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Samstag, 9, Juni
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Arbeit (vergleichbar ettoa der entfagungsvollen Tätigkeit an einem Wörterbuch oder einer Regestensammlung) gefördert, tveil die Gewandnadel diele Jahrhunderte, ja mehr als zwei Jahrtausend«! hindurch in hohem Matze der „launischen" Mode als Spielball gedient hat. Da aber die „Mode" nur dem oberflächlichen Beschauer „launisch" erscheint, haben die Fibeln, wo ihre Entwicklung ungestört verlief, auch nach Entstehung der Grundform noch ganz gefetzmätzige Weiterbildungen „kunstgewerblicher" Art erfahren. Jede ihrer Zierformen futzt auf der vorhergehenden, formt ihr« Triebe nach dem Geschmack der betreffenden Kultur, sei es (um einmal den kleinen Gegenstand dem größeren Kunstgetriebe zu vergleichen), datz das allgemeine Stilgefühl — Len meisten unklar, nur vom „Genie" bewußt erfaßt, wie in der Regel erst der Nachwelt aufgeht — noch nach irgendeinem Ziele stetig hmstrebt (z. B. verfeinernd oder vergröbernd, naturalisierend ober die Natur fliehend, „stilisierend"), sei es, datz der nicht mehr zu überbietende Höhepunkt erreicht ist und bereits die natürliche Reaktion eingesetzt Hat, nicht selten sogleich ins Extrem fallend und zum Hohn beS alten mit dem größten Geschrei oft gerade von den kleinste!» Geistern begrüßt, wenn einer die Parole ausgegeben hat. Die „moderne" Mode freilich erscheint auf vielen Gebieten weit sprung- Hafter und uimtoiivierter als der Geschmackwandel alter Zeiten; sie ist ja auch nur zu oft die Ausgeburt einer krankhaft-abwechslungslüsternen, bis zur Narrheit überreizten Phantasie. Wenn nun bei der Gestaltung der Fibel, um zum Thema zurückzukommen, fremdes Gut benutzt und verarbeitet wurde, ist es uns als Eindringling fast stets deutlich erkennbar, und meist verrät das Lehn- gut auch auf späteren Entwicklungsstufen noch feine Herkunft; gerade damit gibt die Fibel natürlich der Forschung besonders wertvolle Winke.
So ist die Gewandnadel, zumal als Deglettsund. für die Prähistorie, ja nicht minder noch für mehr als ein halbes Jahrtausend unserer Frühgeschichte, eine der wichtigsten „Lei!formen" im wahrsten Sinne des Wortes und eine Hauptguelle für die Erkenntnis chronologischer und kultureller Tatfachen. Die Zuverlässigkeit ihrer Lehren ist schon oft erprobt; und das rechtfertigt zur Genüge das voll gerüttelt Matz an Arbeit und Mühe, das für di« Erforschung dieses an sich bescheidenen, wenngleich nicht selten als prunkendes Zierstück auch ästhetischen Reizes nicht baren Geräts aufgewandt wurde — und noch aufgewendet werden mutz, um die bisher offen gebliebenen Fragen, von denen oben nur einige angedeutet werden konnten, einer glücklichen Lösung näher zu bringen.
Rur die Kenntnis wirklich umfassenden Fundmaterials ouS allen Kulturperioden und -gebieten freilich könnte die Typenreihe der Fibeln in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung imd Zuverlässig- keit weiteren Kreisen restlos verständlich machen. Aber wie jede andere Wissenschaft kann auch die Prähistorie nicht matten ihren Teilen „popularisiert" ober gar dem öffentlichen Urteil unterworfen werden. Der Laie mutz es vertrauensvoll hinnehmen — wie so vieles auch von anderen Forschungsgebieten —, wenn ihm etwa im Oberhessischen Museum die prächtigen Hatlstattsibeln aus dem Dorderwald bei Muschenheim, oder solche aus der Früh-Latönezeit vom Trieb bei Gießen und von der Au bei Niedermockstadi, oder schließlich noch germanische, römische und fränkische als Erkemrtnis- quellen ersten Ranges vorgestellt werden.
Aber was hier am bescheidenen Beispiel der Fibel, dem Raum gemäß nur in großen Zügen, angedeutet wurde, das gttt ja mehr ober weniger für alle Reste vorgeschichtlicher Zeiten; dem Nicht»
Die Fibel.
