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Offenburg.

Aus Offenburg in Baden wirb uns geschrieben: Der alte Löwe auf dem Offenburger Fischmarkt wirb sich recht verwundert haben, als am Sonntagvormsttag von Kehl her französische Ka­vallerie in unserer schönen sauberen Kinzigstadt einäickte. Eine Abteilung besetzte Appenweier, den EiseVahnknotenpuukt. wo eine Verkündungsquerbahn von der Linie KarlsruheBasel über die badischen Städtchm Kork und Kehl nach Straßburg hinüber- führt. Die hier in Offenburg eingerückle Kavallerie sandte starke Patrouillen längs der flößbaren Kinzig hinaus nach dem idylli­schen Winzerdorf Ortenberg, von wo aus die in Offenburg beginnende Schwarzwaldbahn immer tiefer in den Schwarzwald hineinführt, immer im Tal der brausenden Kinzig, der kraftvollen Tochter der Schwarzwaldberge, nach Genzenbach, dem ehemals reichsunmittelbaren Kleinstadtjuwel, nach Hasl-ch und über Hör- nach weiter nach Triberg, der Schwarzwaldperle. Rings unreeen von der weingesegneten O r t e n a u, ist Offenburg der Handelsplatz für deren liebliche Weine. Reben dem Weihen wächst hier auch ein wonniger Roter und dann noch der schillernde Weihherbst, kurzwegSchiller" genannt. Fessenbach, Käfersberg, Düblwea, das sind einige der klingendsten Namen der Ortenauer Weine. Offen­burg, der Hellen, heiteren Hauptstadt der Ortenau, sehen viele wohl ihre alten ruhmvollen Zeiten kaum an. And doch war sie einst freie Reichs st ad t, und bis zum Prehburger F neben war sie der Sih des kaiserlichen Landvogtes in der Or en au, die damals, auchMortnau" genannt, zum Hcr'vgtum Schwaben oder Aleman-- Nien gehörte. Zu ihren bedeutenden Söhnen gehören in neuerer Zeit der 1868 hier geborene Dichter Anton Fenbrich, und der 1919 verstorbene bedeutende Straf, echtslehrer Joses Kohler. 1853 Setzte die Stadt dem Engländer Francis Drake, dem Der- »reiter der Kartvsfel in Europa, hier ein Denkmal, das sog. Kar- tosfeldenkmal. In den Dörferm nördlich von Offenburg, gegen Appenweier, steht der M e e r e t t > ch b a u in hoher Blüte, für den Osfenburg ebenso Großhandelsplatz ist, wie es der Sitz eines lveithinreichenden Großhandels mit Schwarzwälder Bieh ist. Die -rohe landwirtschastliche Lagerhalle, die für die großen Farren- Märkte errichtet worden ist, brannte im April 1920 nieder. Der neue, weitläufige Ossenburger Dahnhos ist das Zeichen für den großartigen Verkehr, der über Offenburg auf die Schwarz- Waldbahn übergeht, bekanntlich eine der großartigsten deutschen Gebirgsstraßen, die durch Dutzende von Tunnels über Triberg und wi, Georgen nach Donaueschingen führt und über die auch die

St Sprüngen, wrts für Pirouetten ging es durch den Garten? ch glaube, auch die allererste Primaballerina, die vor dem Kaiser Napoleon an seinem Namenstag tanzt, hätte es mit mir nicht auf­nehmen können. Doch als ich etwas zur Besinnung gekommen war, brachte ich sofort das ganze Haus auf die Beine: ich besah! allen, sich zu bewaffnen und nahm selber Säbel und Revolver. Den Re­volver, muß ich Ihnen gestehen hatte ich kurz nach der Emanzi­pation gekauft wissen Vie, für alle Fälle. Aber der Lump, Der Hausierer, hatte mich böse angeschmiert: von drei Schüssen ver­sagten allemal zwei. Na also, ich nahm das alles, und so zogen wir in großer Schar mit Knüppeln und Laternen aus nach der Scheune. Wir kommen näher, wir rufen nichts zu hören: wir treten endlich in die Scheune ... und was sehen wir da? Da liegt mein armer Tresoruschka toi mit zerbissener Gurgel, und von dem andern, dem verdammten Vieh, war jede Spur verschwunden.

