Samstag, 10. Februar
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1923 — Nr. 6
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Der Wettkampf um das Erdöl.
Kein anderer Roh- und Kraftstoff ist im Verlaufe einer kurzen Zeit zu einem fv ungeheuren weltwirtschaftlichen Machtfaktvr ge- toorden wie das Erdöl. Ms dies Oel, das wir Petroleum nennen, vor wenig mehr als 60 Jahren zum erstenmal in Amerika erbohri wurde, da wurde es uns allen in der Petroleumlampe vertraut, die heute auch schon zum Altvätcrhausrat geworden ist. Das Petroleum leuch et nicht mehr mit behaglichem Schein in unfern Stuben, soirdern es muh jetzt ganz anders arbeiten, um Diesel-Motoren treiben, Lokvmo.iren und Turbinenram, fer helfen, als Berrzin im Motor der Kraftwagen arbeiten, muh Flugzeuge und Lenkluftschiffe d-ahinsausen lassen. Das Ertöl ist zur Wellmrcht geworden, und wer es heute besitzt, vermag über die ganze Erde, über Land, Luft und Wasser zu herrschen. Daher ist ein erbitterter Weltkampf um das Erdöl entbrannt, der sich zwar hinter den diplomatischen und mL-uft helfen Kulissen abspiel!, aber in den wir doch alle mehr oder weniger bewuht hineinge.issen sind und der auch im Weltkrieg eine wichtige, ja vielleicht entscheidende Rolle gehabt hat. Diese weltpolitische Bedeutung des Pe roleums behandelt der bekannte Rationalökonom Georg Engelbert G.as in einem umfangreichen Aussatz ces bei F. A. Perthes in Gotha erscheinenden „Deutschen Pfeilers". Erst die Konferenz von Washington und dann hauptsächlich die von Genua hat weiteren Ä reifen klar gemacht, daß zum mindesten die im Gefolge des 'Weltkrieges entstandenen machtpolitischen Auseinandersetzungen sich um das Pe- troleummonopvl und die zukurf.srcichslen Petrvleumgebieie drehen. England braucht für sein Weltreich das Erdöl als ein notwendiges Mittel, und so werden denn die sogen. „Friedenskonferenzen" immer mehr zu „Ecdölkvnferenzen", und bei den jetzigen Verhandlungen in Lausanne und dem erbitterten Kampf um Mvssul handelt es sich nur um den Besitz des Erdöls und um die daran geknüpfte Beherrschung des Weltverkehrs. Es ist letzten Endes ein Kamps zwischen der Reuen und der Alten Welt, der sich hier ab- spielt: der große Grdöltrust der Bereinigten Staaten, die Standard Oil Eo.. steht den britischen Erdölgesellschnflen gegenüber.
Die fabelhafte Macht der Standard Oil Ev. ergibt sich aus ihrem Vermögen, von dem ein amerikanischer Statistiker errechnet hat, daß die Gesellschaft von 1913—1920 e:wa 4—5 Milliarden Dollars in neuen Erdölanlagen angelegt und etwa eine Milliarde Dollars Dividende gezahlt hat. Der politischen Tätigkeit dieser Gesellschaft wird von den Engiändem die größte Bereitung zu- geschrieben, man behauptet sogar, daß die revolutionäre Bewegung in Indien mit dem Geld des amerikanischen Petroleumtrusts geschürt wird. In Sibirien, China, Rielerlänbisch-Jndien arbeitet das Rockcfelker-Ka pital. Es kämpft um die Konzessionen für die Oelfelder an den südamerikanischen Anden und beherrscht die mexikanische Erdölprvduktion. Seine größten Erfolge aber hat die Standard Oil Co. in jüngster Zeit auf europäischem und vorderasiatischem Boden gewonnen, indem sie Frankreich in das Schlepptau ihrer Oelvolitik brachte, denn dieses kriegerische Land will sich das Crdvl der Vereinigten S aalen für den Fnli eines Krieges sichern. Auch auf die in Jugoslawien entdeckten Pekroleumlager sicherten sich die Amerikaner ein Monopol und blieben Sieger im Kampf um das tschechische Erdöl. Am heftigsten wogt der Kamps in Vorderasien, wo die Interessen Großbritanniens unmittelbar berührt werden, und vor aflcm erstrebt die Standard Oil Eo. den Besitz der russischen und persisch-türkischen Oelsclder. Die Türken scheinen auch geneigt, den Amerikanern Oelkonzessionen zu gewähren, und so gerät England klS Hintertreffen. Deutschland wird |
zwar von diesem Petroleumkrieg nicht unmittelbar berührt, da es nennenswerte Erdölvorkommen nicht besitzt, aber da es heute ja leider nur ein passiver Gegenstand der Politik ist, so wird es von dem Strudel der gegeneinander anstrebenden Interessen gefährlich hin- und hergerissen.
