1923
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Samstag, 7. Iutt
Vus der Geschichte von Lich.
Dortvag. gehalten bei dem Ausflug des Oberhefftschen GeschichtS- Vereins nach Lich am 3. Juni 1923.
Don Prof. Dr. Ä. Ebe l.
Die kleinen Städtchen am Rande und inmitten der Wetterau find für uns vielfach Erinnerungen an die Zeit der deutschen Kleinstaaterei: Friedberg, Afsenheim. Büdingen, Ortenberg, Yau- bach, Hungen, Lich: soviel Ramen, soviel Territorien, deren Geschichte zwar meist innig verflochten ist, die aber doch bezeichnend sind für die Sukzessionspolitik der Territvrialherren und die damit verbundene Zersplitterung ursprünglich geeinten Besitzes. In dem Gedanken, kernen der Söhne ganz von der Erbfolge auszuschliehen und auch den jüngeren selbständige Herrschaften zu hinterlassen, lag eine der Ursachen siir dir Buntscheckigkeit der deutschen Landkarte vor dem Reichsdeputationshauptschluß. der Rheinbundsakte und dem Wiener Kongreh. Zu welchen Zuständen das schließlich geführt hat, ist bekannt. Wer die neuerdings veröffentlichten Leb en ser in nerungen des Frhrn. Du Thil gelesen hat, weih, wie es damals, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, in der Wetterau aussah.
Auf der anderen Seite aber dar? nicht verkannt werden, dah in dieser Dezentralisation ein kulturförderndes Moment zu erblicken ist. An diese kleinen Höfe wurden Gelehrte und Künstler gezogen, die für sie arbeiteten. Bauten entstanden und gaben Handwerkern und'Arbeitern Verdienst, wie überhaupt durch die Hofhaltung ein «ewisser Wohlstand in die kleinen Residenzen gebracht wurde. Es t nicht durchweg richtig, daß dafür das Lund bedrückt und aus- gesogen wurde. Es hat viele gute Hausväter unter den kleinen Fürsten gegeben, die mit ihren geringen Mitteln auszukvmmen gewicht und für ihr Land redlich gesorgt haben.
Sn die ehemalige Hauptstadt eines solchen kleinen Landes hat heute der Weg unseren Oberhesfischen Gefchichtsverein geführt.
Was wir hier Schönes und Wertvolles gefunden haben, wer- den Sie alle gewiß in dankbarer Erinnerung bewahren. Damit Sie es aber in einen rechten Zusammenhang stellen können, wollen wir jetzt nochmals einen Gang unternehmen, der uns in schnellen Schritten durch die Geschichte dieser Stadt führen soll.
Das Territorium, das ehedem von L i ch aus regiert wurde, gehörte einer der Hauptlinien des gräflichen und fürstlichen Hauses Solms an. das einen grobem Teil der Wetterau aus der ehemaligen münzenbergischen Erbschaft an sich gebracht hatte. Wie das geschehen war, werden wir bald sehen.
Zu den ältesten Orten dieses Gebietes gehört Lich, dessen Äame uns in Lorscher und Fuldaer Schenkungsregistern aus den Jahren 788—812 in den Formen Lichom, Leoche, Liochen, Lichene überliefert ist. Weigand, der bekannte Gießener Germanist und Wort- forscher, hat ihn aus livh — Buschwald erklärt. Die gleichen Quellen bestimmen die Lage des Ortes im Gau Wettereiba, der Wetterau.
Bon seiner ältesten Geschichte ist sehr wenig bekannt. Aus späteren Verhältnissen wissen wir, dab er zu ben Besitzungen der Dynasten von Arnsburg—Hagen gehört hat, worauf auch der Aame der nahegelegenen ehemaligen Burg Warnsberg zurück- zuführen ist. Das aus der Dreieich stammende Geschlecht, der Hagen, das durch Heirat die Arnsburgischen Besitzungen geerbt hat, weist den Beinamen Warv auf: Eberhard War» kommt öfter vor.