And da, meine Herren, brüllte ich auf wie ein Kalb, und ich sag's Ihnen, ohne mich zu schämen: ich warf mich über meinen zweifachen Lebensretter und küßte ihm immer wieder den Kops. And in dieser Stellung blieb ich so lange, bis meine alte Haus­hälterin Praskowja, die auch auf den Lärm herbeigelaufen war, mich zur Besinnung brachte. ,Was jammern Sie denn so um den Hund, Porfirij Kapitonylsch?' sagte sie. ,6ie erkälten sich noch. Gott behüte!' Ich war sehr leicht gekleidet. .Wenn dieser Hund sein Lebet; für Ihre Rettung hingegeben hat, so ist das als große Gnade Gottes für ihn anzusehen.'

Ich dachte zwar anders als Praskowja, ging aber ins Haus. Den tollen Hund aber hat tags daraus ein Garnisonsoldat mit Kner Flinte totgeschossen. Das muß ihm wohl so vom Schicksal stimmt gewesen sein: denn es war das erstemal, daß dieser Sol­dat seine Flinte abdrückte, obgleich er eine Medaille für den Feld­zug von 1812 besaß. Sehen Sie, meine Herren, dieses übernatür­liche Ereignis hab' ich erlebt."

Der Erzähler schwieg und fing an, seine Pfeife zu stopfen. Wir alle wechselten erstaunte Blicke.Sie führen vielleicht einen sehr tugendhaften Lebenswandel," fing Herr Finoplentvw an,und um Sie dafür zu belohnen ..." Aber hier blieb er stecken, denn er sah, daß Porfirij Kapitonhtsch die Wangen aufgeblasen und die Augen zugekniffen hatte und feuerrot geworden war: noch ein Wort und er wäre in ein schallendes Gelächter ausgebrochen ...

Wenn man aber die Möglichkeit des Aeberna'ürlichen, die Möglichkeit seiner Einmischung in das sozusagen all ägliche Leben zugibt," fing Anton Stepanytsch wieder an,welche Rolle kommt dann, wenn man fragen darf, dem gesunden Menschenverstände zu?"

Keiner von uns wußte darauf etwas zu sagen und so faßen wir nach wie vor staunend und zweifelnd da.

internationalen Züge gehen, tüe den Anlaß zu der Besetzung Offen- burgs und Appenweiers gegeben haben.

Neue Spätze vom alten Fritz.

Der alte Fritz liebte einen derben Spaß. Das hatte er von seinem Vater geerbt, dem er überhaupt in manchen Dingen mehr Ähnelte, als man wohl anzunehmen geneigt ist. Hatte te: Soldaten­könig im Kreise seinesTabakskollegiums" einen Spaßmacher, dem er nicht selten mit handfesten Neckereien übel mitspielte, so' war Friedrich feine Kultur freilich über diese Grobheilen des Barock erhaben, aber auch er mußte in seiner Umgebung stets jemanden haben, der ihm alsPlastron" für die Pfeile seines scharfen Witzes dienen konnte. Anter den deutschen Hofmännern feiner Umgebung steht hier neben dem bekannten Baron von Pöllnitz und dem Ober­sten Quintus Icilius der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin, dessen intereffante Bez'ehungen zu dem großen König der bekannte Friedrich-Forscher Prof. Gustav Ber­thold Volz auf Grund des gefatn en Materials in seinem bei Sari Reißner erschienenen WerkAus der Welt Friedrichs des Großen" behandelt. Wer die besondere Art der Späße des alten Fritz kennen lernen will, darf an feiner merkwürdigen Freund­schaft zu seinemStallminisler" nicht Vorbeigehen. Schon der Vater und Großvater des Grasen waren Oberstallmeister gewesen, und als Friedrich Albrecht geboren wurde, hielt ihn der nur fünf Jahre ältere Kronprinz Friedrich über die Taufe. Als fein Paten­lind hat ihn denn auch später der alte Fritz betrachtet und damit manche seiner Neckereien entschuldigt. Der Graf trat zunächst ins Heer ein und war ein tapferer Kriegsmann. In einer Schlacht suchte er Friedrich, der beim Regiment des Obersten weilte, von einem besonders gefährlichen Standort zu entfernen. Da die Äu­geln bedenklich um sie herum, fifseu, so sagte er zu dem König: Sehen Sie nicht, daß man es auf Sie aoge.ehen hat?"Dummes Zeug, Herr von Schwerin!" antwortete FriedrichNun gut," er­widerte dieser und ritt zu seinem Gensdarmen,da bleiben Sie da, solange es Ihnen gefällt. Ich schulde mich dem Regiment, das ich die Ehre habe, zu kommandieren, und begebe mich fort, um mich an seine Spitze zu setzen." Als Schwerin sich verlobte, verfertigte ihm Friedrich huldigende Verse für seine Braut. 1775 wurde er zum Oberstallmeister ernannt, und der König fchreibt bald darauf dem Prinzen Heinrich:Seine Exzellenz, der Herr Oberst allmeister, weilt hier zu Besuch Nach Schicksalsschluß, scheint es, sind wir dazu verurteilt, niemals einen Oberstallmeister mit ge­sundem Menschenverstand zu besitzen. Man zuckte die Ach: ein, hielt der Verstorbene (Graf Schassgotsch) seine endlosen Reden: fein Nachfolger verschafft uns wenigstens heitere Stunden."