Rembrandts Tod.
Don Emil Ludwig.
Emil Ludwig, der in seinem Gc-ekhewerk »Weg und Wesen des größten Dichters" tief erkannt hat, gestaltet nun in seinem soeben bei Ernst Rowohlt in Berlin erschienenen Buch „Rembrandts Schicksal" aus dem Racherleben seiner Bilder die Tragödie des größten Malers. Der erschütternde Schluß dieser das Aembrandt- Gcheimnis enträtselnden Seelenstudie fei hier wfedergegebe i. Die Schclftleitung.
Rembrandt leb! noch ein Jahr nach dem Sohne weiter. Di« Schwiegertochter ist ihm fremd, sie bringt eine nachgeborene Tochter zur Welt, sie wohnen nicht bei ihm. er sieht sie kaum, Saskias Stamm scheint für den Alten erlosch«!.
3m Traum erscheint sie ihm. Denn was man sein letztes „Famili nbild" nennt, ist nicht nach Lebenden gemalt. Da setzt er Saskia in seinem lehfen Ziegelrot neben Titus, der alt genug sch int, ihm ihr Gatte zu heißen: die drei Kinder, die sie jungt verloren, sitzen bei ihnen, mit starren Züsm, keiner sieht den andern an, morbid und Wissend heißt sie der Baßer aus einem Jenseits zu ihm herüberblicken, das er gar bald zu finden hofft. Furchtbarer Epilog eines schaffenden Schicksals, Totentanz von fünf sittsam sitzenden, kalt geschmückten Menschen, die sich von Drüben her ein Stelldichein bei ihrem greisen Erzeuger und Gatten geben, auf Geheiß des dunkel träumenden Genius.
Rur Cornelia webt noch um khn, jetzt ist sie 16 Jahr, vielleicht ist sie schön, wir wissen es nicht, er Hal sie nicht mehr gemalt. Gr schlurft nur noch durch diese äußere Welt, es scheint, er trinkt, denn sein Gesicht wird immer aufgedunsener, die Augen werden trübe. Ein oder das andere Mal, wenn er kein Geld hat, läßt er sich von den Rachbarn als Zeuge tertcenben, wo eck was zu unterschreiben gilt; man nahm Dafür von je arme Leute, damit sie den 'halben Gulden verdienten.
Einmal geht er zu seinem Schüler Fabricius, der will auf der Leinwand gerade bet Täufer enthaupten und braucht zum Henker einen wüste t rauhen Mann. Da schilt sich der Meister hin, Aermel und Hemdkragen offen, bärtig die Brust, die Art in den Händen und stpht seinem Schüler Mois'll. Wie er schmunzelt, als der junge Mann den Turban für Herodes fünft» voll windet und 'Edelsteine an bringt und ein „übernatürliches Wicks"! And tote er steht mit seiner Axt, und sieht, wie ihn der Schüler nachzuahmen sticht, verschwimmen ihm die Bilder und et denkt an den Einfluß von Schalen, an Rubens, der so feine Heimat und England und Frankreich beherrscht, noch jetzt, noch zwanzig Jahre nach dem Tode. — und er denkt, wie dieser Maler doch nur die Erde gemalt hat, doch nur das Leben, schön, begrenzt Dunkle Dinge wälzt Rembrandt der Greis, wie er Modell steht und den Henker spielt, an die Jahrhunderte denkt et, an ferne Meister fremder Künste, die ihn begreifen werden, einst, seine ungebo enen Brüder.
Aber da ist die Sitzung zu Ende, er hat seinen Gulden verdient und schleicht nach Hause. Da fällt ihm plötzlich die Mühla