In derselben Zeit, im 10. und 11. Jahrhundert, ja schon viel früher, war Lich der Hauptvrt einer Mark, die außer Lich die jetzt ausgegangenen Dörfer Mengeshausen, Dodenscheid, Westwich. Riederalbach und Schurfheim umfaßte. Auch das Gebiet des Hofes Kolnhausen und das eines ausgegangenen Dorfes Sahsen hat in diese Mark gehört, wohl auch das im östlichen Teil der Licher Gemarkung gelegene ausgegangene Dorf Hausen.
Die Urkunde von 1239, die uns über die Markverhältnisse unterrichtet, zeigt uns in ihrem Aussteller als erste den Herrn des Ortes: 5tuno III. von Münzenberg. Mit Kuno und seinem jüngeren Stiefbruder Lllrich II. starb das münzenbergische Haus im Mannesstamm aus, und die Erbschaft ging an die fünf verheirateten unter ihren sechs Schwestern über. Lich kam mit dem größeren Teil der Erbschaft an das Haus Falkenstein und fiel bet der Teilung, die dieBiüder Philipp II. und Werner I. v. Falkenstetn im Jahre 1271 vornahmen, an Werner. Rannte sich dieser Werner 1283 „oberster Richter und Herr des Dorfes", so erwarb er doch erst 12 Jahre später, kurz vor seinem Tode, von den Herren von Bellersheim die Dogtei über die Güter, die das Kloster Wetter in Lich besaß, und zugleich das'Vorkaufsrecht an diesen Besitzungen. Das Stift Wetter besaß in Lich den sogen. Selhof, eine Tatsache, die man benutzt hat, um das Vorhandensein einer Schottenkirche in dem Licher Marktvald glaubhafter zu machen. Ich komme später darauf zurück. Die Vogtei war ein stiftisches Lehen. Wenn Werner die Güter erwarb, hatte das Lehensverhältnis ein Ende, und das scheint bald der Fall gewesen zu fein, denn man hört seitdem nichts mehr davon.
Werner war es auch, der das Dorf zur Stadt machte, er nennt es 1290 oppidum nostrum, „unsere Stadt", und sein Sohn erhielt die kaiserliche Bestätigung am 10. März 1300. Dieser Sohn war Philipp HL, der nach des Vaters Tode durch die übliche Teilung in den Besitz der Herrschaft gelangt und so der Begründer einer Licher Linie seines Hauses geworden war. In dem ältesten, undatierten und namenlosen Grabdenkmal in der Stadtkirche erblicke ich das seinige. Philipp hat viel für die junge Stadt getan. Er errichtete 1316 bei der Pfarrkirche ein Kollegiatstift, das für die kirchlichen Verhältnisse des Amtes Lich in der Folge von besonderer Bedeutung wurde und dem Städtchen selbst regeres Leben brachte. Alle Verhältnisse hoben sich. 3m Jahre 1320 wurde die Marien- stiftskirche geweiht, im Schloß wohnte die Herrschaft, Durgmannen- familien wurden in der Stadt angesiedelt, und ihre Häuser verliehen den Gassen ein vornehmes Aussehen. Auf dem Markt stand der Hof des nahen Zisterzienserklosters Arnsburg neben dem zugleich als Herberge dienenden Kaufhaus, einer Markthalle, in bet einheimische und auswärtige Gewerbetreibende ihre Waren feilboten. Sn der Bürgerschaft gewann das Handwerk Einfluß und Ansehen: es erscheint häufig iwden Zeugenreihen der Urkunden und saß im Rate der Schöffen. Richt zuletzt entstanden starke "Beseitigungen, die den Ort zu einem Hauptstühpunkt falkensteinischer Macht in den heftigen Fehden der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts gestalteten.
Philipps III. Enkel, der wilde Philipp VI., von dem die Chroniken viel zu berichten wissen, hielt mit seinen Händeln dieWetterau jahrzehntelang in Unruhe, und mehr als einmal wurde Lich davon empfindlich betroffen. Wegen einer Schuld von 4000 Mk. Silber wurde es Philipps Detter und Gegner, Ulrich III. von Hanau, im Jahre 1363 verpfändet. Als aber Ulrich mit feinen Verbündeten gegen Philipp, der den Landfrieden gebrochen hatte, die Reichs- fehds führte, besetzte Philipp Sich, und Ulrich mußte ihm 1SS8>