Schwerin war in allem originell, auch in feinen Glückwünschen. Nach 65 Jahren habe ich gestern einen in seiner Art ganz neuen Glückwunsch erhalten." erzählt FriedrichGr kam von Sr. Exzel­lenz, dem Oberstallmeister. Er wünschte mir, ich möchte weder die Druse noch den Spat noch Rotz bekommen. Du siehst, lieber Bruder sein fruchtbarer Geist weiß alten und verbrauchten Wendungen eine ganz neue Form zu geben." Friedrich bedankt sich denn auch gebührender Maßen und erwähnt dabei die zum königlichen Mar- stall gehörigen Maultiere, die überhaupt in seinem Briefwechsel mit Schwerin eine bedeutende Rolle spielen.Weine Maulesel, meine Pferde und ich lege mich zu Ihro Exzellenz Füßen und im« plorieren Sie um beständige Protektion." Gin ander Mal schreibt er eigenhändig:Meine Esel sind in Verzweiflung über die Nach­richt von dem traurigen Zustand, in dem sich Ew. Exzellenz be­findet. Sie hoffen, durch ihre werte Harmonie die schwarzen Ge­danken zu zerstreuen, welche die gute Laune verdunkeln, mit der Ew. Exzellenz bis zu dieser Stunde überaus reich gesegnet war. Ich sage Ja und QImen zu allem, was meine Esel wünschen." Wie der König Schwerin hänselte, dafür finden sich bezeichnende Bei« spüele in den Aufzeichnungen von Friedrichs Kammerdiener Schö­ning. Schwerin hielt sich für einen großen Mufikkenner und wollte daher gern zu den Konzerten des Königs eingeladen werden. Dieser aber, der ihm weniger Gefühl für gute Musik zutraute, ließ ihm durch ein Korps Hautboisten eine Serenade auf 6-Pfennig°Pfeifen bringen, worüber ganz Berlin lachte. Der Gefoppte ärgerte sich aber so, daß er wegenstarker Ohrenschmerzen" nicht bei Tafel erschien. Darauf ließ ihm der König sagen, er glaube, eine Sere­nade sei gut gegen Ohrenschmerzen, und er wolle ihm noch eine bringen lassen, wenn es Seine Exzellenz erlaube. Aus Angst vor neuer Blamage machte Schwerin gute Miene zum bösen Spiest Ein ander Mal wünschte er sich das Porträt des Königs. Dieser ließ darauf auf eine goldene Sabotiere einen Pickelhering malen und verehrte dieses Hanswurstpvrträt dem Grasen. Bei der Aus­fertigung des Patentes zum Wirklichen Geheimen Staatsminister machte sich Friedrich den Scherz, statt StaatsministerStall­minister" schreiben zu lassen, und als sich Schwerin beklagte, schob er die Schuld auf seine Sekretäre. In einem ausdrücklichen Erlaß ver­sichert er bann noch:Ich weiß weder vom Stall noch vom Staat, aber das weiß ich wohl, daß Ihr ein Mensch seid, der zum Staat gehöret, und unentbehrlich seid: also könnet Ihr dabei ganz be­ruhigt sein." Trotz aller Foppereien hing der König an seinem Stallminisler", war ihm bei der Wahl seiner zweiten Frau be­hilflich, und berief ihn noch wenige Wochen vor seinem Tode an fein Krankenlager, so daß Schwerin zu den Wenigen zählt, bie in feinen letzten Tagen um ihn waren.