Bon Dr. Otto Kunkel-Gießen.
(Schluß.)
Wenn man die Entstehung der Fibel sich klarzumachen eifrig versucht, so geschieht das deshalb, weil sie geradezu als Musterbeispiel uns genau erkennbar vor Augen führt, wie die Aufwärtsbewegung der menschlichen Kultur in durchaus gesetzmäßiger Bahn vonstatten geht, wie nur die geniale, zielbewußte und zweckmäßige Derknüpfung von Erfahrungen und Beobachtungen mannigfachster Art das Wesen der Erfindung ausmacht und ihren Wert bestimmt, zugleich immer wieder den Grund legend für weitere Fortschritte; man überlege z. B., daß die Federkraft fchlschihin wohl zuerst durch den Echietzbvgen erprobt wurde, die gebetZcaft des Metalldrahtes durch die „klassische" Fibel, und man frage sich, auf welche Weise sonst diese brauchbare Kraft der entwickelteren Technik, für die sie doch später so bedeutungsvoll werden sollte, gleich faßlich hätte zuwachsen können, Ueberhaupt ist es in unseren auf ihre technischen Leistungen so stolzen TagM ganz nützlich und sicher auch reizvoll, einmal darüber sich klar zu werden, wie viele Wurzeln die Errungenschaften der Neuzeit mit den Leistungen vergangener Jahrtausende verknüpfen, wie viele „epochemachende" Erfindungen feit Jahrtausenden notwendig waren, um unfere Kulturhöhe zu ermöglichen; Erfindungen, von denen nur deshalb niemand mehr redet, weil ihre Ergebnisse den modernen Menschen zur Gewohnheit geworden sind und weil iste Namen der Leute, die sie alS Bahnbrecher ersten Danges geschaffen, vvm Sturm der Zeiten längst verweht wurden; man denke nur an die Kunst der Feuererzeugung, die Töpferei, an den Schietzbogen, an Ackerbau und Viehzucht, die Metallverarbeitung und so unzähliges andere. Nur eins scheint jene alten Erfindungen, wie die primitiver Volker überhaupt, manchmal von den modernen in gewissem Sinne zu unterscheiden und ihnen einen etwas anderen Charakter zu geben; auf allen jene« Gebieten nämlich, too der einzelne, je nach Bedarf, wenngleich bloß behelfsmäßig, selbst noch handwerklich tätig sein konnte, dürste die Allgemeinheit in ihrem ganzen Umfang weit mehr als bei einer entwickelteren, Handwerk und Technik hoch spezialisierenden Kultur vorbereitend, ja mitarbeitend, d. h. wenigstens Hvischenformen schaffend, und ausbildend an den Erfindungen beteiligt gewesen sein. Man könnte sich versucht fühlen, di« Dirlammer „Borfibel" als eine Zwischenform dieser Art zu bezeichnen; denn ein wirklicher Fachmann und echter „Erfinder^ hätte doch wohl das damit angeschnittene Problem gleich in vollkommenerer Weise gelöst. Solche Erörterungen führen uns aber hier zu weit vom Thema ab; es waren eben nur einige Fragen, die bei der Erforschung des Werdens der Fibel sich aufdrängen, als Beispiele anzudeuten.
Wenn man nun ferner mit besonderem Fleiß nach dem Ur» sprungsgebiet der Fibel forscht und nach den Wegen ihrer Verbreitung, dann will man auf diese Weise ein weiteres Hilfsmittel gewinnen, um die Bahnen der bro-nzezeitlichen Kullur überhaupt zu erschließen. Es handelt sich dabei um die Klärung der Frage, inwieweit die nordisch-germanische Kultur des zweiten vorchrist- lichen Jahrtausends in selbstänlstger Entwicklung zur Blüte sich entfaltet hat, inwieweit sie vom Süden befruchtet wurde, ober gar auch umgekehrt den „klassischen" Ländern Anregungen geboten hat.
Die Sammlung und Ordnung aller Fibeltvpen endlich, ihre Eintragung in Fundkarten und -tabellen nach kulturellen und chronologischen Gesichtspunkten wird unverdrossen tn mühevoller
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