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1923 — Nr» 10
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Wie Fichte seine Reden an die deutsche Nation hielt.
Uchte« Heldengrvhe und Willenskraft macht feine Persönlichkeit wenso zu ernem hohen Vorbild, wie es feine Philosophie für »a« heutige Geschlecht darstellt. Dieser einzigartige Mensch, „mit Jerner Granitstirn und Aase, so knochig und feifern wie die wenigen cNefichter, die alles ändern, nur nicht sich", tote Jean Paul ihn genannt hat, stand in Deutschlands schwerer Zeit vor 100 Jahren, oa soviel« schwankten, unerschütterlich und ehern fest, etn mannhafter, fortreißender Führer zum Glauben an Deutschlands Zu- ^nft und an den Sieg der gerechten Sache. Dieses stolze Wesen Fichtes uns Heutigen tn ähnlicher Lage besonders teuer — tritt unei mit lebendigster Anschaulichkeit entgegen aus einem bei Z 8«essel in Leipzig erschienenen Werk „Fichte in vertraulichen »ttefcn feiner Zeitgenossen", in dem Prof. Hans Schulz Briefe, Tagebücher und Selbst auf zeichnungen der Männer und Frauen gesammelt hat, die F. persönlich kannten. Aeben den ©roßen der Zeit neben Kant und Goethe, Schiller und Wilhelm v. Humboldt, neben Hölderlin und Avvalis sprechen die Genossen des Alltags und fluchtige Besuche. Alle ihre Aeufterungen spiegeln die außerordentliche Wirkung wider, die der Philosoph auf seine Umgebung
Am stärksten ergreift uns heute die heroische Haltung &je Fichte in der Franzofenzeit. da Prechen von fremden Eroberern besetzt und unterdrückt war, gezeigt hat. und diese Hal° mng fand ihren fchönslen Ausdruck in seinen „Reden an die deutsche Ration , die zu und mit dem vollen Klang gegenwärtigen Erlebens fprechen. Obwohl er damals bereits ein kranker und gebrochener
Jpat1. wurde er doch zum Bekenner und zum Wegweiser Ijiic "sOikes. lieber den Eindruck, den seine Reden hervvrriefen, schreibt Bornhagen: „Der treffliche Mann sprach mit kräftiger Be- getsteNmg dem gebeug'en und irrezewordenen Vaterlandssinn Mut und Vertrauen zu, schilderle ihm die Gröhe der Vorzüge, die sich
Deutsche durch Unachtsam leit und Entartung habe rauben basten die er aber gleichwohl jeden Augenblick als fein unser- austerltches Eigentum wieder ergreifen könne, ja solle und müsse und führte dafür als das tvahre, einzige und unfehlbare Hilfsmittel EE von Grund aus neuzugestaltende und folgerecht durch- zufuhrende VEserziehung an. Sein strenger Geist ging auf vollständige Umschaffung unserer Zustände aus, wobei er nichts weiter Kargte, als dah überall das Wesentliche im Sittlichen wie im Geistigen gefördert und ausgebildet, das Scheinsame und Hohle oagegen aufgegeben und seinem eigenen Absterben überlassen te«ö)e. bann, meinte er, werde sich ohne gewaltsame Umkehr, durch viohe Entwicklung aus dem Vorhandenen und Bestehenden die ganze Kraft und Herrlichkeit, deren die Nation seufzend entbehre, unmerklich und unverhinderlich von selbst hervorbilden."
