. Ob und wieweit er in den Hüttenberg vorgedrungen ist kann nicht erwiesen werden. Erst einem Bonifatius sollte die Ehre zuteil werden, die noch vorhandenen Reste des Christentums m der Lahngegend zu sammeln und den Bewohnern der Um» gcgenb die Wahrheiten desselben zu verkündigen. Es ist kein Zweifel, daß Bonifatius bei fernen öfteren Reisen durch die Wetterau wich im Hüttenberg das Evangelium ausgebreitet Hat Wie überall in Deutschland, so waren auch! mit der Zeit l» der Gegend an der Lahn Mißbrauche in die christliche Kirche eingeschlichen. Bon Gregor VII. an wurden denjenigen Christen eine volle Sündenvergebung versprochen, welche der Kirche wich, tige Dienste erzeigten. So bewilligte das Collegiatstift Wetzlar 1404 allen denjenigen, welche zum Bau des Stiftsturmes bei- trugen, einen Hauptablaß von 2000 Tagen. Richt weniger nahm auch die Sittenlosigkeit der Geistlichen überhand. Erzbischof Gerhard II. von Mainz verbot 1290 seinen Geistlichen das Tragen einer Crulle (gekräuselte Haare), das Besuchen der Jahrmärkte, das Tragen von Waffen und hölzernen Schuhen, das Halten verdächtiger, Weibspersonen oder Deckinen in ihren Häusern.
Mn religiöser stlmschwung trat im Hüttenberg durch du Einführung der Reformation ein. Da der Hüttenberg wie schon vorher ausgeführt wurde, bis zum Jahre 1703 von Hessen und Rafsau gemeinsam verwaltet wurde, so konnte die Äeformativn in diesem Gebiet schon 1526 Eingang finden, zumal Philipp der Großmütige von Hessen und Philipp der Dritte von Rassau von einem religiösen Geist beseelt waren. Der Hauptresormator des Hüttenbergs ist unstreitig der aus Tirol stammende Pastor Caspar Goltwurm. Gr studierte in Italien, ging von da nach Wittenberg zu Luther und bekannte sich zu dessen Lehre. 1546, also im Todesjahre Luthers, wurde er Hofprediger des Grafen Philipp von Rassau-Weilburg und schon ein Jahr später Bist- tator und Superintendent dieses Landes. Auf einer Synode am 5. Oktober 1547 versammelte Goltwurm in Großen-Linöen alte Geistlichen des Hüttenbergs um sich, um die kirchlichen Angelegen- heilen daselbst in Ordnung zu bringen.
Rach dieser Synode fürchtete Goltwurm bereits das schwere Tlngewitter des Interims. Dieses wurde auch schon am 18. September 1548 auf der Kanzlei zu Weilburg den versammelten Geistlichen, auch denen aus dem Hüttenberg, vorgelesen Letzter« lehnten in einem Protestschreiben an den Grafen das Interim ab. Goltwurm mußte weichen und ein katholischer Geistlicher nahm dessen Kanzel ein. Eine Trierer Visitation erschien, welche alles wieder auf den alten Fuß zu sehen suchte. Goltwurm reiste nach Jena und Leipzig und von dort nach Wittenberg, einer Ein- ladung Melanchthons folgend, wo er zweimal predigte. Rach dem Passauer Vertrag 1552 nahm Goltwurm am 24. Juli d I sein 2lmt m Weilburg wieder auf, hielt am 14. April 1553