Jedermann empfand den Wagemut, der in diesen Reden lag «Sein geistig bedeutendes, mit aller Kraft der innigsten Ueber- #eugung mächtig ausgefproch-mes Wort," sagt Bornhagen, „wirkte besonders auch durch den auherordentlichen Mut. mit welchem ein deutscher Professor im Angesichte der französisch^ Kriegsgewalt. deren Gegenwart durch die Trommeln vorbeiziehender Truppen («eknwte dem Vortrag unmittelbar hemmend und aufdringlich tnahnend wurde, die von dem Feinde umgeworfene und nieder» Seyalteiie Fahne deutschen Volkstums auspflanzte und ein Prinzip verkündigte, welches tn feiner Entfaltung den fremden Gewalt» m. öen Sieg wieder entreißen und ihre Macht vernichten sollte, der Gedanke an das Schicksal des Buchhändlers Palm war noch
ganz lebendig, und machte manches Herz für den unerschrockenen "Mann zittern, dessen Freiheit und Leben an jedem feiner Worte wie an einem Faden hing, und der durch die von vielen Seiten an ihn gelangenden Warnungen, durch die Bedenklichkeiten der preußischen Unterbehörden, welche Verdruß und Schaden für sich von den Franzosen befürchteten, io wenig wie selbst durch den Anblick eingedrungener französischer Besucher, sich tn dem begonnenen Werke stören lieft. Man konnte sie nicht ohne Ergriffenheit und Begeisterung anhören." Ueber die Sorgen der Seinen um Fichte in dieser Zeit schreibt seine Frau an Schillers Witwe: Dah Ihnen die „Reden an die Deutschen" gefallen, ist mir ein rechter ~r°i*£ oas Buch hat mir viel Angst gekostet, indem mir immer die Behandlung des. unglücklichen Palm dabet vorschwebte. So konnte ich keine Nacht ruhig schlafen, folange die Fremden da waren, dre hier viele Menschen beispiellos geängstigt haben. Das Buch ist mit inniger Liebe, dem dringendsten Pflichtgefühl und Ergebung geschrieben: denn daß man Gefahr lief, wußte der Verfasser wohh und ich danke Gott mit gerührtem Herzen, daß alle Ungetoitter glücklich vorüberzogen." 1813 im Morgenrot des Befreiungskampfes hielt dann Fichte noch seine Vorlesungen „Ueber die Bedeutung des wahrhaften Krieges", über die ein Student schreibt: »Diese Worte werden endlich die Welt überzeugen, daft die Philosophie nicht ein so leeres Hirngespinst ist, wie man gewöhnlich glaubt: diesmal geht sie aus den Mann und erdrückt ihren Gegner, wie Herkules den Antäus in den Lüften. Auch Napoleon hat sich immer auf bte Seite des gemeinen Bewusstseins gestellt und mit Verachtung von den „Ideologen" gesprochen. Dun aber haben llch die Idee und der Logos verbündet, und kündigen ihm den Krieg an; wer aus diesem Kampfe als Sieger Hervorgehen mutz, kann nicht zweifelhaft sein."
Das Land der armen Lente.
Von Wilh. Heinrich Riehl.
(Wuft.)
Gerade der Teil de« Wefierwaldes, der keine industrielle Geschichte leimt. Hat eine industrielle Zukunft, weil hier die Naturschätze nicht „nesterweis" liegen, wie auf der Rhön, sondern in großen Masten und Gruppen beisammen, rmd weil sie eine harte, mager lohnende Betriebsamkeit, dem Charakter von Land und Leuten entsprechend, voraussetzen. Ein merkwürdiges Beispiel: Es galt einen ganz eigentümlichen Industriezweig wieder zu erwecken, welcher der südwestlichen Ecke des Westerwaldes geradezu geschenkt ist durch die unerschöpflichen Lager des trefflichen plastischen Tones, aus denen man das sogenannte „steinerne Geschirr", die Mineral» wasterkrüge und dergleichen, fertigt. Die sämtlichen Mineralquellen des Taunus und der Lahn Hängen in diesem Stücke ab von den Westerwälder Krugbäckereien. Der Verbrauch ist aufterordentlich. Selters und Fachingen allein brauchen jährlich über zwei Millionen Stück solcher Krüge. Bis in weite Ferne werden Wester- Wälder Gefäfte fett alter Zeit verführt. Im Mittelalter mußten an diesen Tonlagern gelegene Gehöfie ihre Abgaben nicht in Geld, sondern tn Schüsseln an den Kurfürsten von Trier zahlen Ein ganzer Hof zahlte 600 Schüsseln und ein halber 300. Liefen die Abgaben dem Kurfürsten richtig ein, dann konnte er alljährlich einen ganz anständigen Schüsselmarkt tn Trier abhalten. Aber trotz dem vierhunderljährtgen Stammbaum dieses Jndustriecwetges lieft man ihn verkümmern bis auf die neueste Zeit. Die rohen Tonblöcke


